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Dienstag, 29. Oktober 2019

Morgen

Nach intensiven, langen, prägenden, fordernden sechseinhalb Monaten geht der stationäre Aufenthalt der Tochter morgen zu Ende. Unsere WG wird für ein paar Wochen wieder um eine Farbe erweitert und bereichert, wir werden uns wieder neu zusammen raufen, die Rollen etwas verschieben, die Rhythmen anpassen, Vorlieben integrieren, – wie das eben so ist.
Erleichtert bin ich, ja, zuversichtlich auch, aber ich würde lügen, wenn ich eine gewisse Spannung negieren würde.
Die Bilder sind auf unserem gemeinsamen "Abschiedsspaziergang" letzte Woche entstanden. Viele Wege sind wir gegangen in diesen Monaten, und viele Cafés haben wir kennen gelernt.
Nächster Schritt...

Sonntag, 27. Oktober 2019

...

Gestern habe ich erstmals eine Stiefmütterchen auf Mirjams Grab gepflanzt. Dachte ich – und lernte dann den Unterschied zum Hornveilchen kennen. Ob es tatsächlich winterhart ist, wird sich zeigen, wenn der Winter hart ist.
Heute morgen leuchtete es taufrisch in der Herbstsonne.


Freitag, 25. Oktober 2019

Spiralen

"Frau Wind, ich habe etwas gemerkt!"
Die SchülerInnen wissen, dass mich ihre Entdeckungen immer interessieren, und daher höre ich diesen Satz in vielen Formen ziemlich häufig.
"Der Frühling ist immer rechts oben und der Herbst links unten. Es geht immer ringsherum, und das, was im Frühling herauskommt und neu wird, ist dann im Herbst alt und fällt wieder runter. Die beiden stehen sich gegenüber. Es ist immer gleich. Aber jeder Frühling ist dann doch wieder neu."
Wie ich es liebe, Zeugin dieser Bilder- und Entdeckungsreisen sein zu dürfen, dem Ringen nach Worten folgen zu können, das Funkeln in den Augen zu sehen, wenn ich das Staunen mit ihnen teile.

Ja, du kleine Denkerin, mir geht es ähnlich. Wir drehen uns im Kreis und doch ist der Wandel ein stetiger. Wieder ist es Herbst, und doch sind es nicht dieselben Früchte, die wir ernten. Wieder klopfen altvertraute Ängste an die Türe, und doch öffne ich sie nach diesem Sommer anders als noch vor einem Jahr. Ich verdränge die unbequemen Gäste nicht mehr hinter dunkle Tücher, sondern schaue ihnen manchmal ins Gesicht. Das kleine Windmädchen in mir lernt sich zu entspannen. Heilung scheint spiralförmig zu verlaufen. Und Ängste erzählen ihre Geschichten erst, wenn ich ihnen zuhöre. 
"Frau Wind, ich habe etwas gemerkt."

Mittwoch, 16. Oktober 2019

"massiv"

Es hat irgendwie etwas Beruhigendes, wenn der Arzt deiner wochenlangen Schlappheit einen Namen und Messwerte zuteilen kann und du deinen inneren Schweinehund dafür nicht mehr zu bemühen brauchst. 
((Das ist nun wohl die Verlagerung nach innen, weil ich den Prozessen durch das Cortison im Äusseren keine Chance mehr gebe.))
Nächstes Mal gehe ich sofort auf die Notfallstation, wenn der Telefonbeantwortet mir zwei Wochen Praxisferien ankündigt, das musste ich versprechen. Und ich muss lernen, meinem Körper und seinen Signalen zu vertrauen und nicht zuerst ein Arsenal von Selbstvorwürfen und -verurteilungen zu mobilisieren.
Keine Sorge. Kommt schon wieder. Ist wohl meine Art zu lernen.

Sonntag, 13. Oktober 2019

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Und ich hatte gedacht, in den Ferien würde ich wieder täglich schreiben, würde mich diese Blockade verlassen, würde wieder etwas Fliessendes spürbar und wirkungsvoll. 
Statt dessen – ich weiss nicht. Die ganzen Sätze, Zweifel und Befürchtungen, welche ich monatlang angehört und relativiert habe, denen ich mit Trost und Mut begegnet bin, sind jetzt im Aussen verstummt. Doch sie klingen einfach weiter, als wäre ich Wachs und da hinein hätten sie sich geschrieben, geprägt. 
Wahrscheinlich brauche ich nun selber halt einfach auch die Geduld, welche ich immer gepredigt hatte, brauche auch Zeit, um mich tief in mir wieder zu entspannen. Wahrscheinlich reichen dafür Ferien nicht aus, schon gar nicht welche, die ich zum grössten Teil in der Schule verbracht habe. 

Immerhin: Es gab ein paar Stunden, die ganz und gar mit dem Holz des Waldes verbunden waren. Ob es möglich sein wird, ab morgen wieder Feuer der Begeisterung zu entfachen? Ich flehe darum.
Diese beiden Ster bleiben noch im Wald, bis dafür Platz frei wird unter dem Dach.
Angeheizt am 5.10.

Mittwoch, 2. Oktober 2019

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Am Sonntag ist er nun ausgezogen, aufgebrochen nach Berlin, mein mittlerer Sohn. Wir haben uns an der Tram verabschiedet, er wollte es so. Das war schon sehr speziell. Hier, wo wir ein Leben lang ein- und ausgestiegen, losgefahren oder heimgekommen sind, hier schloss sich die Farzeugtüre zwischen uns und er fuhr los in einen neuen Lebensabschnitt.

Am ersten Tag in seiner temporären Wahlheimat ist ihm sein Fahrrad gestohlen worden. Mehr weiss ich noch nicht.