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Sonntag, 29. April 2018
Samstag, 28. April 2018
Antwort
Sanfter und liebevoller könnte ich heute wohl nicht geweckt werden als durch das Rauschen und Tropfen über meinem Kopf, als durch diesen Frühlingsmorgenregen, den ich seit Tagen herbeisehne. Es ist noch früh, die Vögel jubilieren wohl ein Trinklied. Ich bleibe lange lauschend liegen, noch zielmlich müde und zufrieden.
Irgendwann stehe ich auf, füttere die Katzen und verlasse das schlafende Haus Richtung nächste Bank, von der aus ich über das Tal blicken kann. Sie ist jedoch so nass, dass ich statt mich zu setzen an ihr vorbei gehe, weiter, immer weiter. Ich betrete einen Pfad, der in das Hellgrün des Waldes hineinführt, folge ihm bergaufwärts. Weiter oben knackts es. Eine Gruppe von drei Rehen scheint mich gesehen oder gewittert zu haben und springt plötzlich laut rufend in grossen Sprüngen davon. Wie lange mag es her sein, dass ich zum letzten mal einem Reh begegnet bin? Der kaum erkennbare Weg führt der Landesgrenze entlang. Ich wechsle bestimmt 30 Mal das Land, immer aufmerksam auf den nächsten Schritt achtend auf der Suche nach einer rutschfesten Unterlage und einer gut verwurzelten Pflanze in Griffnähe. Es geht steil aufwärts. Meine Konzentration ist ganz und gar beim Gehen und alle Gedanken, welche mich sonst im Wald begleiten, sind weg, wohltuend weit weg. Das realisiere ich jedoch erst, als sie kurz unter dem Scheitelpunkt des "Berges" auf dem vertrauten Weg auf mich warten.
Der breite, sonst steinige Waldweg ist über lange Strecken braun von den heruntergefallenen Knospenhüllen der Buchen. Weich wie ein Teppich fühlt er sich unter den Füssen an und lässt sich geräuschlos beschreiten. Die Stille des Waldes wird dadurch noch grösser, noch berührender. Wunschlos glücklich? fragt die Beobachterin, weil Wünsche ja mit diesem Tag irgendwie verbandelt sind. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ich nicht alleine wäre. Wenn da soviel Vertrauen und Weite zwischen uns wäre, dass wir schweigend verbunden dieses Staunen teilen könnten, wenn keine Erklärung und Rechtfertigung und Analyse und Geschichte sich vordrängeln würde, wortreich die Stille verdrängen würde. Es fühlt sich hell und warm an.
Der kleinen Kobold krallt sich an meiner rechten Schulter fest: "Typisch, wie egoistisch du wieder bist. Denkst nur an dich und willst dann doch jemanden dabei haben. Wie willst du Freunde haben, wenn du sie fliehst, wenn du Schweigen dem Austausch vorziehst? Freundschaft heisst Bereitschaft, sich auf den andern einzulassen, nicht Erwartungen an ihn zu stellen..." Wie gut ich die krächzende Flüsterstimme kenne, wie vertraut sie mir ist. Ich versuche, den ungerufenen Begleiter abzuschütteln, ihm nicht zuzuhören, mich wieder dem Gehen, der Wärme zuzuwenden.
Als ich nach Hause komme, haben die "Kinder" das Frühstück vorbereitet. Es berührt mich, sie singen zu hören, in ihre blauen und braunen Augen zu blicken und zu verstehen, dass ich keine Angst zu haben brauche. Und als es an der Türe klingelt und eine Freundin mit Blumen davor steht, weiss ich, dass ich keine Rolle spielen muss.
Dass das Leben antwortet, immer wieder, so sanft, so heilsam, dafür bin ich heute dankbar, und es ist eine tiefe Dankbarkeit, die nichts mit Pflicht und Erwartung zu tu hat. Sie ist einfach Ja, ohne Wenn und Aber.
PS: und jetzt, am späten Abend, das erste Gewitter! 😃
PS: und jetzt, am späten Abend, das erste Gewitter! 😃
Freitag, 27. April 2018
Rollenangst
Es kann niemals sein, dass ich irgendein Gefühl als Einzige fühle. Ich glaube nicht, dass mir irgend etwas widerfährt, was nicht unendlich viele Menschen, Frauen, Generationen ebenso gefühlt hätten. Und trotzdem fühle ich mich mit dieser doofen Angst heute total allein. Ich kenne keinen und keine, welche mir je davon erzählt hat, dass es ihr auch so geht. Ich kenne keinen Menschen, dem ich davon erzählen könnte und realisiere nur am Rande, dass ich es tue, wenn ich hier schreibe. Ich habe Angst vor morgen, davor, im Mittelpunkt stehen zu müssen, obwohl ich es nicht will. Davor, dass andere meinetwegen ihre Pläne anpassen und meinen, freundlich sein zu müssen, davor, dass ich nicht so freudig und dankbar sein könnte, wie es sich gehört, davor, Erwartungen nicht zu erfüllen, Spielverderberin sein zu können. Ich weine vor Angst, habe Herzrasen vor Angst. Wenn ich mich bloss verstehen könnte. Oder verkriechen. Oder beides. Ich habe Angst vor der Rolle als Geburtstagskind. Ich will sie nicht. Warum muss man die wollen?
Mittwoch, 25. April 2018
...
Ein seltsamer Tag. Einer, der mir wohl zeigen möchte, was es heisst, durch den Wind zu sein. Alles ist so unwirklich, unwichtig, seltsam beleuchtet, fremd. Und ein merkwürdig warmer Wind trocknet alles aus, innen, aussen, wirbelt Blütenblätter durch die Luft, bläst Blütenstaubwolken vor sich her und zerzaust mein selbstgestricktes Gedankenstübchen.
Ich wehre mich nicht.
Vielleicht träume ich ja bloss.
Ich wehre mich nicht.
Vielleicht träume ich ja bloss.
Dienstag, 24. April 2018
Geburt
Einer meiner Schüler ist am Samstag zum zweiten Mal grosser Bruder geworden. Heute hat er erzählt, wie die Mama Bauchschmerzen gekriegt hat, wie er dann zu seinem Freund gegangen ist und der Vater sie am Morgen abgeholt hat und sie zusammen ins Spital gefahren sind. Vom winzig kleinen Bruder hat er erzählt, und wie fein der duftet, und dass er heute mit der Mama nach hause kommt. Er hat gestrahlt wie nie und die Klasse sass gebann da und lauschte. Für einmal streckte keines der Kinder auf um zu erzählen, wie es bei ihm war damals. (Nur das Mädchen neben mir flüsterte mir zu: Ich habe das zweimal erlebt, aber ich habe jetzt nur einen Bruder. Der Klasse wollte sie das nicht erzählen. Dass wir diese Erfahrung teilen, ist eine ganz besondere Verbindung zwischen uns. Die Mutter erzählte mir mal, wie glücklich ihre Tochter sei, dass ich auch immer ein Kind in meinem Herzen trage so wie sie.)
Ich fragte nach und realisierte erstaunt, dass kein einziges der übrigen 15 Kinder jemals bewusst ein Baby erlebt hat in seinem Leben. Entweder haben sie keine Geschwister oder sind selber die jüngeren oder aber sie waren noch Kleinkinder, als ihr Schwesterchen oder Brüderchen zur Welt kam.
Dafür hat eine Schülerin mir einen Gänsehautmoment der besonderen Art geschenkt. Es ist nicht angemessen, diesen hier im Detail zu schildern. Nur soviel: Sie hat uns erzählt, wie sie selber ihre Geburt, einen Kaiserschnitt, erlebt hat. Das war eine Innenschau, die nicht von Erzählungen stammen kann, so bildhaft und erschütternd. Unglaublich.
Montag, 23. April 2018
unerwartet
Es könnte sein, dass es das überraschendste und erfreulichste "un..." meiner letzten Jahre war, welches heute zum Unterschreiben in meinem Fach lag, dieses "unbefristet" auf dem Vertragsentwurf für das neue Schuljahr.
Sonntag, 22. April 2018
Zeiten
Es kommt mir ein wenig vor wie ein Film, welcher im Zeitraffer abgespielt wird, wie sich der Frühling hier entwickelt. Der intensivste Monat wird durch die Sommerhitze auf eine Woche zusammengedrängt. Schade irgendwie, aber nicht zu ändern.
Gestern früh aus der Tram, zur gleichen Zeit, mit demselben Ziel, fast am gleichen Ort, aber genau vier Wochen später als damals habe ich diesen Blick erwischt.
Und heute Nachmittag auf der Heimfahrt hat es gar der Baum ins Bild geschafft. Heute ist es fast 30° wärmer als an jenem Samstagmorgen Ende März.
Eingeschlafen bin ich diesmal nicht während des Kurses. Das Thema hat mich mit Adrenalin gefüllt bis zur letzten Minute. Die Dozentin beeindruckt mich von Monat zu Monat mehr. Sie ist unglaublich belesen, und sie scheint in die Literatur förmlich mit dem Herzen einzutauchen, weiss ihre Ausführungen mit Zitaten und Geschichten zu färben, dass mich regelmässig schaudert. Da bist du in einem Denkprozess drin, tastest dich verstehend an ein Gesamtbild heran, Fragen führen zu spannenden Neubeleuchtungen, du ergreifst immer klarer die Sachlage, und in dem Moment legt sie mit einem solchen Zitat das Leben hinein, haucht der Materie quasi wortgeformten Geist ein, sodass sich das Verstandene mit deinem Fühlen, mit deinem Wesen verbindet.
Kann man das nachvollziehen? Es ist ein etwas hilfloser Versuch, mich vor der Kunst des Lehrens zu verneigen.
Zwar passt der nachfolgende Satz nicht eben in diese Frühlingstage mit ihren Erfahrungen, aber im Kontext, in dem es um die Lebenskräfte ging, welche uns in schwierigsten Situationen am Leben erhalten, entfaltete er in mir ein helles Staunen.
„Mitten im Winter habe ich erfahren,
dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt“
(Albert Camus)
Freitag, 20. April 2018
Wochenendübung
Auch solche Tage gibt es, an denen ich enttäuscht von mir selber nach hause komme. Und wenn dann die Tochter, als ich ihr vom Grund für meine beschränkte Geduld und das strapazierte Verständnis erzähle, erwidert, so würde es bei ihnen in der 12. Klasse immer noch zu und her gehen, und solche Situationen kenne doch jeder, da bin ich dann endgültig gefordert, zuerst einmal mit mir selber geduldig zu sein.
Donnerstag, 19. April 2018
Mittwoch, 18. April 2018
ja du bist's
Wie betrunken staune, fahre, gehe, lausche, rieche, atme ich durch diese Schönheit, durch diese überquellende Grosszügigkeit und Kraft, erkenne das Licht gespiegelt in den Gesichtern der Menschen, die mir entgegenkommen, höre die Frühlingsbotschaft in den Stimmen der Kinder, schliesse die Augen und fühle meine Lebendigkeit. Entschuldigt die verpixelten Bilder meines Handys. Manchmal muss ich abdrücken, halte ich es fast nicht aus, alleine zu sein mit diesen Blicken und meine, wenn ich sie festhalte, liessen sie sich teilen.
Heute ist gestern ist hier ist dort.
Was gestern unscheinbar im Hintergrund verschwand,
stand heute mächtig gross vor mir.
Und wo ich gestern dem Waldrand entlang träumte,
blickte ich heute früh aus der rasenden Tram hinauf.
Doch auch in der Stadt begegnen sich junges Grün und ziehendes Türkis in unendlich berührendem Dialog und fügen dem Frühlingsglücklied eine weitere Strophe hinzu. Mein Herz schlägt dazu den Takt und singt still jauchzend: danke!
Dienstag, 17. April 2018
💙
Das war ein Tag heute so unbeschreiblich hell, intensiv, duftend, singend, einer, wie er nicht passender sein könnte für den Geburtstag von einem Himmelskind. Einer, der nicht besser benannt werden könnte als mit ihrem Namen, wie er sich in meinem Herzen eingeschrieben hat.
Montag, 16. April 2018
Sonntag, 15. April 2018
Relativitätsempfinden
Die Schlucht mit ihren ausgewaschenen Höhlen ist beeindruckend. Der vertraute Himmel ist weit weg, zusammengedrängt auf einen schmalen Streifen zwischen den Kronen der Bäume, die sich hoch oben auf den Schluchtflanken verwurzelt haben. Die grösste Kuppel ist rauchgeschwärzt und trägt Kohlezeichnungen
früherer Besucher: Einen Totenkopf, Knochen, Herzen, ein Datum von 2014,
unvorstellbar für eine Siebenjährige, wie die da hinauf gekommen sein
könnten. Sie steht und schaut sich um, spürt wohl ihre Winzigkeit neben
diesen Felsen. "Boah," seuftz sie staunend "man kann sich richtig vorstellen, dass hier einmal Dinosaurier gelebt haben."
Samstag, 14. April 2018
Freitagabend-Feierabend
"Duftend" wie eine wandelnde Rauchwurst komme ich am Abend nach hause. Die Dusche ist besetzt. Der eine Sohn ist am Packen. Mit der Zahbürste im Mund (er nennt das Zähne putzen) sucht er in Eile zusammen, was noch fehlt. Ich befreie mich von meinen Schuhen und dem verrauchten Rucksack und entsorge eingesammelten Abfall. "Tschühüss! Ich komme dann am Sonntagabend irgendwann wieder!" ruft er davon eilend. Der frisch Geduschte steht nun vor dem Spiegel, probiert verschiedene Farben und skizziert nebenbei seine Pläne für die nächsten 48 Stunden. "Vielleicht komme ich morgen Nachmittag kurz zurück, sonst bis Sonntagmorgen!" Blau-weiss-gelb eilt auch er davon, seine Musik oben im Zimmer verstummt wie immer, wenn er etwa 50 Meter vom Haus entfernt ist.
Ich bleibe zurück im plötzlich sehr stillen Haus. Nur in meinem Bauch knurrt es hungrig. An solchen Tagen vergesse ich meist selber zu essen. Unentschlossen stehe ich in der Küche, als eine Nachricht klingelt. Ein Lebenszeichen aus Hamburg, endlich: kommen morgen abend zurück
Und eines der grossen Tochter liegt auch im Postfach: Ich esse bei N, wird wohl spät. Ich brate ein paar Kartoffeln, löse das Sudoku in der Gratiszeitung, hänge die nasse Wäsche nicht auf, spüre den Tag mit Wind und Wandern und Sonne im ganzen Körper, müde zum Umfallen. Doch schlafen gehen, bevor die Jüngste da ist, geht nicht. Da steht noch eine Entscheidung an, die heute gefällt werden muss. Ich setze mich vor den Bildschirm, schaue einen Film. Ihre Nachricht kommt um 21 Uhr. "Bin noch in der Stadt, hat länger gedauert, Tram abgefahren. Komme um 22 Uhr." Weinend kommt, sie, erschöpft, verzweifelt. Ein Ja komme ihr vor wie ein Urteil. Ein Nein würde sie ewig bereuen. Sie sitzt vor dem Teller, stochert hier ein bisschen und dort. Ich versuche auszuhalten, zu verstehen, ihr Mut zu machen, zu ihrem Empfinden zu stehen. Die Wanderung durch die Schlucht mit den 60 Erstklasskindern war ein Tanz dagegen. Kurz vor 23 Uhr ruft sie noch einmal eine Freundin an, ich schreibe der Leiterin eine Mail und erkläre ihr, warum eine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ist. Unterdessen ist die Grosse gekommen, muss dringend noch etwas ausdrucken, bittet um Zugang zu meinem Computer, weil sie ihr Ladekabel in der Studien-WG vergessen hat.
Ich glaube, als ich kurz vor Mitternacht ins Bett sinke, schlafe ich ein, bevor ich mich richtig zugedeckt habe.
Donnerstag, 12. April 2018
zwölfter vierter
"Willkommen in unserem Team!" – sagte mir die freundliche Stimme am Telefon heute vor einem Jahr. Es ist seither kein Tag vergangen, an dem ich nicht die Dankbarkeit gespürt hätte für dieses Geschenk des Willkommenseins, des Vertrauens, der Zu-Mutung. Die Freude darüber, in einem Team zu arbeiten, welches lachen kann, in welchem gegenseitige Wertschätzung gelebt wird, in welchem Zusatzaufgaben als Herausforderungen und Chance genutzt werden, die ist ungetrübt. Ich sass heute im stillen Schulzimmer im Hängestuhl, liess mich leise hin und her schaukeln und fühlte mich ähnlich wie als Kind an meinem Geburtstag: ziemlich glücklich und mit einer unbeschreibbaren Ahnung von der Kraft, die in der zarten Zerbrechlichkeit des Augenblickes liegt. Danke, Leben.
Dienstag, 10. April 2018
Montag, 9. April 2018
begonnen!
Dass ich es aber auch immer wieder vergesse, verliere aus der Vertrauenstiefe: Dass ich ja nicht alleine bin, sondern all diese Kinder in ihrer Einzigartigkeit dazu gehören zu diesem Abenteuer, dass ich nicht machen muss, sondern leben darf, empfangen und geben aus dem Lebendigsein heraus. Wie kann ich es bloss vergessen hinter den grauen Lehrplanordnern und Lehrmittelkommentaren, Ferienzeit um Ferienzeit?
Sonntag, 8. April 2018
Vorabend
... und dann immer wieder diese Last, dieser Druck, diese Unsicherheit vor dem ersten Schultag nach den Ferien. Ich habe KollegInnen, welche seit Jahrzehnten unterrichten und immer noch mit diesem Gefühl leben. Tauge ich wirklich? Werde ich diesen Kindern gerecht? Und den Eltern? Lernen sie genug für die Schule und trotzdem lichtvoll genug für ihr Leben? Ausserdem gilt es, Themen, die jetzt in den vergangenen zwei Wochen Raum bekommen haben, wieder zurück zu drängen, unfertig mit Wühlpotenzial. Möge nicht die Haut wieder übernehmen, was mir nicht gelingt. Und mögen meine Schülerinnen und Schüler glückliche Kinder sein dürfen und sich wahrgenommen fühlen.
Phuu...
Freitag, 6. April 2018
...
Als ich heute vor zwei Jahren zu verstehen begann, was ich längst wusste, als Gestalt bekam, was seit langem im Raum stand, als das Leben mich zu seiner nächsten Lektion begrüsste, da ahnte ich nicht, dass ich zwei Jahre später erst eines gelernt haben würde: Zeit und Raum sind Hilfsgrössen, mit denen wir zu definieren versuchen, was unsere begrenzte Vorstellungskraft fassen kann. Darüber hinaus spricht die Stille die deutlichste Sprache.
Der Stille voraus geht oft das Verstummen, und dieses kann schmerzhaft sein.
Donnerstag, 5. April 2018
Lichtblicke und Schattenwürfe
Die zweite Maschine Pariswäsche läuft
Heute war ein Mensch total freundlich zu mir und ich bin verunsichert, weil ich nicht weiss warum.
Was mir wiederum zu denken gibt.
Das Aprilwetter zeigt sich von seinen vielfältigsten Seiten.
Das neue Schulzimmer ist bereit, jetzt sollte ich es auch noch werden.
Der Schlehdorn beginnt zu blühen.
Die Staren sind offenbar zurück.
Ich habe noch keine einzige Biene gesehen.
Tränen brauchen keinen Grund, um zu fliessen.
Die Amsel könnte aber einer sein.
Mittwoch, 4. April 2018
Erfahrung
Tramfahrten lassen sich für so manches nutzen. Das Schönste ist es, wenn Wetter- und Lichtstimmungen zumindest auf dem ersten resp. letzten Streckenabschnitt alles andere vergessen lassen, und das ist gar nicht so selten der Fall. Unvorhersehbar aber bereichernd sind Begegnungen und Gespräche. Sehr oft nutze ich die Zeit jedoch auch, um den Teil vom Schreibtisch, der im Handy steckt, aufzuräumen, Bilder aussortieren zum Beispiel. Das habe ich gestern getan und habe dabei etwas gefunden, was ich auf jener Morgenfahrt überhaupt nicht bemerkt hatte. Es war die Reise zum Ausbildungstag, von dem ich am Abend mit den unvollständigen Notizen nach hause gekommen bin. Ein zauberhafter Frühfrühlingsmorgen war es, eiskalt noch, aber verheissungsvoll hell. Kurz vor der Kurve, nach welcher ich die aufgehende Sonne würde sehen können, machte ich mich am Fenster für eine Aufnahme bereit.
Dienstag, 3. April 2018
Streik
Ich werde das Gefühl nicht los, dass 18-Jährige es ziemlich spannend (ok, dafür gibt es bestimmt ein passenderes Wort) finden, ihre Osterferien in Paris verlängern zu dürfen, ohne darüber diskutieren zu müssen. Hauptsache, sie können ihren Rucksack vor Samstag früh neu mit Frischwäsche befüllen, bevor es auf Klassenfahrt nach Hamburg geht, und das werden sie bestimmt irgendwie hinbekommen.
PS: Nein, nein, sie hat sich nicht gemeldet. Man kann ja alles den Medien entnehmen. Was ja auch stimmt.
Montag, 2. April 2018
neue Wege
Es geschieht nicht oft. Nur noch wenige haben den Mut, in meinen scheinbar ständig überfrachteten Alltag einzubrechen und mit einem allfälligen Nein umzugehen. Sie rief heute an: "Ganz spontan, ich gehe sowieso, habe die Schuhe bereits angezogen, kommst du mit?" Seit elf Jahren wohnen wir nun im selben Dorf, haben viel gemeimsam durchlebt, geteilt, gehütet, uns stundenlang ausgetauscht zwischen Einkaufsregalen, an nächtlich beleuchteten Strassenecken, auf den Treppenstufen vor ihrem Haus, auf dem Friedhof, beim Briefkasten, an Festen..., aber gemeimsame Wege sind wir noch selten gegangen. Belustigt stellten wir fest, dass wir völlig andere "Reviere" haben, ihre vertrauten Wege die meinen nicht einmal berühren. Ich folgte heute den ihren und fühlte mich bald wie in einer fernen, fremden Gegend, staunend, überrascht. Die kleine Waldinsel, in die sie mich führte, empfing uns wie ein spannendes Bilderbuch. Die Winterstürme hatten hier ganze Arbeit geleistet, und die Maschinen der aufräumenden Bauern haben tiefe Spuren hinterlassen. Wir kletterten mehr als dass wir gingen, Wege waren nicht zu erkennen, wohl aber neues Leben neben erstorbenem, Schriftzeichen der Vergänglichkeit,
erstaunliche Wurzelgeschichten wie diese: Der Baum scheint über das kleine Fliessgewässer gewachsen zu sein. Eine Röhre ist nicht zu erkennen, nur geheimnisvolle Dunkelheit und kein Woher des Wassers.
Wenige Schritte daneben dieser Blick: Von meinem Standort bis zu der Böschung im Hintergrund könne man zweimal die Landesgrenze überqueren, erfuhr ich. Den Spuren im aufgeweichten Boden nach zu schliessen, tun es Wildschweine regelmässig und in beide Richtungen!
...
Hier war ich bestimmt nicht zum letzten Mal. (Auch unsere Gespräche wirken nach, wühlen weiter, aber das steht in einem anderen Kapitel.)
Sonntag, 1. April 2018
Ei, Ei, Ei
Ons
zwO
drO
Wie gut es uns geht! Wenn man den reich gedeckten Tisch ansieht, die vollen Osterkörbchen, die Osterreisepläne, die Fülle an Möglichkeiten, die Freiheit zu denken..., dann nutzt man diese Freiheit für die Frage, warum dann nicht lauter Zufriedenheit und Dankbarkeit aus uns leuchtet.
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