Das ist er nun, der erste Ferientag. Noch warte ich auf das herrliche Gefühl der Erleichterung und Vorfreude. Es ist alles so normal, nüchtern – allenfalls schmerzhaft, obwohl ich voller Geistesgegenwärtigkeit und Vernunft versuche, den Schmerz in seine Schranke zu weisen und mir von ihm den Weg in die neuen Chancen zeigen zu lassen, mit mässigem Erfolg.
Es wird mir an einem solchen Tag sosehr bewusst, wie jedes Jahr deutlicher und definitiver aus der Familienzeit herausführt. Es gibt keine Zeugnisrituale mehr, kein gemeinsames Durchblättern der gesammelten Kunstwerke am Ende des Schuljahres, keine glücklichen Kinder, welche sich barufuss auf der gemähten Wiese tummeln, bis es dunkel wird, kein aufgeregtes Packen für das erste Lager. Der Abschied vorhin war kurz und pragmatisch. Nach wohl etwa 70 Lagern vermag keine Sentimentalität mehr aufkommen.
Es gibt auch keine Familientage, auf die man sich gemeinsam freuen mag. Die Einzige, die mit mir in die Berge kommen muss, findet das ziemlich öde. Ich versuche mein Recht einzufordern, als Familinemanagerin wenigstens die verschiedenen ungefähren Reisezeiten und -ziele erfahren zu dürfen. Vor mir liegt die Steuererklärung, Berge und Listen von unerledigter Korrespondenz. Die Hecke muss geschnitten, die Stauwinkel der vergangenen Monate entrümpelt, das WG-Zimmer der Tochter geräumt und die Kisten irgendwo untergebracht werden. In einem Paralleluniversum gibt es diesen Klinikalltag, der nun seit bald drei Monaten der Prüfungsort von Lebenskräften ist und auf intensive Weise das Nebeneinander von Bodenhaftung und Offenheit für das Unfassbare fordert, auch von denen, die begleiten. Und der Vater der Kinder reist heute mit seiner neuen Familie auf die Insel, die sich die eigenen Kinder immer gewünscht hätten. (Bitte keine Gefühle jetzt!!!)
Es ist ein Tag, der daran erinnert, dass alles sich immer verändert, dass Festhalten unfrei macht und dass die Sehnsucht nichts anderes ist als ein Wegweiser zu den eigenen Wunden. Es gab eine Zeit, da erlebte ich Heilung als Geschenk, das sich aus der Verbindung der wirkenden Bezügen entwickelte. Diese Zeit ist vorbei.
Was ist schon Zeit?
Was sind drei Jahre?
Was sind 18 Jahre?
Vor 18 Jahren habe ich den ältesten Sohn zu seinem ersten Schultag durch dieses Tor begleitet. Vorgestern bin ich zum letzten mal als Schülerinnenmutter da durch geschritten – zum Abschiedsfest der 9. Klasse.
Und jedem Ende wohnt ein Zauber inne. ;)
Was sind drei Jahre?
Was sind 18 Jahre?
Vor 18 Jahren habe ich den ältesten Sohn zu seinem ersten Schultag durch dieses Tor begleitet. Vorgestern bin ich zum letzten mal als Schülerinnenmutter da durch geschritten – zum Abschiedsfest der 9. Klasse.
Und jedem Ende wohnt ein Zauber inne. ;)













