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Mittwoch, 31. Juli 2019

Blütensterne

Heute war ich mal wieder auf dem Grab. Es ist längst nicht mehr tägliches Ziel. Doch immer noch rührt mich der Ort an, diese winzige Insel da, die Zeugin einer der intensivsten Dekaden meines Lebens geworden ist. Die Abzweigung, welche dieses genommen hat mit dem Tod hat die Richtung gegeben, und seither sind soviele neue Weggabelungen dazu gekommen, welche ohne diese einschneidenste nicht auf meinem Weg gelegen hätten.
Daher ist es längst nicht mehr möglich, einem "Waswärewenn" nachzusinnen. Das kleine Sünneli von damals lebt wie eine tief verankerte Sternschnuppe in meinem Herzen, und diese Pflanze, welche Jahr für Jahr wieder austreibt und im Juli zu blühen beginnt, passt wunderbar zum Weben und Leben, das den Namen Mirjam trägt.

Dienstag, 30. Juli 2019

Ferienende

Wir sind wieder zu Hause.
Am Wochenende kamen die beiden älteren Söhne zu Besuch. Es war bewegt, angeregt, lustig – und wundervoll regnerisch. 
Und schon war Sonntagabend, plötzlich webte wieder die langsame Ruhe zwischen uns beiden Frauen, der ältesten und der jüngsten, die sich eingespiet hatte und in der wir uns wohl fühlten, und dann war Montag voller Abschiedswehmut
und Dienstag mit Aufräumen, Packen und Hausputz.
Morgen beginnt wieder die Schule, zwar noch ohne SchülerInnen, aber die Ferien sind vorbei. Wir haben auf unseren Spaziergängen immer wieder darüber nachgesinnt, wie man das Helle, Leichte in den Alltag integrieren kann, besonders dann, wenn Selbstzeifel und die Angst zu versagen, sich aufbäumen und wie Magnete die negativen Gedankenkaruselle anziehen und am Drehen erhalten.
Diese Frage wird meine dringendste sein in den kommenden Tagen, und ich hoffe sehr, die grossen, tiefen Bilder dieser Bergtage werden wirken und helfen, einem neunen Schuljahr die Chance zu geben, wesentlich und bunt zu werden, schon in der Vorbereitung.
Beim Laden der Bilder habe ich Fotos gefunden, die die Geschwister zusammen gemacht haben beim Spiel mit den Blickwinkeln und Sichtweisen.

Ich möchte auch spielend arbeiten, voller Neugierde und Experimentierfreude. Morgen könnte ich damit beginnen.

Freitag, 26. Juli 2019

Wetterorakel

Wenn man so Ferien verbringt wie wir zur Zeit, so lebt man mitten in der Berglandwirtschaft. Dabei sind die Bauern so etwas wie Wetterfrösche für uns Unterländerinnen. Wird man früh morgens geweckt von den Motoren der Mähmaschinen, so kann man die beiden folgenden Tage mit trockenem, warmem Wetter rechnen. Ich habe es kaum je erlebt, dass das Heu verregnet worden wäre. 
Sieht es jedoch so aus, so ist baldiger Regen wahrscheinlich. 
Die Fenster bleiben geschlossen und trotzdem „riecht“ es überall nach der „Bschütti“, wie hier der Inhalt der Jauchegruben genannt wird und heute morgen vom Jungbauern während zweieinhalb Stunden im Schritttempo auf die frisch geheute (eigentlich nennt man diese zweite Ernte im Jahr ja nicht Heu, sondern Emd) Wiese verteilt wurde. 
Auch dieses Orakel hat sich unterdessen erfüllt. Seit einer Stunde rollen die Donner von allen Seiten durchs Tal und unendlich wohltuender Regen spült den Dünger in die Erde. 

Ich atme...

Donnerstag, 25. Juli 2019

Mitbringsel

Heute kann ich mich nicht auf ein Bild beschränken. Dieses erste muss einfach mit dazu. Ich selber war ja dann die Dritte, die so dastand und mittelbar bewunderte. Kurz zuvor waren es mindestens sechs ErinnerungsproduzentInnen, aber das wäre dann doch etwas zu indiskret gewesenen.
Was wir da sahen, war zum Beispiel dies:
Und ganz unendlich viel mehr, was nur Dichter beschreiben könnten. 

Dienstag, 23. Juli 2019

Morgenweg

Die Tochter wünschte sich heute auszuschlafen. Da ab Mittag jedoch auch hier oben die Hitze schier unerträglich wird, machte ich mich früh auf den Weg. Das Morgenlicht, die menschenleeren Wege, das Rauschen des Baches... Ich kam satt nach Hause, rechtzeitig zum späten Frühstück! An der schönsten Stelle kam die Nachricht von der Interrailtochter, welche nachts zurückgekommen war: Sie bat um eine wäschetechnische Antwort. Es ist schon eindrücklich, wie die Kommunikation sich verändert hat. Hier wird mir das ganz neu bewusst, denn die Zeit hier oben war bisher die einzige Insel, die noch nicht bestimmt war von dieser Allzeiterreichbarkeit.
Nun ist auch dies Geschichte und achtsames Wahrnehmen ohne Kamerablick und Mitteilungswahn wird zur Herausforderung! 

Montag, 22. Juli 2019

Bergseeschweigen

Heute suche ich vergeblich nach Worten. Es gibt Momente, die einfach sprachlos machen. Vielleicht ist genau dies der nährendste Ferienreichtum. 

Sonntag, 21. Juli 2019

verflossen

Im Vorfeld frage ich mich dann manchmal schon, warum es mich wohl immer wieder hierhin zieht.  Trägheit und fehlender Mut für Neues können mir leicht nachgewiesen werden.
Doch dann sitze ich am Wasser und brauche keine Antwort mehr. Die Frage ist verrauscht oder untergegangen.

Samstag, 20. Juli 2019

Reiseorakel

Auf dem Weg zur temporären Ferienheimat ist mir Glück begegnet. 

Freitag, 19. Juli 2019

Sommersorgen

Es geht nicht mehr. Ich kann nicht mehr unbeschwert Sommer leben. Jedes Wunder ist gleichzeitig ein Mahnmal. Jede Frucht reift seufzend. Scheint mir. Ich möchte die Erde umarmen, zart, tröstend, liebevoll. Sie wirkt so matt und ausgelaugt. Nur der Morgenwind, der lud heute ein, die Freude tanzen zu lassen, barfuss und mit ausgebreiteten Armen.

Donnerstag, 18. Juli 2019

Ferienspielerei

Falls ich mal jung werden sollte oder so...😅
Habe das/die App danach ganz schnell wieder gelöscht...

Mittwoch, 17. Juli 2019

Nachbarschaft

Ein Viertel unserer Grundstückgrenze berührt ihren Garten. Wir leben wenige Schritte voneinander entfernt. Man weiss, wann der andere geht und kommt. Dachte ich zumindest bis heute.
Wegen der Katzen und dem Garten wollte ich sie fragen, wie immer. Da kam sie vorbei und ich erschrak. Drei Monate war sie im Spital, Schreckdiagnose, riesige OP, Intensivstation. Und ich habe nichts gemerkt, war so in meiner Welt gefangen und mit meinen Klinikwegen beschäftigt, dass ich dachte, ringsum nehme alles seinen gewohnten Lauf. Nein, gar nichts habe ich gedacht, habe einfach meine eigene Glocke mit mir herumgetragen.
Jetzt weiss ich es. Was nun?

Montag, 15. Juli 2019

nächster Schritt

Es ist doch so: Das Leben führt uns nicht geradeaus zu seinen Geschenken. Doch wie gross sind Dankbarkeit und Staunen, wenn sich die Dunkelheit zu wandeln beginnt und der Blick frei wird. So ein Tag war heute. Die drei haben zum letzten Mal gegrüsst und ihre stummen Wünsche hinter uns her geschickt. Drei lange Monate können nun beginnen, wieder kurz zu werden.
"Ich habe gar nicht mehr gewusst, dass Menschen so liebevoll und zugewandt sein können. Es tut soo gut, hier zu sein", sagte die Tochter am Abend am Telefon. "Es fühlt sich so rund an." Mir fallen Steine vom Herzen. Was auch immer Gesundheit bedeutet: anknüpfen an ihre Stärke und Leuchtkraft wird sie hier lernen dürfen, hier, wo es duftet, schon bevor man das Haus betritt.

Samstag, 13. Juli 2019

Mustertag

Himmelbett
aus der Putzperspekive.
Wieder einen Punkt von der Liste gestrichen.

Andere habe ich heute nach Hause geholt. So ganz ohne Schule kann ich eben doch nicht.


Freitag, 12. Juli 2019

keeeein Problem

Was stellst du dir vor, wenn du den Plan bekommst (der nicht mit dir abgesprochen worden ist!): "Bis am 12.7. bin ich mit den Kindern in den Ferien." Fragst du nach? Oder gehst du auch davon aus, dass du den 12. noch zu deiner Verfügung hast? Um 12 kommt die Nachricht: "Die beiden sind kurz vor 14 Uhr zu Hause." Ich denke als erstes erschrocken an den leeren Kühlschrank. Dann werde ich wütend. Und dann merke ich, wie ich mich für meine Wut schuldig fühle, mich unflexible Rabenmutter schimpfen möchte. Und tue es nicht. Heute nicht. Statt dessen räume ich die Gartensachen weg, dusche und gehe einkaufen. 
Ich bin stolz auf mich: Diesmal habe ich mich nicht beschimpft. Aber meine Kehle ist zugeschnürt. Noch habe ich keine Ahnung, wie ich irgendwann den Mut oder die Worte haben werde, um zu sagen, dass ich so flexibel gar nicht sein möchte und ich mich auch von der Aufgabe trennen möchte, Rücken-frei-halterin zu sein. 
Und nun räume ich die Einkaufstasche in den Kühlschrank. Danke fürs Zuhören.

Nachtrag: Natürlich ist es wunderschön, sie wieder hier zu haben. Darum geht es ja nicht...

Donnerstag, 11. Juli 2019

...

Heute habe ich...
... mich um sechs, als ich wach wurde, nochmal umgedreht und eingekuschelt, weil der Himmel bedeckt und die Luft kühl war. Es war nicht nötig aufzustehen, um das ganze Haus zu lüften.
... wieder einmal geschlossene Schuhe getragen.
... bis zum Mittag im Garten gearbeitet ohne zu schwitzen.
... den letzten Kilometer zum Bahnhof zu Fuss zurückgelegt, weil es so wunderfein regnete.
... im Regen gestanden und einfach gelauscht, geatmet, tief, tief geatmet – und bin vor Dankbarkeit beinahe übergelaufen.
... vom Sohn, der vorgestern Nachmittag bereits wieder weitergereist war, ein Video mit Meerblick erhalten (und gestern eines aus den Bergen.
)... mich in dieser Abendstunde ans offene Fenster gesetzt. Es duftet nach feuchter Erde und Rosen. Und ein kühler Wind liebkost mein Gesicht und spielt mit meinen Haaren.
... keine Wünsche mehr.

So wie in diesen Tagen ohne diese stehende, sirrende, flimmernde, brennende Luft kann ich mich erholen, erstmals wieder richtig erholen, entspannen, zur Ruhe kommen, aufatmen, nachdenken, nachspüren, weit werden. Ich glaube, letzten Sommer stand ich unter nie endendem Hitzestress, burn out.

Montag, 8. Juli 2019

Ferien!

Um 9:11 fuhren die letzten beiden Kinder auch noch weg. Seither bin ich allein – und geniesse! Keine Essenszeiten, kein Einkauf, keine Musik, kein ständiges Öffnen der Kühlschrank- und Gefrierschranktüren, kein Wühlen in den Wäschebergen, einfach nur ich und meine Bedürfnisse und Aufgaben.

Kurz vor Mittag brachte ich die Steuererklärung zur Post und kaufte mir zur Belohnung ein Eis. Damit spazierte ich auf Umwegen nach Hause, schlenderte durch Strassen, die ich seit Jahren nicht mehr benutzt hatte, durch neu gebaute Quartierteile, in denen ich mich völlig fremd fühlte, kam mit Bekannten ins Gespräch, die in ihren Gärten arbeiteten, spürte glücklich den frischen Wind auf meiner Haut, schickte von der Bank oben am Waldrand noch einen Gruss hinaus, bevor ich dann im stillen Haus beherzt die Wäsche in Angriff nahm. Dann kam die Nachricht vom Sohn, er komme heute Nacht zurück. Zuerst erschrak ich, doch dann beschloss ich, im Ferienmodus zu bleiben und ihn nicht zu bemuttern. (Daher hat es jetzt auch leider keine Milch im Haus, bis mir das nächste Mal ums Einkaufen ist... Sorry) (Rabenmutter?!)
Diese vier Tage möchte ich nun einfach in meinem eigenen Flow leben, all das auskosten, was nicht zum Alltag gehört. 
Irgendwann später – denke ich hie und da – werde ich wahrscheinlidch wehmütig an die Musik im Haus denken, an die hungrigen Kühlschrankstürmer, an den Kommunikationsort "Wäschekorb", an das Kommen und Gehen. 
Nur etwas werde ich nie vermissen, das verspreche ich mir mit aller Eindringlichkeit: Die ganzen Dramen und Komödien rund um das Thema "Einzelsocken".

Sonntag, 7. Juli 2019

...

Oder dieser.

(hoffentlich nicht nur in der CH zu sehen...)

Samstag, 6. Juli 2019

...

Zum Beispiel dieser da.

Freitag, 5. Juli 2019

Die erste Woche

Es ist eine echte Ferienwoche, diese erste. Ich schlafe, bis ich von alleine wach werde und stehe trotzdem früh auf, nutze die kühleren Morgendstunden, um  ein paar Dinge von meiner ewiglangen Liste in Erwägung zu ziehen. Wirklich abhaken konnte ich erst die Hecke. Die ist geschnitten. Und die Steuererklärung gibt keine weiteren Chancen für Abzüge mehr frei und wird wohl morgen ausgedruckt. Ansonsten sitze ich viel im relativ kühlen Kellerzimmer und schaue mir Filme an, heitere Geschichten, die sich jederzeit unterbrechen lassen für dies und das, was anfällt, anklopft, ansteht. So lasse ich mich durch die Tage treiben und staune, dass ich das noch kann, dass ich es darf und wie es mir gut tut.
Die drei sind etwas irritiert. An Ostern standen sie mitten im weissen Narzissenfeld, mit den Wochen wuchs Gras drüber, blühten Trockenwiesenblumen, meterhoch. Und nun ist plötzlich alles weg. Aber sie wissen, dass es weiter geht, dass es Wege gibt und Wachstum. Geduldig schauen sie den Menschen nach die kommen und gehen. Selber bleiben sie stehen. Nur ihre Schatten wandern. Und Vögel setzen sich manchmal auf ihre Köpfe und erzählen ein Bisschen von dem, was in den Köpfen keinen Platz findet.

Montag, 1. Juli 2019

Ferienwecker

Bevor ich es vergesse, wie man Wunder am Wegrand so schnell vergisst:
Gestern früh kurz vor sechs bin ich von einem Klingen geweckt worden, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich brauchte lange, um mich in diesem grossen aber zauberhaft leisen Klangraum zurecht zu finden. Und dann lag ich da und staunte. Der ganze Lindenbaum, unter dem ich geschlafen hatte, war erfüllt von Summen. 
Heute ist er still, als wäre es auch den Bienen zu heiss...