Es ist eine seltsame Zeit. Die Liste aller Themen, welche meinen Kopf bevölkern, ist lang. Die Standortgespräche, in denen ich die SchülerInnen zusammen mit ihren Eltern erlebe, beschäftigen mich bis in den Schlaf, bis unter die Haut, bis zur Verdauung. Weiterbildungen konfrontieren mich mit meinen Schattenseiten, was oft Erschrecken und Scham auslöst. Im Streben und Stolpern meiner eigenen Kinder sind Spiegel eingebaut, dass mir oft zum Weinen und Schreien zumute ist. Die stillen Stunden im leeren Haus sind laut in ihrer Forderung, mich mit dem nächsten Lebensabschnitt zu beschäftigen. Ich schaue mir zu, wie ich mich immer mehr einkapsle, immer ängstlicher werde, Privates zu teilen, weil wir lernen, strikte zu trennen und in der Öffentlichkeit nicht privat erkennbar zu sein.
Der Tummelplatz hier, der mir ein Jahrzehnt und länger geholfen hat, innen und aussen, oben und unten, Dunkel und Hell im Spiel mit den Worten zu mischen, wirkt verwanzt. Ich sehne mich nach einem Ort, an dem ich einfach ich sein darf, unprofessionell, ohne Vorsicht, ohne Vorschrift, und finde mich damit im leeren Haus, und im Postfach liegt zum ersten Mal eine Nachricht mit dem Betreff "Scheidung".





