Seiten

Montag, 31. Mai 2021

151/365 ...

Heute Nachmittag war der Junge, welcher nach dem Sommerferien neu in unsere Klasse kommt, zu Besuch. Es war so schön zu erleben, wie alle sich auf ihn freuen, ihn willkommen heissen und er die ganze Zeit am Strahlen ist. Das kommt richtig gut, sagt mein Bauchgefühl, glitzersteinmässig gut.

Sonntag, 30. Mai 2021

150/365 Parallelwelten

Es gibt da seit vielen Wochen eine Parallelrealität, über die ich nicht schreiben kann, und manchmal drängt die sich auf die Position eines Universums und reduziert den Rest auf Wetterberichte. Ich stelle daher heute einen Korb in desen Raum, in dem ich täglich erfüllte Momente sammeln möchte, kleine Glitzersteine, augenzwinkernde Elfen, Zwerchfellkitzler und hie und da ein paar Regentropfen.
Die helle Akelei vor dem Fenster leuchtet noch zart, alles andere verliert die Farbe an die Nacht.

Samstag, 29. Mai 2021

149/365 Abendlicht

In sehr flachem Winkel scheint die Sonne in den wilden Gartenteil, den ich durch das Fenster links von meinem Schreibtisch sehen kann. Ein endlos faszinierendes Schatten – Lichtspiel atmet im Rhythmus des leisen Abendwindes. Eine hellrosa Akkelei steht mitten in den Rosenstauden. Auf den brüchigen Kalksteinen der Mauer liegen Moospolster. Junge Lindenbäumchen wachsen reihenweise aus allen Poren des Bodens. Über den kleinen Ausschnitt Himmel, der über dem Kirschbaum zu sehen ist, zieht ein einsamer Hauch Wolke. Und direkt neben mir, auf dem Fenstersims, liegt eine halb verspiesene Maus mit abgetrenntem Kopf. Die kleinen schwarzen Knopfaugen sind offen und zwei Fliegen treiben auf dem Körper Feldforschung.
Ich geh dann mal ihr Labor umquartieren.

Freitag, 28. Mai 2021

148/365 Frage

"Hast du eigentlich auch ein Zuhause?

Das fragte mich heute ein Kollege, als wir uns gegen Abend beim Verlassen des Schulhauses begegneten, und die drei, die zusammen aus einer Freitzeitaktivität kamen, tauschten heitere Blicke. Ich kenne ihn nicht sehr gut und kann seinen Ton nicht richtig einordnen. Aber etwas darin war spürbar: So wird über mich geredet, und das lässt mich nicht kalt. Ja, ich bin oft in der Schule und bin auch gerne in meinem Schulzimmer. Ich erledige komplett alle Schularbeit vor Ort und nehme kaum etwas davon nach Hause, weil ich eben da andere Aufgaben habe. Und heute habe ich mich fast eine Stunde mit Tafel putzen, Karten zuschneiden, Ordner durchstöbern und anderen Kleinigkeiten aufgehalten, weil ich es total scheute, hinauszugehen. Jetzt, wo das Wetter für die Allgemeinheit wieder schön ist, fliegen die Gräserpollen durch die Luft, was meine Augen fast irrsinng macht. Auch die Haut zeigt ihre vertrauten Reaktionen auf den Pollenflug und ich würde mich am liebsten im Keller – oder Schulzimmer... verkriechen.

Da er ganz offensichtlich keine Antwort erwartete, gab ich auch keine, machte irgend einen Spruch und machte mich auf den Weg zum Einaufen.

Ein seltsamer Nachgeschmack begleitet mich nun ins Wochenende, und ich hätte Lust auf ein Stück Schokolade.

Donnerstag, 27. Mai 2021

147/365 Aufhellung

In der Stadt trugen heute viele Menschen in den Strassen die Maske nur noch am Arm. Das war so wunderschön. Man schaute sich an, ganz viele Gesichter strahlten. Die Freude darüber, dass uns diese Begegnungsmöglichkeit über die Mimik wieder geschenkt wird – bald, das Staunen, wie neu sich das anfühlt, das bewusste Öffnen der Sinne..., das alles und viel mehr war sosehr zu spüren, zu sehen und war ansteckend wie nur etwas.
Wenn das die Folgepandemie wird, dann sind wir auf einem guten Weg!

Mittwoch, 26. Mai 2021

146/365 Mitbringsel

Unser Weg am Sonntag dort unter der Brücke führte durch buschiges, kniehohes Gras über halb zugewachsene Trampelpfade. Es war fast wie im Traum, duftend, voll klingender Stille.

Heute früh wurde ich wieder daran erinnert, als ich drei Zecken fand, die es offenbar irgendwie geschafft hatten, sich einzunisten. 

War etwas anders gemischt, der heutige Tag, nicht nur deshalb, aber auch.

Dienstag, 25. Mai 2021

145/365 gemischt

Es gibt solche und andere Tage in so mancher Hinsicht, dass die Mischung daraus beinahe unendliche Vielfalt präsentiert.
Es gibt zum Beispiel Tage – Schultage – an deren Ende ich nur eines sicher weiss: Ich hätte es ganz anders machen sollen, anders planen, anders reagieren, das ganze anders angehen und vor allem in der Nacht davor mehr schlafen.
Doch dann gibt es die anderen, an denen die Augen der Kinder leuchten, die Begeisterung im Moment des Verstehens hörbar wird, das Üben viel zu früh durch die Pause unterbrochen wird, die Ideen, was man auch noch wie tun könnte, überschäumen.

Ich bin so froh, dass es diese auch gibt und dass sie häufiger vorkommen als zu Beginn des Schuljahres. Langsam werden auch die letzten schulreif und wagen es hie und da, einzutauchen in diese von kindlichem Eifer erfüllten Lernphasen. 
In solchen Stunden Zeugin sein zu dürfen, das ist für mich Glück.

Doch da gibt es auch Tage mit solchen Winden und jenen Wettern, mit diesen Begegnungen und jenen, mit hellen Morgenstunden und anstrengenden.

Heute war viel Gutes gemischt, wobei gut bedeutet, dass Energie im Fluss ist. Und dieser Fensterblick um halb acht hat da sehr bewegt mitgespielt.
 


Montag, 24. Mai 2021

144/365 Gegenblick

zwölf im Quadrat, das nur am Rande (am oberen!)

Zwei Bilder von gestern: Ich habe meine Tochter in ihrem Studienstädtchen besucht. Wir wanderten dem Fluss entlang, (welcher in unserer Ferienheimat entspringt) und standen irgendwann unter dieser Brücke, mitten im hellsten, saftigsten Grün und umgeben von Vogelkonzerten, wie ich sie gefühlte Ewigkeiten nicht mehr gehört hatte.


Etwa eine Stunde später dann fuhr ich im Zug über die Brücke und schaute nach unten. (Das Ufer, an dem wir zuvor standen, ist auf dem Bild am rechten Rand nicht zu sehen.)


Sonntag, 23. Mai 2021

143/365 Freiheit

Nach einem Tag mit vielen Reisestunden nehme ich mir die Freiheit, weiter nichts zu schreiben.

Samstag, 22. Mai 2021

142/365 Orte

Seit ziemlich genau einem Jahr ist dieser Platz um das runde Tischchen unser Corona-LehrerInnen-Pausenzimmer. Das eigentliche Lehrpersonenzimmer ist zu kleine für das ganze Kollegium im Abstandmodus. Daher bleiben wir in unserem Trakt unter uns, manchmal allein, manchmal zu zweit, meist aber zu viert.

Seit letztem Montag weiss ich, dass ich in einem Monat erneut umziehen werde, diesmal nicht innerhalb des Hauses, sondern in einen anderen Trakt der Schulanlage. So wirklich vermissen werde ich die Ecke in der Vereinsküche nicht, aber die kleine Gemeinschaft und unsere Pausengespräche, die werden an einen hellen Ort zu den Erinnerungsschätzen dieses Pandemiejahres gelegt.



Freitag, 21. Mai 2021

141/365 Bögen

Kurz nachdem er eingeschult worden war, habe ich mit dem Bloggen begonnen. Die Zweitjüngste war nun im Kindergarten, Mirjam schlief am Morgen meist nach dem Einkaufen eine Stunde im Kinderwagen und ich entdeckte in meinen neuen Freiräumen diese neue Nische.
Doch darum geht es heute gar nicht. Ich baue mir diese Brücke bloss, um realisieren zu können. Heute nämlich hatte der Kleine von damals seinen allerletzten Unterrichtstag. Nach Pfingsten beginnen seine Maturprüfungen, welche dezentral in verschiedenen Kirchgemeindehäusern der Stadt geschrieben werden, um die zeitgemässen Abstandsregeln einhalten zu können.
Der ganze Gymi-Jahrgang ist heute nach dem Motto "1. Schultag" gekleidet zur Schule gegangen. Selbst ein buntes Pflaster haben wir noch gefunden, und im Schulsack lag das alte Znüniböxli mit einem Rüebli. Sogar zur Tram sind wir gemeinsam spaziert wie damals. 
Nun kommt noch dieses letzte Nadelöhr und dann steht gefühlt die ganze Welt offen.
 

Donnerstag, 20. Mai 2021

140/365 Zufall

Wobei da nichts gefallen ist. Zustand passst daher besser. Und ganz schnell wurde daraus Zugang und dann war es auch schon vorbei, weil der Film begann.

Naja, verstanden hat das bisher wohl gerade mal eine Leserin.

Das war nämlich so: Ich reiste heute zum ersten Mal seit einem Monat (mindestens, denn damals waren die Terassen noch nicht offen) in die Stadt. Meine Nachfüllflaschen von diversen Putz- und Waschmitteln brauchten neue Füllungen. Daher hatte ich ein einziges Ziel und steuerte auch direkt darauf zu. Doch da stand direkt vor der Eingangstüre sie!

War das eine kringelige Freude auf Distanz, denn als wir uns das letzte Mal begegnet waren, wusste die Welt noch nichts von Corona (und wir auch nicht), und wenn wir da eine Maske getragen hätten, hätten wir an Fasnacht gedacht. Wie gesagt, unsere Wege trennten sich schnell wieder, aber die Freude blieb bis jetzt, und was uns eh über alle Lockdowns und Distanzen hinaus verbindet, ist unsere leidenschaftliche Liebe zum Regen.

Das musste jetzt mal gesagt sein, gell! 

"Uf Wiederläse!"

Mittwoch, 19. Mai 2021

139/365 sowas gibts noch

Es sind Alltäglichkeiten, die immer wieder sichtbar machen, was die letzten 15 Monate mit uns gemacht haben. Eine Kollegin und ihre beiden Kinder sind krank, richtig krank, mit Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, was halt so dazu gehört.

Früher hätte man von Herzen gute Besserung gewünscht, voller Vertrauen, dass Krankheit zum Leben gehört und gesund werden eigentlich auch. 

Heute dieses leise Erschrecken, das unruhige Warten auf das Testergebnis, die Sorge, angesteckt zu werden, die Bitte, ja erst wieder zu kommen, wenn alle Symptome abgeklungen sind... 

Es gibt sie offenbar auch noch, die gute alte Sommergrippe und mit ihr die Hoffnung, dass wir irgendwann wieder krank sein dürfen, um gesund zu werden.

Dienstag, 18. Mai 2021

138/365 Feierabend

Wenn eine Mutter anruft und erzählt, dass ihr Mann mit seinem Sohn versuche, Hausaufgaben zu machen, dieser seinem Vater aber nicht erklären könne, wie "es geht" und ich zehn Minuten vor Schliessung vor der Ladentüre stehe und versuche zu erklären, dass der Vater das gar nicht verstehen müsse sondern es reiche, wenn der Sohn das tut, was er alleine schaffen kann (und ich genau weiss, wieviel das ist!)...

Montag, 17. Mai 2021

137/365 Magie

Da musste selbst der arme Fridolin noch etwas in seinem Kellerverliess ausharren. Plötzlich stand die ganze Klasse verzaubert am Fenster. "Ich habe noch nie in meinem Leben einen Regenbogen gesehen", staunte der Siebeneinhalbjährige.
Da staunte dann ich.

Sonntag, 16. Mai 2021

136/365 Beschleunigung

Es gehört zu dieser Zeit wie die Auffahrtstage und Pfingsten, bloss dass ich mich offenbar nicht daran gewöhne: Plötzlich scheint bei der verbleibenden Zeit des Schuljahres ein Stück abgebrochen zu sein. Die Themen, die noch auf dem Tisch liegen, lassen sich nicht mehr einreihen. Die KollegInnen erzählen von tollen Abschlussprojekten und lassen mich alt resp. noch älter aussehen. Die administrativen Verpflichtungen neben dem Unterricht stauen sich bis zum Herzrasen und Familie lässt sich höchstens noch skizzenhaft buchstabieren. 
Was dieses Jahr anders ist: Es regnet! Ein stilles Glück liegt in der Luft und dringt durch alle Ritzen. Ich bin soooo dankbar dafür.

Samstag, 15. Mai 2021

135/365 vorbei gehuscht

oder: Aus dem fahrenden Zug (sind das Er-fahrungen?)

eine Frau, die an der Tankstelle ihr Auto mit einem Schlauch wäscht

gelb blühende Stauden zwischen den Bahnschwellen und am Bahndamm (Früher hätte man das fein säuberlich weggegiftet.)

eine riesige Baustelle da, wo schon vor zwei Jahren eine war

der Aussichtsturm dort oben auf dem Hügel, auf dem mir schon auf der zweiten Plattform so schwindelig geworden war, dass wir umgekert sind – auch vor zwei Jahren

die grosse Lagerhalle des schwedischen Riesen, die nun offenbar beige - blau gestrichen worden ist. Nur einzelne Wandelemente sind noch gelb.

Eine Strasse, die früher Dorfstrasse war, was an den alten Bauernhäusern zu erkennen ist. Da, wo Miststock, Garten und Brunnen standen, verkehrt jetzt die mobile Gesellschaft auf Asphalt direkt vor den Haustüren.

eine Neubausiedlung mit grossen, leeren Fenstern, hinter denen noch niemand wohnt

die Dunkelheit eines Tunnels, die endlos dröhnt und dann doch irgendwann zu Ende ist

die weisse Dampfwolke, die watteweich am Kühlturm des Atomkraftwerkes zu hängen scheint

Rapsfelder wie gelbe Teppiche überall zwischen grüne Wiesen und braune Äcker gelegt

unzählige Nussbäume, die nun wie immer als letzte auch beginnen, ihre noch dunklen Blätter aus den Knospen zu entfalten

Mäusebussarde, die zu zweit über Hügelkämmen Kreistänze fliegen 

und Grün, Grün, Grün, saftiges, sattes Grün

erwachen: "Nächster Halt: Bahnhof. Aussteigen in Fahrtrichtung rechts. Ihre nächsten Anschlüsse."

Freitag, 14. Mai 2021

134/365 zum Blühen bringen

Nicht ganz neu, dieses Bild. Aber es ist mehr als gar nichts, was heute erklärbar wäre.

Für eines der Kinder, welche im Sommer neu zu unserer Klasse stossen, haben wir diese Blumenwiese zum Blühen gebracht. Alle haben mit Wachsmalkreiden Blumen und Gräser auf Backtrennpapier gemalt und dann auf das gemeinsame Bild aufgebügelt. So entstand innert weniger Minuten dieses Bild, und wenn der Junge dann auch als Teil unserer Klassengemeinschaft mit soviel Engagement und Hingabe aufgenommen wird, dann freue ich mich sehr für ihn – und die Klasse.

Donnerstag, 13. Mai 2021

133/365 Klangfarben

Während ich den Pizzateig knete, tönt von oben ein Workout mit der englischen Powerstimme der animierenden Trainerin zu fetziger Musik. Vor mir stehen zwei Packungen Mehl, je beschriftet in drei der vier Landessprachen. Ich lasse mir die Namen im Knetrhythmus auf der Zunge zergehen und staune, wie unterschiedlich der Geschmack dieser Klänge schmilzt. Feurig warm der eine, elegant geschmeidig der andere, und distanziert klar der dritte.

Farina semibianca           Farina PuraSpelta

Farine mi-blanche           Farine PurEpeautre

Halbweissmehl                UrDinkel-Mehl

Mittwoch, 12. Mai 2021

132/365 Vermisstanzeige

Ist er nicht allerliebst? Seit etwa zwei Wochen war er Gast in unserem Klassenzimmer, hat die Welt der Schule beobachtet und einige Privilegien genossen. Nun soll er aber wieder zurück zu seiner Besitzerin oder seinem Besitzer. Ein Mädchen aus meiner Klasse hatte ihn an einem frühen Morgen neben der Rutschbahn gefunden und zu uns hoch gebracht. Dorthin hängen wir jetzt das Bild des kleinen Ausreissers und hoffen, dass er so wieder nach hause finden wird. 
Hier darf er heute schon mal probeteddyblicken.


Dienstag, 11. Mai 2021

131/365 Gründe

Es gibt Gründe, sich glücklich zu fühlen.

Es gibt Gründe, sich Sorgen zu machen.

Es gibt Gründe für die Müdigkeit.

Und es gäbe einen Grund für ein neues Handy, und der wäre eine gute Kamera.




Montag, 10. Mai 2021

130/365 Glück

Wolken hängen in den Baumkronen, die Wiese riecht grün, die Vögel jubilieren Trinklieder, Tropfgeräusche bilden den Klangteppich dazu, Brennesseln krauten zwischen den Sträuchern, vereinzelte Regenwürmer verirren sich auf die Wege, die Linde zieht ihr Sommerkleid über, stilles Grau lädt ein zur Ruhe.

Mein Glück hat heute einen Namen.

Sonntag, 9. Mai 2021

129/365 mit ohne *

Es ist alles geblieben wie es war nach meinem etwas verrückten Post. Ein Bisschen bin ich enttäuscht, vor allem aber bin ich froh, dass ich es nun loslassen kann, weil ich es ausgesprochen habe. Dieses mit sich Herumtragen, auch wenn es belanglos scheint nach aussen, kann viel zu gross machen.
Nur dieses eine Ausschnittchen möchte ich noch an den Abschluss dieser Geschichte stellen: Es sind die Zeitzahlen jener Sternadresse (die jetzt keine Sternadresse mehr ist) bei ihrem ersten registrierten Besuch nach dem Eintrag letzten Sonntag. Das passt irgendwie so perfekt zu all den Zufällen.

 
Und nur für den Fall, dass jemand denken sollte, man könne mich ja gar nicht erreichen, auch wenn man es wollte: Über mein Profil ist das mühelos möglich.

Samstag, 8. Mai 2021

128/365 Bildchen

Es gibt neue Briefmarken. Ich bin begeistert! Von der Botschaft auf der einen, von der Frische der andern, und daher habe ich mir heute von beiden gleich ein paar Bögen bestellt.

Die frische gehört zu einer vierteiligen Sommerkollektion

 

Ich freue mich darauf, im Sommer mit diesen Melonenschnitzen ein kleines Stück Leichtigkeit und Erfrischung mitschicken zu können.

Die andere lädt ein zum Rätseln. Bevor ich sie bestellt habe, habe ich gelesen, was über ihrer Entstehung hier zu erfahren war. 

Ich hoffe sosehr, dass der reale Postweg nicht ganz verschwindet, dass uns die Möglichkeit, kleine Bildbotschaften zu verschenken, nicht genommen wird.

Freitag, 7. Mai 2021

127/365 Nacken

Vorgestern hatte ich meine letzte Physiotherapiesitzung. Da es dem Knie unterdessen wieder beschwerdenfrei gut geht, fragte mich die Therapeutin: "Was machen wir heute?" Ich erzählte ihr von meinem Nacken und Hals, den ich kaum mehr zur Seite drehen kann vor Verspannung.

Nach einer unglaublich wohltuenden halben Stunde war die Spannung nicht vollständig, aber erstaunlich wirkungsvoll gelöst. Seither bin ich nur müde und kann mir keinen schöneren Ort vorstellen als mein Bett. Gute Nacht.

Donnerstag, 6. Mai 2021

126/365



Mittwoch, 5. Mai 2021

125/365 Räume(n)

Die Tochter hat Arbeitswoche. Doch weil es so schwierig ist zur Zeit, für solche Einsätze Arbeit zu finden, hab ich sie "unter Vertrag" genommen. Nun komme ich jeden Tag nach hause, und eine Baustelle um oder im Haus ist aufgeräumt. Dem Haus tuts git, mir tuts gut – und ich glaube ihr auch. 

Dienstag, 4. Mai 2021

124/365 Tagesglück

Schwalben am Abendhimmel! Nicht über unserem Dorf, aber das spielt ja keine Rolle.

(Toller Tageszähler heute: 1, 2, 3, 4, 5, 6 in leicht veränderter Reihnenfolge.)

Montag, 3. Mai 2021

123/365 Fehler

Bin sehr traurig grad. Steinchen um Steinchen ist heute in meinen Trauerteich geworfen worden, und die Oberfläche, die meist ruhig und glatt daliegt, ist aufgewühlt, bewegt. Eines dieser Steinchen versuche ich hier zu verstehen.

Alle fünf Jahre führt unsere Schule eine Evaluation durch. Diesmal werden die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern befragt. Die Kinder-Umfrage habe ich heute mit der Klasse gemacht. Ziel ist es, dass wir Lehrpersonen vielleicht Imputs bekommen, wo unbemerktes Verbesserungspotential verborgen sein könnte.

Die Kinder waren eingeladen, bei jedem Punkt ein Kreuz zu setzte, je nachdem, ob sie mit der Aussage ganz, teilweise oder überhaupt nicht einverstanden waren.

Die eine dieser Aussagen lautete: "Ich darf in der Schule Fehler machen." Vier von elf Kindern haben ihr Kreuz in die Mitte gesetzt. 

Ich kann noch nicht mehr dazu sagen, als dass mich das traurig macht. Und seit Stunden schiebe ich die Frage vor mir her, was denn eigentlich ein Fehler ist.

Vielleicht muss ich das erst einmal herausfinden – mithilfe der Kinder.

Sonntag, 2. Mai 2021

122/365 mit *

Seit Anfang Jahr trage ich mich mit dem Gedanken, dieses Post irgendwann zu schreiben. Erst dachte ich, falls es für mich bis dann noch aktuell wäre, würde ich es am 100. Tag schreiben. Doch jener Samstag war dann andersweitig besetzt. Ich verschob auf den 111. Tag und fand da gar keine Schreibzeit. Heute nun ist das erste Drittel des Jahres Geschichte und jetzt fehlt mir der Mut.

Worum es denn geht? Mit Zahlen hat es zu tun, mit Statistik – daher die Wahl eines schönzahligen Tages –  mit Phantasiewelten, ausserdem aber auch mit jemanden von den regelmässigen LeserInnen hier, ich habe jedoch keine Ahnung, mit wem. Schreibe ich diese seltsame Geschichte, dann wird sich jemand erkannt fühlen, und das braucht Mut.

Dass ich Zahlen liebe, ihre Verbindungen, Muster, Bezüge, das ist kein Geheimnis. Daher wird es auch niemanden erstaunen, wenn ich erzähle, dass ich immer wieder in meine Blogstatistik schaue, mich freue an Zahlenzufällen, daran, dass es zum Beispiel zwei Stunden am Tag gibt, in denen kaum je LeserInnen aus der Schweiz zu Gast sind, darüber, wenn zwei Tage in Folge dieselben Seitenaufrufzahlen gezählt werden, ich versuche Durchschnittswerte zu schätzen und überprüfe sie dann mit der statistischen Berechnung... Dass da Menschen hinter den Zahlen stecken, weiss ich zwar, ist aber so voller undurchsichtiger Anonymität, dass ich mich gar nicht darum kümmere. Oder kaum. Wenn Orte aus der Nähe angezeigt werden, wird mir manchmal mulmig. Gleichzeitig weiss ich vom einzigen erfassten Menschen, den ich mit Sicherheit erkennen, dass der angezeigte Ort kaum Relevanz hat. Das bin nämlich ich selber, und da steht seit Anfang 2020 immer ein blaues "you" neben den Zahlen, der Ort wechselt jedoch willkürlich zwischen Zürich, Genf, Basel, unbekannten Orten und einem blossen Swizerland.


 

 

 

Als meine Geschichte begann, war es Sommer 2019. Die Ferien hatten eben begonnen. Datum, Orte, Ereignisse, Menschen liessen mich innehalten, zurückschauen, warfen ihre Lichter und Gefühle auf die Gegenwart. Es war ein ganzer Salat von Gefühlen, und so nannte ich dann auch den Text, den ich an diesem Morgen verfasste.

An jenem Tag wurden überdurchschnittlich viele Seitenaufrufe gezählt und ich suchte in der Statistik nach einer Erklärung dafür. Dabei markierte ich den Besuchereintrag, den ich für meinen eigenen hielt, mit einem *.

Die folgenden Tage sass ich an der Steuererklärung – die einzige Zahlenarbeit, die ich verabscheue – und lenkte mich immer wieder ab mit unmotiviertem Herumsurfen, auch in meiner Statistik. Da fiel mir ein *-Besuch auf, der nicht mein eigener sein konnte. Ich war ziemlich irritiert. Bestimmt ist so ein Statistikzähler ein fehleranfälliges Ding, dachte ich erst und beobachtete weiter.

Ich begann, nur noch nach dem  * Ausschau zu halten. Sehr oft tauchte er genau dann auf, wenn auch ich die Seite aufrief. Dann gab es aber auch Besuchszeiten, in denen eine Übereinstimmung ausgeschlossen war. Ich ging in die Ferien ohne Zugriff auf die Statistik und dachte auch nicht weiter darüber nach. Nach den Ferien war der Stern noch immer da, und nun fiel mir auf, dass diese "Adresse" immer über jenen Post vom 29.6. die Windworteseite öffnete. 

Damit war der Weg frei für meine Phantasie. Auf einmal war ich mir fast sicher, wer das ist: jemand, der in jenem Post mitgedacht war, ohne genannt zu werden. Die eingebildete Nähe jener Person freute mich, motivierte mich, und deren Leseverhalten nährte meinen an Sicherheit grenzenden Verdacht.

Bis letzte Weihnachten oder kurz danach: Da war der Stern verschwunden und kam nicht mehr zurück. Ich schüttelte die Enttäuschung ab wie den Schleier eines Traums nach dem Erwachen. 

Naja. Und dann bemerkte ich ganz zufälligerweise irgendwann im Januar, dass es wieder/immer noch jemanden gibt, der über jene Seite eintritt. Das Gerät ist dasselbe, aber das Land hat gewechselt. Mitten in Deutschland scheint dieser Mensch nun zu leben und damit wurde sonnenklar, dass ich mich all die Monate getäuscht hatte, mich von kindlicher Einbildung genährt hatte.

Am liebsten hätte ich sofort nachgefragt und gewusst, wer denn dann hinter diesem * verborgen war und ist. Wenn diese Frage bis zum 100. Tag dieses Jahres immer noch aktuell ist für mich, dann werde ich dieses Post schreiben, nahm ich mir vor...

Vorhin habe ich die Statistik nochmal geöffnet. Da steht beim *: United States. :)

Entweder verliere ich nun eine(n) treue(n) Leser(in), (Was mir sehr leid täte) oder aber ich lerne eine(n) kennen. Falls ersteres der Fall sein sollte, so möchte ich danke sagen für die Begleitung und mich entschuldigen dafür, dass diese Geschichte heute sosehr erschreckt hat. 

Vielleicht bleibt auch alles beim alten, was ja auch ok wäre. 

Ich bin froh, habe ich es nun losgeschrieben. Der Klick auf

 
 wird noch Mut brauchen.

Samstag, 1. Mai 2021

121/365 Grün

Endlich! Jetzt ist es da, das satte, helle Frühlingsgrün. Die Akkustik der Natur hat sich verändert, ist grösser, einladender geworden. Die Luft ist weich und anschmiegsam. Das Gras auf der Wiese ist in den vergangenen 72 Stunden bestimmt 10 cm oder mehr gewachsen. Meine Kamera ist in der Schule, sonst hätte ich versucht, eines dieser Lieblingsbilder zu konservieren: Einen Halm, an dem die Regentropfen aufgereiht sind wie glitzrige Perlen oder geschliffene Kristalle. 

Regengrün ist die Farbe der Erleichterung.