Suchen.
wonach?
nach Ruhe?
nach Glück?
nach Erfüllung?
nach Beziehung?
nach Bestätigung?
nach dem richtigen Mass?
nach Schutz?
nach Verständnis?
nach Geduld?
nach dem Sinn?
nach Worten?
nach mir?
Dieser Regenbogen hat gestern unsere Klassenaufführung abgerundet. Mit dem Applaus setzte Starkregen ein, und bald darauf leuchtete die Abendsonne von Westen herein.
Die erschöpfende, gefährliche, heimtückische, ungesunde, verunsichernde Begleiterscheinung meines Berufes ist es, ständig mit Beurteilungskriterien auf alles und alle zu schauen. Wir werden darin geschult und merken nicht, wie wir uns damit kindliche Neugierde, achtsame Zuwendung, offenes Zuhören und verletzliche Offenheit amputieren.
Nicht nur im Unterricht, auch im Elternkontakt, auch untereinander, auch im Umgang mit uns selber. Das ist so fein und unbewusst, gatarnt durch freundschaftliche Eloquenz. Selbst wenn ich das schreibe, fürchte ich mich, einen Fehler zu machen.
Manchmal wünsche ich mir, schweigen zu lernen, nicht das verschlossene, trotzige Schweigen, sondern eines, welches mir den Weg zeigt aus der zielorientierten Aktivschlaufe. Eines, welches entspannen lässt. Doch bevor ich mich richtig einlasse auf diesen Wunsch, eile ich dem nächsten Ziel nach, welches im Postfach liegt.
Es erschreckt mich, wieviel ich rede, wie ausgelaugt ich bin, wieviele Menschen aus dem Kollegium krank werden, zerbrechen. Ich verlerne, mich zu spüren, weil Schlag auf Schlag die Forderungen hereinprasseln. Ich vermisse Inseln, echte, erfüllte, lebendige, heilsame Inseln.
Und doch weiss ich, dass die Verantwortung für alldies – nicht für die Umstände, sondern für die Zulassungen, die ich ihnen erteile – bei mir liegt, nur bei mir. Ich sollte sie bloss ergreifen, die Freiheit der Verantwortung.
Bloss macht es diese Einsicht nicht einfacher...