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Donnerstag, 28. Februar 2019

Auftakt

Die Fasnacht hat begonnen mit Sonne, Farben, Sujets, (hier zum Beispiel "Hundertwasser"),

Guggen, Wind und Konfetti. Das Zusammenspiel der beiden Letzteren ist bezaubernd für die Augen – sofern sie keinem Linsenträger gehören.

Mittwoch, 27. Februar 2019

Update

Der lange, unruhige Weg zur Aufgleisung des kommenden Schuljahres ist zu Ende, endlich. Wir sind zu Stillschweigen verpflichtet, bis die Eltern offiziell informiert werden, weshab ich auch hier nicht zu schreiben wage. Obwohl ich zutiefst hoffe, dass auf keinem verschlungenen Weg Windwortpfade ins berufliche Umfeld gelegt worden sind, kann ich nicht davon ausgehen.
Die Lösung fühlt sich stimmig an. Ich freue mich auf die Aufgabe, die mir zugeteilt wird. Ich kann an der Schule bleiben und habe im ganzen Prozess immer wieder Vertrauen und Wertschätzung von Leitungsseite erfahren dürfen. Und wie immer erkenne ich im Rückblick, wieviel ich gelernt habe, auch über mich selber. Dafür bin ich dankbar.

Sonntag, 24. Februar 2019

Gäste

Die Fasnacht steht vor der Türe, Hand in Hand mit dem Frühling. Während ich ihr leise seufzend die gute Stube meiner kommenden Woche zur Verfügung stelle, nehme ich ihn beiseite und versuche ihm zu erklären, dass er sich ruhig etwas mehr Zeit lassen dürfte, dass es nicht sehr passend sei, dass die ganzen städtischen Vorgärten jetzt schon gelb leuchten und die Kinder in T-Shirts auf den Pausenplätzen spielen. Er aber hört gar nicht zu. Das hat er sich abgewöhnt. Ich wisse ja, meint er mit schneeglockenheller Stimme, dass es der Sommer sei, der ihn zurück dränge. Und er setzt sich ans offene Fenster und pustet Blütenstaub vom Haselstrauch in die blaue Luft.
Ich kehre zurück zum Gast in meiner Stube und bespreche letzte Kostümdetails und Umzugsrouten, Liedstrophen und Heiterkeitserwartungen. 
Sie hat sich bereits gemütlich eingerichtet, die Frau Fasnacht, wohl wissend, dass sie nun fast drei Wochen bleiben wird. 

Wir werden ihr ein paar Konfetti (sorry, die heissen hier ja Räppli) streuen, Mehlsuppe kochen, die gewohnten Lieder singen und mit der Schule die gebastelten Kostüme durch die Strassen tragen. Und es wird wie jedes Jahr ein Widerhall von Trommel- und Pfeiffenklängen in der Luft liegen. 

Ursprünglich wollte sie damit den Winter vertreiben, nun vertreibt sie sich die Zeit mit dem Frühling. Die Zeiten ändern sich eben.

Donnerstag, 21. Februar 2019

Alltägliche Unwichtigkeiten

Hier ist ausnahmsweise mal grad ziemlich viel los. Ich freue mich über Abendhimmelfarben, Pausenbegegnungen, Aufwachen in der Nacht und Realisieren, dass ich noch liegen bleiben kann, freundliche Kassiererinnen, Zufallsbegegnung mit einer Bloggerin am Zebrastreifen... Morgen steht die alljährliche Reise mit Bus und Bahn zur Kunsteisbahn mit der Klasse auf dem Programm. Solche Tage machen mich im Vorfeld immer etwas nervös. Es braucht ziemlich viel Energie, damit alle Kinder mit all ihrem Gepäck, allen Kleidern und Thermoskannen gesund wieder nach Hause kommen. Und gleich danach geht es dann in die Stadt, wo wir den Tochtergeburtstag feiern, weil es ihr zwischen Schule und Chorprobe nicht nach Hause reicht. 
So Dinge eben, wie sie alle in ihrer Farbe und Form tagtäglich erleben. Oberflächenbewegungen, Tauchgänge sind selten. Es bleibt bei der Sehnsucht. Immerhin.

Montag, 18. Februar 2019

Wegbegegnung

Gestern im Strassengraben gefunden, dort, wo die Sonne seit Monaten nicht mehr hingelangt ist mit ihren Strahlen, dort, wo die Kälte wie ein See liegen bleibt, auch wenn nur wenige Meter daneben der Frühling mit aller Keimkraft zu wirken begonnen hat. Mich bringen diese Schatteneisblumen nicht weniger zum Staunen als die ersten Frühlingsboten.

Sonntag, 17. Februar 2019

Geburtstagsmorgen

Ich hatte versprochen zu erzählen.
Eine Mutter, die in sich die Erinnerung an den letzten Tag ihrer Tochter trägt, erwacht früh, so früh wie damals, als die kurze Nacht auf der unbequemen Liege neben dem Intensivplatz endete mit der blitzartigen Gewissheit, dass dies die Stunde des Abschiedes ist. Ein Mutterherz kann diesen Moment nicht vergessen, kann nicht ohne Ergriffenheit durch die Erinnerung gehen, muss aufstehen und Feuer machen und all die Dinge tun, die es im Leben zurück behalten haben.

Um halb sieben machte ich mich auf den Weg, in mir das leise Beben wie ein kleines Echo von der Erschütterung jener Dämmerstunde. Damals schneite es, ohne dass ich es bemerkt hatte. Diesmal begann ein wolkenloser Himmel mit einem hellen Saum zu erwachen. Meine Füsse grüssten all die Steine wie vertraute Bekannte, die tausendfach den Weg gezeichnet haben hinunter zu diesem kleinen Flecken Erde am alten Dorfrand. Es war morgenstill und kalt, die Erdschollen hart gefroren und von weissen Kristallen überzogen. Ich stellte die mitgebrachten Kerzen auf die Wegplatte, füllte aus der Flasche Wasser in die Vase, schälte die Blumen aus dem grünen Papier und stellte sie ins Wasser. Dann entzündete ich die Kerzen und freute mich seufzend über das Licht und den vertrauten Duft nach heissem Metall. Es war gar nicht so einfach, Stellen zu finden, auf denen die Kerzen stehen konnten ohne abzurutschen.


Frieden. Grösse. Stille. Die Dämmerung schien zu lächeln, mit jedem Atemzug ein Bisschen mehr. Die kleinen Lichter vor dem Stein antworteten mit friedlichem Leuchten. 

Und dann begann die Amsel zu singen! 

leise, ungeübt noch, aber so unendlich schön, und ihr Lied sank hinein in das Mutterherz und öffnete es und fand darin ein zitterndes Glück, tiefe, schüchterne Liebe und eine unfassbare Dankbarkeit.

Samstag, 16. Februar 2019

701

Eben sehe ich beim Blick auf die Bearbeitungsseite, dass der Geburtstagspost der 700. war in diesem Blog. Eine schöne Zahl! Immerhin war der 14.2. auch der 3. "Geburtstag" von Windworte. Danke für euer Hiersein. Danke für eure Kommentare. Danke dafür, dass ihr es aushält, dass Mirjam immer noch genannt wird. Ich möchte später noch berichten von vorgestern. 
Mit einer Art Sehnsucht denke ich heute an diesen Tag vor 10 Jahren mit all seinen Wundern an Mirjams stillen Bettchen, die so trostvoll den Schmez betteten. Es ist die Sehnsucht nach intensiv gelebtem Leben, nach dem Verbindung zur Bedingungslosigkeit, nach der unglaublichen Intensität, die geboren wurde aus dem einzigen, was damals möglich war: Moment um Moment zu leben, nur den nächsten Atemzug zu schaffen. 
Heute könnte ich aus Freiheit tun, was damals alternativlose Überlebensstrategie war. Warum gelingt es nicht? Warum ist Alltag so träge und feige? Oder ich?

Donnerstag, 14. Februar 2019

Mittwoch, 13. Februar 2019

...

Bei allem Schrecken und aller Verzweiflung, welche mein Leben aufrissen in diesen letzten Stunden, wurden doch auch unglaubliche Geschenke gesät, als würde Mirjam dafür sorgen, dass ich überleben kann, wenn sie gegangen ist, als würde der Tod auch gebären. Bewusst erkennen konnte ich diese Wunder erst im Nachhinein, denn in jenen Tagen lebte ich "bewusstlos".
Es war wohl aus einer Strohhalmhoffnung heraus, dass wir den Hausarzt anriefen an diesem 13. früh, oder es war tatsächlich ein tieferes Wissen um die Kreise, die das Leben legte. Da sassen wir jedenfalls im ersten Morgenlicht in dieser Praxis, die schon bald mein Rettungsanker werden sollte. Ich kann mich nur an den einen Satz erinnern, den ich geschrien (?) hatte, und an dieses unendlich stärkende Gefühl, wahrgenommen zu sein in allem abgrundtiefen Entsetzen. Das ganze Konstrukt von Schuld und Verantwortung löste sich auf und liess die Energie einströmen, mit der ich mein Kind bedingungslos begleiten konnte auf seinem Weg, egal wohin er führen sollte. Sosehr heilsam gestärkt und gesegnet für das, was kommt, verliess ich diesen Ort an jenem Morgen.
Ich habe in all den Jahren danach, in denen ich von diesem Menschen zurück ins Leben begleitet wurde, nicht verstanden, was genau geschieht. Ich nannte es Gnade, ich stanunte, ich überlebte. Ich weiss nicht, ob ich es geschafft hätte ohne diese Insel, wo alles Platz hatte, wo ich kein Urteil spürte, wo in einer zutiefst heilsamen, wunderblauben Energie Atmen wieder möglich wurde, wo ich Mut hatte, hinzuschauen, wo ich mir selber begegnete auf eine völlig neue Weise, wo Begegngnung stattfand auf einer Ebene, in der Mirjam präsent sein konnte wie nirgendwo sonst.
Als diese Insel vor bald drei Jahren verschwand, schien auch Mirjams Präsenz sich zu wandeln. Als hätte sie die Aufgabe des ersten Jahrsiebts erfüllt. Was bleibt ist eine Dankbarkeit, die bisweilen fast schmerzt, weil sie keine Form mehr findet, ist ein Wissen oder Ahnen um die Verbindung jenseits von Leben, Tod, Verstand, Beweis und Gefühl. 
Ich weiss, dass sie in ihrer zeitlosen Formlosigkeit jetzt da ist, diesen Moment ermöglicht, erfüllt mit Klang, Wärme, Duft und Stille. Und darin ist alles enthalten, was die Essenz ihres Weges mit all seinen Geschenken ist, auch jenes von dieser segensvollen Insel. Dieses ganz besonders.

Dienstag, 12. Februar 2019

heute

Natürlich ist es äusserlich ein Tag wie ein anderer auch. Wir feiern einen Geburtstag, untersuchen Malrechnungen, üben die Grossschreibung nach dem Punkt, turnen, ich rede mit Kolleginnen über Pensenfragen, Haarfarben der Schüler, die Einrichtung eines neuen Mailaccounts, mit einer Mutter über Streptokokken, mit der Tochter über deren ach so schreckliche Klasse und überhaupt alles, ich leere die Altpapierkiste, kaufe ein, beruhige einen Vater, dessen Tochter ihre Uhr im Turnen hat liegen lassen....

Und doch liegt da über dem Tag der Schleier des Zwölften, dieses Donnerstaglicht, die Intensivstation, der letzte Blick in die geliebten Augen, die bangen Stunden im kleinen Warteraum, während nebenan drei Ärzte um das junge Leben kämpfen. Am liebsten würde ich mich ganz dort hinein lehnen in diesen Teil meines Lebens, der die Kraft hatte, alles zu verändern, möchte ihn mit meinen Tränen zum Leuchten bringen, möchte hinüberlauschen zu ihr und sie bitten zu antworten. 

Der Schlagzeuger in der Vortragsstunde, in der auch eine Tochter spielt, trommelt alle Stille hinweg. Sein ganzes junges Leben legt er hinein in sein leidenschaftliches Spiel. Ich lasse es geschehen.

Samstag, 9. Februar 2019

Der Neunte

Das Erinnerungskraussell beginnt zu drehen, ich kann nichts dagegen tun. Heute Abend sind 20 Jugendliche zum Geburtstagnachfeiern hier. Das wird ablenken. Doch da ist dieses Licht, der Lichteinfall, die Zeit der Dämmerung, die Geräusche vom Wald, ..., da ist so vieles, was sich in meinem Körper untrennbar verbunden hat mit dem Geschehen damals – vor 10!!!!!! Jahren.

Freitag, 8. Februar 2019

bühnenreif

Heute die letzten drei Elterngespräche und wieder eine neue Pensenidee. Eigentlich erstaunt es mich, mit welch erschöfpender Hoffnung ich mich nach Sicherheit sehne. Mein "spirituelles Ich" suffliert mir nämlich Heilsames zur Unsicherheit. Regie und Beleuchtung gehen pragmatischer mit dem Drehbuch um.

Mittwoch, 6. Februar 2019

Unsicherheiten

An einer Schule von der Grösse der "meinen" beginnt die Pensenplanung für das kommende Schuljahr, kaum dass man im laufenden richtig angekommen ist. Unser erstes Gespräch als Klassenteam mit der Schulleitung fand bereits im November statt und war für mich ein nachhaltiger Schock. Es wurde mir klar, dass Dienstjahre und Sicherheit in einem engen Zusammenhang stehen, dass Schülerzahlen nicht langfristig kalkulierbar sind, dass meine persönlichen Wünsche zwar wahrgenommen werden, aber so vielen Rahmenbedingungen untergeordnet werden müssen. Anfang Januar fand dann das zweite Gespräch statt, da brach auch das Notkonstrukt, das wir uns aus den bekannten Umständen gebaut hatten, zusammen. Ich bekam Angst, und die Angst ist bekanntlich einer der schlechtesten Ratgeber. 
Am vergangenen Wochenende kumulierte dieser Prozess in zwei beinahe schlaflose Paniknächte. Ich fühlte mich ziemlich neben den Schuhen, als ich am Montag zum nächsten Gespräch kam. Die eingeladene Kolleginnenauswahl war eigentlich Rätsellösung genug. Ich wusste, dass damit mein Pensum nicht zu füllen war.
Und dann kam es wieder ganz anders. Neue Zahlen, Überlegungen von einer anderen Seite, und plötzlich ein noch nicht spruchreifes Angebot, welches seit November völlig unrealistisch schien, eines, welches ich mit grösstem Glücksdank annehmen würde, aber eben noch nicht ausgereift. Was es noch braucht bis zur erhofften Reifung, weiss ich nicht. Ich wage mich nicht richtig zu freuen, noch nicht. 
Aber ich habe geschlafen die letzten zwei Nächte, tief und fest, und die Haut hat sich auch beruhigt. Ende März werden die neuen Verträge gemacht. Es ist absehbar.

Feuer

Jedes Feuer ist neu und anders. Jedes hat seinen eigenen Charakter, seine eigene kleine Lebensgeschichte. Jedes summt sein eigenes Lied, welches nur an diesem Tag gesungen werden kann. Jedes spielt auf seine Art mit dem Wind. Jedes Feuer ist ein flüchtiger, aber wirkungsvoller Gast. Jedem einzelnen bin ich zutiefst dankbar, dass es uns Lebensqualität und Geborgenheit schenkt, Tag für Tag, dass es das Tor bildet zwischen der Nacht und dem neuen Tag.

Montag, 4. Februar 2019

Morgenfundstück

Du solltest über kein Gefühl sagen, dass es klein oder unbedeutend sei. Wir leben nur allein durch unsere einfachen, schönen und wunderbaren Gefühle. Und jedes einzelne Gefühl, mit dem wir ungerecht umgehen, ist ein Stern, dessen Licht wir rauben.
Hermann Hesse

Sonntag, 3. Februar 2019

Wunsch

Eine Stunde am Wochenende, eine einzige, die frei ist von Pflichten, eine, in der ich machen darf, was ich will, am liebsten gar nichts.
Oder aber einen hellen Gedanke, der so hell ist, dass er über den ersten Wunsch lachen kann und sagt: Das geht schon! Das schaffst du! Tu mit Freuden, was du tust, dann ist nichts zuviel oder so ähnlich.
Oder Fröhlichkeit, einfache, heitere Fröhlichkeit, so wie letzten Donnerstag, als es während der Schulstunde zu schneien begann in riesigen Flocken und die Kinder staunend da sassen und strahlten.
Oder eine Prise Gewissheit hie und da, dass es Sinn macht, was ich tue.
Und sonst den Mut, es zu lassen. (Wenn daran nicht die Existenz einer ganzen Familie hängen würde...)


Unser Klassenmandala ist um die Sechs erweitert worden.
 
Die Antischubsalbe muss unheimlich stark sein. Ob auch sie es war, die sich stundenlang gegen meinen Schlaf gestemmt hat letzte Nacht, obwohl ich totmüde bin?

Samstag, 2. Februar 2019

Schub

Wahnsinn, so wörtlich habe ich dieses Phänomen noch nie erlebt. 
Seit gestern Mittag schiesst mit einer unheimlichen Hitze eine neue Schmerz- und Entzündungswelle in meine beiden Hände. Die Haut ist zeitweise empfindlich bis zur Berührungsunfähigkeit. Und das Verrückte ist: Es fühlt sich irgendwie gesund an, als würde sich viel tiefer etwas lösen, was blockiert war. Dieses Etwas scheint zu drängen: Pass auf dich auf. Schalte drei Gänge zurück! Ich kann nicht hinhören. Neun Elterngespräche nächste Woche, die Materialbestellung für das kommende Schuljahr, die ich vorgestern hätte abgeben sollen, ein Stapel Rechnungen auf dem Schreibtisch, ein Geburtstagskind am Montag – und dann bin ich ja eigentlich noch Lehrerin, auch nächste Woche. Ich schiebe den Schub zur Seite und weiss, dass es falsch ist. Aber es gibt keine Alternative. Schreiben tut gut.

Freitag, 1. Februar 2019

Morgengruss

Guten Morgen Februar
Zum zehnten Mal begrüsse ich dich nun mit diesem schalen Gefühl, mit diesem Nebeneinander von Angst vor dem Erinnerungsschmerz und der sehnsuchtsvollen Freude, gerade darin der Unsterblichkeit nahe zu sein, näher als sonst vielleicht. Amselmonat, Schneeglöckchenmonat, Eismonat, Brückenmonat, Lichtwachstumsmonat, Intensivmonat. Willkommen in meinem Leben.