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Sonntag, 31. Dezember 2017

letzter


 🌔

Wiedersehen

Samstag, 30. Dezember 2017

dreissigster


 🌔

Lieblingsdinge

Freitag, 29. Dezember 2017

neundundzwazigster


 🌔

Volltreffer

Donnerstag, 28. Dezember 2017

achtundzwanzigster


 🌔

👆             

Mittwoch, 27. Dezember 2017

siebenundzwanzigster


🌓

Vorgänger

Dienstag, 26. Dezember 2017

sechsundzwanzigster


 🌓

Lieblingstag

Montag, 25. Dezember 2017

zwanziguhrvierzig



fast 
halb

fünfundzwanzigster


 🌓

 frohes Fest!

Sonntag, 24. Dezember 2017

vierundzwanzigster


 🌒

 (v)erglühen

Samstag, 23. Dezember 2017

dreiundzwanzigster


 🌒

 Festbelichtung

Freitag, 22. Dezember 2017

zweiundzwanzigster


 🌒

zum letzten Mal

Donnerstag, 21. Dezember 2017

einundzwanzigster


 🌒

Mitten am Nachmittag 
bricht sie herein, 
die längste der Nächte.
 
Nun ist es geschafft!
Mehr geht nicht, 
nicht dunkler, 
nicht tiefer, 
nicht lichtferner. 

Für mich beginnt heute der Frühlingsweg.  
Die Bewegung richtet sich wieder 
dem Licht entgegen. 
Da ist wieder Hoffnung. 
Das Bewusstsein beginnt wieder 
die starre Erde zu erreichen. 
Dort, im totalen Rückzug, 
kehren sich die Kräfte um.

Wendepunkt
.

Während der Wehen lernte ich, 
nach dem Ausatmen einfach zu warten, 
bis die Luft 
von selbst
wieder 
einströmt. 
Dieser Moment war immer schmerzfrei, 
seltsam ruhig 
und zauberhaft. 

...

Mittwoch, 20. Dezember 2017

zwanzigster


 🌒

Fensterblickwinkel

Dienstag, 19. Dezember 2017

Montag, 18. Dezember 2017

achtzehnter


 🌑

flockenleicht

Sonntag, 17. Dezember 2017

siebzehnter


 🌑

Überlegung

Samstag, 16. Dezember 2017

sechzehnter


🌘

Unterlegung

Freitag, 15. Dezember 2017

fünfzehnter


 🌘

Vorvorstellungsbühnenbild

Donnerstag, 14. Dezember 2017

vierzehnter




Himmelswurzeln

Mittwoch, 13. Dezember 2017

dreizehnter


🌘

angehimmelt

Dienstag, 12. Dezember 2017

zwölfter


 🌘

Letzte

Montag, 11. Dezember 2017

elfter


 🌗

Schmelzpunkt

Sonntag, 10. Dezember 2017

zehnter


 🌗

Fensterplatz

Samstag, 9. Dezember 2017

neunter


 🌗

trotzdem

Freitag, 8. Dezember 2017

achter

 
🌖

lösungsorientiert

Donnerstag, 7. Dezember 2017

siebter


 🌖

Argument

Mittwoch, 6. Dezember 2017

sechster


 🌖

handlungsbefugt

Dienstag, 5. Dezember 2017

fünfter


 🌖

Lichtquellen 

Montag, 4. Dezember 2017

vierter


 🌕

Barbarataggeschenk

Sonntag, 3. Dezember 2017

Samstag, 2. Dezember 2017

zweiter


 🌕

erlaucht

Freitag, 1. Dezember 2017

Donnerstag, 30. November 2017

Ausblick

Letztes Jahr hatte ich mir die Aufgabe gestellt, jeden Tag im Dezember ein Bild mit nach Windhausen zu bringen. Im Nachhinein hatte ich mir damit das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht, weil es genau dieses achtsame Hinspüren in die Besonderheit des Alltäglichen war, welches mich durch die äussere Dunkelheit der letzten Wochen im Jahr getragen hat. 
Daher erstaunt es mich nicht, dass ich den Versuch ein zweites Mal wagen möchte, auch wenn es sich nach einem Nachmittag in der überbeleuchteten, lauten Stadt etwas grotesk anfühlt, der Überflut an Bildern noch einige mehr hinzuzufügen. 
Vielleicht macht der Fokus den Unterschied, zumindest für mich! Mal schauen...

Mittwoch, 29. November 2017

siebenhunderteinunddreissig

Ein paarmal habe ich heute schon dran denken müssen – an den plötzlichen Entschluss vor zwei Jahren.

Dienstag, 28. November 2017

laut, dunkler, am wenigsten

So, nun haben mich die Schülerinnen und Schüler lange genug angehustet. Ich kann jetzt auch bellen und krächzen. Dafür bin ich seit heute in einen wirklich warmen Wintermantel gepackt, wenn ich die Häuser und Fahrzeuge wechsle. Die Entscheidung fühlt sich richtig gut an. 
Tiefergründiges liegt heute nicht drin, das hat der Dauerregen weggespült oder es hat sich im Dämmerlicht des Novembertages aufgelöst in Einheitsgrau.

Montag, 27. November 2017

Vertrauen

Nur ein Satz heute, einer, der mir im Theaterstück, welches die Unterstufenkinder am Vormittag erleben durften, so tiefen Eindruck gemacht hat.

"Wie werden wir dorthin kommen?"
"Die Erde wird uns tragen!"

Ist das nicht eine wundervolle Antwort? Ich möchte sie nie wieder vergessen.

Sonntag, 26. November 2017

Sonntags

Da ich schon gestern abend gewusst habe, dass zwei der "Kinder" erst mit den frühen Morgenverbindungen zurückkommen werden und daher das Frühstück wohl eher zu Mittagessenszeiten stattfinden wird, habe ich das Backen auf heute früh verschoben und den Abend etwas entspannter ausklingen lassen. Längst ist nichts mehr übrig von ihm,


doch hierhin stellen mag ich ihn trotzdem, als Sonntagsgruss für alle, die mögen, und als Willkommensgruss sozusagen für eine der ganz seltenen Windgäste, welche ich persönlich in diesen Raum (wieder) eingeladen habe. Eigentlich war es damals vor zwei Jahren ja mein Ziel, mein  privates, sogenanntes reales Umfeld vom Schreiben zu trennen und mich den zahlreichen unheilsamen Verstrickungen zu entziehen. Doch wenn ich Menschen begegne, die das vergängliche, unberechenbare des Windes mit der Gratwanderung des Wortes zu verbinden verstehen, dann öffnet das Vertrauen schon mal die sonst geheim gehaltene Türe. (Natürlich weiss ich, dass im www Geheimhaltung nicht möglich ist. Das ist das Risiko, welches ich eingehe und welches mich vorsichtig sein lässt, immer noch und immer wieder.)

Sonntägliche Schreibtischgrüsse ins WindWirbelWortLand.

Samstag, 25. November 2017

Isolationshüllen

Manchmal ist sie schon etwas seltsam, die Frau, mit der ich durch dieses Leben gehe. Da hat sie sich zum ersten Mal seit sie denken kann eine neue Winterjacke bestellt, nachdem sie jahrelang oder lebenslänglich(?) bloss immer ausrangierte Jacken von Freundinnen, Schwestern, dem Vater(!), Kolleginnen, Hütemädchen... durch die kalte Jahreshälfte getragen hatte.
Nun steht das Paket seit drei Tagen verschlossen im Eingang, und sie traut sich nicht, es zu öffnen. Sie meint, sie habe Angst vor den Bemerkungen, die kommen würden: zu dunkel, zu lang, zu peinlich, zu klassisch, zu sportlich, zu wenig oeko... Ich versuche ihr dann klar zu machen, dass es ja um sie ginge, dass sie sich damit wohl fühlen müsse, dass sie das Teil auch zurückschicken könne (was garantiert dazu führen würde, dass sie ein weiteres Jahr in einem der ausgedienten Stücke herumlaufen würde), dass sie mit ihrer Unsicherheit die Kommentare förmlich anziehe und bestimmt nur jene hören werde, welche sie verunsichern, dass sie dies als gute Übung nehmen dürfe für ihre Aufgabe, zu sich und ihren Entscheidungen zu stehen, nicht nur wenn es um Kleider gehe, ... Sie scheint gar nicht zuzuhören. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie ein solches Paket ungeöffnet in einer Ecke warten lässt, bis die Mahnung kommt und sie gar keine Wahl mehr hat. 
Seltsames, unsicheres Mädchen, welches da in ihr stecken geblieben ist. Und ich tu mich so schwer mit ihrem Seltsamsein, was bestimmt nicht heilsam ist.

Mittwoch, 22. November 2017

Weinraum

Einfach weinen wollen manchmal am Abend, weil es so pausenlos fordernd ist von früh bis spät, weil die Kraft nicht mehr reicht, auch abends noch geduldig zu sein, Wünsche zu erfüllen und den Perfektionsansprüchen zu genügen – den eigenen. Und weil es so brutal klar ist, dass der einzige Mensch, der an dieser Situation etwas verändern kann, ich selber bin. Doch weinen geht nicht, der Kloss steckt zu fest. und wenn ich erst im Bett liege, bin ich so müde, dass ich schlafe, bevor das Weinen den Weg hoch findet. 
Schreiben ist manchmal wie weinen, danach lässt es sich vielleicht besser Brotteig kneten. Auf denn...

40 Minuten später
Das Brotteigkneten erschafft Wärme auf mehreren Ebenen. Es hilft z.B., in aller Ruhe noch einmal auf den Tag zurückzublicken, welcher ja keineswegs nur aus der abendlichen Erschöpfung bestand. Er hat – zumindest in der Schule – auch mit Beinah-weinen begonnen.
Da unser Schulzimmer sich im dritten Stock befindet, kommt es nur ganz selten vor, dass Eltern am Morgen ihre Kinder bis vor die Zimmertüre begleiten. Heute war eine der ersten Ausnahmen, und nachdem fast alle Kinder bereits im Schulzimmer waren, streckte die Mutter des Letzten noch ihren Kopf herein und bat um eine ganz kurzes Erklärungsgespräch (welches sich auch wirklich als sehr notwendig herausstellte!). Ich trat mit ihr auf den Gang und schloss hinter mir die Türe, wohl wissend, dass dies für die Klasse eine ungewohnte und daher sehr offene Situation ist.
Nach etwa drei Minuten verabschiedeten wir uns und ich kehrte entschlossen zum sofortigen Lektionsbeginn zurück ins Zimmer. Kaum hatte ich die Türe geöffnet, schallte mir das Morgenlied entgegen, wie ich es noch nie gehört hatte. Die Kinder standen im Kreis und sangen so voller Innbrunst und Freude darüber, dass sie mich überraschen konnten, dass mich wirklich für eine Weile ein heisses Weinen zumindest innerlich schüttelte.
Backen werde ich morgen früh.

Dienstag, 21. November 2017

.

Weisst du, am liebsten würde ich jetzt einfach eine Schale mit Nüssen und Äpfeln hier auf den Windtisch stellen, ein Blatt Papier und Stifte daneben legen und morgen abend, wenn ich wieder komme, wäre die Schale leer und das Blatt voll.

Sonntag, 19. November 2017

Gartennovember

Für eine Waldrunde hat es schon ewig nicht mehr gereicht. Beim letzten Mal war er noch grün, nun steht er kahl. Heute habe ich wenigstens eine kleine Fotorunde durch den verwilderten Garten gemacht, bevor ich mich an den Schreibtisch gesetzt habe.

Die kleine Mirjamrosenblüte ist mir schon vor zwei Tagen aufgefallen. Als hätte sie keine Ahnung von November, blüht sie da mitten im ungepflegten Beet vor sich hin und schenkt mir jedes Mal, wenn ich an ihr vorbei gehe, einen warmen Extraherzschlag.




Die Rebe an der Hauswand hat sich entblättert. Einzig die Lebensimpulse des frühen Frühlings, welche im April erfroren sind, hängen noch. Sie sind wohl zu jung gestorben, um sich richtig lösen zu können.




Ob sie sich noch entfalten wird? Die Schneeschauer der letzten Nacht scheint zumindest keinen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.


In den Herbstferien hat der jüngste Sohn das Gartenhäuschen, welches fast neun Jahren lang auf der Grundstücksgrenze gestanden hatte und unterdessen gezeichnet war von Wind und Wetter, zurückgebaut und entsorgt. Einige Details hatte er sorgfälltig gelöst und zur Aufbewahrung zur Seite gelegt – und vergessen. Als ich neben der wieder erblühten Christrose ein paar trockene Stauden auszupfte, fand ich ein Brett auf der Erde liegen, hob es auf und 

Samstag, 18. November 2017

zukünftige Vergangenheit

Wenn ich – sollte es in meinem Leben dieses "später" je geben – einst ein Gemisch von gekochtem Hafer, Holzfeuer, Kaffee, Duschmittel, frischer Wäsche und Bananen riechen werde, so werde ich mich unweigerlich zurückversetzt fühlen in die frühen Morgenstunden von damals, als ich mit einem Teil der Kinder noch im Haus lebte, werde vielleicht sogar körperlich spüren, wie dicht diese Minuten waren zwischen dem Weckerklingeln und den 100 Sekunden vor Tramabfahrt, und ich würde mich nicht wundern, wenn ich dann, im Rückblick, sogar Wehmut empfinden werde.

Donnerstag, 16. November 2017

...

Diese Tage mit ihren Nebeltüchern und den vermummten Hügelzügen über dem Wald, mit den einsamen Schweinchen in den erfundenen Geschichten, welche sich Igel zu Freunden machen und von den Kindern für Bären gehalten werden, mit den Mützen, die in Jackenärmeln stecken bleiben und Strassenlaternen, welche mitten am Nachmittag milchig zu leuchten beginnen, weil sie nicht sicher sind, ob die Nacht bereits wieder vor dem Dorf steht, mit ihrem späten Duft nach Apfelkuchen und frischem Rauch, mit Erinnnerungen, die auf schwarzen, leeren Nussbäumen sitzen und unbeweglich dem leisen Seufzen unten auf dem Weg lauschen, diese Tage hätten, um sich etwas wichtiger zu fühlen, gerne Namen und bekommen sie nicht.

Mittwoch, 15. November 2017

Tat oder Wahrheit

Ein paar Dinge, die ich nicht kann:

Meerestiere essen – einen Weg begehen, wenn das Gelände auf einer oder auf beiden Seiten steil abfällt – Autofahren – jemanden anrufen, wenn der Anruf nicht abgesprochen ist – Spinnen in die Hand nehmen – mich auf Weihnachten freuen – mir Menschen aus dem Herzen reissen, welche nicht mehr in meinem Leben stehen

Dienstag, 14. November 2017

titellos

Kennst du das quälende Gefühl, dass du etwas sagen möchtest, aber der Hals ist zugeschnürt, die Luft erreicht die Stimme nicht, die Angst antizipiert alle möglichen Reaktionen und meint dich schützen zu müssen, indem sie die Räume in deinem Denken mit Entsetzen und Leere füllt, wo sonst die Sprache Brücken baut? Kennst du dieses Abgeschnittensein vom Fluss der Worte und den Schmerz, wenn dein Schweigen als Gewaltanwendung taxiert wird?




Die Pause, welche die Haut mir gönnt, kriegt ihre Chance. Satz um Satz. Blick um Blick. Schatten um Schatten. Schmerz um Schmerz. Und jedes Hinschauen und jedes Nichtfliehen hilft heilen. Heute durfte ich einen Entzündungshemmer anzetteln. Ein weiterer Prozess bekommt Raum. Hier heisst das Mittel "Geduld". Ich versuche sie mir zu schenken.

Sonntag, 12. November 2017

Novänder



Immer wieder ist es der November, welcher die zwingendste Lektion für mich bereit hält. Nach der Fülle, Weite, Grosszügigkeit und Wärme der hellen Jahreshälfte will er wieder hinein führen in das Unscheinbare, will meine Freude wecken am Graugeglaubten, will vielleicht gar Mut machen, dem Rückzug der Lebenskraft in den Schutz des Bodens zu folgen, und er leuchtet mit dem glühenden Spahn des Herdfeuers in die dunkeln Winkel, lässt Schatten tanzen und beleuchtet rotschimmernd das Konzert des Windes im Kamin. 
Heute habe ich begonnen, mich zu ergeben.


Freitag, 10. November 2017

heute so...

 

Lueg mis Räbeliechtli aa
ich has sälber gmacht
und jetz lüchtets hell und klar
dur die dunkli Nacht!


Mittwoch, 8. November 2017

verschlüsselt


 


Am liebsten würde ich gar nicht viel dazu sagen. Diese kleine, bodennahe Türe in einer uralten Mauer am Steilhang zum Rhein sprach eine melancholische Sprache, als ich sie entdeckte und zu ihr niederkauerte, von lebenslänglicher Suche, Generation um Generation, von verschlossenen Türen und verlorenen Schlüsseln, von vergessenen Räumen dahinter. Doch bestimmt kann sie auch ganz anderes erzählen. Der Hörer soll entscheiden, was er sieht.

Dienstag, 7. November 2017

Lebenslauf

Vor 23 Jahren um diese Zeit lag ich glückselig im Gebärzimmer und merkte nicht, dass der Kinderarzt um das Leben meines soeben geborenen Sohnes kämpfte. Er war blau und hatte noch keinen Ton von sich gegeben, doch ich war nach den Strapazen dieser ersten Geburt überrollt von Glücksgefühlen, wurde genäht und hatte keine Ahnung, dass normalerweise Babys wesentlich grösser und schwerer und Nabelschnüre viel dicker sind und kein Kinderarzt ins Gebärzimmer gerufen wird. Bald darauf dieser erste Schrei, der durch Mark und Bein ging und etwas später dann das winzige Bündelchen Mensch auf meiner Brust, zugedeckt mit warmen Decken. Nun war ich Mutter. 






Es ist nicht das erste Mal, dass ich dieses Bild poste. Es ist das erste von ihm und er ist da schon 12 Stunden alt. 
Heute ist wie gestern. 23 Jahre.

Sonntag, 5. November 2017

Unerwartetes

Der Weiterbildungstag begann damit, dass die Technik nicht funktionierte. Mit meiner perfekt ausgestatteten Tagungsmappe sass ich in der Aula, blätterte die Teilnehmerliste durch, schaute mir zu, wie ich versuchte mir klar zu machen, dass dies eine ganz nornale Situation sei: Ich sitze auf einem Stuhl, 150 andere Lehrpersonen, Schulleiterinnen und Schulleiter vor, neben und hinter mir, ich kenne keinen, die Fenster sind gross und sitzen in schwarzen Vierecken, draussen nieselt der Herbst vor sich hin, ich rede mit keinem, was kein Grund ist, mich schlecht zu fühlen, weil nicht reden genauso richtig ist wie reden.
Vorne berieten sich die headsetausgestatteten Moderatoren und Redner und fanden irgendwann sichtbar erleichtert eine Lösung. Der Riesenbildschirm wurde hell. Strahlend betrat die Gastgeberin die Bühne.
Es folgten dem Programm gemäss Bergrüssung und Einführung ins Thema. "Unerwartetes im Schulalltag erwarten!"
Wenn soviele Lehrer zusammen sind, ist es selten ganz still. Die Köpfe dieses Volkes stecken so oft voll von Richtigkeiten und Wichtigkeiten, die mitzuteilen zweifelsohne höhere Priorität hat als zuzuhören, was da vorne gesprochen wird. Ab Montag stehen sie dann wieder selber vorne und erwarten von den Kindern störungsfreie Aufmerksamkeit. Ich spürte Ungeduld und Gereiztheit. Es fiel mir schwer, das Gewisper auf allen Seiten wegzufiltern und mich zu konzentrieren auf die Begeisterung des Tagungsleiters.

Als nach 20 Minuten der Prof. em. Dr. Tagungsredner die Bühne betrat, wurde es endlich still. Er wusste zu fesseln vom ersten Augenblick an. Wortgewandt, spielfreudig, rhetorisch brilliant, anschaulich und vielschichtig beleuchtete er seine Modelle, machte Mut, der Komplexität von Wechselwirkungen im Unterrichtsalltag  mit Vertrauen und Improvisationsfreude zu begegnen, versuchte uns dafür zu begeistern, dass im Unerwarteten ein unglaubliches Lernpotential und die Chance für Neues steckt, klickte sich durch seine Präsentation und schaffte es, den Saal sicher einmal jede Minute zum Lachen zu bringen.
Da wurde er von einer jungen Frau in meiner Reihe unterbrochen: "Könnten sie bitte die letzte Folie noch einmal zeigen, mir geht das zu schnell." Das in Aussicht gestellte Handout änderte nichts an der Forderung der Hörerin und bereitwillig klickte der Herr Dr. noch einmal zurück, um gleich darauf fortzufahren.
Da er, wie er mehrfach betonte, nicht im dem schulischen Kontext geforscht und gearbeitet hat, schilderte er anhand eines Beispieles aus der Medizin die Vielschichtigkeit eines Prozesses, welcher in eine ausweglose Situation mündet und danach reflektiert und aufgearbeitet werden muss.
Unmittelbar vor der Auflösung des spannenden Falles wurde er erneut unterbrochen. Wieder war es eine Frau, welche hörbar genervt intervenierte: "Wissen sie, wie lange sie jetzte schon über dieses medizinische Beispiel sprechen? Wir kommen hier alle aus dem Schulbereich, es dürfte doch nicht so schwierig sein, an einem Beispiel, welches uns näher liegt, zu eräutern. Ich habe da zum Beispiel letzte Woche die Situation erlebt, dass..." und sie schildert die Konstellation ihres Problems.
Im Saal wurde es unruhig. Fast jeder drehte sich kurz nach der Rednerin um, folgte irritiert oder widerwillig der Unterbrechung. Ich ärgerte mich. Wie wichtig nimmt die sich? Hat die wirklich das Gefühl, alle hier interessieren sich mehr für ihre Geschichte als für die spannende Darstellung, in die wir eingetaucht waren? Kann die den Transfer, den der Redner vorschlägt, nicht machen? 
Erstaunlicherweise ging der Kritisierte ziemich locker mit der Störung um. "Wissen sie was? Haben sie Lust, den zweiten Teil des Vortrages mit mir zusammen zu gestalten, dann kommen sie doch nach vorne!" Freudig ging die Frau auf seinen Vorschlag ein und stand kurz darauf auf der Bühne, zusammen mit dem Tagungsleiter.
Dieser fand, es wäre jetzt an der Zeit - nein, nicht einzugreifen – sondern aufzulösen und uns mitzuteilen, dass die beiden Frauen Schauspielerinnen und die Störszenen geplante Inszenierungen waren. 
Und dann erschienen auf dem Bildschirm die Fragen an uns: Wie haben sie sich während dieser Unterbrechungen gefühlt? Was haben sie den Sprecherinnen gegenüber empfungen? Haben Sie sich solidarisiert mit dem Referenten? Wie hätten sie reagiert? 
"Ich werde nicht gerne ertappt", notierte ich an dieser Stelle. Vor mir stand das Chaos vom Freitagnachmittag, mein Chaos, weil ich mit der Komplexität an Unerwartetem nicht kreativ umgehen konnte, meine Gefühle dann und jetzt.

Hören Sie nie auf, Fragen zu stellen, infrage zu stellen, ermunterte er uns abschliessend.
"Es gehen mehr Fragen verloren, als Antworten gefunden werden."

Samstag, 4. November 2017

sinnlicht

Auch wenn du es momentan schwer hast, 
wünsche ich..... 
deinen Füssen Leichtigkeit 
deinen Händen Zärtlichkeit 
deinen Ohren Musik 
deinen Augen Schönheit 
deiner Nase Rosenduft 
deinem Mund ein Lächeln 
deinem Herzen Liebe 
deiner Seele Frieden. 

Damit mögest du gesegnet sein. 

Buddhistischer Segensgruss






Als Fundstück empfangen und das Bedürfnis zu teilen gespürt. Über den heutigen Tag werde ich erst die Nacht sich senken lassen.

Freitag, 3. November 2017

Mondtag am Freitag

Schon tröstlich, wenn man die Unruhe einer Klasse auf den Mond schieben darf. Heute war definitiv mein erster Chaostag.
Ich brauche ein Bett, und wehe, du da oben am Himmel lässt mich nicht schlafen!


Donnerstag, 2. November 2017

Schul....

Beim Einkaufen begegne ich einem früheren Studienkollegen mit seiner jüngsten Tochter. Nach einer freudigen Begrüssung frage ich das Mädchen, wie es ihr* denn gehe. Sie zieht die Augbrauen hoch, rollt die Augen und pustet laut hörbar die Luft aus ihrem ganzen angespannten Körper. Der Vater übernimmt das verbale Antworten und ergänzt: "Das ist echt hart. Mit der fünften Klasse ist die Kindheit vorbei, Ende schönes Leben!" Details folgen, hier nicht.
Mir wird elend. Er beschreibt die Institution, in der ich arbeite, schildert die Elternsicht, den Blick auf ein Kind, welches noch so verspielt ist und es kaum erträgt, zu Hause nach sieben vollen Schulstunden noch 60 Minute Hausaufgaben dran zu hängen. 
Darf sich die Schule wirklich die Verantwortung für einen solch brutalen Eingriff in die natürliche Menschenentwicklung aufladen? Darf es sein, dass ein zehn- oder elfjähriges Kind nur noch dafür lebt, die Erwartungen einer Lehrperson und allzuoft auch die der ehrgeizigen Eltern zu erfüllen? Dürfen wir unter dem Vorwand der Lebensvorbereitung (wann genau fängt das Leben eigentlich an?) die lernzielorientierte Arbeit über das freie Spiel stellen, jenen Ort, wo das Kind sich, seine Stärken und seine Freude entdecken und erleben kann? Wollen wir und brauchen wir wirklich Erwachsene, welche zwar genau gelernt haben, die Erwartungen, welche an sie gestellt werden, um jeden Preis zu erfüllen, jedoch erschrocken leer nach Ablenkung suchen, wenn sich ihnen die Frage stellt: "Und du, was willst du? Was tut dir gut?"
Es geht darum, die Fragen zu lieben. Ich möchte keinen Tag als Lehrerin arbeiten, an dem ich mir dieser Herausforderung nicht bewusst stelle.

* Es fällt mir so schwer, grammatikalisch korrekt mit "es" fortzufahren.





Dienstag, 31. Oktober 2017

ohne mich

Schattenspringen war noch nie meine Stärke. Und ich ahne, dass ich es an Halloween nie schaffen werde. Klar verpacke ich Süssigkeiten für die Kinder, die an der Türe Sturm läuten, ich höre freundlich ihren Versen zu und staune über die Mütter, die auf der Strasse warten und ihre Gruppe dann zur nächsten Haustüre begleiten.
Aber dass ich je eine solche Gruselmaskierung schön finden oder Kotzkürbisse schnitzen oder ein Kostüm ehrlich bewundern werde, das bezweifle ich sehr, geschweige denn, dass ich Garten oder Haus mit Skeletten, Gespenstern und Gummispinnen schmücken würde. 
Ist einfach nicht meins. Dabei ist es nicht der Tod, den ich verbannen möchte. An den denke ich wohl täglich. Vermutlich ist es irgendein Gefühl, dem ich mich nicht stellen möchte. Süss oder sauer.