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Freitag, 31. Dezember 2021

365/365 Erfüllung

Es ist wohl der erste Neujahrsvorsatz meines Lebens, dem ich treu geblieben bin. Zwei Faktoren haben mir dabei gehofen, nicht aufzugeben: Die Zahlen und die Menschen, die vorbei gekommen sind, um diesen Hauch eines jeden Tages flüsterleise wehen zu lassen. Eigentlich sind auch die allermeisten dieser Menschen Zahlen, aber das ist ok. 

Ich danke beiden, denn für mich hat diese selbstgewählte Verpflichtung einen Halt gegeben, der mich selber erstaunt hat. Jedem Tag eine klitzekleine Essenz abzuringen, welche keine Persönlichkeitesrechte verletzt, war Herausforderung und gesunde Distanzhalterin zugleich, Distanz zu den Alltagsverwicklungen, die oft in den Details von blonden Locken, Parfüms, Turnhallenstundenplänen und allem, was ich mir selber öffentlich zu diskutieren in diesem Pandemiejahr verbot, verwickelt waren.

Eine neue Herausforderung steht bereits vor der Türe. Ich weiss aber noch nicht, ob ich sie herein lassen werde. Mit der Entscheidung warte ich bis nächstes Jahr und wünsche allen, welche es noch vor Mitternacht hierher schaffen, einen versöhnlichen Jahresabschluss – und wie gesagt: Danke!

Donnerstag, 30. Dezember 2021

364/365 Planen

Es tat gut, heute einen Teil des Kollegiums zu tteffen, wenn auch nur virtuell. Es tat gut, die Fragen zu stellen und zu hören, dass andere ähnliche Fragen haben, dass einige sogar weinen, weil immer mehr von dem, was uns den Beruf lieb macht, verboten wird, versteckt wird, als Gefahr eingestuft wird. Heute bekamen wir eine Liste, an welchem Wochentag wir in der Pause noch ins Lehrerinnenzimmer gehen dürfen: Jede Person einmal pro Woche, immer in denselben Kleingruppen. Sport mit Maske, auch die Erstklasskinder, und so, dass der Abstand gewahrt werden kann. Fernunterricht (ab drei kranken Kindern in einer Klasse) so organisieren, dass alle Kinder etwa gleich lange zu tun haben. Das bedeutet für das privilegierteste Kind etwa 20 mal soviel Material wie für das Benachteiligste, weil dort niemand ist, der Kraft und Sinn hat, einen Rahmen zu schaffen, in dem gearbeitet werden kann. 

"Irgendwann werden wir das Virus laufen lassen müssen", wurde heute eine Expertin zitiert. Ich freue mich auf irgendwann, auch wenn man das ja nicht laut sagen darf. Ich habe bloss geflüstert, Ehrenwort!

Mittwoch, 29. Dezember 2021

363/365 Reise in die Vergangenheit

In der Mediathek des Schweizer Fernsehens bin ich auf die Sissi-Filme gestossen. Ich hatte die zuvor nie gesehen und mich nicht mit Monarchien auseinandergesetzt, ausser als wir es damals im Geschichtunterricht tun mussten.

Gestern nun zappte ich druch den zweiten und dritten Film und begann danach, die Biographien der Protagonisten und Protagonistinnen zu studieren, las von Exil, psychischen Krankheiten, Verbannung, Intrigen, Macht, Elend. Heute führten mich die verschlungenen Pfade ins englische Königshaus mit den Geschehnissen im 16. Jahrhundert, als der König die Macht hatte, seinem ganzen Volk die Religion aufzuzwingen, weil es seine Geliebte nur heiraten konnte, wenn er Rom nicht unterstand und als Oberhaupt der eigenen Kirche seine erste Ehe für ungültig erklären konnte.

Als ihm diese Frau nach drei Jahren noch immer keinen Thronfolger "schenkte", sondern bloss ein Mädchen und danach zwei Todgeburten hatte, inszenierte er einen Intrigenprozess, der zur Enthauptung seiner Gemahlin führte. 

Entsetzt, verwirrt und schaudernd denke ich an das Leben damals, das Leben als Frau oder als Untertan allgemin, an die narzistische Willkür der Monarchen, der alle ausgeliefert waren. Und ich denke an Länder und Kulturen, in denen jetzt in dieser Stunde Frauen ähnlich leiden, fürchten um ihr Leben, kein Recht aben, keine Freiheit, sondern der Willkür und dem Fanatismus von Anführern ausgeliefert sind. 

Und ich denke an die Freiheit, in der ich hier leben darf, deren Einschränkung ich beklage, obwohl ich alle Chancen habe, jedem Augenblick mit meinem Leben zu antworten.


Dienstag, 28. Dezember 2021

362/365 Nacht

Dieser Tag startete verplant, mündete dann jedoch bald in ein Plätschern von Nichtstun. Offenbar brauche ich das einfach auch. Draussen stürmte und regnete es. Geplätscher also auch in der Dachrinne.

Montag, 27. Dezember 2021

361/365 ...

Und wieder ist es spät geworden. Ich war heute bei meiner Mutter, zusammen mit einer Schwester und deren Familie. Dadurch waren fünf Stunden meines Tages mit Reisen gefüllt. Die Züge und Buse sind fast leer. Auf eine Reisende entfallen etwa 4 Abteile à je 4 Plätze. Es ist zwar eine angenehme, aber auch eine gespenstische Stille in den Fahrzeugen. Man schaut sich nicht an. Aus dünnen Schlitzen zwischen Masken und Mützen starren die Augen auf die Handys. Was geschieht da mit uns Menschen? Wohin treibt uns dieses Misstrauen, die Angst vor Nähe?

Nur am Bahnhof, da gehen zwei aufeinander los, brüllen sich an, dass der ganze Platz erstarrt in ihrem Geschrei. Wie wilde Tiere wirken sie, voll bebender Wut und Verzweiflung.

Ich denke oft an die Mütter dieser Welt, welche jetzt und je ihre Familien in Not und ihre Söhne im Krieg wissen. Ich weiss nicht genau warum. Vielleicht weil mir der Gedanke hilft, dankbar zu sein, vielleicht weil ich in diesen zeiten ahne, wie das Leben sich anfühlen kann in dieser ständig lauernden Bedrohung durch Hass und Unmenschlichkeit. 

Ich wähle die Dankbarkeit für den Weg in den Schlaf.

Sonntag, 26. Dezember 2021

360/365 frohes Fest

Nun sind sie bis auf eine alle wieder weg. Im Abstand von etwa drei Stunden ist einer nach der andern gegangen: Zum Freund, nach Hause, Zum Kollegen, zu einem Abendessen und schliesslich der letzte in die Berge. Da ist soviel Staunen, Dankbarkeit, Glück, Müdigkeit und Wehmut nebeneinander in mir.

Samstag, 25. Dezember 2021

Freitag, 24. Dezember 2021

358/365 full house

Ich fühle mich wie zuhause❣️🕯🍾

Donnerstag, 23. Dezember 2021

357/365 Alternative

Normalerweise würde ich in diesen Tagen meinen Weihnachtsjahresbrief schreiben, gestalten, kopieren, Umschläge adressieren, wo es reicht von Hand noch ein paar persönliche Worte dazu schreiben, Briefmarken suchen, auswählen und aufkleben und dann, meist im letzten Augenblick, mit dem ganzen Stapel zur Post oder zumindest zu einem gelben Briefkasten gehen.

Dieses Jahr ist es anders, wie so vieles. Statt Weihnachtbriefen gestalte ich ein Arbeitsheft für den Fernunterricht nach den Ferien, putze, wasche.

Doch dann liegen im Briefkasten diese selbstgestalteten, handbeschriebenen Karten, vertraute Schriften, die jedes Jahr zu Weihnachten grüssen, Blicke in Jahre voller Schicksale. Sehnsuchtswecker sind das. Begegnungssehnsucht, Schreibsehnsucht. Beides. Vielleicht führt sie mich ja nach Weihnachten doch noch an den Schreibtisch, vielleicht weckt sie neben der Sehnsucht auch die Worte, die mir dieses Jahr fehlen. Es ist so dürr. 

Nur die Briefmarken, die hätte ich schon.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

356/365 Freuden, die die Welt nicht braucht

Zum ersten Mal in diesem Blogjahr kommt jede Ziffer im Titel doppelt vor. Wie kann man sich bloss über solche Treffen derart freuen!? 

Gefreut habe ich mich auch heute Mittag: Ich habe exakt jene drei Minuten erwischt, in denen die Sonne über den Wald steigt und beleuchtet, was die Kälte der Nacht viele Stunden zuvor gemalt hat. Doch wie es der Sonne entspricht: Sie leuchtet zwar, doch gleichzeitig wischt sie auch aus – oder verwandelt. Jedenfalls war der kleine Baum beim nächsten Blick aus dem Fenster wieder braun und kahl wie all die Wochen zuvor.


Post war zu dem Zeitpunkt noch keine im Briefkasten. Dafür hatte an ihm auch hier die Nacht ihre Spuren hinterlassen.



Dienstag, 21. Dezember 2021

355/365 oder minus zehn

Schon verrückt, wieviele Themenkreise tabu geworden sind. Bald bleiben noch das Wetter, die Katzen und vielleicht die Unordnung auf meinem Schreibtisch und die Suche nach der Kundenkarte an der Kasse, die vier jungen Strassenmusikanten, die wohltuende gedämpfte Stimmung im Bücherladen, das minikurze Gespräch mit einer Frau im Lift. Ach ja, und natürlich die Sonnenwende! Für zehn Tage könnte es reichen! :)

Montag, 20. Dezember 2021

354/365 Ablenkung

Es ist wirklich eine wohltuende Alternative zum Weihnachtsschnupfen: Den Tag im Schulzimmer zu verbringen, mit dem Aquarellkasten zu experimentieren, Rechnungsmandalas zu kreieren, eine Turnstunde vorzubereiten, welche die Kinder dann in der Wohnung abhalten sollen, Aufgaben so zu formulieren, dass Eltern sie einigermassen verstehen können, an der neuen Sitzordnung zu basteln, farbiges Papier zuzuschneiden für Scherenschnittexperimente... und zu Hause dann eine Semesterarbeit zu korrigieren. Jetzt, in der Nähe des Bettes, hüstle ich wieder eine Irritation im Hals weg. Erfolgreich.

Sonntag, 19. Dezember 2021

353/365 Angst

Ich lerne viel über die Angst, wie sie wirkt und wie sie es schafft, Macht zu übernehmen, indem sie lähmt, wer ihr gehorcht. Immer wieder gelingt es mir, diesen Spielen zu entrinnen, doch die letzten Monate mit diesem andauernden Ringen sind nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Vor drei Jahren, als die Tochter als Velokurierin zu arbeiten begonnen hat, war ich stolz, jetzt, da sie die Arbeit nach langer Pause wieder aufnimmt, mache ich mir Sorgen. Als die jungen Menschen anfingen, auch in ihrer persönlichen Freizeit in die Berge zu gehen, freute ich mich. Nun steht auf einem Wunschzettel: "Lawinensuchgerät". Mir wird ganz flau. Früher vertraute ich meinem Körper, pflegte ihn mit Wärme, Bewegung, Teetrinken und Schlaf. Heute bringt mich ein unbekanntes Ziehen im Bauch oder ein Stechen im Hals kurz vor den Wahnsinn. 
Niemals möchte ich ihr das Zepter überlassen in meinem Königreich. Doch sie hat an sovielen Stellen meine natürlichen Grenzen von Vertrauen und Zuversicht untergraben, schlüpft irgendwo herein und zieht sich erst zurück, wenn ich ihr den roten Teppich zum Hauptausgang ausrolle.

Samstag, 18. Dezember 2021

352/365 Korrektur

Das Ding mit der Pubertät ist wohl doch noch nicht ganz ausgestanden. Oder es liegt an meiner eigenen. Wie sonst wäre es erklärbar, dass die Tochter richtig allergisch auf mich reagiert und es aktiv vermeidet, im gleichen Raum wie ich zu sein? Vielleicht atme ich zu laut oder habe eine Art, die Schublade zu öffnen oder mit verschränkten Beinen in einer Zeitschrift zu blättern oder sonst einen Tick, an dem sie verzweifelt. Jedenfalls scheint mein Sosein eine ausgesprochen negative Wirkung zu verbreiten. Doofes Gefühl und am besten zu ertragen, wenn es im besagten Kontext eingeordnet wird.

Freitag, 17. Dezember 2021

351/365 "Ferien"

Der letzte Schultag dieses Jahres ist Geschichte. Es waren verrückte Tage. Alle Kolleginnen versuchten unter Aufwand aller Energie und Phantasie, den Umständen und Einschränkungen zum Trotz weihnachtliche Stimmung und Nomalität für ihre Klassen zu zaubern. Die Feiertagspläne, von denen die Kinder erzählten, klangen wie verzweifelte Fluchtpläne. Ganz zuletzt erklärten zwei kleinlaut und fast beschämt: "Wir bleiben nur zu Hause." Selber werde ich Anfang Weihnachtferien normalerweise krank, nie schwer, einfach Erschöpfungskopfschmerzen, Schnupfen, Husten, das normale Programm halt. Diesmal kann ich mir das nicht leisten, weil es das normale krank nicht mehr gibt. Ich werde entsprechend im wachsamen Verantwortungsmodus bleiben und den Fernunterricht von Anfang Jahr gründlich vorbereiten. Ob sich dabei die Lust auf Weihnachtsbriefschreiben trotzdem einstellen wird?

Donnerstag, 16. Dezember 2021

350/365 Perlenkette

Wenn die Tage Schnüre sind, so sind die Begegnungen, auf die wir uns einlassen, die Perlen, die wir auffädeln.

Mittwoch, 15. Dezember 2021

349/365 Frage

"Wann", fragt sie mich nach einer stillen Weile, "haben Sie sich zum letzten Mal in den Armen eines vertrauten Menschen geborgen gefühlt und entspannen können?"
Ich schaffe es, nicht zu weinen.
Aber verstecken kann ich mich nicht.

Dienstag, 14. Dezember 2021

348/365 nach einer Mail

... bis sie dann auf einmal wieder überschwappt, die Sorge, die Orientierungslosigkeit, die C-Welle. Du schluckst Wasser, hustest, ruderst ziellos mit den Armen und merkst erst Runden später, dass du die wichtigste Kraft verloren hast: Das Vertrauen. Komm setz dich ans Ufer, lausche dem Rauschen, lass deine Haare im Wind trocknen und spüre das Leben, wie es in dir pulsiert.

Montag, 13. Dezember 2021

347/365 Details

Es scheint so, dass ich besser schlafen kann, wenn ich die letzten dreissig Minuten vor dem zu Bett gehen nicht mehr online bin. Es ist ruhiger in meinem Kopf, ich lasse durch ein schönes Buch eigene Bilder entstehen und nehme sie hinüber in den Schlaf. Ein weiteres Experimentierfeld im Alltag, aber auch etwas mehr Zeitdruck auf meinem 365-Projektchen. Zu veröffentlichen gibt es heute nichts. Die Begegnungen während des Tages sind freundschaftlich, heiter und wertschätzend. Die Herusforderungen liegen in den Überraschungen, welche jeder Augenblick bereit hält, Episödchen, welche nicht das Zeug zur Literatur aber doch die Kraft haben, Lächeln zu zaubern. Und nun mache ich mich auf den halbstündigen Weg ins Bett. Hier lasse ich ein paar Grüsse liegen. Bedien dich, wenn du vorbei kommst.

Sonntag, 12. Dezember 2021

346/365 üben

Wir lernen ein Leben lang. Es mag ein Kalenderspruch sein – ich mag es, darüber nachzudenken. Ich habe Kolleginnen, die lernen Fremdsprachen, machen Weiterbildungen zu Therapeutinnen, lernen Gebärdensprache oder Stepptanz. Da bin ich eher träge unterwegs. Mich reizt der Alltag mit seinen unendlich vielen eingespielten und oft unbewussten Mustern.
Zur Zeit übe ich, die Füsse zu entspannen, wenn ich in der Küche stehe. Ja, lach nur, doch was so simpel tönt, ist für mich eine echte Herausforderung und eine Nachwirkung der Physeotherapie, die ich vor einem Jahr gemacht habe, um einer Operation am Knie zu entgehen. Ich hoffe, irgendwann wird es mir gelingen, auch dann entspannt auf dem Boden zu stehen, wenn ich mich nicht darauf konzentrieren kann.

Samstag, 11. Dezember 2021

345/365 Selbstverständlich

Das ist ein Notizzettel, der hier neben und auf und unter hundert anderen Alltagszeugen und Arbeitshelfern liegt. Ein Test für die Herstellung des Geschenkpapiers am Montag. Es fällt mir in diesem Klassenzug nicht leicht, mich zu motivieren für aufwändige Geschenke und liebevolle Kleinigkeiten. Noch nie, gar nie kam irgendeine Reaktion von Eltern auf eine Arbeit, ein Geschenk, eine Aktivität oder irgendetwas, was die Kinder nach hause bringen durften. Ich habe keine Ahnung, ob dies ein Ausdruck von Enttäuschung, Nichtgenügen oder Selbstverständlichkeit ist.
Ich werde es weiterhin versuchen, den Kindern zuliebe. Und ich hoffe, dass wenigstens sie Rückmeldungen bekommen.

Freitag, 10. Dezember 2021

344/365 Ungeduld

Kurz vor Schulbeginn heute früh hatte es begonnen zu schneien, und als der Tag aus der Dämmerung erwachte, war die ganze Welt vor den Fenstern verzuckert. Manche Kinder konnten an nichts anderes mehr denken als an die bervorstehende Schneeballschlacht in der Pause.
Leider ging der Schnee noch vor dem Läuten in Regen über und verpflotschte den zarten weissen Hauch.
"Bitte, macht euch nicht absichtlich nass", bat ich die Kinder. Ich vergass, dass Kinder in diesem Alter auf die Signalwörter hören und "nicht" keines davon ist. Wahrscheinlich aber waren sie innerlich einfach sosehr auf dieses Pausenereignis eingeschworen, dass sie sich nicht rechtzeitig den neuen Gegebenheiten anpassen konnten.
25 Minuten brauchten wir nach der Pause, bis alle nassen Kleider aufgehängt, die Turnsachen angezogen, trockene Socken zusammengesucht und die tropfenden Haare und erhitzten Köpfe wieder kühlgetrocknet waren.
Fand ich nicht lustig.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

343/365 Wichtellicht

Die Weihachtszeit und ich sind nicht wirklich gute Freundinnen. Mir fehlt da ein Gen. Doch dieses Jahr erlebe ich an unserer Schule etwas ganz Feines, Liebevolles, was mich zu verzaubern beginnt. Da sind unerkannte Wichteline unterwegs, welche immer wieder für Überraschungen und kleine Zeichen sorgen.
Vor der Pause heute kam eine Nachricht: "Ins Lehrerzimmer kommen!" Von dort wurden wir weiter geschickt in ein anderes Gebäude, wo ein Ensemble von KollegInnen im offenen Treppenhaus sang und spielte. Wir standen auf drei Stockwerke verteilt und lauschten, dem Alltag für ein paar Minuten entrückt.
Und als ich zurück in mein Zimmer kam, brannte auf meinem Pult die Kerze, welche ich zuvor ausgepustet hatte und daneben stand ein kleiner Weihnachtsstern auf einem roten Blatt Papier: Ein Gruss vom Weihnachtswichtel. "Freue dich einen Tag lang an dieser Blüte und verschenke sie dann unbemerkt weiter." 
Ansteckung kann etwas Wunderschönes sein. Das möchte ich nicht verlernen.

Mittwoch, 8. Dezember 2021

342/365 Wandel

Als vor etwa 22 Monaten als eine der erste Veranstaltung in der Schweiz die Basler Fasnacht abgesagt wurde, ging ein Erdbeben durch die Region, das Land, die Menschen. Es war kaum zu begreifen, dass sowas möglich ist, dass sich Prioritäten so krass verschieben können, dass sich eine Regierung über die Tradition hinweg setzt und Menschen und Betrieben den Höhepunkt des Jahres streicht. Unterdessen zuckt man kaum mehr mit den Schultern, wenn wieder etwas gestrichen wird, ins Wasser fällt. 2000 verkaufte Tickets, was solls. Ein Jahr Proben, dann eben. Fussballspiele, besser so. Projektwochen, ok. Wir nehmen zur Kenntnis und lösen daneben unser Sudoku.
Die Knabenkantorei Basel hat vielleicht geweint, das war der Mail nicht zu entnehmen. Ihr Grossprojekt zusammen mit dem Symphonieorchester ist eine Woche vor den ausverkauften Aufführungen aufgelöst worden. Dafür haben sie sich kurzerhand einen Raum gemeitet und heute eine Dann-eben-so-Probe gestreamt, manchmal lief eine Santichlaus mit seinem Schmutzli durchs Bild. Mir wurde in der Küche mit dem Handy in der Hand nie recht klar, ob das jetzt eine Komödie oder ein Weihnachtsoratorium oder eine Trauerfeier sein soll. Ein Versuch ist es auf jeden Fall, ein Versuch, hell und laut und mutig "trotzdem!" zu singen.


 

Dienstag, 7. Dezember 2021

341/365 mit ohne

Neben dem Kürbissuppenkochen habe ich im Wochenblatt geblättert und eine schön formulierte Interpretation meiner Sternenkostellation gefunden. Ich müsste da mal nachfragen, ob man dort oben auch einen Wellnessplatz ohne Herzblatt buchen kann. Denn was es nicht gibt, kann man ja auch nicht einquartieren.


Montag, 6. Dezember 2021

340/365 Nikolaus

Hast dus gewusst? Oder bin ich der letzte Mensch des Universums, welcher in dieses wunderbare Geheimnis eingeweiht wird? Gelüftet wurde es heute in der Geschichte, die ich in der Klasse vergelesen habe. Versteckt ist es in einer hellen Schale, ummantelt von einer rotbraunen Haut und zwischen zwei miteinander verbundenen Kernenhälften.




Sonntag, 5. Dezember 2021

339/365 Muttersein

Den heutigen Tag habe ich voll und ganz in der Mutterrolle erleben dürfen, auswärts, an der Bachelorfeier der Tochter. Ich liebe meinen Beruf als Lehrerin, aber in solchen Momenten wird mir auch klar, wie unersetzbar tief und erfüllend dieser Teil meines Lebens ist. Es lässt sich gar nicht festmachen an konkreten Gegebenheiten, auch nicht an Gesprächen oder Erlebnissen. Es ist eine Dankbarkeit, die mit den Zellen, mit dem ganzen Sein verwachsen, verbunden ist. Auch wenn nach einigen Stunden fast alle (von denen, die dabeisein konnten) wieder in andere Richtungen aufbrechen, auch wenn ich nur ahnen kann, was ihr Leben als erwachsene Menschen erfüllt und ausmacht, es ist gut wie es ist. Es ist echt. Die ewigen Zweifel, die mich als Lehrerin antreiben, immer noch mehr und noch besser, noch individueller und noch differenzierter zu werden, den spürte ich als Mutter nicht. Ich war oft müde, an der Grenze meiner Kraft, unsicher bestimmt auch, ungeduldig, unperfekt. Aber ich war immer mit meinem ganzen Herzen und mit einem unzerstörbaren Ja Mutter.

Vielleicht veridealisiere ich. Doch heute bin ich dankbar und still glücklich, wie ich das als Lehrerin nie bin, nicht sein kann.

Samstag, 4. Dezember 2021

338/365 vom Weihnachtsmann

Der Oetinger-Verlag öffnet jeden Tag ein Türchen, hinter welchem sich eine Geschichte oder ein Autorenportrait verbirgt. Heute las die Autorin Kirsten Boie ein Stüclk aus ihrem Buch "Für immer Sommerby". Ich sass wie ein Kind vor dem Bildschirm und lauschte, wie ihre Worte Bild um Bild und Stimmung um Stimmung malten, fühlte mit und lachte erleichtert, als das mit dem Geschnkpapier....

Aber hört doch selbst. Die Vorlesesequenz beginnt bei 15:30 und dauert etwa 15 Minuten.

Freitag, 3. Dezember 2021

337/365 Ka...........

Es gibt ein Wort, dessen Rechtschreibung ich jedes Mal, aber wirklich ausnahmslos jedes Mal nachschlagen muss, wenn ich es verwende. Ich wollte es eben in die Betreffzeile schreiben und wusste wieder nicht, wieviele s und l und r dazu gehören.
Das stimmt so nicht ganz: Es gibt einige Wörter, die sich in meinem Kopf so orientierungslos verhalten, das K-Wort ist nur eines davon. Es dreht sich im Kreis – nicht nur in meinem Kopf.

Donnerstag, 2. Dezember 2021

336/365 Glücksmomente

20211202
Amerikanische Schreibweise, erklärt die Tochter. Mit diesem Zahlenspielvirus habe ich alle ein Stück weit angesteckt, auch wenn die einen bloss ironische Sprüche darüber machen. Auffallen tut es allen, wenn Zahlen nicht nur praktisch und Informationen vermittelnd nebeneinander stehen, sondern Schönheit, Klarheit, Verbindung tragen.
Und dann philosophierten wir zu dritt darüber, was es bedeutet, jemanden zu kennen. 
Ich glaube, die Pubertät ist eben daran, sich aus unserem Haus zu schleichen, heimlich, unbemerkt, um dann von weitem zu grinsen, wenn wir plötzlich dastehen und merken: Das war einmal und ist nicht mehr.

Mittwoch, 1. Dezember 2021

335/365 neue Zeiten

Früher, als die Kinder noch Kinder waren, wurden die frischen Weihnachtsguzli immer in einer Dose weggestellt bis Weihnachten. Vor dem Heiligabend gab es kein einziges Stückchen davon. Das war einfach so, da fragte keine, da setzte sich keiner darüber hinweg. Advent war eine Zeit des Wartens, des wachsenden Lichtes, der Vorfreude. Ich gab das vor, die Familie bewegte sich in diesem Rahmen. (Das fühlt sich aus der Distanz seltsam an.)
Heute überkam es den Sohn. Er zauberte zwei Sorten Sterne, Monde und Pilze und präsentierte sie stolz nach dem Backen. "Nimm einfach", sagte er und schaute mir zu, wie ich in den lauwarmen Halbmond biss. Mal sehen, wieviele es in die Dose schaffen...

Dienstag, 30. November 2021

334/365 Windworte

Ich könnte nicht an einem Ort leben, an dem das Wetter kaum eine Rolle spielt, weil es einfach allermeistens sonnig und warm ist. Auch wenn das ganztägige Dämmerlicht zur Zeit nicht leicht auszuhalten ist, es hat doch etwas Lebendiges, Geheimnisvolles, Intensives. Es lassen sich soviele Geschichten erzählen in dieses Grau hinein, und heute hat zusätzlich der Wind mitmusiziert. Er hat davon gesungen, dass jedes Grau irgendwann mündet ins Licht. Ich habe mich hineingeschmiegt in diese kühle, tröstliche Verheissung und mich von ihr wärmen lassen. 

Andere auch unglaublich berührende Wind-Wetter-Lieder hier und hier.

Montag, 29. November 2021

333/365 nicht müde werden

Als würde die Angst mobil machen kommt es mir vor. Ich möchte ihr nicht dienen, denn sie macht klein und schwach. Es ist eine grosse Aufgabe, die wir uns nehmen dürfen: Der horizontalen Sogwirkung mit vertikaler Offenheit zu begegnen. Vertrauen bekommt eine neue Dimension. Lasst uns wach bleiben und mutig, Stunde um Stunde, Tag um Tag.

Sonntag, 28. November 2021

332/365 ausgeredet

Nun habe ich sooo lange geredet, dass ich mich regelrecht ausgewunden fühle. Daher endet dieser 333. Tag des Jahres windwortmässig etwas karg. Ein denkwürdiger Tag: Eine angenommene Pflegeinitiative, der erste Schneefall dieses Winters, der erste Advent, ein vor die Türe gelegter Adventskalender und andere kleingrosse Nebensächlichkeiten, die den Weg hierher nicht schaffen. 
Startet gut in diese Woche.

Samstag, 27. November 2021

331/365 Post

Dann liegt es im Briefkasten schwarz auf weiss, dein eigener Jahrgang, der vertraute Namen, der immer mit Heiterkeit, Musik und Grosszügigkeit verbunden war und mit einem Hut auf dem Kopf. Und mit dem Instrumentenkoffer auf dem Rücken. 
Jene, die um ihren Liebsten trauern, haben folgende Worte ausgewählt, um hineinzulegen, was in der eigenen schmerzhaft zugeschnürten Stimme erstickt.
Ich stehe unter Gottes Schutz, ich weiss das seit geraumer Zeit.
Er nahm den Gram und das Bittere aus meinem Wesen
und machte mich fröhlich.
Und ich will hingehen,
alle anzustecken mit Freude und mit Freundlichkeit.
Hanns Dieter Hüsch

Freitag, 26. November 2021

330/365 hundert Prozent

Dieses Blacke vom heutigen Freitag geht mir sowas von auf die Nerven. Gestern habe ich mit der Tochter Geschichte gelernt, den Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus zu verstehen versucht.

Donnerstag, 25. November 2021

329/365 erlaubt

"Gestern war ich mit Papa im *Name des Elektro-Grossmarktes*. Er hat für mich einen soooo (zeigt mit den Armen eine Breite, die gerade noch zwischen die ausgestreckten Kinderarme passt) grossen Fernseher gekauft. Jetzt habe ich in meinem Zimmer einen eigenen Fernseher und ich habe die ganze Nacht fern geschaut." Zwei strahlende Kinderaugen treffen meinen Blick. "Die ganze Nacht?" frage ich, etwas anderes fällt mir nicht ein. "Schon nicht. Aber gefühlt die ganze Nacht."

Mittwoch, 24. November 2021

328/365 Fundstück

Rezept

 

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

 

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

 

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

 

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

 

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

 

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

 

Mascha Kaléko

 

Dienstag, 23. November 2021

327/365 entscheiden

Hin- und hergerissen zwischen Nachrichten schauen, Zahlen studieren, Kurven vergleichen – und nicht schauen, den Tag mit Sinn füllen, meinen, hier, jetzt.

Montag, 22. November 2021

326/365 Nebeltage

Das Leben schiebt sich durch den Novembernebel. Ich versuche ihm immer wieder Antwort zu geben, meine Haut mit seinen kühlen Tropfen zu netzen, nach vorne zu blicken, dorthin wo ich Richtung spüre, die Fratzen, welche durch das Grau grinsen, anzulächeln. Es ist eine sonderbare Zeit.

Sonntag, 21. November 2021

325/365 von der Zeit entbunden

Ich mag nicht schreiben. Aber ich mag auch nicht aufgeben, jetzt so kurze 40 Tage vor dem Ziel. Dass er jetzt schon seinen Tod bekommen hat, seinen ganz persönlichen, einzigartigen, geheimnisvollen Schritt hinüber in diese Welt, von der wir nichts wissen und doch soviel erhoffen, das wühlt mich auf. Wie gerne würde ich mit ihm darüber sprechen – morgen im Tram, möchte ihn fragen, wie das war, sich von der Familie zu verabschieden im Bewusstsein, dass es der letzte, der endgültige Abschied ist, möchte wissen, ob er Angst hatte, ob er im Frieden war und ist. Er wird nicht mehr einsteigen, nie wieder. Und die Kürbissuppe, die wir nun jahrelang auf nächstes Jahr verschoben haben, die werden wir auch nicht mehr zusammen essen. Man sollte Dinge nicht verschieben. Das wusste seine Familie seit zwei Jahren. Und sie haben die Zeit erfüllt mit Leben und Achtsamkeit. Ein paar weitere Jahre hatte man ihm vor wenigen Tagen in Aussicht gestellt, und dann ging alles so schnell. So anders. So unfassbar individuell.

Samstag, 20. November 2021

324/365 unfassbar

 


Freitag, 19. November 2021

323/365 ...

Sprachlos, erschüttert, verwirrt, traurigst. Es sah so gut aus nach dem schweren 2019. Er arbeitete wieder, schmiedete Pläne, hatte seinen Humor wieder gefunden. Und heute die Nachricht: Er liegt im Sterben. Der Freund aus den jungen Familienjahren, Vater meines Patenkindes, jünger als ich. Ich habe den Eindruck, ich hätte ihn eben noch getroffen vor wenigen Wochen im Tram, wo wir uns oft begegneten und ein paar Stationen Weg teilten. Und jetzt diese Nachricht. Ich hatte nichts mitgekriegt. Nichts. Weil ich ständig mit mir beschäftigt bin.

Donnerstag, 18. November 2021

322/365 Tageslauf

Vom Aufgang der Sonne (Blick aus dem Klassenzimmer kurz vor Unterrichtsbeginn)

bis zu ihrem Niedergang (Auf dem Nachhauseweg im Dorf)


und zum Beginn der Nacht (Blick aus einem Fenster im Haus)
schaue ich immer wieder staunend hinauf in den Himmel, wohlwissend, dass so manches Phänomen der belasteten Luft geschuldet ist.

Mittwoch, 17. November 2021

321/365 keine Ahnung

Oder vielleicht doch? Da legt sich immer mehr ein Schleier von Vorsicht, Resignation, Kummer, Ermüdung, Entfremdung und Verwirrung über die Erde, über die Menschen, über die Schicksalsgemeinschaften. Als ich neu an meinen jetzigen Arbeitsort kam, war mein erster und entscheidender Eindruck: Hier wird gelacht. Da arbeiten Menschen mit Humor und Begeisterung zusammen. Es hat keine grossen personellen Wechsel gegeben seither, aber es wird kaum mehr gelacht. Immer neu nehme ich mir vor, das nicht einfach hinzunehmen, dem Leichten und Heiteren auf der Spur zu bleiben. Aber selbst das fühlt sich oft an wie Schwerarbeit. 

Wird es uns gelingen, dem Licht treu zu bleiben? Wollen wir es überhaupt noch?

Dienstag, 16. November 2021

320/365 Konsequenz

Da die letzte Nacht beinahe schlaflos war, falle ich jetzt gleich ins Bett. Träumt was schönes!

Montag, 15. November 2021

319/365 In eigener Sache zum 2.

Seitdem ich am 23. Oktober die Frage nach dem Mobil-Design der Blogoberfläche gestellt und die Kommentarfunktion geöffnet hatte, sind meine Leserzahlen laut Statistik um etwa 60% eingebrochen. Das hat mich schon etwas irritiert, weil es mir schwer fiel, einen Zusammenhang zu diesem Post zu finden. Vielleicht sind so viele abgesprungen, weil ich die Kommentare nicht beantwortet habe, dachte ich mir schulterzuckend. Nun habe ich realisiert, dass einfach überhaupt keine Seitenaufrufe von mobilen Geräten mehr gezählt werden. Und dass auf einen Schlag alle LeserInnen, die via Handy surfen, abspringen, scheint mir doch eher unwahrscheinlich.
Ich kümmere mich da nicht weiter darum. Das tolle an Statistiken sind eh die schönen Zahlen, und die gbt es nach wie vor, heute früh zum Beispiel:


 

Sonntag, 14. November 2021

318/365 Grenzgang, Grenzfahrt und Grenzflug

Diese sechs Bilder entstanden heute Morgen aus der fahrenden Tram innerhab weniger Sekunden. Leider kriege ich sie nicht in die richtige Reihenfolge. Das erste hier gehört an die vierte Stelle, aber jedes Mal, wenn ich sichere, setzt es sich wieder an den Anfang. Man könnte dies bestimmt ändern, ich nicht.
Was ich sagen wollte: Die Krähen und die Wolken bewegen sich hier völlig frei zwischen Frankreich und der Schweiz. Kann man als Nichtwissende erkennen, auf welchem Staatsgebiet jeweils die Bäume stehen?






Samstag, 13. November 2021

317/365 Küchenfensterblick

Zur Zeit schaue ich nur am Wochenende bei Tageslicht aus diesem Fenster, daher verändert sich der Blick von Mal zu Mal markant. Heute früh hing da das letze Blatt, voller Melancholie und Ergebenheit, falls diese Mischung Sinn macht.


Freitag, 12. November 2021

316/365 müde

Und wieder eine Woche. 

Zum ersten Mal seit einem Monat wartet jetzt ein Wochenende ohne Zusatztermine. Das fühlt sich an wie kleine Ferien. 

„Ohne“ macht manchmal soviel Unterschied, dass ich ein richtig schlechtes Gewissen bekomme. 

Heute war ein Tag ohne die Herausforderung von ADHS. Ich wage kaum darüber zu sprechen, wie krass anders das war, wobei ich nicht mal so sicher bin, was „das“ beinhaltet. 

Ich denke jedenfalls, dass ich heute schlafen kann. 

Donnerstag, 11. November 2021

315/365 näblig ischs und tunkel

 
In mir drin sind so viele schöne Bilder. Zum Beispiel das eine, als wir zuvorderst still standen und zurück schauten auf die etwa 120 Kinder, von denen nur das Licht zu sehen war, das sie trugen. Nachdem der Räbeliechtliumzug zuerst ganz auf der Liste der gestrichenen Anlässe gestanden hatte, konnten wir einen Kompromiss aushandeln: Die Eltern mussten beim Schulhaus zurückbleiben und der Kindergarten (resp, alle sechs) feierten individuell ohne die Schule. So konnten wir die geforderten Zahlen erfüllen. Und das ist ja die Hauptsache. Leider war es schwierig zu singen. Meine Maske tropfte nach zwei Liedern beim Anstieg auf den Hügel und bald mochte ich gar nicht mehr anstimmen. Trotzdem: Der Abend war perfekt. Neblig. Kalt. Windstill. Dunkel. Und das Kind, welches vor einem Jahr nur geweint hatte, lief strahlend mit.

Mein Lieblingslied
 
Mit mim Räbeliechtli
gang ich langsam hei
näblig ischs und tunkel
ich bi ganz elei.

Aber ich bi zfriede,
mini Fründe wartet scho.
Sie händ nämlich extra
sLatärnli use to.

Mittwoch, 10. November 2021

314/365 Unterbruch





Da war heute soviel Erschöpfung und Grenzwertigkeit spürbar in den Begegnungen. Wieder versteckt zu sein hinter den Masken scheint aufzuzeigen, woher wir in den letzten Wochen neue Energie zu beziehen begannen oder eben wohin sie fliesst, wenn sie gestoppt wird. Die Augen des Kindes, welches mir sonst an den Lippen hängt, verloren sich traurig im Nirgendwo. Es sass die Stunden ab, schaute mal rechts, mal links, aber die Trittbrette waren weg und so fuhr der Zug noch und noch ab ohne dieses zarte Wesen. Das doofe Plastikfenster läuft ständig an, verrutscht im Gesicht, zwingt mich immer wieder, micht hinzusetzen und meinen Atem zu beruhigen.


Das Thema Gefühle habe ich abgebrochen. Wir beginnen nun Dinge zu üben, für die es genügt, wenn ich Papier verteile, das ausgefüllt werden kann. 

Und morgen schnitzen wir erst mal noch Räben.

Dienstag, 9. November 2021

313/365 negativ da positiv

Dieser seltsame Moment, wenn ich da vor dem leeren Fenster sitze und weiss: Gleich werde ich schreiben, weil ich es so will, weil dieses Weiss und ich uns für dieses Jahr versprochen haben, es als Chance zu nehmen, uns gegenseitig zu inspirieren. Manchmal mag das Weiss nicht, manchmal stellen sich die Worte quer, manchmal kann ich nicht abschütteln, was durch Nachrichten und Mails hereinwirkt. Heute zum Beispiel die Nachricht, dass wir ab morgen sofort wieder strikte Maskenpflicht haben auf dem ganzen Schulareal, wozu selbstverständlich auch das Klassenzimmer gehört. Ich werde diese extra angefertigten Modelle tragen dürfen, bei denen der Mund durch ein kleines Fenster sichtbar ist, damit auch das Kind, welches mich nur über die Mikrofonanlage hören kann, auch Lippen lesen kann. Ich sehe damit sowas von bescheuert aus, das lässt sich wirklich nicht in Worte fassen, da kann das Blatt oder das Fenster noch so weiss sein.

Montag, 8. November 2021

312/365 So ein Tag

so neben der Spur wie heute, so ein Tag, der darf getrost vergehn.

Gesucht habe ich nach was ganz anderem. Hiermit übergebe ich – den Tag, die Härte in meinem Denken, die Hilflosigkeit, das Nichtwissen. Ich lasse es mit den Klängen hinaustragen ins Nicht- und Allesverstehen.  
 

Sonntag, 7. November 2021

311/365 Im Moment



 

(Die drei Bilder sind Ausschnitte aus einem einzigen Blick in den Ofen.)

Der gestrige Tag gehörte einer schulhausinternen Weiterbildung. Heute stand ich daher vor einer für mich schwierigen Entscheidung: Riskiere ich es, ohne Vorbereitung auf eine neue Schulwoche zuzugehen und statt dessen im Haushalt soviel zu investieren, dass ich wieder einmal Besuch empfangen kann oder gebe ich wie immer der Schule den Vorrang und bitte um Verständnis? 

Der Besuch war dann nur zweieinhalb Stunden hier, in meinem Arbeitszimmer stehen jetzt zwei grosse Kisten mit Dingen, die ich noch richtig sortieren und versorgen muss. Doch ich denke, es war trotzdem die richtige Entscheidung und hoffe, dass ich nun schlafen kann, denn so konzept- und ziellos fühle ich mich schon ziemlich unentspannt.

Samstag, 6. November 2021

310/365 Wunderwesen

Nicht alles lässt sich erklären. Nicht jede Frage bekommt eine Antwort. Nicht jedes Geheimnis lässt sich lüften.

Jeder Tag aber hat ein Ende. :)

Freitag, 5. November 2021

309/365 Heute bin ich ....

Kennt jemand dieses Buch oder die entsprechenden Karten? Unser Thema seit einiger Zeit sind die Gefühle. In "Heute bin ich" leuchtet zu jedem Gefühlsadjektiv ein einzigartiger Fisch. Ich bin ziemlich verliebt in diese Bilder, und die Klasse war ungewohnt intensiv und motiviert am Rätseln, wie jeder einzelne Fisch sich fühlen könnte. Wir haben dann selber gemalt. Den Hintergrund hätte ich gerne schwarz gehabt wie im Buch, doch mit dem Material, das ich dafür gekauft hatte, wollte es nicht klappen. Wenn jemand dunkelgraue Oeko-Holzbeize braucht: Ich könnte einen ganzen Topf davon abgeben.



Heute zum Wochenabschluss (vor der Turnstunde ;) ) lag dann die Palette von 15 verschiedenen Fischkarten auf dem Teppich. Jedes Kind durfte sein Wichtelchen bei jener platzieren, welche seinem Gefühl nach dieser Woche am meisten entspricht und seine Wahl auch begründen. Sechs standen am Schluss auf glücklich (Hatte vor allem mit der Herbstmesse zu tun), fünf auf stolz und eines auf betrübt. Das Kind, welches diesen glücklichen Fisch hier oben gemalt hat, meinte: "Ich bin betrübt, weil diese Woche schon wieder vorbei ist und wir nun zwei Tage nicht in die Schule gehen können."

Donnerstag, 4. November 2021

308/365 Verwirbelung

Das war ein seltsamer Tagesbeginn heute. Begonnen hat er damit, dass er nicht begann, hesst, der Wecker ging nicht los, vermutlich mein Fehler, denn diese Geräte machen ja keine. Glücklicherweise haben meine Katzen die Zeitumstellung noch nicht kapiert und weckten mich rechtzeitig mit ihrem hungrigen Miauen. Kaum stand ich aufrecht, realisierte ich, dass ich bei der Vorbereitung des Tages die Turnstunde einfach ausgeblendet hatte. Das ist mir noch nie passiert und jede andere ausgefallene Stunde würden die Kinder mit Schulterzucken akzeptieren, nicht so die Sportstunde. Glücklicherweise fiel mir eine Erklärung ein, die nicht mal gelogen ist. Dann kam ich zur Tram und alle Stammplätze waren besetzt. Klar, völlig unproblematisch, aber ein untrügerischer Beweis dafür, wieviel Stabilität  der Alltag aus solch winzigen Ritualen und Gewohnheit bezieht.

Den ganzen Tag lang konnte ich das seltsame Gefühl, dass eine leichte Schieflage eingetreten ist, nicht mehr loswerden. Gute Nacht!

Mittwoch, 3. November 2021

307/365 Ausfall

 307 fällt hier aus zeitlichen Gründen aus, hat aber stattgefunden.

Dienstag, 2. November 2021

306/365 ....

Das darf ich wohl erzählen ohne grenzüberschreitend zu sein?

Seit den Herbstferien haben alle drei zweiten Klassen zusammen einmal die Woche Chorsingen. Ich leite die Proben und bin noch jedes Mal aufgeregt und nervös. Es sind doch fast 60 Achtjährige, die ziemlich viel – naja – Phantasie und Mitteilungsbedürfnis haben. Heute haben wir die Lieder für den Laternenumzug geprobt. Ich habe eine Melodie gespielt und gefragt, ob jemandem die Worte dazu in den Sinn kommen. Ein Mädchen meldete sich, ich gab ihr das Wort.

Doch sie begann zu singen, hell, rein und fein, eine ganze Strophe. Alle Menschen im Saal waren mucksmäuschen still, hielten verzaubert den Atem an. 

Nach dem letzten Ton floh ich hinter das Klavier, griff in die Tasten und forderte damit alle auf, das Lied mitzusingen, während mir die Tränen übers Gesicht liefen.

Was für ein Licht vermag ein einziger kleiner Mensch zu sein!

Montag, 1. November 2021

305/365 fremde Federn

Heute ein geklautes Bild von srf-Meteo. Ich finde es so unfassbar schön. Ansonsten habe ich Mühe mit der Zeitumstellung wie lange nicht mehr. 


 


Sonntag, 31. Oktober 2021

304/365 auf den Punkt bringen

Meine Kinder haben alle eine spezielle Beziehung zu meiner Emotionalität. Bei der Jüngsten ist es am intensivsten. Sie mag es nicht, wenn ich laut lache, ihr ist es peinlich, wenn ich ausser Haus Spontaneität zeige, erzähle ich etwas, was mich aufgewühlt hat, wird sie nervös und beginnt zu beschwichtigen. Ich kann mir das nur so erklären, dass es für sie in den grossen Krisenzeiten meiner letzten 15 Lebensjahre oft schwer und belastend war, mit meiner Trauer und Überforderung konfrontiert zu sein. Wenn die Kinder von der Schule oder vom Kindergarten nach hause kamen, wussten sie nicht, wie sie mich antreffen würden. Das hat sie geprägt und ich würde es, wenn ich könnte, ungeschehen machen. Als sie vorgestern beim gemeinsamen Essen nach mehreren Einatemanläufen sagte, sie müsse mir etwas sagen, und das würde für mich jetzt bestimmt nicht einfach sein, hat sie mir fast leid getan. Sie versuchte mich irgendwie so einzustimmen, dass ich weder überrascht noch enttäuscht noch aufgebracht noch überhaupt irgendwie reagieren könnte. Ich konnte mir nach dieser mehrminütigen Einleitungen von Schwangerschaft bis Auszugsplänen und irgendwelchen Kleindelikten oder Geldsorgen fast alles vorstellen. Ich wartete einfach, versuchte ganz offen zu sein und spürte meine Traurigkeit über diese Notwendigkeit der Absicherung.

Und dann stand er endlich da, der entscheidende Satz, der eigentlich nur ein paar Sekunden dauerte und aus meiner Sicht auch ohne Vorspann hatte da stehen dürfen.

"Ich habe mich entschieden, vegan zu leben!"

Es entstand ein langes, sehr beeindruckendes Gespräch, in dem eine junge Frau spürbar wurde, die das Mädchen immer deutlicher hinter sich lässt. Ich nehme die Herausforderung an und bis gespannt.

Samstag, 30. Oktober 2021

303/365 Lichtblick

Ich bin unterwegs zu meiner Mutter. Eine graunasse, dämmrige Landschaft zieht am Fenster vorbei. Immer wieder fallen mir die Augen zu. Auf einmal fällt durch ein Wolkenloch irgendwo im Rücken des Zuges die Abendsonne ins Tal. Was für ein Moment!



Morgen um diese Uhrzeit wird es Nacht sein. 

Freitag, 29. Oktober 2021

302/365 ….

W

O

C

H

E

N

E

N

D

E

(Meine Schulwoche hört immer mit einer Turnstunde auf und entlässt mich in der Lehrerinnengarderobe ins Wochenende.)

Donnerstag, 28. Oktober 2021

301/365 unbewusst

Vielleicht ist der Kontext nebensächlich, inhaltlich zumindest. Das Gespräch mit der Heilpädagogin, welches mich heute den ganzen Nachmittag begleitet hat, ergab sich im Anschluss an die letzte Morgenlektion. Wir hatten uns nach mehreren Vorgängerlektionen heute auf die Suche nach Wörtern gemacht, die beschreiben, wir wir uns manchmal fühlen.

Nach einer eifrigen Suchaktion im eigenen Erlebnisradius haben wir die Wörter an der Wandtafel gesammelt, links Gefühlszustände, die wir als angenehm empfinden, rechts die schwierigeren. Zum Schluss schrieb ich rechts noch ein Wort aus meinem Erlebnisbereich dazu: "ungeduldig". (Habs dann wieder weggeputzt)

"Ich habe neulich einen spannenden Kurs besucht", begann sie. "Es ging darum, welche Wirkung die Verneinung in der Sprache auf die Kommunikation hat." Jedes "un-" und "ent-" verneint eigentlich den nachfolgenden Wortstamm. Und sie erzählte von den zum Teil spannenden Suchen nach positiven Formulierungen.

In mir regte sich sofort Widerstand, doch mittlerweile weiss ich, dass dies genau die Momente sind, in denen mich etwas sehr dirket angeht. 

Erst als sie längst gegangen war, begann mir zu dämmern, dass sie das Thema bestimmt nicht bloss dieses einen Wortes wegen angeschntten hatte. Vermutlich beobachtet sie in meiner Sprache ziemlich viel Negativformulierung. Ständig neue Sätze kamen mir in den Sinn, welche in meinem unreflektierten Alltags/Unterrichtswortschatz zirkulieren. "Ich möchte nicht, dass ihr jetzt....", "versucht, nicht dies oder jenes zuerst zu machen,,,", "Bitte sprich nicht mit vollem Mund!" "Lasst die Pinsel nicht im Wasserglas stehen." 

Ich fühlte mich ertappt, hundertfach, und so peinlich berührt, dass es eigentlich Selbstverletzung gleichkommt, das hier öffentlich zu wiederholen. Es muss für einen Menschen, der für dieses Thema sensibilisiert ist, eine echte Herausforderung sein, diese Aneinanderreihung von Nicht-Aussagen zu beobachten.

Fragt sich nur, wie das im Unterricht funktionieren kann, meine Formulierungen vorausschauen oder voraushörend und -fühlend zu überprüfen. 

Es braucht Mut zur Verlangsamung und ganz viel Kreativität und Spontaneität. 

Ich bin gespannt.

Mittwoch, 27. Oktober 2021

300/364 Flecken


Ausgerechnet diesen 300. Tag muss ich an der Handytastatur beschreiben, weil ich mit jener vom Computer gestern meinen Kaffee geteilt habe. Der 300 würdig jedoch war mein Blick in den Spiegel heute Mittag. Da habe ich auf meiner Stirn den ersten Altersfleck entdeckt. Glück geht anders. Oder: Dieses Glück muss ich erst noch lernen (will ich es denn?)

Dienstag, 26. Oktober 2021

299/365 Farben und so

Auch in Echt wunderschön!

Heute ist zum letzten Mal die 2 an der Hunderterstelle. 65 Tage noch. Was uns das Jahr wohl noch anbieten will? 

Jemand hat geschrieben, als Leserin würde man von der Frau Wind etwa eine Stunde ihres Tages kennen lernen, die restlichen 23 seien verborgen. Darüber habe ich immer wieder nachgedacht heute. Ich denke, Menschen, die mich im echten Leben kennen, werden mich in vielem wiedererkennen. Mein Alltag jedoch, seine Herausforderungen, Chancen, Glücksmomente und Durststrecken, die bleiben zum allergrössten Teil verborgen hier, verschleiert, umerzählt, denn als Person des halböffentlichen Lebens kann ich es mir nicht leisten zu riskieren, erkannt zu werden oder andere Menschen zu zeigen. 

Daher frage ich mich am Abend, wenn ich hier sitze und den aktuellen Dreihunderfünfunsechzigstel anschaue, kaum nach Erlebnissen, sondern versuche nachzuspüren, wie das Herz geklopft hat, welcher Blick den Unterschied gemacht hat, wie sich die Schultern anfühlen oder in welcher Tonlage ich seufze. Und dann setze ich eine Linie, zufällig, skizzenhaft und vergänglich.

Gestern spät habe ich ein Video gefunden von einer Künstlerin, welche mit Farben genauso spielerisch umgeht (bloss viel tiefer, professioneller, leidenschaftlicher...).

Vielleicht vermag es auch hier einige zu verzaubern.

Montag, 25. Oktober 2021

298/365 Danke

Das war ein Heimkommen heute voller Überraschungen. Ich danke von Herzen für alle Mails, Nachrichten und Kommentare! Brigitte von Quersatzein, eine Lyrikerin, deren Blog ich mit Staunen seit vielen Jahren immer wieder besuche, hat geschrieben, was sich für den Moment am richtigsten anfühlt: Es muss für mich stimmig sein. Und daher sage ich für den Moment einfach danke und tue das mit einem Herbstbild, das heute Nachmittag entstanden ist.

Sonntag, 24. Oktober 2021

297/365 Auswertung

Ein Kommentar und eine Mail. Es gibt für mich drei mögliche Gründe für diese überschaubare Zahl an Rückmeldungen:

a) So lange Post und dazu noch zu diesem Thema interessieren gar nicht, werden nicht gelesen.

b) Darstellung wird überbewertet.

c) Die Kommentarfunktion funktioniert nicht.

Die Kommentatorin, welche mit einem Bloggerkonto kommentiert (zumindest dies scheint zu funktionieren.) wünscht sich offene Kommentarfunktion. Wenn c) zutreffen würde, wäre dies ziemlich doof für die, welche wollen und nicht können. Der Hauptgrund dafür, dass ich täglich "nicht zulassen" auswähle, bin jedoch ich selber. Wer mich hier schon länger begleitet, erinnert sich vielleicht an die Zeiten, in denen unter den Posts reger Austausch stattfand. Es war spannend für mich, so im Kontakt zu sein und die Lesenden als Gegenüber wahrnehmen zu können. Es war jedoch auch zeitintensiv, denn es ist üblich, dass die Blogschreiberin auf Kommentare reagiert. Das hat mich immer mehr überfordert und auch öfter dazu geführt, dass Menschen sich verletzt oder persönlich übergangen fühlten, wenn ich nicht oder nicht sofort reagierte. 

Irgendwann musste ich entscheiden, ob ich ganz aufhöre oder eben nur noch in die Stille hinein schreibe. Weil das Schreiben mir gut tut, wählte ich die zweite Option. Ich hinterlegte meine Mail-Adresse im Profil und nahm es gelassen, dass die Leserzahlen rapide abnahmen.

Die Mailschreiberin wünscht sich Rückkehr zur mobilen Darstellung. Das sind 100% oder 50, wenn ich auch zähle. Ich warte noch etwas ab und hinterlege gute Wünsche für einen herbstlich leuchtenden Wochenstart.

Samstag, 23. Oktober 2021

296/365 In eigener Sache

Ich bin ein ausgesprochenes Gewohnheitstier. Man kann das auch anders nennen mit einem sehr breiten Interpretationsspektrum. Eine meiner Gewohnheiten ist zum Beispiel, dass alles, was mit Windworte zu tun hat, über den Computer läuft. (Einzig die Fotos schicke ich natürlich vom Handy.) Daher ist es mir auch erst heute aufgefallen, dass die Darstellung meiner Posts am Handy ganz seltsam verschoben daher kommt. Mich hat das sehr gestört und ich habe heute versucht, daran etwas zu ändern. Ich benutze seitdem ich "blogge" dieselbe Vorlage. Die ist veraltet, simpel – aber halt vertraut. Ich hätte mich zu einer ganz anderen Darstellungsform durchringen müssen, doch dafür fehlen mir der Mut, die Motivation, daher auch die Zeit und natürlich die Erfahrung. Das einzige, was ich getan habe: Ich habe heute entdeckt, dass ich entscheiden kann, ob mein Blog auf dem Handy in der Web- oder in einer Mobil-Version angezeigt werden soll. Und da habe ich die Web-Version gewählt, weil das eben meine ist. Vorteil: So können die verlinkten Seiten zum Weitersurfen benutzt werden. Nachteil: Wer den Überblick liebt, hat ihn nun verloren.
Daher spiele ich heute mal so ein Bisschen WindWorte-Demokratie, lasse die Kommentarfunktion offen und werde meine heutige Entscheidung rückgängig machen, wenn genügend Stimmen "Zurück zur Web-Version!" rufen.
Schönen Sonntag! 😊

Freitag, 22. Oktober 2021

295/365 Wochenendeanfang

Ich brachte es heute nicht übers Herz, Aufräumen zu verlangen, auch wenn die Blätter nicht mehr frisch aussahen und auch nicht mehr so geordnet dalagen wie am Morgen, und so putzen unsere Raumengel nach Unterrichtsschluss um den Teppich herum. Die Holzscheiben, welche der Förster uns vor den Ferien geschnitten hatte, sind leider in den Ferien gerissen. Die Kinder nahmen es zur Kenntnis und schliffen mit Inbrunst weiter, schlugen die Nägel ein und spielten dann mit den Gummiringen mit faszinierender Hingabe. Das Ende einer guten, ungewohnt entspannten Woche liegt nun da im Kreis.




Donnerstag, 21. Oktober 2021

294/365 Runde

 Kolleginnen unter sich



Mittwoch, 20. Oktober 2021

293/365 Lernerfolg

Wortschatzübung im DaZ-Unterricht zum Thema Herbst: Wie heissen diese Früchte, von denen wir eine ganze Tonne voll im Klassenzimmer haben? - Keine Ahnung. - Die liegen doch auch auf dem Spielplatz draussen… -

Ah ja: Corona. 
 

Dienstag, 19. Oktober 2021

292/365 Wünsche

Die FrauWind sehnt sich nach Wind, nach Herbstwind, nach rüttelnden Ästen und fliegenden Blättern, nach dem Singen des Sturmes in den Bäumen. Und sie sehnt sich danach, mit ihrem zweitbesten auch zufrieden zu sein, nachsichtig sein zu können mit sich selber und vertrauen zu lernen, dass sie die Zuwendung (von sich selber) nicht erst bekommt, wenn sie über ihre Kräfte hinaus gegangen ist.

Als würde der Sturm dabei helfen

Montag, 18. Oktober 2021

291/365 gesunden

Bilderlos heute. Das Bild ist innen. Ich muss es erzählen, auch wenn es sehr fein und sehr persönlich ist, oder gerade deshalb, weil zur Zeit solche Farben und Töne selten geworden sind.

Letzte Woche war ich noch einmal im Ambulatorium mit meinen Bauchsorgen, da mein Hausarzt in den Ferien war. Diesmal holte mich eine Äztin zur Sprechstunde. Sie war sehr achtsam, hörte genau zu, und es war schnell zu spüren, dass sie mich und die Sprache meines Körpers sehr ernst nimmt. Sie organisierte dann auch direkt vor Ort, dass ich einen Wickel bekam und fast eine Stunde lang mit Wärmflasche und in eine warme Decke gehüllt in einem stillen Raum ruhen durfte. 

Ich fühlte mich so ganzheitlich wahrgenommen und aufgehoben.

Heute nun in der Mittagspause, ich stand noch mit einer Kollegin in der Türe, läutete das Telefon. Es war die Ärztin von letzter Woche, welche sich einfach noch einmal erkundigen wollte, wie es mir gehe. Wieder ein zutiefst ermutigendes, wohlwollendes Gespräch, Fragen, die heilsam mitten hinein schauten in die wunden Stellen 

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, weinte ich, es weinte aus mir wie lange nicht mehr. Weil es das gibt. Weil es das für mich gibt. Weil ich beinahe vergessen hatte, wie wahre Heilung sich anfühlt oder der Weg dorthin. Danke.