Ferienbeginn. Die Gefühle ähneln sich jedes Jahr. 6 Wochen Chance und gleichzeitig riesige, liegen gebliebene Arbeitsberge, Aufbruchstimmung im Haus, am Vormittag das Treffen fürs Sommerlager auf dem Bahhofplatz, wo einige Lagerleiter ins Thema einführen,
mit klopfenden Herzen von TeilnehmerInnen und Eltern beobachtet, Vorfreude bei den alten Hasen, gemischte Gefühle bei den Neulingen. Die Altenhaseneltern freuen sich auf eine Woche "sturmfrei", jene der Neulinge versuchen, nicht zu zeigen, wie sehr sie das Loslassen noch üben müssen.
Dann fahren die schrägen Vögel los
und die schweren Rucksäcke, welche meist die Eltern noch hierher geschleppt haben, werden jetzt geschultert.
Wie jedes Jahr kommt es mir vor, als würde das gelbe Monster die Gruppe verschlucken.
Als alte Häsin ohne sturmfrei kehre ich nach hause zurück. Eine der Töchter ist eben aufgestanden, sucht Wäsche zusammen. Sie reise morgen nach Kopenhagen, erfahre ich. Die Waschmaschine beginnt ihren heutigen Marathon. Ich setze mich für den ersten ToDoListenpunkt an den Computer. Gestern hätte ich die Zusammenstellung meiner Weiterbildungen abgeben sollen, samt persönlichem Fazit zu jedem Kurs. So fädle ich mich durch Mails, Unterlagen, Erinnerungen, Protokolle und nehme mir vor, im neuen Schuljahr immer sofort.... wie jedes Jahr eben. Auf der Speicherkarte der Abschiedsbilder sind auch welche aus dem Schulzimmer der letzten Tage. Ich beginne damit zu spielen, vergesse die Zeit. Das ist vielleicht die grösste Ferienchance, dieses Vergessendürfen, diese Grosszügigkeit, die ich mir gegenüber in diesen Wochen erlaube.
Nun sind auch die beiden Langschläfer aufgestanden, zelebrieren Frühstück und erzählen sich von ihren Abschlussparties der letzten Tage. Das fühlt sich noch immer neu an. Sie sind so gross, so selbständig und glücksschmiedig unterwegs. Ich beobachte dieses Lebendigsein aus der Distanz, rieche das Gemisch von verschiedenen Duschmitteln, Shampoos, Kaffee und gerösteten Nüssen, höre das Lachen von Bruder und Schwestern, ihre Musik ist heute beschwingt, kein weckender, harter Bass wie sonst oft am Morgen.
Eigentlich steht jetzt das Schneiden der Hecke auf meinem Programm. Doch die 30° im Schatten mahnen mich zur Vorsicht. Dann sitzt die Dänemarktochter auf dem Rad, ruft tschüss, will in die Stadt zum Bahnhof fahren, von dort mit dem Zug in die Landershauptstadt an ein Theater, wird weit nach Mitternach zurückradeln und dann um sieben Uhr früh aufbrechen gen Norden. Die Schwestern umarmen sich zum Abschied, stellen dann fest, dass sie sich am 28. August frühestens wiedersehen werden, drücken sich daher noch einmal etwas fester und weg ist sie. Kurz darauf sucht einer seine Badehose und findet sie nach nervösem Durchwühlen aller möglichen Wäscheberge in seinem Schrank. Er wird sich beim Rheinschwimmen abkühlen.
Ich lege einen Sechswochenplan auf den Familientisch. Bitte einschreiben, wann ihr die kommenden Wochen hier seid, schreibe ich dazu. Vermutlich wird er ziemlich leer bleiben.
Die Waschmaschine dreht zuverlässig ihre Runden.
















