Zum letzten Mal März 20.
Ich war heute mal wieder auf dem Friedhof, wollte doch schauen, wie es all den Frühingsblühern geht, die ich im November in die dunkle Erde gebettet hatte. Auch da – Totenstille. Man konnte die Hyazinthen fast blühen hören. Fast fühlte ich mich – schuldig, als wäre mein Draussensein ein Regelverstoss. Irgendwo lachten Kinder Trampolinlachen. Hie und da, ganz selten, fuhr ein Auto über die nahe Strasse. Da die Durchfahrt nach Frankreich unmöglich ist, kommen hier fast nur noch DorfbewohnerInnen an. Aus fast jedem Auto winkt jemand, den ich wegen der dunkel getönten Heckscheibe nicht erkennen kann. Ich winke zurück, so ein "jagellplötzlichistmaneineschicksalsgemeinschaft" -Winken. Der Frühling verschenkt mir vollen Händen. Und es scheint ihn nicht zu kümmern, dass die Feldwege leer sind. Ich möchte staunen, möchte diesen Frühlingsjauchzer in mir aufsteigen lassen, aber er scheint mir unpassend, unangebracht, ohne dass ich sagen könnte warum. Ich stehe einfach da, atme tief, lausche, rieche und schaue hinüber zu den Hügeln, auf denen noch Schnee liegt, über die sattgrünen Felder, den Raps, dessen Blüten sprungbereit sind, zu den umschleierten Birken. Und ich bin sicher, dass dies alles ein Traum ist.


