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Dienstag, 31. Dezember 2019

31

Die grossen Abschiedsworte, Zusammenfassungen, Rückblicke und Vorsätze sind nicht mein Ding, waren es nie und heute erst recht nicht. Seit Mittag hat einer nach der andern das Haus verlassen, das Geburtstagskind vor einer Stunde zusammen mit seinen Freunden als Letzter. Nun sitze ich da im stillen Haus, bin durch jedes Zimmer gegangen, habe die Menschen in mein Herz eingesammelt, welche darin wohnen oder über diese Tage wohnten. Sie werden alle wieder kommen, die einen schon bald, die andern in ein paar Tagen oder Wochen. Das ist meine Hoffnung, und aus dieser Hoffnung heraus kann ich sie ziehen lassen und mich freuen über ihre Kraft, mit der sie ihre Feste feiern und ihre Wege suchen.
Meine Gedanken aber sind auch bei dieser befreundeten Mutter, welche diese Hoffnung nicht mehr hat, welche lernen muss zu realisieren, dass ihr Sohn nicht mehr zurückkommt, nie wieder, die ihn ziehen lassen muss ganz und gar.
So trage ich sie alle gerne und still und hell durch die kommenden Minuten, hinüber in das Neue.
Und ich wünsche uns – Müttern, Vätern, Töchtern, Söhnen – dass wir eine Hoffnung mit hinüber tragen dürfen, eine Knospe, auch wenn da Dornen sind, einen Lichtfunken, auch wenn es dunkel ist, ein leises Klingen, auch wenn es still ist. 
Alles Liebe! Und danke für eure Treue!

Montag, 30. Dezember 2019

30

Ich warte. 
Ich sitze im geheizten Arbeitszimmer und warte. Ich warte auf den Mut, die Wärme zu verlassen und draussen bei Minusgraden die weisse Wäsche aufzuhängen, das Tischtuch, welches einmal im Jahr zum Einsatz kommt und danach die ganze Länge einer Wäscheleine besetzt, meist über Neujahr hinweg, bis es trocken genug ist, um gebügelt zu werden und sorgfältig zusammengefaltet dann im Schrank aufs nächste Weihnachtsfest zu warten.

Sonntag, 29. Dezember 2019

29

Matheaufgabe für die Weihnachtsferien:
Bilde mit den Ziffernkärtchen 1, 2 und 9 möglichst viele zweistellige Zahlen. Bilde mit dreien davon ein Datum (TT.MM.JJ) aus diesem Jahrzehnt so, dass jede Ziffer zweimal vorkommt.

Freitag, 27. Dezember 2019

27

Was für ein lustig aussehendes Wort mir da beim Blick in ein Kloster begegnet ist.

E S S S A A L

Donnerstag, 26. Dezember 2019

26

Rauhnacht
So grüsst das Kommende: Aus Deinen Händen.
Nun halte inne, gib dem Schweigen einen Raum.
Häng Dein Glück nicht an die Dinge, da sie enden.
Das Beginnende naht wie aus fernem Traum.

Wie der Eiseshauch am Licht der Abendkerzen
sich verschenkt und an die Flamme ganz verliert,
legt die Rauhnacht ihren Hauch um unsre Herzen,
bis sie schwindend unsren tiefsten Grund berührt,

von dem die kühnsten aller Schritte sich erheben,
und die wärmsten aller Worte sich befrein,
von dem ein Wollen aufsteigt, um die Welt zu weben
deren Lust es ist, ein guter Ort zu sein.

So grüsst das Kommende: Aus Deinem Beten,
bis Deine Haut nicht länger von der Welt Dich trennt.
Durch eine unsichtbare Tür ist eingetreten
der neue Mensch, der sich als Gottes Hauch erkennt.

(Giannina Wedde, www.klanggebet.de)

25


Dienstag, 24. Dezember 2019

24

Aus einer Rückzugsminute grüsse ich still all die treuen LeserInnen und wünsche frohe Weihnachten. Die jungen Menschen diskutieren so heftig, dass ich emotional und auch inhaltlich gar nicht mehr folgen kann und will. Ich möchte zu den Sternen schauen und um Licht bitten für trauernde, verzweifelte Menschen so nah und doch so unerreichbar fern in ihrem Schmerz.

Montag, 23. Dezember 2019

23

mit Knospen

aufhören
nach Worten zu suchen
nicht aufhören
den kleinen Wundern
zuzuhören

Sonntag, 22. Dezember 2019

22

Bis zum Schmerz reicht die Dankbarkeit, wenn ich heute meine Söhne betrachten und im Wirkungsfeld ihrer Lebenskraft stehen darf.

Samstag, 21. Dezember 2019

21


Freitag, 20. Dezember 2019

20

Für eine befreundete Mutter beginnt heute unvorbereitet der unendlich schmerzvolle Weg, auf den ich vor mehr als zehn Jahren geschickt worden bin. Es zerreisst mich fast und ich flehe um Kraft und Licht für die, die neu werden leben lernen müssen.

Donnerstag, 19. Dezember 2019

19

Gelöscht.
Das Ding mit dem Datenschutz, dem Persönlichkeitsschutz, dem Urheberrecht und all den Grauzonen, in denen Recht und Schutz verletzt werden können, macht krank vor Vorsicht. Heute habe ich den Weihnachtsbrief wieder gelöscht, bevor ich ihn ausgedruckt habe. Deswegen. Er wäre meine einzige Weihnachtsbrücke gewesen dieses Jahr.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

18

"Die Bäume haben jetzt ganz viele Äste." schrieb ein Kind in seinen Beobachtungen. Und es ist sich nicht sicher, ob die vorher schon da waren oder ob sie die Blätter ablösen, die im November noch geleuchtet haben. Manchmal staune ich zutiefst, wie fern von der Natur und ihren Wundern viele Kinder aufwachsen, obwohl das Dorf, in dem sie leben, umgeben ist von Wäldern und Feldern. Dafür können sie über das Innenleben von komplizierten Games detailliert Auskunft geben und legen erstaunliche Geschicklichkeit an den Tag, wenn sie ein Tablet in die Hand bekommen. Welche zukunftstragenden Fähigkeiten sie wohl ausbilden?

19.11.19

17.12.19

Dienstag, 17. Dezember 2019

17

Heute waren wir wieder draussen auf unserem Monatsweg. Ich habe das letzte Blatt am Hagebuttenstrauch mitgebracht.

Montag, 16. Dezember 2019

16

Habe ich davon erzählt?
Seit einigen Tagen sitzen wir am Abend gefühlte Stunden vor dem Bildschirm und schauen Filmchen, welche der Älteste vor 8, 9, 10 und mehr Jahren gedreht hat, zuerst mit richtig schlechten Kameras, welche vielleicht 10 Sekunden aufnehmen konnten.
"Jööö!" und "ou nei, wie peinlich!" und "ich glaubs jo nid!" und "weisch no, wie mir dänn immer.....". Es ist ein Bad in Gefühlen, ein Blick in die Vergangenheit, in der die ganze Kinderschar ihre Kreativität noch hier zu Hause auslebte, unwirklich fast und mit ziemlich viel Druck auf die Tränendrüsen.

Dass ich nun ausgerechnet auf dieses Hörspiel stosse, welches in jenen Zeiten sehr oft lief, oftmals während ich in der Küche stand und immer wieder einen Blick hinüberwarf zu den Kindern, die auf dem Sofa sassen, verteift in die Geschichte oder freudig mitsingend, passt so deckel-topf-sicher, dass es direkt ins heutige Türchen springt.

2. «De Doppelhas git Gas»

Worum geht's? Um einen Hasen, der alles doppelt sieht und dessen Freundschaft mit Brummbär Beltrametti. Und die Musik kommt in den sieben Geschichten auch nicht zu kurz!

Besonders bermerkenswert: Die Geschichten stammen vom bekannten Schweizer Liedermacher Linard Bardill.

Sonntag, 15. Dezember 2019

15

Heute bin ich zu Hause geblieben. Es ist der erste Sonntag seit langem, den ich nicht in der Schule verbracht habe. Es tat gut. Mir. Dem Haus. Der Wäsche. 
Und wie das so geht: Ich suchte Musik zum Wäsche zusammenlegen, steiss dabei auf dieses Video von einem Ensemble, das ich kenne 💛,



wollte wissen, wer dieser eine junge, rot gekleidete Typ ist, den ich noch nie gesehen hatte, suchte ihn und fand vieles, unter anderem dieses Video:



Samstag, 14. Dezember 2019

14


Ein Text aus "der andere Advent"

Ob es nun Nostalgie oder nüchterne Zwischenbilanz ist, sei dahin gestellt. Ich komme mir schon etwas alt vor, wenn ich beim Lesen begeistert nicke. Die Generation meiner SchülerInnen wird nichts vermissen, was sie gar nie kennen gelernt hat. (War bei uns wohl genauso und davor auch schon.)

Freitag, 13. Dezember 2019

13

Es stürmt.
Ein Fensterladen quietscht seit Stunden.
Alles andere ist nicht der Rede wert.

Donnerstag, 12. Dezember 2019

12

Zum 12.12. und weil ich letzte Nacht zwar nicht ganz um vier aber sehr, sehr spät noch wach lag und weil ich die Hauptdarstellerin liebe und überhaupt...

Mittwoch, 11. Dezember 2019

11

Ich höre die Stimme des Sohnes aus Berlin im Gang über den Handylautsprecher der Tochter sprechen und stelle mir vor, ich hätte diese Szene vor 40 Jahren in einem Buch gelesen.







Den Rest habe ich wieder gelöscht. Angenehm, diese weisse Leere. oder?

Dienstag, 10. Dezember 2019

10

Tage, die mit dem furchtbar unmöglichen Wunsch enden, ich könnte ungeschehen, ungesagt, ungefühlt machen, was ich getan, gesagt und gefühlt habe. Tage wie dieser. (Eigentlich sind es bloss ein paar Minuten von diesem Tag, aber diese sind gross, unverhältnismässig gross und krafvoll. Wo ist bloss dieser Umkehrknopf?) ((Zuerst habe ich krafttoll getippt, vertippt.)) ((( Löschtaste wäre auch willkommen für jene Minuten.)))

Montag, 9. Dezember 2019

9

Wenn mir vor ein paar Monaten jemand gesagt hätte, dass ich einmal Wörter wie Allosaurus, Stegosaurus, Paläontologe, Oviraptor, Diplodocus .... mit Leichtigkeit aussprechen und dazu mir sogar edas dazugehörige Wesen vorstellen kann, ich hätte laut gelacht. Und wenn mir vorausgesagt worden wäre, ich würde total fasziniert sein vom Leben auf unserem Planeten, wie es vor rund 100 Millionen Jahren vermutet wird, ich hätte mich vermutlich am Lachen verschluckt und husten müssen. Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit!

Sonntag, 8. Dezember 2019

8

Manchmal kann ich mich nur schwer verstehen.
Ich freue mich zum Beispiel mindestens wie eine Schneekönigin, wenn im Briefkasten persönliche Post liegt. – Das kann ich gut verstehen!
Ich stelle die Post voller Vorfreue auf, um sie immer und immer wieder zu sehen, wenn ich daran vorbei gehe. Aber ich öffne sie nicht. – Das finde ich seltsam.
Mit der Zeit stellt dieser Umschlag mit der persönlichen Handschrift bloss noch die eine Frage: Warum öffnest du mich nicht? –  Ausweichen wird schwierig. Ich weiss, dass ich die Antwort kenne, sie muss ja in mir liegen.
Gestern sprach ich sie aus und hörte ihr zu, nicht sehr verständnisvoll, aber erstaunt und mit einem Anflug von Verzweiflung über mich selbst. Angst habe ich, Angst davor, mich dem Geschenk nicht gewachsen, nicht würdig zu fühlen und vor allem auch davor, mit der Hilflosigkeit konfrontiert zu sein, nicht zu wissen, wie ich angemessen danken kann! Das habe ich gesagt und dann habe ich den Umschlag geöffnet, überwältigt, tief berührt und beschenkt – und ohne Ahnung, wie ich angemessen reagieren könnte.

Da steht auf einer der wundervollen Seiten dieser Text, den ich teilen möchte, als eine Art Dank, ein erster Versuch vielleicht. Und den Gedanken, dass die, welche mir das schenkt, es nicht tun würde, wenn sie mich wirklich kennen würde, den lasse ich vom heutigen Sonntagssturm wegwirbeln, falls er stark genug ist...

Vielleicht
muss man
noch weiter gehen,
bis alle Lichter verblassen
nach und nach
und weiter,
bis die Nacht
das letzte Wort hat,
das grosse samtene,
das alles andere verschluckt.
Vielleicht muss man
noch weiter gehen,
damit einem
irgendwo dann
ein kleines Stückchen
Weihnachten
ins Herz 
fallen kann.

Isabella Schneider

Samstag, 7. Dezember 2019

7

Es ist spät geworden. Nach dem Essen hat eines der "Kinder" Videos abzuspielen begonnen, die der Älteste vor acht, neun und zehn Jahren gedreht und vor kurzem geteilt hat. Verborgen und offensichtlich hatte er damals Kameras aufgestellt und den Alltag gefilmt und hat damit Zeugnisse geschaffen aus einer Zeit, die ich fast nur durch den Schmerzschleier erinnern kann. 
Es ist unmöglich, Emotionen von zwei Stunden Rückblick zusammenzufassen. Es ist fast nichts mehr, wie es war, nur einzelne Bewegungsmuster und Eigenarten der ProtagonistInnen sind wiederzuerkennen. Aber wir tragen diese Zeiten in uns, dieses Grossfamilienmiteinander mit allem, was dazu gehörte. 
Dass der Sohn beim Zuklappen des Laptops den Arm um mich legt und danke sagt, rührt mich, deckt sich aber nur sehr peripher mit dem, was ich selber empfinde.
Das Danken muss (muss?- will ich es denn gar nicht?) ich wohl erst wieder lernen.

Freitag, 6. Dezember 2019

6

Plötzlich stehen wir nur noch zu dritt im Lehrerinnenzimmer. Eine kurze Bemerkung der einen, eine Ergänzung der zweiten und bald schauen wir uns erschrocken und erstaunt an. Du auch? Wirklich? Alle kennen wir diese Nächte, in denen wir wach liegen, in denen die Angst durch die Adern kriecht, diese Erschöpfung, diese Ahnung, dass man sich ganz nahe am Abgrund bewegt, dass es nur noch einen Tropfen braucht und dann passiert es einem auch, diese vergebliche Suche nach der Bremse, die Nähe zum Wahnsinn, das Realisieren, dass man es nie allen recht machen kann, den SchülerInnen, den Eltern, dem Auftrag, der eigenen Familie, die Überzeugung, dass es immer irgendwie geht, an die man sich klammert wie an einen Strohhalm, um dessen Brüchigkeit man weiss!!?! Du auch? Ja, genauso! 
Wie gut es tut, diese Last zu teilen, gemeinsam nach dem zu suchen, was gesund halten könnte, den Wunsch auszusprechen, das Feuer, welches in uns allen für den Beruf brennt, möge wärmen und leuchten und uns nicht aushölen.
Dann eilen wir weiter, an den Computer die eine, in ein Elterngespräch die zweite, zu einem Arzttermin mit dem Sohn die dritte.

Donnerstag, 5. Dezember 2019

5

Habe heute zwei Dinge getan, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr getan hatte: Ich habe mich alleine in ein Café gesetzt und mir eine süsse Kaffeepause gegönnt und bin anschliessend in einen anderen Stadtteil gefahren. Auf dem Weg zu meinem Termin kam ich an der Kirche vorbei, in der ich als Studentin unzählige Stunden übenderweise verbracht hatte. Seit Jahren habe ich nun den Raum wie alles Erinnern an dieses Leben "davor" gemieden. Heute trat ich einfach ein, setzte mich auf einen der Stühle und lauschte dem Üben einer jungen Studentin. Für einen Moment berührten sich da zwei Lebenswege wie flüchtige Seifenblasen.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

4

"Heute in einem Monat beginnt meine Zeit in England", sagt die Jüngste eben beim Essen und die Vorfreude und Spannung steckt mitten in ihrem Lachen. 
Mein kleines grosse Mädchen, eben erst geschlüpft, und nun auch bereits flügge auf Probe. Ein Monat bleibt mir noch, um zu realisieren und Taschentücher einzukaufen.

Dienstag, 3. Dezember 2019

3

Als ich nach Hause komme, tönt aus dem Zimmer des Sohnes Cellomusik. Passt eigentlich nicht zusammen, und die Cellotocher spielt seit einem Jahr keinen Ton mehr. Da sitzt die Freundin des Sohnes und übt, ist ganz alleine im Haus.
Und jetzt, während ich schreibe, spielt über mit der Freund der Tochter Klavier, improvisiert endlose Klangfolgen, verspielt, warm....
Ich liebe es, wenn die wachsende Familie das Haus füllt, sich zu Hause fühlt, mitmacht beim Essen, Diskutieren, Streiten, Aufräumen, wenn abends kurz vor Mitternacht vier, fünf oder mehr junge Menschen zähneputzend, lachend und erzählend im engen Gang stehen und kurz darauf in die Zimmer verschwinden.
Alltag ist es nicht. Immer öfter kommt es vor, dass ich an Abenden ganz alleine bin, was ich zwischendurch geniesse, was mir aber Kältschauer über den Rücken jagt, wenn ich daran denken, dass dies in wenigen Jahren Dauerzustand sein könnte.

Montag, 2. Dezember 2019

2

Das Wunder der Menschwerdung noch einmal zu erleben, so nah und geheimnisvoll, damit hätte ich nicht so bald gerechnet. Tür an Türe arbeiten wir, und seit Wochen darf ich miterleben. wie sich die Sorge immer mehr in Freude und die Angst in Zuversicht verwandeln. Heute schien es mir, als wäre ein Bäuchlein zu sehen, immer noch viel kleiner als meines, aber so wunder-voll.

Sonntag, 1. Dezember 2019

1

Eigentlich hatte ich es mir sosehr vorgenommen:
Täglich bis Weihnachten einen Gruss an den Tag.
Nun lassen sich die Bilder nicht laden. 
Ein kleines, liebevoll eingepacktes Adventsgeschenkchen mit einer ausgeschnittenen, golden glänzenden Eins drauf, das erste Päckchen des Adventskalenders, welchen mir die Kinder geschenkt haben.

Sonntag, 24. November 2019

Ohrenblicke

Es ist ein Oktobernovember dieses Jahr. Der Apfelbaum vor meinem Fenster ist noch immer grün, fahlgrün, aber grün. Und der Kirschbaum will seine Blätter auch nicht lassen. Das Leben plätschert unaufgeregt seiner Mündung entgegen. Wir hatten Teamessen vergangene Woche, etwa sechzig Mitarbeiterinnen an drei Tischen, Lachen, Scherzen, Lärm. Ich fühlte die Einsamkeit stärker als gestern Nacht, als ich allein über das dunkle Land wanderte. Das junge, noch unbeschwerte Lachen habe ich verlotren, das laute, übermütige, angetrunkene Feiern kann ich nicht. Und für einfache Gespräche war es viel zu laut. Ich mag mich nicht, wenn ich so angestrengt versuche, dazu zu gehören.
Die Poesie hat sich Ferien von meinem Erleben genommen. Daran kann auch dieser Blick aus dem Treppenhausfenster nichts ändern. Aber ich ahne, dass solche Lichtspiele mehr Kraft haben als alles Laute. Doch soll ich Einsamkeit wählen? Habe ich die Wahl?

Donnerstag, 14. November 2019

Freie Morgenstunde

Neinnein. Das ist nicht meine Geschichte. Und ich bin ganz ok, und so weit würde keiner meiner Schüler gehen. Trotzdem. Als ich eben an meinem ersten halbfreien Morgen seit zwei Wochen zum Kaffee statt Mittagessen vorzukochen und Holz zu spalten in diesen Film hineingeguckt habe, da fühlte ich mich mitten in meiner Alltagsenergie, in dieser Grenzregion von Herausforderung und Überforderung, von Liebe und Versagen, umgeben von diesen zig Blicken von Eltern und Grosseltern..., die zwar nicht durch die Betonmauern des Schulhauses hindurchblicken können, aber ihre Sprösslinge als klare Spiegel meines Unterrichts lesen, und wehe, einer von ihnen schildert eine beliebige Situation aus der Opferrolle... "Können wir reden?", "Ich mache mir Sorgen.", "Er hat heute schon wieder...". Und ich rede und höre und verstehe, verstehe die Elternsicht ja nur zu gut und mag doch manchmal fast nicht mehr, möchte einfach nur den Helm aufsetzen und losrasen und weiss genau, am anderen Ende der Flucht wartet die nächste Herausforderung. 
Es ist eine verrückte Welt, in der wir sitzen in unserem Beruf, mitten in der Brutstätte der Zukunft, umgeben von unerlösten Konflikten der Vergangenheit in uns, um uns, eingeschrieben in den Kindern, ungefühlt und daher gelebt. Und gleichzeitig liegen riesige Erwartungen auf uns, denn schliessliche sollen wir die Kinder zu dem machen, was die Welt von morgen braucht, sagen die einen, auf  einen lebensstandardsichernden Beruf hinführen, fordern die andern, aber bitte so, dass sie glücklich sind, keinem Widerstand ausgesetzt sind und ihr Prinzessinnendasein leben dürfen, solange es ihnen gut tut.

Ja, ich übertreibe, ich filtere durch die Erschöpfung. Und ich kann mit Cortison die Körperreaktionen ganz gut in Schach halten. Und für die Kolleginnen in der Stadt ist es noch um ein Vielfaches anspruchsvoller. Und nein, ich möchte keinen anderen Beruf als diesen. Ich liebe ihn. Aber ich möchte lernen, mir manchmal auf die Schultern zu klopfen oder mich in den Arm zu nehmen, denn das tut keiner. Schliesslich ist das, was gut läuft ja das, was zu erwarten ist und wofür ich bezahlt bin.

Den Film habe ich erst bis zur 8. Minute geschaut. Nun habe ich einen Termin in der Stadt, am Nachmittag beim Wäsche zusammenlegen werde ich den Rest dann schauen. Vielleicht.

Freitag, 8. November 2019

Fundstück

Vielleicht ist es nicht erlaubt, was ich jetzt tue, aber ich kann nicht anders. Sosehr hat mich dieses Bild auf dieser Seite in seinen Bann gezogen, und weil es morgen nicht mehr zu sehen sein wird, habe ich es mir herausgeholt. Ich kann nur staunen und erschaudern. Wie muss es erst dem Fotografen gegagen sein, der da gestanden hat. 
Danke, Patrick Aegerter, dass Sie diesen Blick mit uns teilen.

Donnerstag, 7. November 2019

❤️

Seit einem Vierteljahrhundert und etwas mehr als einer Stunde bin ich nun Mutter. Es macht sprachlos dankbar, auf einen solchen Weg zurückblicken zu dürfen, Täler und Höhen zu sehen und zu realisieren, dass da ein eigenständiger Mensch sich formt nach seinen Zielen und Kräften. 
Wie sehr wünsche ich dir, mein Grosser, dass du Sorge zu dir trägst und das Kostbare, Zarte nicht aus den Augen verlierst, denn das bist du!

Samstag, 2. November 2019

Stimmungsbild

Letzte Nacht ist mir im Traum ein Mensch begegnet, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe, ganz unspektakulär und fast erschreckend vertraut standen wir an der Haltestelle plötzlich nebeneinander. Und heute morgen war meine Stimme wieder da, welche es mir am Montag verschlagen hatte und die mir gestern den ersten krankheitsbedingten unterrichtsfreien Tag beschert hat. Ich singe jetzt Bass, aber ich singe wieder.
Bunt sind schon die Wälder.

Freitag, 1. November 2019

1.11.

Dienstag, 29. Oktober 2019

Morgen

Nach intensiven, langen, prägenden, fordernden sechseinhalb Monaten geht der stationäre Aufenthalt der Tochter morgen zu Ende. Unsere WG wird für ein paar Wochen wieder um eine Farbe erweitert und bereichert, wir werden uns wieder neu zusammen raufen, die Rollen etwas verschieben, die Rhythmen anpassen, Vorlieben integrieren, – wie das eben so ist.
Erleichtert bin ich, ja, zuversichtlich auch, aber ich würde lügen, wenn ich eine gewisse Spannung negieren würde.
Die Bilder sind auf unserem gemeinsamen "Abschiedsspaziergang" letzte Woche entstanden. Viele Wege sind wir gegangen in diesen Monaten, und viele Cafés haben wir kennen gelernt.
Nächster Schritt...

Sonntag, 27. Oktober 2019

...

Gestern habe ich erstmals eine Stiefmütterchen auf Mirjams Grab gepflanzt. Dachte ich – und lernte dann den Unterschied zum Hornveilchen kennen. Ob es tatsächlich winterhart ist, wird sich zeigen, wenn der Winter hart ist.
Heute morgen leuchtete es taufrisch in der Herbstsonne.


Freitag, 25. Oktober 2019

Spiralen

"Frau Wind, ich habe etwas gemerkt!"
Die SchülerInnen wissen, dass mich ihre Entdeckungen immer interessieren, und daher höre ich diesen Satz in vielen Formen ziemlich häufig.
"Der Frühling ist immer rechts oben und der Herbst links unten. Es geht immer ringsherum, und das, was im Frühling herauskommt und neu wird, ist dann im Herbst alt und fällt wieder runter. Die beiden stehen sich gegenüber. Es ist immer gleich. Aber jeder Frühling ist dann doch wieder neu."
Wie ich es liebe, Zeugin dieser Bilder- und Entdeckungsreisen sein zu dürfen, dem Ringen nach Worten folgen zu können, das Funkeln in den Augen zu sehen, wenn ich das Staunen mit ihnen teile.

Ja, du kleine Denkerin, mir geht es ähnlich. Wir drehen uns im Kreis und doch ist der Wandel ein stetiger. Wieder ist es Herbst, und doch sind es nicht dieselben Früchte, die wir ernten. Wieder klopfen altvertraute Ängste an die Türe, und doch öffne ich sie nach diesem Sommer anders als noch vor einem Jahr. Ich verdränge die unbequemen Gäste nicht mehr hinter dunkle Tücher, sondern schaue ihnen manchmal ins Gesicht. Das kleine Windmädchen in mir lernt sich zu entspannen. Heilung scheint spiralförmig zu verlaufen. Und Ängste erzählen ihre Geschichten erst, wenn ich ihnen zuhöre. 
"Frau Wind, ich habe etwas gemerkt."

Mittwoch, 16. Oktober 2019

"massiv"

Es hat irgendwie etwas Beruhigendes, wenn der Arzt deiner wochenlangen Schlappheit einen Namen und Messwerte zuteilen kann und du deinen inneren Schweinehund dafür nicht mehr zu bemühen brauchst. 
((Das ist nun wohl die Verlagerung nach innen, weil ich den Prozessen durch das Cortison im Äusseren keine Chance mehr gebe.))
Nächstes Mal gehe ich sofort auf die Notfallstation, wenn der Telefonbeantwortet mir zwei Wochen Praxisferien ankündigt, das musste ich versprechen. Und ich muss lernen, meinem Körper und seinen Signalen zu vertrauen und nicht zuerst ein Arsenal von Selbstvorwürfen und -verurteilungen zu mobilisieren.
Keine Sorge. Kommt schon wieder. Ist wohl meine Art zu lernen.

Sonntag, 13. Oktober 2019

...

Und ich hatte gedacht, in den Ferien würde ich wieder täglich schreiben, würde mich diese Blockade verlassen, würde wieder etwas Fliessendes spürbar und wirkungsvoll. 
Statt dessen – ich weiss nicht. Die ganzen Sätze, Zweifel und Befürchtungen, welche ich monatlang angehört und relativiert habe, denen ich mit Trost und Mut begegnet bin, sind jetzt im Aussen verstummt. Doch sie klingen einfach weiter, als wäre ich Wachs und da hinein hätten sie sich geschrieben, geprägt. 
Wahrscheinlich brauche ich nun selber halt einfach auch die Geduld, welche ich immer gepredigt hatte, brauche auch Zeit, um mich tief in mir wieder zu entspannen. Wahrscheinlich reichen dafür Ferien nicht aus, schon gar nicht welche, die ich zum grössten Teil in der Schule verbracht habe. 

Immerhin: Es gab ein paar Stunden, die ganz und gar mit dem Holz des Waldes verbunden waren. Ob es möglich sein wird, ab morgen wieder Feuer der Begeisterung zu entfachen? Ich flehe darum.
Diese beiden Ster bleiben noch im Wald, bis dafür Platz frei wird unter dem Dach.
Angeheizt am 5.10.

Mittwoch, 2. Oktober 2019

...

Am Sonntag ist er nun ausgezogen, aufgebrochen nach Berlin, mein mittlerer Sohn. Wir haben uns an der Tram verabschiedet, er wollte es so. Das war schon sehr speziell. Hier, wo wir ein Leben lang ein- und ausgestiegen, losgefahren oder heimgekommen sind, hier schloss sich die Farzeugtüre zwischen uns und er fuhr los in einen neuen Lebensabschnitt.

Am ersten Tag in seiner temporären Wahlheimat ist ihm sein Fahrrad gestohlen worden. Mehr weiss ich noch nicht.

Montag, 30. September 2019

Herbst

Vor einer Woche, zur Tag- und Nachtgleiche, sind wir hinausgegangen, wie wir es jeden Monat einmal tun, haben Feld, Strauch, Rebe, Birke und Wald beobachtet, wie sie sich verändern.
Gestern habe ich endlich die Bilder gesichtet, die dabei entstanden sind. Nichts liess morgens um neun drauf schliessen, dass es ein beinahe sommerlicher, sonniger Tag werden würde.

Details, die man eigentlich nicht sieht... Ich habe das Bild auf der Kamera unmittelbar, nachdem ich es aufgenommen hatte, einigen Schülern gezeigt, die in meiner Nähe standen. Sie konnten nicht entdecken, wohin ich geschaut hatte. Doch dann standen sie fasziniert auf der Strasse und guckten durch die Hütte hindurch, an der wir seit zwei Jahren regelmässig vorbei gehen, und sahen zum ersten Mal.
"Am Hagebuttenstrauch hat es so grosse rote Dinger, es sind vielleicht Früchte", schrieb ein Kind. Ich schwöre, wir haben von der Knospe über die Blüte und die Frauchtansätze bis hin zur Reife kein Stadium verpasst. Man kann eben nie wissen, ob Worte ankommen, sich mit Bildern verbinden und sich so im Bewusstsein einschreiben.
Die Birke zeigte bereits erste Verfärbungen.
Der Wald aber, der zeigte sich gar nicht. 

Samstag, 28. September 2019

PS

War wohl ein Warnschuss.
Ich konnte mich bewegen aber nicht bücken, und so habe ich mich viel bewegt und nicht gebückt. Jetzt bin ich noch vorsichtig, aber zuversichtlich. Gute Nacht!

Theorie und Praxis

Ein Hexenschuss ist ein Alarmsignal: Er zeigt an, dass die Rückenmuskulatur nicht stark genug ist. Das sollten Sie ändern. Wenn die akuten Beschwerden abgeklungen sind, hilft ein gezieltes Rückentraining (z.B. Wirbelsäulengymnastik) langfristig, neue Rückenprobleme zu vermeiden. Zusätzlich sollten Sie kleine Bewegungseinheiten in Ihren Alltag einbauen – steigen Sie von Auto, Bus und Bahn so häufig wie möglich aufs Fahrrad um oder gehen Sie zu Fuss. Achten Sie ausserdem auf ein gesundes Gewicht und vermeiden Sie Fehlhaltungen beim Sitzen, Tragen oder Stehen...
Danke, Hexe, für diesen fulminanten Start in die Herbstferien! Und bitte, ich habe in den kommenden Wochen einen Garten und Holzvorrat für den übernächsten Winter aufzuräumen. Schiess deine Pfeile künftig woanders hin. 

Freitag, 27. September 2019

Vierkommafünf

Ferien. Der erste Ferienabend ist der schönste, sagte ich immer. Aber heute sitze ich da, erschlagen, kränkelnd, allein und enttäuscht von diesem Schultag, von mir an diesem Tag. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich einen benoteten Test den Kindern zurückgeben. Das ist so schrecklich, so unmenschlich. Ein Kind in diesem Alter kann nicht unterscheiden zwischen: Das ist eine Beurteilung eines momentanen klitzekleinen Ausschnittes meines Lernstandes, und: das ist eine Beurteilung meiner selbst.
Das motivierteste, aufmerksamste, lustigste Kind, welches zwar immer etwas länger braucht als die meisten, dafür Fragen stellt und tüftelt, bis es versteht, dieses Kind begann zuerst zu zittern und bald darauf zu schluchzen. Ich hätte am liebsten mitgeweint, hätte diesen doofen Test am liebsten in den Müll geschmissen. Statt dessen musste ich zuschauen, wie ein gesund lernendes Kind zum ersten Mal geknickt wird von einem irrwitzigen System, an welches alle glauben, weil es seit Generationen irgendwie funktioniert.
Wenn ich keine Familie miternähren müsste, ich würde mutiger sein im Denken über den Tellerrand hinaus. 
Damit ich den eigenen Kindern den Weg in ihr Erwachsensein ermöglichen kann, muss ich andere brechen. Das geht nicht auf, und daran könnte ich zerbrechen, wenn ich nicht lerne mich zu schützen. Aber wovor? Und wie?

Das gehört halt zum Leben. Das macht sie auch stark. Die spüren ja bei dir, dass diese Noten nicht alles sind. Für viele ist das auch ein guter Ansporn...
Es gibt viele Argumente, welche den Istzustand verteidigen. Dass aber ein Drittel der Menschheit zwischen sechs und zwölf Jahren da durchfällt, weil es halt eben so ist, das will mir nicht in den Kopf. Und ins Herz schon gar nicht.
Daher brauche ich jetzt Ferien, auch wenn das für Nicht-LehrerInnen wie ein Hohn klingen mag. Ich muss die Quelle freischaufeln, aus der meine Motivation für meinen Beruf sprudelt.
Bewertungen sind Zement.
Blasenentzündung passt.

Sonntag, 22. September 2019

Zwischenbericht

Nur kurz, bevor ich wieder loseile, doch dies muss sein:

Aus dem Silberstreifen, der vor 10 Tagen am Horizont erahnbar wurde, scheint tatsächlich ein neuer Tag mit hellem Licht zu werden. Das Leben der Tochter bekommt wieder Farben, Bewegung und Zukunftsblicke. Die fünfmonatige Nacht zieht ihre Schatten zurück, mit jedem Tag wachsen Hoffnung und Zuversicht.
In mir macht sich eine riesige Erschöpfung breit – vor lauter Dankbarkeit und Entspannung.

Donnerstag, 12. September 2019

Grenzerfahrung

Was siehst du?

Genau. Ein Blech voller Muffins, liebevoll zubereitet von der Mama eines Schülers für dessen Geburtstagsfeier in der Schule.

Was du nicht sehen kannst, ist die Situation vor der Pause, als der Junge seine süssen Fussballfeldchen verteilen darf: Er, der sich sosehr auf diesen Moment gefreut hat, kommt in Bedrängnis und Stress, weil ein riesiges Wunschkonzert losgeht. Das grösste wird gewünscht, unbedingt eines mit einem blauen Papier oder eben mit dem grünen, das eine, bei dem man fast keine Schokolade sehen kann, weil es dann offensichtlich mehr Streusel hat, und zuerst will man dran kommen oder zumindest vor dem Kind, welches eben beschenkt worden ist. Natülich hat da kein "Danke" mehr Platz.

In solchen Momenten ist meine Grenze von Verständnis, Geduld und Humor erreicht. Überschritten.

Freitag, 6. September 2019

Entzauberung

Mir sind Menschen unheimlich, welche immer schon einen Kommentar und eine Antwort formulieren, bevor überhaupt eine Frage im Raum steht. Da mag Genialität und eine tiefe Intuition führen, ich kann mich darauf nicht einlassen, fühle mich überrollt und platt.
Das Gegenüber, welches ich heute nach langer Zeit wieder getroffen habe, hatte viele Jahre lang, als Bewundern noch eine meiner ausgeprägtesten Fähigkeiten war, meine höchste Achtung. Ich merkte es heute daran, wie ich sofort zusammen schrumpfte, als wir uns begrüssten. 
Ich habe wahrscheinlich kalt gewirkt, distanziert und nicht sonderlich interessiert. Innerlich war ich bewegt, erstaunt und froh, dass die alte Macht, einem solch brillianten Menschen huldigen zu müssen, nicht mehr über mich verfügen kann. Der Weg zur liebevollen Grösse ist noch ein weiter, aber die ersten Schritte sind geschafft.

Donnerstag, 5. September 2019

Donnerstag

Ja, manchmal wünschte ich mir, es wäre jemand hier, der mich nach einem solchen Tag einfach mal in den Arm nehmen würde, dem ich erzählen und bei dem ich vielleicht auch weinen dürfte. 
Heute ist so ein Tag. Der Sohn ist extra früh aufgestanden, um sich richtig verabschieden zu können, denn es war der letzte Morgen, an dem er noch richtig hier lebte. Es war ihm ganz wichtig, das so klar zu definieren. Nach seiner dreiwöchigen Reise, die er unterdessen gestartet hat, wird er zwar noch einmal hier übernachten, aber danach wird er weg sein und ganz sicher nie wieder hierher zum Wohnen zurück kommen. Vermutlich kommt er an Weihnachten, aber vorher bestimmt nicht. Da ist kein Groll, kein Streit, aber ein eindeutiger, unumkehrbarer Aufbruch in sein eigenes Leben. Heute also hat er sich verabschiedet mit einer langen Umarmung. Flügge. Erwachsen. 
Und während er nochmal zurück ins Bett ging, reiste ich meiner Tochter entgegen und fuhr mit ihr in ihre Uni-Stadt zur Studienberatung. Es ist ein grosses Glück, dass an ihrer Fakultät unglaublich verständnisvolle, hilfsbereite Menschen arbeiten. Gleichzeitig ist es erschütternd zu realisieren, dass sich ihr Bachelorabschluss wohl um ganze zwei Jahre verzögern wird.
Das alles und so manches mehr trägt man als Mutter halt so mit sich, spürt, versteht, begleitet, und manchmal braucht es ein paar Tränen, um wieder zur Ruhe zu kommen. Und eine Umamrmung würde auch gut tun.
Aber geht schon, geht immer irgendwie.

Dienstag, 27. August 2019

Aufklärung

Die grössten Stimmungsschwankungen erlebe ich nicht etwa in der Klinik, sondern im Familienchat. Da kann es plätschern und bildern und nonsensen in heiterer Unbeschwertheit, irgendwann schreibe ich einen gefühlt genauso lockeren Kommentar und – Stille. Vorbei.
Wieder einmal thematisiere ich diese verwirrende Beobachtung. Da sagt die Tochter, sichtbar um Diplomatie ringend: "Also irgendwie kann ich das schon verstehen. Das, was du schreibst, hat sehr oft so etwas Bestimmendes, Arrogantes."
Was??? Ich muss mich verhört haben. 
"Ja, ich meine, du schreibst ja meistens so richtige Sätze und am Schluss davon einen Punkt. Das hat sowas Zurückweisendes, Abschliessendes."
aha
achso
Und woher bitteschön hätte ich das wissen sollen

Montag, 26. August 2019

Gruss

Es fehlt mir und fällt mir doch oft erst spät abends ein, wenn Ruhe einkehrt und die Todolisten ins Altpapier wandern: das Schreiben hier, das kurze mich Einkuscheln in einen erwartungsfreien Raum.
Es ist ok, wie es ist. Seit dem neuen Schuljahr habe ich das Gefühl, ganz im Kollegium angekommen zu sein. Die Unsicherheiten und Fremdheitsmomente werden immer seltener, die Gespräche auf den Gängen und unter den Türen länger und persönlicher. Die Klasse ist vertraut. Aus den kleinen Erstklasskindern vom Anfang sind DrittklässlerInnen geworden, die sich zurecht finden.
Im Paralleluniversum Familie sind die Veränderungen grösser. Die Hoffnung, dass die Prüfungszeit der Tocher endlich ein lichtvolles Ende findet, ist gross und laut Fachleuten unbedingt berechtigt. Aber die Zeit ist lange. Der Sonnenstand ist in diesen Tage gleich wie damals, als Mitten im Frühling das Chaos ausbrach.
Meine Tage haben viele Lichtblicke, einen davon sehr oft morgens auf der Fahrt zurArbeit 

oder am Abend dann, wenn die Blumen bei meiner Rückkehr im letzten Abendlicht stehen. 
In meinem Herzen leben viele Menschen, die es nicht ahnen oder nicht mehr daran glauben oder es nie gewusst haben oder aufgehört haben, ihre Anknüpfungspunkte offen zu halten.
Ich glaube es gibt Zeiten, in denen dieses Innewohnen die einzige Form der Verbindung sein kann, weil die Gefässe überquellen von dem, was jeder Tag und jede Stunde hinein füllen.

Montag, 19. August 2019

...

Diagnose Müdigkeit. Es reicht einfach nicht für kreative Schreibpausen. Dabei könnte ich damit manchmal die Zeit anhalten für ein paar Augenblicke.

Montag, 12. August 2019

Berlin

Heute schreibe ich in einer persönlichen Angelegenheit, genauer: Im Auftrag meines Sohnes.
Früher hatte ich viel mehr Kontakt zu meinen Leserinnen, stand mit vielen im Mailkontakt und lernte einige gar persönlich kennen. Seit ich wieder als Lehrerin arbeite, haben sich meine Kapazitäten diesbeszüglich extrem verändert. Die Kommentarfunktion ist meist geschlossen, mein Schreiben hat sich weitestgehend anonymisiert.
Warum ich das erzähle: Damals wusste ich von einer ganzen Handvoll oder mehr Leserinnen, dass sie in Berlin leben. Ich habe keine Ahnung, ob jemand von denen oder andere BerlinerInnen, von denen ich gar nichts weiss, noch hier mitlesen. Versuchen kann ich es ja. Wer weiss, vielleicht hilft ja der Wind das Glücksrad drehen: 
Dieser eine Sohn, der Filmer und Fotograf, von dem ich immer mal wieder etwas gezeigt habe, wird anfang Oktober nach Berlin ziehen. Er hat eine Praktikumsstelle mit einem Praktikumslohn im Kreuzberger Stadtteil (sagt man dem so?) und sucht nun ein (WG)-Zimmer in Fahrraddistanz, das er zumindest für den Anfang mieten kann.
Wenn hier jemand jemanden kennt, der entsprechende Tipps geben könnte, so füllt mein Mailkonto mit Hinweisen und Wegweisern! (frauwindwort(at)gmail.com). 
Danke!

Sonntag, 11. August 2019

Aufräumen

Morgen ist es so weit. Nach zehn Tagen Schule ohne Kinder und ohne Pausenglocke, dafür mit umsomehr Begegenungen im Kollegium (ich wusste gar nicht, dass in mir drin soviel Reden ist!), mit noch mehr Aufräumen und vielen Vorbereitungen geht es wieder los.

Und weil ich schon seit Wochen hier die ganze Farbbilder ordnen sollte, stelle ich jetzt mit der Hoffnung, sie werden für sich sprechen, eine ganze Reihe davon ein. Es war ein wunderbarer Prozess, der uns über viele Wochen begleitete und nie zu Ende sein wird. Denn wenn du einmal mit den Farben Freundschaft geschlossen hast, wirst du ihnen anders begegnen, immer.

Am Anfang standen einfach drei Farbtuben am Boden in unserer Mitte. Und alles, was hier an bemaltem Papier leuchtet, ist nur mit diesen drei Farben und ihren Mischungen bemalt. Das fasziniert mich unendlich und täglich aufs Neue.