Der Kollege, dem ich gestern per Zufall beim Einkaufen vor dem Brotregal begegnet bin, hat mich "Streberin" genannt und mir gut gemeinte Tipps gegeben zum Herunterfahren und alles nicht so ernst nehmen.
Er hat mich getroffen, sogar etwas verletzt, denn ich hatte ihn weder um seine Einschätzung meines Berufs-Ichs noch um Tipps gebeten. Dieser bittere Beigeschmack, den dieses Streberattribut hat, hat mich schon in der Oberstufe der obligatorischen Schulzeit begleitet, als ich total fasziniert von der Mathematik manchmal kaum den Weg ins Bett fand, sondern noch eine Aufgabe und noch eine zu lösen versuchte und entsprechend gespannt, aktiv und wissensdurtig im Unterricht sass.
Ähnlich fasziniert und aktuell auch etwas frustriert stehe ich vor der Planungsaufgabe eines neuen Quartals. Ich versuche vom Kind aus zu denken, dann vom Lehrplan, dann vom Stundenplan... Noch passt das alles nicht zusammen. Ich kann nicht fertige Lektionen aus dem Netz ziehen und abhalten. Aber bin ich deshalb eine Streberin?
"Der hat das doch nicht so gemeint!", würde wohl jemand sagen, würde ich von dieser Begegnung erzählen. Deshalb erzähle ich niemandem davon, denn auf diesen Satz bin ich derart allergisch, dass meine Haut postwendend reisst. (alte Geschichten...)
So stand ich heute sinnierend und der Bitterkeit nachspürend am Fenster und schaute über den Schulhof, übers Dorf, in den explodierenden Wald, und wurde dabei aufmerksam auf ein Taubenpaar, welches im Baum vor dem Fenster offenbar eben begonnen hatte, ein Nest zu bauen. Zuerst war davon noch nichts zu sehen. Doch das Männchen (ich habe es dafür gehalten) kam ständig mit Ästchen geflogen, übergab sie seiner Parnerin, welche dann zu zupfen, schieben und bauen begann.
Als dann eine Gruppe von Jugendlichen kam, dröhnend laute Musik laufen liess und der Basketball ständig gegen das nahe Brett donnerte und auf dem Steinboden aufschlug, hörten sie damit auf.
Ob sie sich einen ruhigeren Nistplatz suchen werden oder morgen früh weiter machen, wird sich zeigen. Es wäre wundervoll, denn wir könnten aus dem Klassenzimmer direkt in das Nest sehen.







