Seiten
Freitag, 30. März 2018
Donnerstag, 29. März 2018
angeknüpft
Unglaublich, was unser Körper speichert an Erinnerung, vermutlich unendlich viel mehr und prägender, als wir ahnen können.
Vorerst jedoch geht es nur um das neue Schulzimmer, welches wir jetzt in den Ferien beziehen und einrichten. Ich habe mit meinen Kindern besprochen, dass ich den Hängestuhl, welcher lange Zeit Teil unseres Familienlebens gewesen ist, nun aber seit Jahren im dunklen Keller hinter Kisten liegt, ausleihen und im Gruppenraum unseres Klassenzimmers aufhängen darf. Heute habe ich ihn frisch gewaschen und noch nass hingebracht. Das war alles ganz konzentrierte Arbeit: Seil knoten, Knoten prüfen, Haken prüfen, Leiterakrobatik, bis die Höhe über Boden stimmt, verhedderte Schnüre entwirren und in sich neu drehen...
Zum Schluss möchte ich den fertig gerichteten Stuhl probesitzen, obwhl er noch ziemlich feucht ist. Ich ziehe mir die vorderste Stoffbahn zurecht und lasse mich hineinsinken. Und in dem Moment ist alles da. Verrückt! Wie ein Film oder mehr noch wie ein Zeitsprung. Jede Faser meines Körpers scheint sich zu erinnern an das Schaukeln, an die Spannung des Tuches unter meinem Körper, an den Säugling an meiner Brust, an das Fäustchen um meinen Finger, aber auch an das Kind, welches auf meinen angezogenen, gekreuzten Beinen sitzt, das Bilderbuch vor uns, seine feinen Haare dicht an meinem Gesicht.
So unvorbereitet intensiv erfasst mich das alles, dass es mich einfach nur schüttelt. Irgendwann stehe ich auf, spüre die Feuchtigkeit in meinen Kleidern, versorge die Leiter und packe meine Sachen zusammen. Fasziniert und nachdenklich gehe ich durch den Regen. Was auf der Zeitachse längst Vergangenheit ist, lebt in meinem Körper abrufbar als Gegenwart. Was heisst das für mich als Pädagogin?
Vielleicht wird der neue alte Sitzplatz für mich zum Vertiefungsort in Mittagspausen?
Mittwoch, 28. März 2018
ungeschrieben beigepackt
Beim Bündeln des Altpapiers fällt mir die Packung sammt Beipackzettel meiner Salbe in die Hände. "Bitte lesen Sie sorgfältig", steht auf der Vorderseite des klein zusammengafalteten, dünnen Papierbogens. Warum ich es tatsächlich tue? Vielleicht bin ich es zusehr gewohnt, solchen Aufforderungen nachzukommen... Und immerhin streiche ich mir diese Paste nun seit bald drei Monaten auf Hände und Augenlieder.
Da knie ich also auf dem harten Steinboden, und Minute um Minute wird mir fahler und flauer, und als ich das Papier schliesslich zwischen alte Kataloge und Zeitungen schiebe, ist mir eines klar: Ich habe diesem Produkt Beschwerdenfreiheit zu verdanken und bin auch tatsächlich dankbar für diese Phase, in der ich aufatmen und mich erholen konnte, in der ich im Wortsinn wieder handlungsfähig geworden bin, aber Heilung ist das nicht. Die Oberfläche hat zwar aufgehört zu schreien, aber was darunter geschieht, zeigt sie nicht.
Das steht zwar nicht im Beipackzettel: Aber ich werde nicht aufhören, tiefer zu lauschen, zu fühlen und zu fragen. Und ich möchte nicht abhängig werden von etwas, was seitenweise Warnungen notwendig macht, um den Pfad des Schmerzes zu umgehen.
Sonntag, 25. März 2018
Begegnung
Der Rückweg am Abend führt durch ein Wohnquartier, in dem sich ein individuelles, originelles, spezielles Haus an das nächste reiht, in gutem Abstand voneinander gehalten durch verwunschene, grosse, Gechichten erzählende Gärten. Vor bald einem Jahrhundert hat man dem Kulturland solch grosse Grundstücke abgerungen und so die Dörfer bis an die Ränder der Wälder wachsen lassen. Jedes Mal, wenn ich hier vorbei komme, spüre ich ein leichtes Erschaudern beim Erahnen dieser Menschen, welche hier gebaut haben. Sie müssen eine neue Vision vom Leben gehabt haben, den Mut gespürt haben, Konventionen zu sprengen, aufzubrechen, Menschsein neu zu denken. So jedenfalls erzählen mir die ungewohnte Architektur, die alten Bäume, die Art, wie Wege angelegt sind, ja selbst die gelben Krokusse, die ja ihre Köpfe erst vor wenigen Tagen aus der Erde gesteckt haben.
Ich schlendere bergabwärts. Mein Bus wird erst in 30 Minuten fahren. Ich habe Zeit, durch die Gartentorbögen zu blicken, mir Geschichten auszudenken zu den bemoosten Sitzgruppen unter Nussbäumen, den Vögeln zu lauschen, welche wohl damals ähnliche Melodien gesungen haben, den Menschen kurz nach dem ersten grossen Krieg jedoch mit ihrem Gesang andere Inspirationen geschenkt haben.
Vor einem Haus steht ein altes Weiblein mit buntem Kopftuch und Wollrock vor der Haustüre und gestikuliert irgendwie mit ihren Armen. Ich sehe es zuerst nur aus den Augenwinkeln und kehre noch einmal zurück, weil ich nicht sicher bin, ob sie mir gewunken hat.
Mein Gruss zieht sie an den Gartenrand und schon stecken wir mitten in einem Gespräch. Ich spreche mit einer fremden Frau voller Leben, bestimmt neunzige Jahre haben ihre Spuren in dieses Gesicht gegraben, sie spricht mit einer Frau, die sie zu kennen scheint, denn alles, was sie sagt, scheint anzuknüpfen an unsichtbare Fäden. Fasziniert schaue ich in ihre winzigen, leuchtend blauen Augen, welche aus zwei der unzähligen tiefen Furchen hervor blitzen und mit ihrem Lachen dem Strahlen des Frühlingsabend in nichts nachstehen.
"Wissen Sie", sagt sie, "ich sage immer: Ich bin zum ersten Mal alt, ich weiss noch nicht, wie das geht." "Fühlen Sie sich denn alt?" wage ich zu fragen. "Ich selber habe mir mit 20 meine Vorstellungen gemacht, wie alt man sich mit 50 fühlen muss. Aber jetzt von innen erlebe ich mich genauso jung wie damals. Ich kann mir gut vorstellen, dass das mit 80 genauso ist." Sie lacht laut. Sie lacht sowieso die ganze Zeit, untermalt ihre Sätze mit fröhlichen Gebärden. "Ich schaue manchmal in den Spiegel und sehe dort jemanden, der überhaupt micht zu dem passt, den ich innerlich wahrnehme! Aber bei der Arbeit, da merke ich es manchmal. Da wird mir auf einmal schwindelig und ich verliere kurz das Bewusstsein. Das stinkt mir. Ich war ein Leben lang nie krank. Da fällt es nicht so leicht, sowas zu akzeptieren." Darf ich denn fragen, wie alt Sie sind?" Wieder dieses lustige Lachen im verschmitzen Gesicht. "Natürlich dürfen Sie fragen!" und sie beginnt über etwas ganz anderes zu reden. Ich weiss nicht, ob sie meine Frage nicht verstanden hat oder ob sie mit Absicht darüber hinweg geht. "Sie wissen ja", erklärt sie später, "dass Steiner gesagt hat, der Ätherleib sei das einzige am Menschen, was im Laufe des Lebens jünger wird, flüssiger. Ich verstehe das jetzt immer besser!" Sie scheint zu tanzen, sieht wohl nicht mein leises Kopfschütteln, weil ich nicht weiss, was sie denkt, ich würde es wissen. "Auf jeden Fall wirken sie unglaublich jung!" bestätige ich, und ich meine es genauso, wie ich es sage.
Unterdessen sind mehrere Menschen an uns vorbei gegangen. Alle hat sie herzlich begrüsst, und als ich weiter gehe scheint es mir, als würden helle Spuren von gelöster Freude von ihr wegführen und jene begleiten, denen sie ihr Lachen geschenkt hat.
Wenn alt werden dies bedeutet, so wäre ich bereit, es zu versuchen.
Samstag, 24. März 2018
primäre Bedürfnisse
Ein unglaublich spannendes, mich zutiefst aufwühlendes Thema beschäftigt uns im heutigen Ausbildungsmodul meiner zweijährigen Ausbildung. Frühkindliche Bindung, Bindungsentwicklung, Bindungsstörungen, Bindungstypen... Ich fühle und leide gleichzeitig und wechselwirkend als Tochter, Mutter, gescheiterte Partnerin und als Lehrerin. Die Mittagspause verbringe ich alleine auf frühlingshaften Wegen, freue mich über die kraftvolle Zartheit, welche von der wärmenden Sonne geweckt wird. Ich habe mich emotional verausgabt, brauche Stille und Distanz. Am Nachmittag geht es weiter. Ich lausche der angenehmen, warmen Stimme der Dozentin, schreibe hie und da etwas in mein Buch, spüre Sätze mehr als dass ich sie verstehe, nehme am Rand wahr, wie sie in mir zu einer Art Musik zu verschwimmen beginnen und merke erst auf, als ich meinen Namen höre: "FrauWind, ich kann gut verstehen, wie es dir geht. Es gibt dort hinten einen Raum mit einer Matratze. Leg dich doch eine halbe Stunde hin." Neben der Matratze stehen eine Waschmaschine und ausgelatschte, weisse Herrenturnschuhe. Aber das nehme ich nur wie durch einen Schleier wahr.
Der trostvollste Satz in meinen heutigen, unvollständigen Notizen lautet: "Jeder Schmerz gebiert eine neue Weisheit."
Mittwoch, 21. März 2018
...
Die Temperaturanzeige am Umsteigeplatz hat 3° angezeigt. Nun spaziere ich eingemummelt in Wollschal und Winterjacke rheinaufwärts meinem Termin entgegen. Der helle Winterhimmel, welcher eigentlich ein Frühlingshimmel ist (oder umgekehrt) spiegelt sich photoblau im leicht bewegten Wasser.
Ich sehe ihn erst auf dem Bildschirm und gucke dann erstaunt noch einmal hin. Am Ufer steht ein Fahrrad, daneben sind Kleider parkiert. Nie hätte ich gadacht, dass da draussen, wo er watet, soviel Untiefe ist.
Dann taucht er unter, verschwindet für einige Sekunden und erscheint dann flussabwärts wieder an der Oberfläche, kräftig schwimmend.
Der wird bestimmt hundert Jahre alt.
21:3
7 ist meine Lieblingszahl.
Und dass ein paar wichtige Eckdaten meiner Biographie die Sieben in sich tragen, berührt mich immer wieder, wenn es mal wieder ins Bewusstsein dringt. 14:2 – 21:3 – 28:4. Ihr Himmelsgeburtstag – Welt-Down-Syndrom-Tag – mein Geburtstag. Eigentlich fehlt noch der 7:1. Wer weiss!
(Wer sich nervt über meine Zahlenspielliebe, soll einfach weiterblättern...)
Dienstag, 20. März 2018
flockenleicht
Ein leichter, heller Tag geht zu Ende, einer voller unerwarteter, herzlicher Begegnungen mitten im unspäktakulären Alltagsgeschehen, einer, der spürbar macht, wie Glück sich anfühlen kann, wenn es strömt, einfach, frei, mühelos.
Als ich auf dem Heimweg die Notiz am Bildschirm lese: "Astronomischer Frühlingsbeginn: 20.3. um 17:15", da ist es 17:17, und draussen schneit es fröhlichflockigflauschig. So fängt er diesmal also an, der richtige Frühling. Ich liebe die Vorfreude fast am meisten!
Montag, 19. März 2018
Sitzungen
Vor einem Jahr sass ich über den Bewerbungsunterlagen. Heute sass ich mit "meinen" vertrauten Erstklasskindern am Boden und säte Kresse, und am Nachmittag sass ich in der Konferenz im Kreis eines zufriedenen, motivierten Kollegiums. Ein Jahresbogen, der mich tief dankbar macht.
Sonntag, 18. März 2018
Bilderbogen
Heute früh bin ich vom Schneepflug geweckt worden.
Dieses Winterweiss kann wohl fallen, wann es ihm beliebt. Es wird mich immer verzaubern, beruhigen, entspannen. Vielleicht ist es die Hülle, die mir so oft fehlt, welche der Schnee ins Bild zu setzen versteht. Vielleicht ist es die Stille, nach der ich mich sehne. Vielleicht ist es die Schlichtheit eines leeren, weissen Blattes Papier, auf dem alle Möglichkeiten träumen. Still legt meine Sehnsucht ihre Worte darauf. Sie werden den Weg zu den Wurzeln finden.
Etwa so sieht es für mich aus, bevor ich die Linsen trage. ;)
Freitag, 16. März 2018
Donnerstag, 15. März 2018
verwünscht
Die dritten Klassen haben die ganze Schule eingeladen zu ihrem Frühlingskonzert. Ein bunter Strauss von Liedern und Klängen wird uns geschenkt, voller Begeisterung, Vielfalt und Schwung. Der Schlussapplaus nach 40 Minuten ist entsprechend riesig, und bald schon beginnen die älteren Klassen rhythmisch zu klatschen. Die Kleinen stimmen natürlich ein und ein Erstklässler hinter mir aus einer Parallelklasse, schreit begeistert das "ZU-GA-PEE!" mit.
Endlich stellen sich die Sängerinnen und Sänger noch einmal auf und es wird still. Der Junge seufzt tief auf und jammert halblaut: "Oh nein, nicht nochmal ein Lied!"
Mittwoch, 14. März 2018
Abendfragen
Macht dir das Leben manchmal auch Angst? Die Ungewissheit? Die Zielgerade, welche uns alle auf den Punkt hinführt, den alle Wesen gemeinsam haben, das einzige, was mit aller Garantie jede von uns erleben wird? Oder wie fühlt es sich an für dich wenn du siehst, dass ein Kind nach dem andern seinen Weg geht, dass die Abende einsam werden und du den bitteren Geschmack des Alleinseins hinunter zu schlucken versuchst? Und erschrickst du auch manchmal, wenn du klar und deutlich deine eigene Verantwortung wahrnimmst, wenn du den Mut hast, dich der Opferrolle zu entwinden? Und wie geht es dir damit wenn du merkst, dass du verlernst zu erzählen von dem, was dich in schlaflosen Nachtstunden bewegt? Hast du noch Fragen oder lebst du Antworten? Liebst du, was du lebst?
Dienstag, 13. März 2018
Morgengruss
Welch weckendes Morgengeschenk! Um halb sechs in der Küche stehen, am offenen Fenster, Mittagessen vorkochen und dabei dem kräftigen Wind lauschen, wie er oben im Wald rauscht, in Wellen durch die Strasse fegt, an den letzten dürren Blätter an der Hauswand zerrt und mit frischer Morgenluft mein Gesicht öffnet. Ich lasse mich mitnehmen, hinaus in die Weite, in die Bewegung, in die Vergänglichkeit, zu mir.
Und jetzt, da ich dies schreibe, mischt sich in das Brausen das Morgenlied der Amsel.
Einen guten Tag auch dir!
Sonntag, 11. März 2018
...
"...Versucht lieber, euch an die lichtvollsten Momente eures Daseins zu erinnern. Überlegt, dank wessen und wie sie sich ereignet haben, lasst sie oft in euer Gedächtnis zurückkehren, genauso, wie ihr eine Musik, die ihr liebt, oft wieder spielt. Und ihr werdet von neuem die gleichen Empfindungen der Reinheit, der Freiheit und des Lichts erleben."
Omraam Mïkhael Aïvanhov
Samstag, 10. März 2018
Nachklang
Es geht noch immer nicht. Vielleicht habe ich es für immer verlernt. Es war ein richtig fröhlicher Weiterbildungstag heute. Wir haben viel erprobt, erlebt, ausgetauscht und vor allem gelacht. Doch dann ist der Tag vorbei und es lacht in mir in der häuslichen Alltagsumgebung weiter, wo der Nachklang dieses Lachens sich immer mehr verwandelt in vorlauten Übermut. Ich beginne mich zu nerven über die Lehrerkollegin, die ich war, wünschte, sie wäre ruhiger und disziplinierter gewesen. Und allmählich wird die Fröhlichkeit zu einer kleinen, nervösen Maus, die beschämt und verzweifelt nach einem Loch sucht, in dem sie verschwinden könnte.
Ich sehne mich nach der Stille, welche bleibt, wenn der Übermut sich legt. Ich weiss der Fröhlichkeit keinen gesunden Platz zu geben. Narbenschmerz vielleicht.
Freitag, 9. März 2018
Sitzwache beendet
In jenen bewegten Tagen und Wochen vor neuen Jahren, in welchen meine kleine Welt durchs All gewirbelt wurde, kam er geflogen und bekam erst einmal einen Platz bei vielen anderen Geschenken und Zeichen.
Bis dann Ende November. Da nahm ich ihn mit in die Stadt. Ich erinnere mich nicht mehr, wie es genau dazu gekommen war. Ich setzte ihn an viele Orte, an denen ich in diesem Jahr schon voller Verzweiflung gestanden hatte und spürte in den Bildern, die entstanden, irgendwie Trost.
Die Idee, mit dem kleinen Engel einen Adventskalender zu gestalten, war geboren.
Als ich in den Monaten danach mit dem schmerzhaften Aufräumen begann, half er mir, Abschied zu nehmen.
Und im folgenden Spätsommer dann, als der Grabstein gesetzt war, bekam er darauf seinen Platz und sass da fortan.
Tag und Nacht.
Jahr um Jahr.
Im Duft und in der Kälte.
Und mehr und mehr von den Jahren gezeichnet.
Jetzt ist er weg. Ich weiss nicht seit wann, aber heute war er nicht mehr da, leer sein Platz, entflogen.
Montag, 5. März 2018
Abenderwachen
Vor 15 Minuten bin ich in die Tram eingestiegen dort an der verkehrsreichen Strasse, wo keiner den andern kennt. Es war noch ein wenig hell. Nun spuckt der Wagen die letzten Fahrgäste aus. Endstation. Man wünscht sich einen schönen Abend. Unterdessen liegt Nacht über dem Dorf. Ich arrangiere mich mit meinen zwei schweren Tüten und trete mit einem Seufzer in die kühle Dunkelheit.
Doch schlagartig ist alles anders. Ich atme noch einmal ein und gleich noch einmal, tief, verzaubert. Es riecht nach erwachender Erde, nach lebendiger Feuchtigkeit, nach Hoffnung, nach Frühling, nach – nach... Glück. Ich bleibe stehen, staune, trinke.
Als wärs zum ersten Mal.
Sonntag, 4. März 2018
Winterabschied
Es gibt Nächte, die einen mit einer riesigen Abschiedswehmut entlassen. Und wenn dann die Frühlingssonne über den Horizont steigt und mit gleissender Eindringlichkeit beginnt, das Bild dazu zu erschaffen, dann erzählt plötzlich jeder Tropfen, jeder Schatten, jeder Schritt im noch gefrorenen Winterweiss, ja gar die Mahlzeit von Endlichkeit und Einmaligkeit.
Einmal wird es der letzte Schnee gewesen sein. Vielleicht heute. Einmal wird es der letzte Abschied sein, wenn einer geht. Vielleicht dieser grad eben. Nichts wird bleiben ausser vielleicht die Frage, was bleibt.
Ob das Leben je antworten wird? Die Vögel tun es an einem solchen Tag mit übermütiger Freude. Und fragen nicht.
Freitag, 2. März 2018
Windstille
Soviel Nichts, soviel scheinbare Leere, inneres Ringen, das keine öffentlichkeitstauglichen Worte zu finden erlaubt. Oft war ich in den vergangenen Jahren an dem Punkt und meinte, alles hier durchtrennen und löschen zu müssen. Ich versuche es nicht zu tun, nicht in der Unsicherheit und Ängstlichkeit einfach zu zerstören, versuche zu akzeptieren, dass es jetzt so ist, dass unfreiwilliges Schweigen sich anders anfühlt als gewähltes. Damals, im Schmerz, fand Verwandlung statt, als ich aufhörte, mich zu wehren. Wer weiss...
Seit gestern liegt hier etwas Schnee, soviel wie nie zuvor diesen Winter. Märzschnee. Das erste Knirschen unter den Schritten am frühen Morgen klang so tröstlich. (Jetzt bloss kein Konjunktiv, FrauWind!)
Abonnieren
Posts (Atom)





















