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Mittwoch, 30. Januar 2019

hm

Heute habe ich mit dem Arzt über den Begriff "dringender Notfall" gesprochen: Relativitätstheorie der anderen Art und für mich persönlich ein Übfeld, das ich wohl in diesem Leben nicht vollständig zu pflügen vermag.
(Es geht mir übrigens unterdessen wieder fast gut, auch ohne Norfalltermin letzte Woche!)

jetzt

Es schneit beinahe waagrecht in winzigen Flocken. Heulend rüttelt der Wind an allem, was nicht am Haus fixiert ist. Dieses antwortet quitschend, polternd und geduldig. Oben im Wald singen dazu die Motorsägen ihr insistierendes Lied. Ich sitze in der Wärme und in mir weint es ohne warum und weil. Januarendesturmmittwochstränen vielleicht. Nicht alles braucht einen Namen.

Dienstag, 29. Januar 2019

unter anderem

Was ich noch nicht kann:
In meiner Ruhe bleiben, akzeptieren oder gar verstehen, wenn Eltern die Wahrnehmung ihres Kindes zur objektiven Realität machen und ohne Rückfrage Vorwürfe und Forderungen daraus generieren. Und ich weiss auch nicht, wie ich in meiner Unsicherheit und Enttäuschung später darüber sprechen kann, ohne aufgebracht zu sein. Spiralbildung im unguten Sinne ist das, und schwer, daraus wieder auszusteigen. Wie sehr ich manchmal weise, erfahrene Gesprächspartner vermisse.

Sonntag, 27. Januar 2019

...

Heute habe ich zum ersten Mal nur mit dem Ältesten und der Jüngsten zusammen gefrühstückt. Es gibt fast unzählige verschiedene Konstellationen in unserer Familie. Einige davon haben sich noch kaum je ergeben.
Später habe ich zum ersten Mal eine Gitarre neu besaitet und dabei einiges gelernt.
Und kurz darauf habe ich zum ersten Mal ein langes Gespräch mit einem der Lehrerpraktikanten geführt. Es ist schon speziell und spannend, dass diese jungen Kollegen und Kolleginnen nun im Alter meiner ältesten Kinder sind (und ich im Alter ihrer Eltern, von denen er erzählte, sie beginnen das Alter zu spüren und die Grenzen ihrer Kräfte.).

Soweit mein Wort zum Sonntag.

Samstag, 26. Januar 2019

...

Meist sind letzte Male unbewusste Momente. Erst im Rückblick wird Endgültigkeit erkannt. Selten weiss man mit Sicherheit, dass man einen Menschen zum letzten Mal sieht oder einen Ort zum letzten Mal verlässt oder ein Fest zum letzten Mal feiert.
Ausserdem sind die meisten letzten Male unbedeutend und bleiben unbemerkt.
Ich trage Erinnerungen an letzte Male tief in mir drin an hellen, warmen Zufluchtsorten. 

Heute kommt eines dazu, das jedoch nicht in die Tiefe sinken wird, sondern den Lauf der Zeit sehr intensiv verdeutlicht, das nahe Ende eines Lebensabschnittes ankündigt.
Zum letzten Mal war ich heute zum Putzdienst in unserer Familienschule eingeteilt. Und weil ich alleine putzte, konnte ich meinen Gedanken freie Bahn lassen, mit ihnen zurück wandern durch 18 unglaublich reiche, manchmal auch anspruchsvolle Jahre an diesem Ort, durch innige, glückliche Unterstufenjahre, durch Pubertätswirren, Freundschaftsbegegnungen, Projekte, intensive Mitarbeitsphasen und jetzt immer mehr am Rand, langsam leise fremd werdend. Eine junge, neue Generation übernimmt, gestaltet mit, färbt. Noch ein paar Monate bleiben, zwei Elternabende vielleicht, zwei öffentliche Klassenprojekte – aber nie wieder Putzen.
Gut so (aber auch wehmütig traurig). 
Meine Kinder sind keine Kinder mehr.

Freitag, 25. Januar 2019

Eiswunderfreitag

Schon wieder steht ein Wochenende vor der Tür. Das Ding mit der Zeit kommt mir immer mehr abhanden...

Es ergab sich heute spontan:
Die Klasse macht die ersten Annäherungsversuche an die Multiplikation. 
6+6+6+6+6+6+6 stand an der Wandtafel für die sieben Eierkartons, die nebeneinander gestellt worden waren. "Hast du all diese Eier selber gegessen? Das sind ja unendlich viele!" meinte einer.
Da wurde nun heftig addiert, und die meisten Antworten trafen ungefähr in die richtige Richtung. Irgendwann stand da 7x6 = 42.
"Das ist eine der schwierigsten Malaufgaben, die könnt ihr für den Moment wieder vergessen," lachte ich, um sie nicht gleich zu entmutigen. Doch dann sagte ich: "Wisst ihr was? Ich gebe euch dies als Hausaufgabe. Ihr müsst diese Rechnueng 7x6 = 42 bis Montag wieder vergessen!"
Etwas später fragte ich dann: "Hat jemand die Hausaufgabe schon geschafft?" – und in der Pause kamen einige gerannt: Wir wissen es immer noch!!" und im Turnen am Nachmittag und beim Tschüss sagen... Voller Begeisterung wurde diese eine Mulitiplikation gesungen, gelacht, gerufen, und die Freude über meine gespielte Enttäuschung über ihr Nichtvergessenkönnen war goldig.
Zwar kamen einige wiederholt zu mir und wollten wissen, warum ich das verlange, und ihre Mutmassungen über meine Absicht waren so herrlich, dass ich gar nicht auf die Idee kam, etwas davon zu erklären.

Am Montag werde ich ihnen dann die Geschichte erzählen von einem Mädchen in ihrem Alter, welches auch in die zweite Klasse ging. An einem wunderschönen Frühlingstag war es auf dem Heimweg von der Schule, und dort, wo der Quartierweg von der Strasse abbog, stand ein reisger Birnbaum, welcher in alllerschönster Blüte stand. Dem Mädchen war, es hätte so etwas Wundervolles noch nie im Leben gesehen. Der ganze Baum leuchtete in strahlendem Weiss, Vögel sangen, Bienen summten. Das Mädchen konnte den Blick nicht abwenden von dieser Schönheit, es kam ihm vor, als wäre sein Blick an den Baum gebunden. Langsam ging es rückwärts den Weg hoch, die Augen ununterbrochen beim Baum. 
Irgendwann stand es vor der Einfahrt zum Haus seiner Familie. Jetzt muss ich rein, wir müssen essen, sagte sich das Kind und wurde dabei ganz traurig. Es hätte hier bleiben wollen, immer. Da fasste es einen Entschluss. "Ich muss den Baum und dieses Bild vergessen, einfach wegmachen aus mir, dann kann ich reingehen!" dachte es und rannte zur Tür. Dann sass es am Tisch und versuchte zu vergessen. Abends im Bett versuchte es, an etwas anderes als an den Baum zu denken und schaffte es nicht. Je mehr es versuchte zu vergessen, desto tiefer sank das Bild von diesem Birnbaum in sein Herz. Und es gibt im Leben dieses Mädchens, welches längst eine Frau geworden ist, nur ganz wenige Dinge, an die es sich noch so gut erinnert, wie an diesen Birnbaum.

Ob ich ihnen auch erzähle, wer dieses Mädchen war, weiss ich noch nicht. Vermutlich wird es die eine Schülerin, die dem Mädchen von damals in manchem ähnlich ist, spüren und wissen.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Eiswunderdonnerstag

und dann kam die Sonne....


„Wir müssen auf unsere Seele hören, wenn wir gesund werden wollen. Letztlich sind wir hier, weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt.
Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und im Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht.
Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es keine Geborgenheit.
Solange er sich fürchtet durchschaut zu werden, kann er weder sich selbst noch andere erkennen. Er wird allein sein. Alles ist mit allem verbunden.“
Hildegard von Bingen

Mittwoch, 23. Januar 2019

Eiswundermittwoch

Dringende Notfälle dürfen auf den Beantworter sprechen. Seit einer Stunde überlege ich mir, ob ich ein dringender Notfall sei, oder besser gesagt, spüre ich, dass ich nie und nimmer den Mut haben werde, mich als solchen zu bezeichnen. Und wenn ich dann am Nachmittag zur regulären Zeit anrufe, sind alle Termine vergeben an die mutigeren SelbsteinschätzerInnen.

Es hat ein Häubchen geschneit heute früh. Die Eiswunder sind überzuckert. Ein weissgrauer Himmel hängt tief ins Tal. Und doch ist das Licht bereits anders als im Dezember. Ich liebe den Januar mit seinen wachsenden Tagen.

Eben hat der Förster angerufen, um meine Holzbestellung zu bestätigen. Voraussichtlich wird das Holz in den nächsten Tagen direkt hier oben am Waldrand geschlagen werden, Bäume also, die meine Nachbarn sind. Die Geschichte der Winterwärme 2020/21 beginnt früh diesmal – und emotional. 

Und nun begebe ich mich mit der Hausmittel-Einkaufsliste von Doktor I-nett auf Einkaufstour. Ich habe mich entschieden, kein Notfall zu sein.

Dienstag, 22. Januar 2019

Eiswunderdienstag

...

Montag, 21. Januar 2019

Eiswundermontag

Nachtschattenpflanzen der anderen Art. Grashalme, verrottende Grashalme im Strassengraben, Laubreste, vom letzten Regen angeschwemmt und stecken geblieben, liegen geblieben in der Restfeuchte, vom Winter entdeckt und erkannt. Vergänglichkeit als strenge Poetin.

Sonntag, 20. Januar 2019

Eiswundersonntag

Es wartet wieder eine volle Woche jenseits dieser Nacht. Die nächste Portion Elterngespräche steht an, und nach so einem vierstündigen Block, in dem ich ganz präsent bin, viel höre, aber auch viel spreche, mich auf die unterschiedlichsten Menschen einlasse..., da komme ich nach Hause und stehe wie vor einer Felswand, von der das Echo widerhallt. Ich muss nachhören, nachspüren, mich hineinlehnen in das, was sich entspannt, und meist bleibt da kaum ein neues Wort, auch keines zum Schreiben.
Daher habe ich nun diese gestrige Wintermorgenhalbstunde rund um den Sonnenaufgang auf eine Woche ausgedehnt und werde versuchen, täglich eines der Bilder zu "Wort" kommen zu lassen. Ob dann auch noch "Wind" aufkommt, wird sich zeigen.

Samstag, 19. Januar 2019

Eiswunder

Heute einfach nur dies, bevor der Tag gleicht dahin geschmolzen ist. Ist das nicht unglaublich? Strassengrabenkunst vom Feinsten.

Standort

Ein Mond, wie ich ihn selten sah, stand heute Abend am Himmel. Ohne jede Ahnung, wie sowas richtig aufs Bild zu bannen wäre, habe ich die Kamera in die Dunkelheit gehalten.
Zu sehen ist nur eine Ahnung von diesem wundersamen Hof, der den Mond zu einem leuchtenden Kuppelmittelpunkt zu machen schien. Ich stand da auf dem gefrorenen Feld zwischen kahlen Bäumen, überwältigt, müde und erleichtert nach dieser Woche mit dem ersten Drittel der Elterngespärche. 

Und dann begegnete mir noch dieses berührende Geschenk.

Wochenende, sei willkommen!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Sonntag, 13. Januar 2019

...

Stopp! Bitte nicht weiterlesen, wenn du auf der Suche nach Heiterkeit und Himmelblau bist.


Neulich sagte mir eine Bekannte: "Was ich am Älterwerden so wundervoll finde, ist die Gelassenheit, die immer grösser wird. Ich vertraue immer mehr meinen Stärken, weiss, was ich kann und wo ich heilsam wirken kann. All dem, womit ich mich früher klein gemacht und gequält habe, gebe ich einfach keine Energie mehr. Es ist so befreiend, sich selber liebevoll zu behandeln, und die Menschen begegnen mir ganz anders als früher." Sie strahlte, als sie erzählte, und ich glaubte ihr jedes Wort, weil sie es spürbar und wohltuend verkörperte.

Nein, sie ist nicht ich. Obwohl wir fast gleich alt sind, bin ich nicht in ihrem Alter, nicht da, wo sie aufblüht. Da sind noch immer so viele Ängste in mir. Die Einsicht, dass wir mit unseren Gedanken unsere Wirklichkeit erschaffen, erdrückt mich manchmal fast, weil ich die Füsse nicht herausziehen kann aus diesem schweren Morast. Der Anspruch zu vergessen, was keine Gegenwartskraft mehr hat, die Notwendigkeit, endlich zu akzeptieren, dass Verbindungen zu Menschen einfach abbrechen könne, dass Ende nicht immer Verwandlung bedeuten kann, dass es Geschichten im Leben gibt, in denen die Herzensstimme kein Stimmrecht hat, die Frage, ob es mir zusteht, einen Job abzulehnen, weil ich keine Freude dafür spüre, obwohl ich und vor allem meine Familie total darauf angewiesen wäre, die Mutlosigkeit, wenn es darum geht, meinem Herzen zu folgen, die mit jedem Jahr grösser wird, die Einsamkeit, welche nicht ich suche, sonden jene, welche mich einsaugt..., all diese Endlosschlaufen halten mich gefangen.

Es ist wie dem Fluss entlang gehen. Auf der einen Seite schleppt sich das schwere Gepäck auf meinen Füssen durch klebrigen, nassen Schlamm, auf der anderen leuchten Plakate, auf denen steht: "Identifikation ist der Klebstoff, Bewusstheit das Lösungsmittel."– "Alle guten Handlungwn haben ihren Anfang in guten Gedanken." – "Was immer du tun kannst oder wovon du träumst – fange damit an. Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich." – "Manchmal muss man altes gehen lassen, damit neues entstehen kann." "We are here to find that dimension within ourselves that is deeper than thought." ....

Doch da ist keine Brücke, oder ich sehe sie nicht, oder ich vertraue ihr nicht. Und ich weiss, dass man sowas nicht schreibt hier draussen, wo eigentlich der Platz ist für Schönes, für die aufgeräumte Welt junger Familien, für inspirierende Gärten, für eindrückliche Reisen, für weise Gedanken, oder allenfalls für echte Sorgen, für die andere Seite des Flusses eben.

Mittwoch, 9. Januar 2019

❄️❄️❄️

Während die einen in den Schneemassen versinken, stehen die andern staunend vor dem Haus und lassen sich vom allerersten Flockenballet des Winters verzaubern. Ich gehöre heute zu den andern. Fasziniert beobachte ich, wie mir alles eben noch so Dringende entgleitet, unwichtig wird, still und leicht. Als es Nacht wird, gehe ich hinaus. Da liegen Geschichten am Boden, Wege, Schritte, Spuren. Noch sind es wenige. Richtungen sind erkennbar, Schrittlängen, ich kann in die Fussstapfen anderer treten und sie wieder verlassen. Es riecht so wundersam kalt. Danke.

Für die einen muss es wie Hohn klingen, wenn die andern so träumen...

Dienstag, 8. Januar 2019

Seltenfroh

Die drei, die im Moment zu Hause sind, albern durchs Haus, als wären sie inkarnierte Emojies, kichern, lolen, necken und nonsensen. Ich beobachte von weitem, höre das Lachen, spüre die Leichtigkeit, freue mich über ihre Freude miteinander und erinnere mich vage und wehmütig an Zeiten, in denen dieses Haus erfüllt war von solchen Interaktionen. Der Abbruch dieses Lebens war so aprupt, die Stille kehrte ein im Schock, und was sich daraus langsam wieder frei schälte, war nie wieder von derselben Heiterkeit. 
Umso mehr berührt mich diese Abendstimmung heute.

Montag, 7. Januar 2019

Alltagswind

Hab den ersten Schritt getan, und dann den zweiten, den dritten, und dann waren da Kinder und nur der Moment.
Da war es gut.
Und jetzt ist es Nacht. Was ich jetzt nicht verändern kann, versuche ich loszulassen.
Ich bin froh, dass die Weihnachtszeit vorbei ist.

Sonntag, 6. Januar 2019

Krönung

Heute vor zehn Jahren war sie Königin und wollte es nicht sein.

Es ist soviel Leben und gleichzeitig soviel Traurigkeit in diesen Tagen. Da hilft es manchmal, den altvertrauten Trauerraum wieder einmal zu öffnen, mir das Tuch der Sehnsucht wärmend über die Schulter zu legen, die Tränen fliessen zu lassen und die Last, genügen zu müssen, loszulassen.

Freitag, 4. Januar 2019

Konfrontation

Der Jahresanfang ist seltsam. Alles scheint so dicht zu sein, greifbarer als sonst, oft zu nah. Im Warenhaus auf der Rolltreppe halte ich es kaum aus bis zum nächsten Stockwerk, als die Person hinter mir bis auf zwei Stufen aufschliesst. Die roten Schilder mit dem %-Zeichen fauchen wie offene Raubtierrachen. Die Zufallsblicke in den Strassen treffen an einem Ort, wo Angst geweckt wird. Die Arbeitsstunden im stillen Klassenzimmer wispern sich wortlose Fragen zu. Die Gespräche am Tisch wühlen auf.  Zwei Töchter räumen ihre Zimmer, um sie zu tauschen. Immer wieder kommen sie mit Erinnerungsobjekten. Schau mal. War das wirklich so? Weisst du noch? Damals. Unsere Blicke auf das Vergangene, gemeinsam erlebte, sind zum Teil so unterschiedlich, wie völlig fremde Geschichten voneinander verschieden sind. Das irritiert, schmerzt, lässt staunen, je nachdem. 
Und je hartnäckiger mich dieser diffuse Spiegelblick verfolgt, desto mehr sehne ich mich nach Schlichtheit und Ruhe. Du musst sie in dir suchen, sagt die Tochter. Und ihre Augen leuchten aus dem verweinten Gesicht.

Mittwoch, 2. Januar 2019

Übergangsfarben

In den letzten Minuten des alten und in den ersten des neuen Jahres habe ich mit Farben gespielt. Da hängen sie nun, die Gedanken, als Pinselstriche zwischen den Zweigen von der Dreiundzwanzig.


Dienstag, 1. Januar 2019

...

Als gestern die ganze grosse, feuchtfröhliche Geburtstagspartygesellschaft des Sohnes aufgebrochen war, um den Jahresübergang in der Stadt zu feiern, da wurde es mit einem Mal total still im Haus. Die erste Solosylvesternacht meines Lebens (die jüngste Tochter hatte in letzter Minute doch noch eine Freundin gefunden, welche sie vor dem Alptraum eines langweiligen Muttertochterabends zu retten bereit war) begann mit Lüften und Putzen, wenigstens soweit, dass der Tisch wieder benutzbar war. 
Und wie ich da so sass vor den paar übrig gebliebenen Kartoffeln, da wurde die Stimme laut und lauter, welche mir darlegte, wie peinlich entlarvend und schwach es von mir sei, das Jahr mit einem Wutpost zu beenden, wie klar es da nun in der Welt stehe, dass es sich mit einem Menschen, dem Holzscheite wichtiger sind als funktionsunfähige Tochterfahrräder und Tote näher als Lebende und Stille tiefer als Gespräche, nicht leben lässt. Scham erfüllte mich und drückte mich in die wohl vertraute Ecke. Ich rückte meine Schuldmütze zurecht und entfernte das angeschlagene Herz mit seiner Geschichte aus dem Raum, als könnte ich ungeschehen machen, was in mir lebt und was ich am liebsten nicht sehen würde, als könnte ich das neue Jahr so unter einen helleren, erlösteren Stern stellen, als wäre die Grundlage für eine heile Illusion wieder hergestellt..
Doch dann lag da heute morgen die Frage von einer Leserin vor mir, warum ich das getan habe. Ich spürte Verständnis statt Verurteilung und Mut statt Schwäche. 
Und daher steht die Einunddreissig jetzt wieder da, wo ich sie letztes Jahr hingestellt habe. 

Den abgestürzten Teil des Herzens habe ich heute verfeuert. Es ist nun wieder wohlig warm im Haus.

ALLES GUTE!