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Dienstag, 31. Oktober 2017

ohne mich

Schattenspringen war noch nie meine Stärke. Und ich ahne, dass ich es an Halloween nie schaffen werde. Klar verpacke ich Süssigkeiten für die Kinder, die an der Türe Sturm läuten, ich höre freundlich ihren Versen zu und staune über die Mütter, die auf der Strasse warten und ihre Gruppe dann zur nächsten Haustüre begleiten.
Aber dass ich je eine solche Gruselmaskierung schön finden oder Kotzkürbisse schnitzen oder ein Kostüm ehrlich bewundern werde, das bezweifle ich sehr, geschweige denn, dass ich Garten oder Haus mit Skeletten, Gespenstern und Gummispinnen schmücken würde. 
Ist einfach nicht meins. Dabei ist es nicht der Tod, den ich verbannen möchte. An den denke ich wohl täglich. Vermutlich ist es irgendein Gefühl, dem ich mich nicht stellen möchte. Süss oder sauer.



Sonntag, 29. Oktober 2017

Sonntagsträne

Die Tage, an denen es weh tut, sind selten geworden. Die Weite ist längst grösser geworden als der Schmerz, hat ihn eingehüllt, verwandelt. Doch heute spüre ich wieder seine Schwere, vielleicht weil der Tag so lang und so ruhig ist und etwas von der Qualität hat, welche das Leben mit ihr hatte. Ich zünde viele Kerzen an, überall, wie Nebellichter, suche Fotos, schliesse die Augen und erinnere mich an die feinen Haare zwischen meinen Fingern, an ihren Blick, spüre hinein in die Tiefe  der Ergebenheit, in die sie mich geführt hat. Alle "waswärewenn" sind verstummt. Aber da in mir drin ist ein Ort, der nach ihr riecht und tönt, der nach ihr ruft, leise, liebevoll, an dem die Lichtgestalt ihres Lebensbaumes weiter wächst und weiter Wurzeln schlägt, wo ich mich heute niederlasse, trinke und ruhe.


Samstag, 28. Oktober 2017

entzünden

Jedes Mal, wenn ich an den Raumtrennscheiben im Teamarbeitsbereich der Schule vorbei gehe, bin ich berührt von den hier aufgedrucken Zitaten. Dass sie da stehen, welche da stehen, wie sie da stehen, das weckt immer wieder neue Funken der Dankbarkeit dafür, dass ich hier arbeiten darf. 

In diesem Raum fand damals das Vorstellungsgespräch statt.


Die Löschdecke habe ich heute zum ersten Mal gesehen.

Freitag, 27. Oktober 2017

Wortschatzübung

Eine Schlucht, ein ausgetrockneter Bach, unendlich viele raschelnde Herbstblätter, mehrere bemooste Brücken, immer noch eine Stufe, und noch eine, endlos und dann doch die letzte, knorrige, rutschige Wurzelstränge von alten Bäumen, geheimnisvolle Nebelschwaden, drei wärmende Feuer, zwei friedliche, frohe Spielstunden im Wald, ein langes Seil, eine prallvolle Regenwolke zum Abstieg, eine schützende Höhle, eine spannende Geschichte, 60 Erstklasskinder, 120 müde Kinderbeine, der letzte Freitag im Oktober.



Donnerstag, 26. Oktober 2017

zweisam

Abschiedsfarbtupfer



Mittwoch, 25. Oktober 2017

davor

Am Samstag beginnt wieder einmal diese verrückte Zeit. Da werden sie von der Höhe dieses weissen Turmes aus in die Tiefe stürzen und begeistert kreischen,


wird dieses Rad blinkend seine ewig unterbrochenen Runden neben den Münstertürmen drehen,


wird die Schwerkraft sich mit Lichtkraft und Rhythmen zu einer dröhnenden Watte vermengen

 
und wird sich Klein und Gross auf dem XXL-Spielplatz im Duft von gebrannten Mandeln und Magenbrot, zwischen Riesenballonen und Mässmogge, in Warteschlangen und Farborgien berauschen lassen. Freiwillig


Noch ist alles still, bewegungslos, beinahe menschenleer.

Dienstag, 24. Oktober 2017

L

Da ist einfach nur Erleichterung zur Zeit. Erleichterung und Glück und Dankbarkeit über das Erleben, dass Schmerz nicht das Ende der Hülle ist und die Angst davor sich verzieht, dass Blicke wieder sprechen und selbst im Nebelmorgen beinah vergessene Weite mitklingt. Die Sorge um morgen findet keinen Boden und das Rascheln der Blätter verzaubert die Wege. 
Auch das ist eine Strophe meines Lebensliedes, eine Farbe meines Bildes, eine Bewegung meiner Choreographie, ein Flügelschlag meines Traumes. 
Wenn ein Blatt auf deiner Hand landet, dann kannst du vielleicht die Leichtigkeit spüren, welche meine Gedanken zum Schweigen und meine Freude zum Tanzen bringt.

Montag, 23. Oktober 2017

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Fast jede Laus, die über die Leber kriecht, hat ihre Reise im Kopf begonnen.

Sonntag, 22. Oktober 2017

tempora mutantur

Heute bin ich unter einem komplett entlaubten Lindenbaum aufgewacht. Hinter dem filigranen Ast- und Zweigwerk dämmerte das Morgenlicht. Fast ein halbes Jahr lang wird er jetzt so durchsichtig sein, mein Schlafbeschützer.
Wenig später fand ich den kleinen Engel, welcher seit Jahren auf Mirjams Erinnerungstischchen sitzt, am Boden. Er hatte beim nächtlichen Flugversuch seinen zweiten Flügel verloren. Die Katze strich mir um die Beine und bat um Futter.
Nach dem Frühstück reiste ich an die Schule meiner Kinder, welche nun nur noch die Jüngste besucht. Als ich im Tram sass, realisierte ich, dass ich – zum ersten mal in meiner Karriere als Mutter an dieser Schule – vergessen hatte, meinen Kuchentribut für das Schulfestbuffet zu entrichten. 

So ein Sonntag war das heute, einer mit lauter kleinen Flüchtigkeiten. 
Viele frohe Wiedersehensbegegnungen gaben ihm Leben, Flügel und Süsse.


Samstag, 21. Oktober 2017

be weg t

Da gibt es nicht viel zu verworten, wenn alles wieder viel leichter und selbstverständlicher von der Hand geht, wenn soviel liegen gebliebenes sich endlich bewegt. Ich bin dankbar, habe heute streckenweise sogar ohne Handschuhe sein können, muss bloss noch einmal pro Stunde die Haut fetten. 
Vieles gibt mir zu denken auf diesem Weg zurück in ein handlungsbefähigtes Leben. Sprechreifes ist da jedoch nicht dabei.
Der schönste Moment heute? Als plötzlich ein starker Wind aufkam, der um die Hausmauern heulte voller Innbrunst, den Bäumen die Blätter vorhangweise entriss und sie umherwirbelte wie spielfreudiges Herbstvergessenheiten, und als es bald darauf nach Regen roch... 
Da huschte es vorbei, das kleine, stille Glück und hinterliess einen feinen Goldschimmer.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Schrittweise

Was für ein wundervolles Lebensgefühl: Ich kann meine Finger wieder strecken, meine Hände zu Fäusten ballen und Brot schneiden, mit einer Hand Wasser einschenken, Wäsche abhängen, ohne dass es schmerzt, durch Menschen gehen und mich trotz Handschuhen und Schal nicht fürchten vor ihren Blicken...
Und trotzdem sprach der Dermatologe vorhin ständig von heftigen Symptomen und drastischer Schubstärke und intensiven Massnahmen. Dass er die Cortisonmenge auf ein absolut notwendiges Minimum beschränken möchte und sich für Kontext und Persönlichkeit interessiert, an einer engen Zusammenarbeit mit dem Hausarzt interessiert ist und meine Lebenshaltung in den Therapieplan mithinein denkt, das macht mir Mut, mich einzulassen.
Ausserdem hält er aufgrund der geschilderten Symptome genau wie schon andere Ärzte vor ihm eine Nahrungsunverträglichkeit für sehr unwahrscheinlich.
Ich habe nun bis in den Advent hinein dreimal wöchentlich einen Termin. Es wird immer klarer, dass ich mich um mich kümmern und mir Zeit für mich selber nehmen und gönnen muss. Das ist wohl Teil dieser Lektion.

Von der Fassade des Hauses, in dem sich die Praxis befindet, schaut diese Engelsfigur über die Strasse.


Mittwoch, 18. Oktober 2017

Entgegenkommen

Heute hat mich mein Spiegelbild zum ersten Mal seit langem angelächelt. Ganz überrascht habe ich nochmal hingeguckt und erfreut zurückgelächelt.




  
(Passt jetzt vielleicht nicht so ganz, doch bei der Suche nach einem Spiegelfoto ist mir dieses Bild und mit ihm ein ganzer Erinnerungswindstoss entgegengekommen. Entstanden ist es vorgestern vor zwei Jahren, unmittelbar vor einer der aufwühlendsten und heftigsten Nächte der vergangenen acht Jahre.)

Dienstag, 17. Oktober 2017

hängende HändeHüllen

Ein Alltagsbild der letzten Wochen, welches hoffentlich bald der Vergangenheit angehören wird.


Montag, 16. Oktober 2017

Schatten im Fluss

Was war ich aufgeregt morgens um acht, nein, eigentlich schon die ganze Nacht, sosehr, dass ich kaum schlafen konnte! Doch dann war es gar nicht so schlimm. Nach einer Viertelstunde Besetzzeichen kam ich plötzlich durch, und zweieinhalb Stunden später sass ich im Sprechzimmer. Danke für die, die mir vielleicht Daumen gedrückt haben. Es kam mir fast so vor.
Am Donnerstag dann habe ich einen Termin bei einem Dermatologen. 
Der nächste Schritt ist nun getan, und allein dies erleichtert ungemein. Ob er nun richtig ist oder falsch – was oder wer entscheidet das?


Sonntag, 15. Oktober 2017

KürbisKabaret

Das sei ein toller Kürbis, meint die sympathische Frau, die mit mir an der Kasse steht und sieht, wie ich meine Einkäufe auf den Tisch lege. Die Schale könne mitgekocht werden. Zusammen mit der Kassiererin unterhalten wir uns über unsere Suppenvorlieben und wünschen uns dann einen schönen Sonntag.
Als ich mit den beiden schwer beladenen Einkaufstaschen den Berg hoch stapfe, hält ein Auto neben mir. "Haben sie noch weit? Kann ich sie irgendwohin bringen?" fragt die Frau von vorhin. Als ich dankend verneine, fährt sie jedoch nicht mit dem Auto weiter, sondern mit dem Gespräch. "Ich hoffe, das sei ihnen nicht zu nahe, aber ich kenne eine Naturärztin, die ist unglaublich gut, hat schon so vielen Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen geholfen. Als ich sie vorhin sah, musste ich sofort an diese Frau denken", es folgen Name und www.ch. Dann entdecken wir, dass ich sie von der Bühne kenne als Teil eines bekannten Kabartensembles.
Und gestern bei der Begrüssung im Kurs der enttäuschte Blick der einen Frau, die mir ihre allerbeste Zaubersalbe geschickt hatte: "Hat sie nicht geholfen?" Wie gerne hätte ich ihr strahlend und dankbar das heilsame Ergebnis ihres Geschenkes präsentiert.
In den Pausen setzt sich zweimal ein Mitstudent zu mir, erzählt von der medial begabten Frau, die ihm in allen Lebenslagen hilft. In Deutschland lebt sie, kann aber auch übers Telefon helfen, und sein Leben hat sich von Grund auf geändert, seitdem er mit ihr arbeitet, und seine Frau vertreibt eine Salbe und andere rein pflanzliche Produkte, die es auf dem Markt nicht gibt........, er schicke mir den Link, dann könne ich direkt bestellen, er bringe sie mir nächstes Mal mit. Ich bin berührt von seiner aussergewöhnlichen Biografie und seiner Einstellung zum Thema Schmerz.

Morgen früh um acht, wird ein Anruf g'macht...
Es wird höchste Zeit, dass dieser Teil meines Lebens unsichtbar wird.


Freitag, 13. Oktober 2017

Entscheidungen

Als gegen halb fünf in der Früh langsam Ruhe einkehrte, meine Hülle sich anfühlte wie ein verglühendes Feuer und der Sturm abzog und nur noch von weitem leises Grollen zu vernehmen war, da schaltete ich den Wecker aus, den ich für sechs Uhr gestellt hatte. Nach einer solchen Nacht machte es keinen Sinn, fast ohne Schlaf alleine für eine 8-stündige Wanderung aufzubrechen. Ich beschloss, so früh wie möglich einen Notfalltermin bei einem Dermatologen zu bekommen und überliess mich endlich dem Schlaf.
Um halb acht war ich wieder wach, legte mir die Nummern der Ärzte bereit, welche mir empfohlen worden waren. Denn einfach in der Uniklinik irgend einem Assistenzarzt die Komplexität meiner Situation anvertrauen, das will und kann ich nicht.
Überall traf ich Beantworterstimmen an. Ferienhalber geschlossene Praxen, sprechstundenfreier Morgen. 
Schliesslich war es der Sohn mit dem weiten Blick, welcher gestern überraschend früh von seiner Interrail-Europareise zurückgehert war, welcher mich drängte: "Geh raus, schau die Welt an, beschäftige dich mit etwas anderem als mit deiner Haut!" und so packte ich den Rucksack doch noch. Für die ursprünglich geplante Tour würde es nicht mehr reichen, aber es gibt ja viele Wege. Ich startete in einer Traube von Ausflüglern. Alleine ist man nirgendwo so einsam wie in der Menge. Doch schon nach wenigen Wegmetern begann ich zu atmen.

Es war ein guter Tag mit wunderbaren Weitblicken. Ich hatte gewusst, dass man von hier aus die Alpen sehen kann, aber ich war bisher nie bei idealen Wetterbedinungen da.






Es naht der Moment, wo ich mich für mein Tagesziel entscheiden muss.





Ich wählte und fogte dem Weg fast drei Stunden lang. Und dann stand ich vor dem Wegweiser, auf dem mein Ziel überklebt, abgedeckt war. Da keine Begründung dabei stand, musste ich annehmen, dass der Weg nicht begehbar ist. Jetzt musste ich umdisponieren. Da ich ohne Karte auf unbekannten Wegen unterwegs war, wusste ich nie so recht, worauf ich mich einlasse. Und so stand ich denn auch plötzlich völlig unvermittelt in einer steilen Schlucht. Der Weg führte durch einen senkrecht abfallenden Felsen über feuchte Steine. Ich hielt mich an der Kette fest, die zur Sicherung verankert war und setzte sorgfältig Fuss vor Fuss. Mein Herz raste. Zum ersten Mal heute fand ich es überhaupt nicht lustig, so mutterseelenallein im Gelände unterwegs zu sein.



Nun bin ich wieder da, eine nächste Nacht und einen nächsten Ausbildungstag liegen vor mir.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Kapitulation

Nachdem innerhalb von wenigen Tagen die drei sehr kompetenten Fachpersonen, welche mich in unterschiedlichen Kontexten zum Teil seit Jahren begleiten, völlig unabhängig voneinander das Thema angesprochen haben, habe ich heute den Widerstand aufgegeben.
Dem ersten hatte ich noch ein kategorisches "Nein, niemals!" zur Antwort gegeben, am Montag habe ich bloss still gelauscht und mich gewundert über die neuen Töne, heute antwortete mein Körper verzweifelt, unüberhörbar und erschöpft. Ich lasse zu, was ich seit einem halben Leben überzeugt und klar verneint habe, willige ein in eine Pause für ein paar Wochen, um einfach mal wieder zur Ruhe zu kommen und für einige Zeit ein normales, symptomfreies Leben führen zu können. 
Ich bin unendlich traurig und erleichtert zugleich. Meine Arme und Hände gleichen den Landkarten Kaliforniens, auf denen zur Zeit die heftigen Waldbrände eingezeichnet sind. Meine Angst, unter Menschen zu gehen, wird von Tag zu Tag grösser. Ich esse kaum noch, weil ich Angst vor bald allen Lebensmitteln habe. Gehe ich durch die Putz- und Waschmittelregale eines Warenhauses, fühlt es sich an, als würde ich von tausenden von Stecknadeln bombardiert.

"Bist du bereit, dein Leiden für ein paar Wochen aufzugeben?" wurde ich heute gefragt und lauschte erschüttert dem Aufstand in mir. 
Es wird nicht das letzte Mal sein, dass das Leben meine Pläne und Vorstellungen durchkreuzt.


Am Montag werde ich meinen Arzt um Kortison bitten, welches er mir als erster angeboten hat.

Dienstag, 10. Oktober 2017

und sacht

Ein neuer Tag, eine neue Sicht, ein neuer Impuls, neue Wortgewänder, neuer Mut, neue Fäden, neues Vertrauen, dass meine Hände, die sich sehnsuchtsvoll nach dem Leben ausstrecken, nicht zurückgewiesen werden, wenn ich es selber auch nicht tue.


Montag, 9. Oktober 2017

sinnt und sucht

Angenommen es stimmt:
Sehnsucht schafft Leid, nährt nicht und erschwert den nächsten Schritt. 


Angenommen
Sehnsucht ist tatsächlich ein Gedankenkonstrukt, welches eine Illusion zur Gegenwart macht.

Angenommen
Sehnsucht verhindert Gesundung.



Bleibt da noch Freiheit, sie trotzdem zu lieben mit ihrer ganzen Schwere und Tiefe und ihr die Chance zu geben, im eigenen Leben eine Rolle zu spielen?


Oder kommt das dem Verspielen, Versagen oder gar Verlieren gleich?


Ist die Angst, mit der Sehnsucht nicht zu genügen ein Argument, ihr zu entsagen?



Ist Sehnsucht tatsächlich eine Sucht?

Sonntag, 8. Oktober 2017

.

Ich habe gar nicht gewusst, dass man soviel Nichts tun kann, wie ich heute getan habe. Der Tag zählt irgendwie nicht.

Samstag, 7. Oktober 2017

Feuer und Flamme

Dankbar für die Wärme des Feuers. Dankbar für den Abschluss der Holzarbeit. Dankbar für eine stille halbe Stunde im Schulzimmer, wo die Aufgaben so klar und ohne Altlast warten. Dankbar, dass der Jüngste fast gesund aus dem Lager zurück ist. Dankbar für Momente, die über sich hinausweisen in ihrer Weite und Ungebundenheit.



Und dankbar für die Schönheit der Vergänglichkeit, obwohl sie schmerzt, wenn ich ihr zu nahe komme, obwohl ich scheitere, wenn ich sie halten möchte, obwohl ich erschrecke, wenn ich ihr zu Ende lausche. Trotzdem.



Freitag, 6. Oktober 2017

Abendlicht

Donnerstag, 5. Oktober 2017

ge-Scheit-ert



Stück um Stück. Reihe um Reihe. Stunde um Stunde. Helles Licht. Wind, den ich nur höre, nicht aber spüre. Ich führe stumme Gespräche mit dem Baum, dessen Holz ich hier als Wärmevorrat speichern darf, mit nicht vorhandenen Gesprächspartnern, Selbstgespräche wohl – und versuche immer wieder, nichts zu denken, nichts zu reden, nichts zu konstruieren als nur den nächsten Handgriff, das nächste Holzstück.
Das scheint mir recht gut zu gelingen, denn erst der Anruf aus der Praxis, wo ich denn bleibe, erinnert mich an den den Arzttermin, den ich vor lauter Jetzt vergessen habe.
Ab diesem Moment ist es vorbei mit innerer Ruhe. Auch wenn ich äusserlich genauso ruhig noch zwei Stunden weiter arbeite, hat dieser "Fehler" Dämme eingerissen, meiner Selbstbeherrschung ein Ende gesetzt. Plötzlich ist sie da, die Wut darüber, dass ich mit diesem riesigen Teil des ursprünglich gemeinsamen Projektes allein da stehe, eine Ferienwoche dran gebe, während er mit seiner neuen Partnerin .... Aber nein, ich darf nicht so denken, ich darf nicht so sprechen und so schreiben schon gar nicht. Ich habe es ja so gewollt. Ich habe es ja verursacht. Dieses Gefühl der Schuld vermischt sich mit der Wut, drängt mich in die düsteren Winkel des hilflosen Opfers, wohin ich eigentlich nicht mehr fliehen wollte. Der Kopf kämpft gegen die Gefühle. Ich versuche, den Gefühlen Raum zu geben ohne die Geschichten zu füttern und erlebe, wie die Haut übernimmt, heftig, schonungslos, glühend. Ich bin nicht da, wo ich gerne wäre. Ich bin nicht die, die ich gerne wäre. Ich liebe die Einsamkeit nicht nur, ich fürchte sie auch. 
Und morgen werde ich wieder puzzlen, so wird meine Aufmerksamkeit gebündelt. Und dann hoffe ich, dass in den Stunden zwischen dem letzten Holzscheit und dem ersten Termin in der Schule ein paar sonnige Stunden bleiben, damit ich dem Herbst einen Ferienbesuch abstatten darf, irgendwo, wo die Wege lang und die Sicht weit ist. Bitte.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

förmlich

Die erste Hälfte ist geschafft, spielend! 😉 Übernächsten Winter heizen wir mit Herzenswärme!


Dienstag, 3. Oktober 2017

Bergblick

Einen zufriedenen, duftenden Gruss von den Bergen dieser Tage lasse ich heute da. 
Früher waren sie Teil meines Berufes, heute nenne ich sie Ferienbeschäftigung. Dieser erste aus Buchenholz wird morgen ganz geschmolzen und aufgeschichtet sein und Platz machen für den nächsten, der noch beim Bauern wartet.



Dieser feingespaltene aus Föhrenholz wird zumindest die erste Hälfte der Heizsaison anfeuern, und ich werde wohl täglich froh sein um die Vorarbeit des heutigen Tages.


Montag, 2. Oktober 2017

Durchblick

Einer meiner Söhne, einer dieser jungenen Erwachsenen, denen ich Mutter sein darf, der Drittgeborene, er, der schon mit 18 Monaten "Briefträger" mit gerolltem r sagen konnte, ansonsten aber nie ein Mensch der grossen Worte war, sondern mit beeindruckender Ausdauer beobachtet und scheinbar geträumt hat, er, den ich manchmal kaum zu kennen meine, der seinen Weg geht und die Welt gross denkt und geniesst, statt darüber zu sprechen, er ermöglicht es uns manchmal, durch seine Augen zu schauen, seinen Bildern zuzuhören, und was er sich zum Beruf machen möchte, wird bereits jetzt immer wieder geschätzt und gefragt. 
Wenn ich sonst schon Privates nicht öffentlich machen soll, so darf Öffentliches heute für einmal privat klingen. Ich habe von diesem Projekt bloss mitbekommen, dass er drei Tage Urlaub von der Schule bekommen hat und wir uns nie begegnet sind, weil unsere Arbeitsrhythmen völlig diametral verschieden waren. Und dass es geregnet hat, das habe ich auch bemerkt.




Sonntag, 1. Oktober 2017

Oktober

Der neue Monat hat begonnen 

- mit einem fast 10-stündigen Schlaf ohne Unterbrechung. Sowas habe ich seit langer, langer Zeit nicht mehr erlebt

- mit dem ersten Laubteppich auf der Strasse

  
- mit einem Besuch am Grab

 
  wo ich einen Karten- und Blumengruss finden durfte

 
- mit einem Blick in die Blogstatistik, welche einen Besuch aus den Seychellen anzeigt. Auch wenn dieser höchstwahrscheinlich ein Zufallsklick eines Feriensurfers ist, so hat es mich doch sonderbar berührt, wie da einerseits das Wunder der winzig kleine Blüte auf einem Grab und andererseits die Möglichkeit der globalen Vernetzung selbst zu winzig kleinen Inseln mitten in einem Weltmeer sich in meinen Bewusstseinsradien berühren.


In diesem Sinne hinterlasse ich hier einen Gartenblickgruss, welcher je nach Sichtweise von Herbst, Arbeit, Verwahrlosung, Lichtspiel, Vergänglichkeit oder was weiss ich... erzählt.