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Mittwoch, 30. November 2016

Versuch

Wenigstens versuchen möchte ich es: Jeden Tag bis zum Vierundzwanzigsten oder bis zum Letzten ein Bild und ein Wort. Nur das. Für mich – aber offen. Weil ich so vielleicht ein paar Momente täglich innehalte, bewusster schaue, achtsamer höre, eine Erinnerung zur Gegenwart mache, jene an frühere Adventszeiten, die sich wie von selbst mit Geschenken füllten und heller wurden. Das "Von selbst" ist nicht mehr. Dafür ein "Trotzdem". 

🌟

Dienstag, 29. November 2016

ein Jahr ohne dort

Genau ein Jahr ist es nun her, seitdem jene Nachricht kam, welche ich als Zensur verstand und welche mitten hinein ins Herz meines Schreibraumes traf, so heftig, dass ich ihn losliess. Es gelang mir, diesen Schritt als Notwendigkeit zu sehen, ihm eine logische Wichtigkeit zu geben, und es kamen viele bestätigende Reaktionen.
Dass im Abschied aber auch ein Neuanfang liegt, dass Loslassen Platz schafft für Neues, dass die Dankbarkeit allen Schmerz überstrahlt, dass Entscheidungen befreien, ... all dies hat sich nicht eingestellt. Das vergangene Jahr ist ärmer geworden, und bis heute ist es mir – allem WindWortWehen zum Trotz – nicht gelungen, den Abschied vom Aufeinanderzu zu transformieren. 
Ich werde die Entscheidung von damals nicht zurück nehmen. Vorbei ist vorbei. Aber diese Bilanz erlaube ich mir. 
Das Leben besteht aus lauter Abschieden, die nicht umkehrbar sind, und mit jedem Lebensjahr, welches dazu kommt, wird mir das stärker bewusst. Oder anders gesagt: Je älter ich werde, desto klarer sehe ich, wie sehr ich Sicherheit im Festhalten suche. 
Womit ich vielleicht wieder bei der Hoffnung angelangt bin, welche mich vor einem Jahr erfüllt hat.    

Sonntag, 27. November 2016

Auf Nimmer(wieder)sehn

Wohin fliesst sie eigentlich, diese ganze Zeit?
Was bleibt von ihr ausser Vergangenheit?
Und die ist, streng genommen, nicht.
Die war.
Einmal.

Was nützt es zu denken, ach hätte ich doch?
Was hilft es zu eilen: Ich müsste dann noch?
Das schaffte ich nicht, das wird nicht gehn.
Und jetzt?
Verpasst?

Samstag, 19. November 2016

schöpfen

 
Es erstaunte mich heute wieder einmal selbst, wie sehr mich ein Ausbildungstag fordern kann, besonders dann, wenn er voll ist von aktivierenden Gedanken, von Impulsen und Erklärungen, von spannenden, erhellenden Auseinandersetzung auf allen möglichen Ebenen.
Ich musste mich in der Mittagspause absondern, konnte nicht in dieser Dichte weiter eintauchen in Tischgesprächen, besuchte statt dessen einen meiner Lieblingsorte und staunte dort eine kurze, aber erfüllte Zeitlang über das Wunder des Lichtes, welches nach einem nassen Morgen in die tropfenbehangene Landschaft fiel. 

"... und weil dieses Hineinfühlen in die Not und in die Erlebensart eines Kindes so unabdingbar notwenig ist, um ihm heilsam begegnen zu können, ist es von höchster Wichtigkeit, dass Lehrer ausgeruht sind und von unwichtigen Dingen entlastet werden, denn aus der Erschöpfung heraus ist dies gar nicht möglich..."

Meine "normale" Reaktion, wenn ich etwas als utopisch und realitätsfremd empfinde, ist es, laut zu lachen. Nach diesem Satz aber begann ich zu weinen, still für mich.

Freitag, 18. November 2016

Reisenotizen 10

Sie zieht den Schirm noch näher heran an ihren Körper, um ihn vor Angriffen der Sturmböen zu schützen. Der Regen peitscht wild gegen ihre Beine. Langsam schiebt sich der schwarzglänzende Asphalt, in welchem sich das fahlgelbe Licht der Strassenlaternen in tausend Punkten spiegelt unter ihren Schuhen nach hinten, wird Schritt um Schritt Vergangenheit. Ihr Schatten verfolgt sie bald als spindeldürrer Riese, bald als gedrungener Begleiter zur Linken, eilend darauf bedacht, sie zu überholen und doch mit den Füssen gebunden an die ihren, nassen, müden. Letzte Blätter liegen wie vergessene Lichtflecken in formloser Einsamkeit auf diesem Spielfeld des Windes, die Leichtigkeit ihres Tanzes ist in der Schwere des Regens ertrunken.
"Nicht denken jetzt!", trommelt es auf den gespannten Stoff über ihrem Kopf. "Keine Konstrukte, keine Rollenverteilungen, keine Fluchtversuche. Dies hier ist dein Leben, genauso wie es jetzt ist." Sie seufzt in der Tonart des glucksenden Wassers, welches sich in der Dole sammelt. Genau. So. Ja.

Mittwoch, 16. November 2016

Notizen an einem Novemberabend

wem sagen
und was?

Manchmal liegt in der Trauer auch die Erinnerung an die Kraft des Schreibens. Wie heilsam hat sie mich begleitet, getragen, geformt!
Und jetzt?
Ist jetzt einfach jetzt und jene Kraft gehört da nicht dazu?
Hat die Angst sie verschlungen?
Oder bindet der Alltag sie zusehr an sich, die tägliche Aufgabe, Stunde um Stunde, Begegnung um Begegnung? Ist dieses "zusehr" ein Ausdruck meines Widerstandes?
Wo aber ist die speisende Quelle, mit welcher mich das Schreiben verbunden hat?
Wo ist ihr Murmeln und ihre Klarheit?
Wo ist das warme Wehen, welches mir das Aussprechen ihres Namens geschenkt hat?
Wo ist mein Mut versandet, einfach zu versuchen, einfach mich dem Fliessen hinzugeben?
Wo ist die Bereitschaft geblieben, ein Risiko einzugehen, welches das Scheitern als Möglichkeit in sich trägt?
Und wo, wo soll mein Schweigen gehört werden?
Oder ist es besser zu schweigen, weil alles gesagt ist?

auch das...

Mittwoch, 9. November 2016

11/9

An diesem Tag, an dem überall soviel gesagt, gewühlt, gefürchtet und kommentiert worden ist, durfte ich etwas sehr Feines finden, etwas, was mich ganz still und hell berührt. Danke.

Montag, 7. November 2016

weiter, immer weiter...

 
Wo vor einer Woche Mücken tanzen, taten es heute früh Schneeflocken.
Und das kleine, hilflose Bündelchen Mensch, das grösste Wunder, welches ich bis dahin erlebt hatte und welches in diesen Stunden vor 22 Jahren zum ersten Mal in meinen Armen lag, geht heute als junger Mann seine Wege. Lebensdanktage...

Sonntag, 6. November 2016

Reisenotizen 9


Nichts Neues. 
Jahr um Jahr fallen Milliarden dieser müden Blätter zwischen die Steine, lenken bestenfalls ihren Blick oder ihren Schritt.
Und doch steht sie ganau jetzt genau hier und macht sich genau diesen Augenblick zu ihrer Wirklichkeit mit all seinem Fallen, Leuchten und Vergehen. Das Unspektakuläre wird zum Schlüssel, mitten auf dem Weg. Dankbar setzt sie den nächsten Schritt.

Freitag, 4. November 2016

Fragebogen



und wenn du wüsstest, 
dass du gesund werden könntest,
wenn du aufhörst,
dich zu verurteilen?
Würdest du es dann wagen,
diese Stimme in dir
zum Schweigen zu bringen? 

fragt die Eiche

Donnerstag, 3. November 2016

offensichtlich


"Falsche Einstellung!"
"Ansichtssache!"
 

Mittwoch, 2. November 2016

Allerheiligen



Gestern abend, es war längst dunkel, spazierte ich mit einer Kerze hinunter zum Grab. Wenigstens ein Licht in diesen Tagen, wenigstens ein kleines Zeichen dafür, dass ich nicht vergesse, auch wenn es mal wieder das einzige Grab ist, welches "nicht gemacht ist". 
Beim Näherkommen erkannte ich einen Schatten, den Umriss eines Menschen dort, wo ich sonst stehe. "Entschuldigung", sagte der Schatten mit einer jungen Stimme, "ich – ich komme immer gerne hierher, aber ich gehe gleich." – "Bleiben Sie. Kennen wir uns?" fragte ich und forschte in den durch die flackernden, roten Lichter schwach beleuchteten Gesichtszügen. "Von früher," sagte sie und nannte ihren Namen, den einer Kindergartenfreundin eines meiner grossen Kinder, eine junge Frau also. "Es ist so schön hier, dieses weisse Blütendach über allem, es sieht so geborgen aus." Ich zündete meine Kerze an, stellte sie unter das "Dach", welches laut Konvention in die Grünmulde jenseits der Hecke gehörte und fragte sie nach ihrem Weg, den sie seither gegangen war, seit ich sie aus den Augen verloren hatte. Und sie erzählte und erzählte und öffnete sich hier in der Dunkelheit, erzählte geschützt vom grossen Schatten der Nacht von den ihren in ihrem Leben, begletete mich später bis vor meine Haustüre und verabschiedete sich so dankbar, als hätte sie ein Geschenk bekommen. "Ich weiss nicht, ob du das glaubst, aber ich bin sicher, man begegnet Menschen nicht zufälligerweise", meinte sie. Ich gab den Dank still weiter an den Sternenhimmel.

Dienstag, 1. November 2016

Verbrennung

Ich übe, mit jedem Widerstand in Kontakt zu gehen statt ihm auszuweichen. Eine riesige und oft schmerzhafte Herausforderung. Die Angst, dass einer von aussen oder innen kommt und ungefragt sein Urteil spricht, ist omnipräsent und lähmend.

Heute abend habe ich mit der Kamera geübt. Jemand hatte Einstellungen an ihr verändert, das Herbstgold liess sich nur als mattes Gelb einfangen. Enttäuschung, Wut und Hilflosigkeit begleiteten mich auf meinem Weg, auf den ich mich sosehr gefreut hatte.

Daher stelle ich hierher ein Bild, welches schon einige Tage älter ist, ein Ausschnitt aus dem ersten Feuer dieses Winterhalbjahres. Einzelne Bilder von heute sollen in den nächsten Tagen wie dürre Blätter fallen und vielleicht sprechen, wenn sie das mögen.