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Sonntag, 24. November 2019

Ohrenblicke

Es ist ein Oktobernovember dieses Jahr. Der Apfelbaum vor meinem Fenster ist noch immer grün, fahlgrün, aber grün. Und der Kirschbaum will seine Blätter auch nicht lassen. Das Leben plätschert unaufgeregt seiner Mündung entgegen. Wir hatten Teamessen vergangene Woche, etwa sechzig Mitarbeiterinnen an drei Tischen, Lachen, Scherzen, Lärm. Ich fühlte die Einsamkeit stärker als gestern Nacht, als ich allein über das dunkle Land wanderte. Das junge, noch unbeschwerte Lachen habe ich verlotren, das laute, übermütige, angetrunkene Feiern kann ich nicht. Und für einfache Gespräche war es viel zu laut. Ich mag mich nicht, wenn ich so angestrengt versuche, dazu zu gehören.
Die Poesie hat sich Ferien von meinem Erleben genommen. Daran kann auch dieser Blick aus dem Treppenhausfenster nichts ändern. Aber ich ahne, dass solche Lichtspiele mehr Kraft haben als alles Laute. Doch soll ich Einsamkeit wählen? Habe ich die Wahl?

Donnerstag, 14. November 2019

Freie Morgenstunde

Neinnein. Das ist nicht meine Geschichte. Und ich bin ganz ok, und so weit würde keiner meiner Schüler gehen. Trotzdem. Als ich eben an meinem ersten halbfreien Morgen seit zwei Wochen zum Kaffee statt Mittagessen vorzukochen und Holz zu spalten in diesen Film hineingeguckt habe, da fühlte ich mich mitten in meiner Alltagsenergie, in dieser Grenzregion von Herausforderung und Überforderung, von Liebe und Versagen, umgeben von diesen zig Blicken von Eltern und Grosseltern..., die zwar nicht durch die Betonmauern des Schulhauses hindurchblicken können, aber ihre Sprösslinge als klare Spiegel meines Unterrichts lesen, und wehe, einer von ihnen schildert eine beliebige Situation aus der Opferrolle... "Können wir reden?", "Ich mache mir Sorgen.", "Er hat heute schon wieder...". Und ich rede und höre und verstehe, verstehe die Elternsicht ja nur zu gut und mag doch manchmal fast nicht mehr, möchte einfach nur den Helm aufsetzen und losrasen und weiss genau, am anderen Ende der Flucht wartet die nächste Herausforderung. 
Es ist eine verrückte Welt, in der wir sitzen in unserem Beruf, mitten in der Brutstätte der Zukunft, umgeben von unerlösten Konflikten der Vergangenheit in uns, um uns, eingeschrieben in den Kindern, ungefühlt und daher gelebt. Und gleichzeitig liegen riesige Erwartungen auf uns, denn schliessliche sollen wir die Kinder zu dem machen, was die Welt von morgen braucht, sagen die einen, auf  einen lebensstandardsichernden Beruf hinführen, fordern die andern, aber bitte so, dass sie glücklich sind, keinem Widerstand ausgesetzt sind und ihr Prinzessinnendasein leben dürfen, solange es ihnen gut tut.

Ja, ich übertreibe, ich filtere durch die Erschöpfung. Und ich kann mit Cortison die Körperreaktionen ganz gut in Schach halten. Und für die Kolleginnen in der Stadt ist es noch um ein Vielfaches anspruchsvoller. Und nein, ich möchte keinen anderen Beruf als diesen. Ich liebe ihn. Aber ich möchte lernen, mir manchmal auf die Schultern zu klopfen oder mich in den Arm zu nehmen, denn das tut keiner. Schliesslich ist das, was gut läuft ja das, was zu erwarten ist und wofür ich bezahlt bin.

Den Film habe ich erst bis zur 8. Minute geschaut. Nun habe ich einen Termin in der Stadt, am Nachmittag beim Wäsche zusammenlegen werde ich den Rest dann schauen. Vielleicht.

Freitag, 8. November 2019

Fundstück

Vielleicht ist es nicht erlaubt, was ich jetzt tue, aber ich kann nicht anders. Sosehr hat mich dieses Bild auf dieser Seite in seinen Bann gezogen, und weil es morgen nicht mehr zu sehen sein wird, habe ich es mir herausgeholt. Ich kann nur staunen und erschaudern. Wie muss es erst dem Fotografen gegagen sein, der da gestanden hat. 
Danke, Patrick Aegerter, dass Sie diesen Blick mit uns teilen.

Donnerstag, 7. November 2019

❤️

Seit einem Vierteljahrhundert und etwas mehr als einer Stunde bin ich nun Mutter. Es macht sprachlos dankbar, auf einen solchen Weg zurückblicken zu dürfen, Täler und Höhen zu sehen und zu realisieren, dass da ein eigenständiger Mensch sich formt nach seinen Zielen und Kräften. 
Wie sehr wünsche ich dir, mein Grosser, dass du Sorge zu dir trägst und das Kostbare, Zarte nicht aus den Augen verlierst, denn das bist du!

Samstag, 2. November 2019

Stimmungsbild

Letzte Nacht ist mir im Traum ein Mensch begegnet, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe, ganz unspektakulär und fast erschreckend vertraut standen wir an der Haltestelle plötzlich nebeneinander. Und heute morgen war meine Stimme wieder da, welche es mir am Montag verschlagen hatte und die mir gestern den ersten krankheitsbedingten unterrichtsfreien Tag beschert hat. Ich singe jetzt Bass, aber ich singe wieder.
Bunt sind schon die Wälder.

Freitag, 1. November 2019

1.11.