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Montag, 31. Dezember 2018

einunddreissig

Wer sich schon länger hierher winden lässt, der weiss, dass das Brennholz mir ständiger Begleiter ist. Eine Ferienwoche im Herbst gehört ihm, und im Winterhalbjahr ist das Feuermachen Teil meines Morgenrituals, bevor ich die Kinder wecke.
Es hilft mir, darin mehr als nur Arbeit zu sehen, wenn ich im Dialog mit dem Holz stehe, wenn ich mit ihm spiele und gestalte. Vorletzten Herbst steckte ich mitten im heftigsten Neurodermitisschub meines Lebens, als das Holz geliefert wurde. Scheit um Scheit habe ich gegen den Schmerz gekämpft oder ihn zu integrieren versucht. Dabei ist dieses Herz entstanden, in welches ich jedes Stück Holz bewusst ausgesucht gelegt habe. Es stad da für dieses Ringen um Heilung und erinnerte mich nun mehr als ein Jahr lang an diesen Prozess.
Anfang Dezember war dieser Stapel an der Reihe, verbrannt zu werden, sich in unsere Lebenswärme zu verwandeln. Jeden Morgen habe ich sorfältig abgebaut. Ich wollte bis zum Jahresende das Herz stehen lassen und ihm dann den letzten Windwortpost des Jahres widmen, dankbar. Mit der Zeit wurde es eine Art Mikadospiel. Jedes Scheit wollte geprüft werden, ob es tragend oder stützend das Herz umgab. Vor drei Tagen musste ich beginnen, mich anderswo zu bedienen, denn was frei lag, war entweder Teil des Herzens oder aber feste Stütze drumherum.

Heute nun ist es eingebrochen. Natürlich hat dafür niemand die Verantwortung, auch nicht, wer nur zwei Scheite gebraucht hat, um ein Fahrrad zu stützen, und da ist auch nichts zusammengefallen, die lagen ja eh nur so daneben. Natürlich stelle ich mich dumm an – wegen ein paar Scheiten. Wie kann man bloss. Dass es bildhafter nicht sein könnte für das, was zwischen uns beiden läuft und passiert, das traue ich mich kaum zu denken.
Solche Herzdinge werden doch eh überbewertet. Ich streiche lieber Cortison auf die Risse, die sich an den Händen auftun, postwendend.



Natürlich weiss ich, dass es nur gut gemeint war, nicht Absicht, Nichtwissen, Nichtbemerken, andere Optik. Aber dieser Gedanke macht so müde, ist so erschöpfend zum Panzer um meine Gefühle herum geworden.

Sonntag, 30. Dezember 2018

dreissig

Hörst du, wie es duftet?


Samstag, 29. Dezember 2018

neunundzwanzig

Heute schon satt geschrieben. Da geht nichts mehr rein in die Neunundzwanzig.

Freitag, 28. Dezember 2018

achtundzwanzig

Schneeflöckchen, Weissröckchen, nun bin ich bereit. Sag leicht und still danke, komm leise geschneit.

Donnerstag, 27. Dezember 2018

siebenundzwanzig

Sechs mögliche Argumente, den Toaster nicht versorgen zu müssen:
"Ich habe ihn nicht hervorgeholt."
"Ich hab nicht als Letzte getoastet."
"Ich habe ihn gestern schon weggeräumt."
"Ich muss unbedingt diesen Text zu Ende kriegen, geht jetzt wirklich nicht."
"Ich habe überhaupt nicht getoastet."
"Macht doch nix, wenn der da steht."

Dezember 2018

Dezember 2008
(Engel 2009)

Für ein paar Stunden waren alle da...

Mittwoch, 26. Dezember 2018

sechsundzwanzig

Lieblingstag

Dienstag, 25. Dezember 2018

Montag, 24. Dezember 2018

vierundzwanzig


Von sovielen Menschen zu wissen, für welche der heutige Abend schwer ist, belastet, weil er wie ein Katalysator wirkt, ans Licht stellt, was im Alltag gut verdeckt geschützt und verdrängt das Leben ermöglicht, das entzaubert und wäre einfacher zu ertragen bei einem Stück Brot und einer Tasse Tee. 


Ich lösche hier Wunsch um Wunsch. Was nicht gesagt werden kann, sei vielleicht mit Tränen gewaschen und in die Sehnsucht nach Licht und Wärme gehüllt. Ich weiss es auch nicht besser heute.

Sonntag, 23. Dezember 2018

dreiundzwanzig

Die Dämmerung hängt in den Zweigen. Die Nacht hat heute nur eine kurze Pause gehabt.

Samstag, 22. Dezember 2018

zweiundzwanzig

Das Boston-Semster ist zu Ende, die Geschwister mal wieder mit grossem Bruder, das Haus voll.


Freitag, 21. Dezember 2018

einundzwanzig

Ein Bild von gestern. Es war einer der Tage, an denen sowas fast nicht geht. Ich stehe unter dem Eingangsbogen zum Bahnhof und werde überschwemmt von einer Dichte an Energie, dass ich kaum weiss, wie ich in diesen Strom eintauchen soll. Ganz langsam und hellwach bahnte ich mir nach der Fotoschonfrist den Weg zu meinem Zug. Jeder dieser Menschen scheint ein Buch zu sein, eine ganze intensive Geschichte. Die Gleichzeitigkeit überfordert mich. So schnell kann man doch aber nicht lesen. Ich jedenfalls nicht.



Heute stecke ich bildlos in der längsten Dunkelheit des Jahres fest, ferienreif.

Donnerstag, 20. Dezember 2018

zwanzig

Wenn der Entwurf für den Weihnachtsbrief in der Muttersprache geschrieben wird, ...

Mittwoch, 19. Dezember 2018

neunzehn

Ich liebe den Moment, wo ich einen Brief loslasse und mir vorstelle, dass damit eine Reise beginnt, auf der mehrere Menschen an verschiedenen Orten ihren Beitrag leisten, damit dasselbe Stück Papier ein paar Stunden oder Tage später in jenen zwei Händen liegt, für die es bestimmt ist. 
Diesen habe ich zwar nicht geschrieben, aber ich durfte ihn für den Absender zur Post bringen und auf seinen Weg schicken – nach Californien!


Dienstag, 18. Dezember 2018

achtzehn

Er war so hell, so .... Morgenstern heute früh, und unter den Füssen Glatteis.

Montag, 17. Dezember 2018

siebzehn


Nähen schafft Nähe.

Sonntag, 16. Dezember 2018

sechzehn

Was dieses graunasskalte Wetter so wunderbar kann: Den Blick lenken auf die kleinen, unscheinbaren Vollkommenheiten mit ihren Mustern, Formen, Dialogen und Kontrasten.

Samstag, 15. Dezember 2018

fünfzehn

Die Entscheidung ist gefallen, leise wie ein Schneestern.
Es wird keinen Weihnachtsbrief geben von mir am Ende dieses Jahres. Was viele Jahre lang diese Zeit für mich zu Weihnachten gemacht hat, wird schweigen. Es geht nicht. Da ist viel zu wenig Wald dabei in meinem Fühlen, zu wenig Leichtigkeit in der Peripherie, zu wenig Poesie im Ahnen, zuviele nicht geweinte Tränen, zuviel Gewolltes und nicht Zugelassenes, und über allem die Angst, die Briefempfänger damit mehr zu belasten als zu beschenken. Es geht nicht. Ich bleibe schneeflockenstill dieses Jahr und werde vielleicht ein wenig weinen, wenn die Verbindungen zu den vielen Menschen nicht einmal von der Hoffnung, ich könnte sie erreichen, berührt werden. Vielleicht werden sie gut tun, diese Tränen. Vielleicht wird der Weg zur Post, der keiner sein wird, mir kalte Füsse bescheren. Vielleicht wird der Wald verschneit sein und mich einladen, wenigstens einmal noch und einmal wieder ihn zu besuchen. Ich werde Schneesterne sehen, die von den Ästen rieseln und werde von ihnen hören, was ich nicht in Worte zu fassen vermag. Vielleicht.

Freitag, 14. Dezember 2018

vierzehn

erinnern am Nachmittag
Heute Vormittag waren wir in der Stadt. Wir durften eine Orgel aus nächster Nähe kennen lernen und anschliessend den grossen Uhren und den dazugehörigen Glockenspielen im historischen Stadtteil auf der Spur sein.

Donnerstag, 13. Dezember 2018

dreizehn

Erstaunlich, wo man zur Zeit überall Sternen begegnet. Dieser lag in einem alten Haus auf einer ausgetretenen Treppenstufe  unter meinen Füssen.

Mittwoch, 12. Dezember 2018

zwölf

Der Dermatologe hat mir heute Gold verschrieben. Die "Beschaffung" hat mir einen wundervollen Brückenspaziergang verschafft.

Dienstag, 11. Dezember 2018

elf

Was mich an der ganzen Geschichte fast am meisten irritiert:

Ich kann die Grenzüberschreitung, die da stattgefunden hat, zwar gedanklich verstehen, aber ich habe kein Gefühl dafür. Es fühlt sich so vertraut normal an. Mir fällt es leichter, Verständnis für die Jungs aufzubringen als wütend auf sie zu sein. Das zu beobachten ist seltsam, als wäre ich zweigeteilt.

Montag, 10. Dezember 2018

zehn


So schön, es ist schon jemand zu Hause, dachte ich mir, als ich heute fast schon vor dem Haus stand, und weil ich das Handy in der Hand hatte, knipste ich ein Bild. Zwei Sekunden später kam mir der Sohn entgegen. "Stopp, du kannst nicht rein kommen. Die Polizei kommt gleich. Es ist eingebrochen worden."
Hätte ich nicht gebraucht, heute nicht und überhaupt nicht. Aber Hauptsache ist, es ist dem Sohn nichts spassiert, denn er hat die beiden Typen ("in meinem Alter") beim Heimkommen überrascht. Schreiner für das kaputte Fenster, Versicherungskram und Chaos beseitigen... Langeweile geht anders.
Und jetzt zünde ich noch ein Räucherstäbchen an. Es ist kein schöner Gedanke zu wissen, dass die in meinem Zimmer standen. Sogar vor dem Mirjamtischchen hatten sie keinen Respekt.
Die beiden tun mir leid, irgendwie.

Sonntag, 9. Dezember 2018

neun

Samstag, 8. Dezember 2018

acht

Da ist wohl was schief gelaufen, denke ich, während ich dem Schüler nachblicke, wie er in die Pause verschwindet. "Das ist komisch", hat er mir eben gesagt. "Seitdem wir über die Zeit sprechen, vergeht sie viel schneller!"


Als die beiden Jungs im Alter dieses Schülers waren, spielten sie stunden- und tagelang Ritter, und ich erinnere mich nicht daran, dass sie dabei über die Zeit nachgedacht haben. Die blieb einfach stehen und hatte für die Freunde ihre eigene Dimension.

Bald darauf verloren sie sich aus den Augen, als jener wegzog und mein Sohn neue Spielpartner fand.

Vor ein paar Monaten haben sie sich auf einem Fest wieder getroffen. Nun haben sie ein gemeinsames Atelier, der eine als angehender Schauspieler, der andere als Filmer.

Und sie spielen wieder zusammen – zeitlos, kommt es mir vor.

Freitag, 7. Dezember 2018

sieben


Wenn sich das tägliche Klassenchaos im Kreis versammelt, wird aus der Unterschiedlichkeit ein Kunstwerk. 
Kann werden. 
Gelingt nicht immer. 
Heute so.
1 – 2 – 3 – 4 – 5

Donnerstag, 6. Dezember 2018

sechs

kurzlebige Spiegelbilder

Mittwoch, 5. Dezember 2018

fünf

Mit Lehrerinnenaugen und Sieben- und Achtjährigen im Fokus bin ich heute durch die altvertraute Stadt gewandert und habe lauter Dinge entdeckt, die wohl kaum erst seit heute da sind. Und doch haben sie so gewirkt. In neun Tagen habe ich dann auf diesen Wegen meine Klasse dabei. Ich bin gespannt.

Dienstag, 4. Dezember 2018

vier


hinter dem Schulhaus

Montag, 3. Dezember 2018

drei

 
Dreimal zwölf Meter Schnur verhäkelt und anschliessend gezöpfelt.
Nun springen sie mit ihren Seilen um die Wette.

Sonntag, 2. Dezember 2018

zwei

Was ich sah durch die Küchentüre war der Lichtschein aus dem Zimmerfensters über mir, welcher auf das nassglänzende Laub im Beet fiel.
Der Tag war düster, trüb und nass – doch genau deshab seltsam zauberhaft.

Samstag, 1. Dezember 2018

eins

Als ich nach dem Einkaufen wieder auf die Tram warte, blicke ich auf den Tag zurück und beginne zu zählen. Es ist dies die 11. Haltestelle, an der ich warte, seitdem ich am Morgen aufgebrochen bin. Warteminuten voller belangloser Beobachtungen und Kleinigkeiten, Muster und Geräuschen, Farben und Gerüchen, Menschen auch und ihre Stimmen ziehen und tönen durch meine Erinnerung und werden bald ganz verblassen.
Zwischen Schienen und Schwellen eine kleine Schotterwelt – schön irgendwie, wenn man den Farben und Formen keine Namen und keine Bedeutung gibt. 
Was gibt solchen Tagen Sinn?