Gestern ist der Sohn aus der Zivildiensteinführungswoche nach Hause gekommen. Er kam mit einem Freund, mit dem er an diesem Wochenende an einem Filmprojektwettbewerb teilnimmt, die Auswärtstochter war auch wieder einmal da, der Jüngste mit seiner Freundin auf Zwischenstation zwischen Landwirtschaftspraktikumsende und Lagerwoche mit dem Chor, die Mittlere immerhin für eine Stunde zum Packen und wieder Aufbrechen – und die Jüngste sowieso. Das Haus war wieder einmal lebendig, voll, laut und lustig.
Akkulademomente in Zeiten, die fast zu still und zu einsam sind.
Der Jüngste hat einen wunderbar gefüllten Korb vom Hofladen seiner Dienststelle mitgebracht: frische Früchte, Marroni, selbstgemachtes Kräuteröl und Sonnenblumen. Er, der sosehr geschimpft hat vor drei Wochen auf den, der diese Praktikumsidee gehabt hat, hat erzählt von wunderbaren Gesprächen auf dem Acker und den Feldern, wo es stundenlang zu ernten und zu jäten galt, von den besten Karotten direkt vom Feld und von der Septembersonne, die gnadenlos heiss und schattenlos gebrannt hat.
Der Ältere, welcher ab Montag eine völlig neue Lebensrealität kennen lernen wird, hat mir aus seinem Kurs ein paar Unterlagen gezeigt, unter anderem die Auswertung eines Testes, in dem es um Einblicke in die eigene Persönlichkeitsstruktur geht. Aufgrund vieler Fragen summierten sich Punkte, und diese Summe wurde in einer Skala bewertet.
15 Punkte in einem Teilthema bedeuten ausgeglichen, gesund, bis 30 Punkte steigert sich die Anspannung zu bedenklich, und was über 30 ist, wird als krankmachend eigestuft. 37 Punkte für ihn in Sachen Perfektionsmus.
Mitten hinein traf mich das, aber sowas von treffsicher, weil ich so glasklar weiss und erkannt habe in den letzten Jahren, dass ich meinen Kindern keine andere Wahl lassen konnte als diese, weil ich selber keine kennen gelernt hatte bis vor kurzem. Aber das ist für die nächste Generation wohl zu spät, da müssen sie nun selber ran, heilsame Wege suchen.
Während er zufrieden über mein Erschrecken seine Unterlagen wieder bündelte, meinte er noch im Weggehen: So ein Kurs zum Thema Konfliktlösungsstrategien würde dir auch mal gut tun.
Da sitze ich nun im stillen Haus und schaue hinaus in den Herbstgarten. Dort, wo ich den Perfektionismus ganz und gar der Natur überlasse, sind noch einmal ein paar Rosen aufgeblüht. Die haben es gut, können einfach so sein, wie sie gedacht sind: bestechen durch ihre Schönheit und stechen, wenn man ihnen zu nahe kommt.
Spinnennetzglitzerfäden spielen dazwischen mit fast waagrecht einfallenden Sonnenstraheln und Abendwind.
Einatmen – ausatmen...












