Seiten
Sonntag, 28. Februar 2021
59/365 Koller
Samstag, 27. Februar 2021
58/365 Erklärung
Freitag, 26. Februar 2021
57/365 Traum und Albtraum
Donnerstag, 25. Februar 2021
56/365 Kraft
Der beeindruckendste Moment heute?
Auf dem Schulweg komme ich zur Zeit an einer Abrissbaustelle vorbei, und weil ja Schulferien sind, habe ich Zeit, da einfach stehen zu beiben und zu staunen.
Anfang Woche wurden Wurzelstöcke aus dem alten Garten gehoben. Die Maschine packte sie ganz präzise und zog sie aus der Erde, als wären es junge Pflänzchen. Meterhoch türmten sich da am Abend Wurzelballen wie erdiges Geäst.
Heute nun stand ein Arbeiter (mit Maske) im abgedeckten Zimmer des Obergeschosses und fütterte die Baggergreifhand mit gelbem, zerfetztem Isolationsmaterial. Dabei kamen sich die beiden so nahe, dass man das Vertrauen der beiden Menschen (jenem im Haus und dem unsichtbaren in der Führerkabine) richtig sehen konnte. Nach ein paar Minuten begannen sie, das Dachgebälk vom Haus zu lösen. Mühelos packte die Maschine drei Balken samt Querverstrebungen und liess sie nach einer halben Drehung um sich selbst auf den entsprechenden Sammelplatz fallen. Der Kollege im Haus schleuderte herunterhängende Holzstücke von Hand hinterher.
Ich kann soooo gut nachvollziehen, dass es ein Kindertraum ist, mit einem solchen Bagger zu spielen arbeiten.
Mittwoch, 24. Februar 2021
55/365 gegen alle Regeln
Dienstag, 23. Februar 2021
54/365 Wunder
Ich weiss nicht, ob ich je davon geschrieben hatte: Die Tochter, welche letzten Sommer Corona-Matur (Abitur) gemacht hat, hat schon im ersten Lockdown als Velokurierin gearbeitet. Sie war nicht im Dienst, aber auf dem Fahrrad, als im Juni eine Fussgängerin am Handy ihr vor das Rad lief. Einen Tag später liess sie die schmerzhafte Hand röntgen und kam mit der Diagnose: Nur etwas gezerrt, gibt sich von alleine, nach hause. Im September, als es immer noch schmerzte, schickte ich sie wieder zum Arzt. Ab Anfang Oktober hatte sie dann einen Gips, zuerst bis zur Operation Anfang November, in der mit einem Stück Oberschenkelknochen der zerbrochene Handgelenkknochen geflickt wurde, und danach einen bis Anfang Jahr, wo dann beim Röntgen klar wurde, dass der Heilungsprozess nicht weit genug ist, worauf die Hand wieder in Gips gelegt wurde. Bis vor einer Woche. Fast fünf Monate lang hat dieses Handgelenk also keine Bewegung gemacht und kann es jetzt nicht mehr. Da ist einfach keine Kraft mehr da.
Und jetzt kommt das Wunder: Die Tochter ist voller Zuversicht, dass das wieder kommt, kreiert aus pinkfarbener Therapieknete witzige Figuren, versucht Klavier zu spielen, kneift sich immer wieder, weil sich das so gut anfühlt nach so langer Berührungsabstinenz. Immer wieder testet sie die zurückgebildeten Muskeln und ist dabei voll positiv - und ansteckend!
Montag, 22. Februar 2021
53/365 siebzehn
Immer häufiger gratuliere ich meinen Kindern indirekt zum Geburtstag. Und statt in der Küche und am Gästetisch sitze ich vor den Bildern und wundere mich.
Die Geburt der Zweitjüngsten war dramatisch und es gibt kaum Bilder von den ersten Tagen. Sie lag mit ihren 4560g Startgewicht auf der Intensivstation zwischen 700g schweren Frühgeburten, unsere Zweisamkeit spielte sich vorerst nur zwischen sterilen Trennwänden ab.
Am 5. Tag konnte sie ins Wärmebettchen umziehen. Da habe ich dann zum ersten Mal die Kamera mitgebracht.
Vier Jahre später war ihr einziger Geburtstag als grosse Schwester. Sie war so glücklich.
Heute habe ich sie nicht gesehen, auch nicht auf einem Bild. Sie verbringt ein paar Tage bei Sommertemperaturen im Schnee.
(Am 22.2.22 wird sie dann volljährig!)
Sonntag, 21. Februar 2021
52/365 Gasttag
Ein Siebtel des Jahres ist bereits vorbei.
Ich habe diesen Tag dazu genutzt, den traurigen Rekord von Nichtbesuchen zu beenden, bin nach Zürich gereist und habe beide Söhne besucht, die dort wohnen. So durfte ich heute gleich zweimal Gast sein und habe in der einen Wohnung einen Platz bekommen in der Besuchergalerie.
Ich bringe viel nach hause, dem ich nachspüren und über das ich nachdenken kann. Vor allem aber bin ich dankbar, dass beide ihren Weg gestalten auf unterschiedlichste aber sehr autentische Weise.
Samstag, 20. Februar 2021
51/365 aufgefallen
Freitag, 19. Februar 2021
50/365 gefallen
Donnerstag, 18. Februar 2021
49/365
Mittwoch, 17. Februar 2021
48/365 Überglück
Nie, wirklich nie hätte ich mir das zugetraut. Sie waren die einzigen Insekten, die ich liebte, die auf meinen Händen krabbeln durften, mit denen ich gespielt habe, die mir Glücksboten sein durften. Ich hütete sie, wenn sie einmal zu Gast waren, wie einen Schatz, verrenkte meine Hand sanft und geschickt, damit der Abflugmoment nicht eintreffen sollte. Ich malte sie, bastelte sie aus Käseschachteln, kaufte sie in Schokoladeform, verschenkte sie, ich habe sie sogar in Mengen bestellt, als sie es auf eine Briefmarke schafften.
Und dann hocken sie plötzlich zu Hunderten und vielleicht Tausenden in den Fensterritzen, plumsen häufchenweise zu Boden, wenn ich das Fenster zum Lüften öffne, krabbeln Vorhänge hinauf und Kabel hinunter. Ich sammle sie in Becher, trage sie hinaus auf die andere Strassenseite, lasse sie dort ins Gras gleiten, riskiere, dass es für sie zu kalt ist da draussen.
Aber ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages mit dem Staubsauger anrücken und mich schaudernd von diesem Übermass an Glück befreien würde.
Tut mir leid.
Dienstag, 16. Februar 2021
47/365 Kreisläufe
Montag, 15. Februar 2021
46/365 Top
Die Geschichte vom Blumenstrauss ist noch nicht zu Ende erzählt.
Ich hatte eine Mail geschrieben: "Teure Enttäuschung". Am Dienstag kriegte ich einen Anruf. Ich schilderte genau, was ich wusste, mit wurden genaue Abklärungen versprochen. Ob ich denn allenfalls wünsche, dass man meiner Tochter noch einmal Blumen zustelle, fragte die freundliche Dame. Mir wäre es lieber, sie könnte einen kleinen Strauss direkt im Geschäft abholen, antwortete ich und legte erstaunt auf. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Am Donnerstagmorgen erhielt ich die Nachricht: "Auf Umwegen hat dein wunderschöner Strass nun doch noch den Weg zu mir gefunden..." Er war vor die falsche Haustüre gelegt worden, eine Anwohnerin hatte ihn zu sich genommen und versucht, die Adressatin zu finden. Da jedoch weder Briefkasten noch Klingel berschriftet waren, schrieb sie einen Brief, brachte ihn zur Post und der fand dann den Weg - und meine Tochter schliesslich den Strauss.
Also doch eine schöne Geschichte, und zur Verdeidigung des Boten sei noch erwähnt, dass der Hauseingang versteckt in einem Seitengässchen sich befindet und nicht direkt an der genannten Strasse. Dort ist bloss eine Ladenentüre.
Sonntag, 14. Februar 2021
45/365 ...
Alles war ok. Sonntag, Sonnenschein, eisige Kälte, knirschender Schnee, gute Weitsicht, wunderschöne Winterbilder, unzählige lachende Menschen auf den Hängen...
Doch da ist Traurigkeit. Sie ist für mich vielleicht ein Leben lang in diesen Tagen zuhause, in meinem Herzen, an diesen ganz besonderen Orten,
Samstag, 13. Februar 2021
44/365 Vorabend
Freitag, 12. Februar 2021
43/365 Auftakt
Donnerstag, 11. Februar 2021
42/365 einmal mehr
Mittwoch, 10. Februar 2021
41/365 Tradition
Wenn ich etwas nicht bin, dann Fasnächtlerin. Ich bin eine totale Nichtfasnächtlerin, weil ich als 9-Jährige mich als Prinzessin auf einem Kinderball schrecklich gelangweilt habe (vermutlich weil ich eh schon von Natur aus kein Fasnachtsgen habe) und schliesslich von einem Igel mit Stimmbruch sosehr erschreckt worden bin, dass ich panisch die Flucht ergriffen habe.
Als an der Onlinekonferenz Anfang Jahr mitgeteilt wurde, dass alle Schulfasnachtsveranstaltungen abgesagt sind, habe ich laut gejuchzt und später erfahren, dass mein Mikro an war. (Wenn ich nächstes Mal gefragt werde nach einem Moment, in dem ich am liebsten im Boden versunken wäre, dann werde ich einen wissen.)
Nun ist sie da, die Nicht-Zeit. Im Dorf werden keine lärmenden Kinder mit ihren Kesseln und Tröten um 5 Uhr früh durch die Strasse ziehen. Am Nachmittag ist Nicht-Unzug. In den Trams werden Nicht-Konfetti für bunte Pflotschböden sorgen. Der Faktor Null wird erlebbar sein wie kaum je zuvor, und jetzt, wo mein innerer Widerstand wegbricht, erlebe ich erstaunt, dass mir doch etwas fehlt.
Das Fasnachtsabzeichen, welches der Dorfverein trotzdem hergestellt und verkauft hat, um das Loch in der Vereinskasse etwas zu stopfen, besteht aus einer WC-Papierrolle aus Stoff. Ich versuchte der Klasse den Zusammenhang mit den Hamsterkäufen vor einem Jahr zu erklären. So vage erinnerten sich einige, dass früher, als sie noch im Kindergarten waren, einmal alle über WC-Papier gesprochen hatten. Aber das ist sooo lange her. "Da hatte ich noch nicht mal einen Zahn verloren, und jetzt schon sechs?"
Ein Mädchen darf zu Hause Fasnacht feiern. "Wir werden uns alle verkleiden, Papi und Mami auch, und dann im Haus mit Konfetti herumschmeissen!" So werden wohl Fasnächtlerinnen geboren.
Dienstag, 9. Februar 2021
40/365 und immer wieder
Egal wieviele Prozesse ich durchlaufe, wie lebendig ich das Geschehen vor zwälf Jahren integriere, wie versöhnt ich daran denken kann: Wenn der 9. Februar da ist, beginnt ein Rad sich zu drehen, welches Jahr für Jahr aus der Zeit fällt und in den Fokus rückt, wie verletzlich das Leben ist, wie ein Augenblick, ein Tag das ganze Leben bis auf die Grundmauern erschüttern kann.
Viele Jahre lang habe ich erzählt: Stellt euch vor, 2009 hatte es Schnee, es war kalt und ihr seit den ganzen Nachmittag geschlittelt. Es war immer so unvorstellbar, weil es Jahr für Jahr lau und frühlingshaft oder regnerisch war. Dieses Jahr hat es wieder Schnee. nicht viel, aber es ist ist kalt genug, dass er noch einmal liegen bleibt. Ich werde mich gegen den Film nicht wehren, der die kommenden Tage und Stunden ablaufen wird, aber ich werde ihm nicht aktiv Gewicht und Aufmerksamkeit geben.
Mirjam ist da, immer, hell, liebevoll, als vertrauter Teil meines Lebens, als Farbe, als Energie. Dafür bin ich unendlich dankbar.
09.02.09, 22:53
Montag, 8. Februar 2021
39/365 ❄️
Tanzende Flocken den ganzen Tag lang, ohne dass sie sitzen geblieben wären, aber immer diese heitere, leichte Bewegung vor dem Fenster.
Das würde ich wohl nennen, wenn jemand fragen würde, was mich heute am meisten beflüget hat. Und frag nicht, was die Flügel beschnitten hat. Bleiben wir beim Flockentanz.
Sonntag, 7. Februar 2021
38/365 Fleurflop
Gestern ist die älteste Tochter umgezogen: aus dem WG-Zimmer in ihre erste winzig kleine Wohnung. Zur Feier dieses besonderen Momentes habe ich ihr einen Blumenstrauss bestellt, einen richtig schönen Frühlingsstrauss. Als er geliefert wurde, war sie nicht da. Sie wurde angerufen und bat, die Blumen mögen vor die Wohnungstüre gelegt werden. Kurz darauf bekam ich eine Zustell-Bestätigungsmail mit dem Vermerk, die Blumen seien sorgfältig verpackt vor die Wohnungstür gelegt worden, weil Frau Windtochter nicht da war.
Leider waren dann die Blumen nicht mehr da, als sie kam.
Wer macht sowas? Freut sich jetzt wenigstens jemand über diesen Strauss? Hat sich jemand berühren lassen durch die persönliche Karte?
Eigentlich hätte es eine Überraschung werden sollen, doch schliesslich hat diese Geschichte ihren besonderen Tag getrübt. Ich konnte mich lange nicht befreien von meinem Ärger und Frust.
Vielleicht sollte ich mir eine schöne Geschichte ausdenken, in welcher die Blumen einen völlig anderen aber mindestens genauso wertvollen Platz bekommen haben.
Samstag, 6. Februar 2021
37/365 Staublicht
Freitag, 5. Februar 2021
36/365 irgendwie
Donnerstag, 4. Februar 2021
35/365 der zweite Erste am Vierten
Wieder früher Morgen, gleiche Zeit, gleicher Ort, die Türen des Trams öffnen sich alle gleichzeitig. Und da ist er, der helle Flötenton, mutiger schon als gestern und so klar und zweifelsfrei echt, dass er auf mein Gesicht ein Grinsen zaubert, welches zum Glück gut versteckt ist. (Man lacht ja heutzutage nicht mehr öffentlich, zumindest sieht man niemanden lachen.)
Gleichzeitig kommt eine Erinnerung durch die offene Türe geweht.
Es war der 4.2. vor 19 Jahren, als ich nach dem Mittagessen die Fenster öffnete um zu lüften. Und da hörte ich ihn auch, den Amselmann, der mit seinem Gesang dem Winter alle Schärfe zu nehmen vermag. Ich lehnte mich etwas hinaus um herauszufinden, ob ich den Sänger auch sehen könne. In dem Moment überrollte mich die erste Wehe.
Die Letzte schenkte uns um 22:44 den dritten Sohn ins Leben.
Mittwoch, 3. Februar 2021
34/365 Heute
Man weiss ja heute oft nicht, ob ein Ton echt ist oder ob bloss ein Handyklingelton ertönt. So ging es mir heute mit dem ersten Amsellied des Jahres, und das finde ich eine ziemlich traurige Geschichte, weil es ihr den Zauber nahm. Ich sass im Tram kurz nach sieben, und seit dieser neuen Zeit öffnen an jeder Station alle Türen, ohne dass man danach verlangt. Und da war es, das zaghafte Lied, das mein ganzes Wesen mit all seiner Sehnsucht nach neuem Leben zum Klingen brachte, dieses ungeübte Aufjauchzen noch in der Dunkelheit.
Und gleichzeitig schob sich ein Misstrauen zwischen mich und dieses Klingen, der leise Schreck, ich könnte mein Sehnen einer Kopie, einer Fälschung geschenkt haben, einem simplen elektronischen Signal.
Als die Türen sich wieder schlossen, verstummte das Lied. Ich werde nie wissen, was mich da tatsächlich in Februarstimmung versetzt hat.
Dieses Jahr ist vielleicht eben das zweite dann das erste.
Dienstag, 2. Februar 2021
33/365 Umweg
Ich habe mich verlaufen. Ich weiss nicht, wann mir das zum letzten Mal passiert ist. Weil ich sehr dringend von A nach B musste, hatte ich auch keine Zeit herauszufinden, warum meine App mir nicht helfen wollte. Daher zog ich nach Bauchgefühl durch das Quartier, fragte hie und da nach dem Weg, wurde jedoch nie verstanden, weil ich die falsche Sprache sprach. Zuletzt rief ich eine ältere Frau, die mit ihrem weissen Hündchen das Strässchen überqueren wollte zurück auf meine Strassenseite.
"Können Sie mir sagen, wo B ist?" fragte ich. "Oh, da sind sie ganz falsch." Rief sie mitleidig und deutete vage in eine Richtung.
Drei Minuten später stand ich vor der Türe in B. und spürte, wie gut es mir getan hat zu gehen, zu schauen und nichts anderes zu tun, als zu vertrauen, dass jeder Weg mich irgendwann ans Ziel bringt. Das Kopfkino und Gedankengeschnatter, welches ich seit Tagen und Nächten kaum zur Ruhe zu bringen vermag, war einfach verstummt.














