... hofft, dass auch A verstanden wird.
Stunden habe ich in den letzten beiden Wochen damit verbracht, Arbeitsaufträge zu formulieren.
Sie sollten nicht zu lange sein, denn was mehr als 4 Zeilen hat, wird von 30% der Eltern und SchülerInnen nicht gelesen. (Erfahrungswert der ersten drei Homeschooling-Wochen) Sie sollten nur das Wesentliche enthalten. Sie sollten klar und verständlich sein. Sie sollten zielorientiert formuliert sein und möglichst starke innere Bilder hervorrufen. Ich habe versucht, eigene Materialien zu kreieren, damit ich auch mit Farben arbeiten kann. Ich habe mich über die Weisung der Schule hinweggesetzt und Farbkopien erstellt, damit auch die, welche nur rot lesen können, der Spur folgen können. Ich habe versucht, Material vorzubereiten, welches die Kinder in die Hand nehmen können, etwas herstellen können, um nicht nur vor abstrakten Tabellen zu sitzen, ich habe ein Quiz erstellt, bei dem sie sich als Detektive fühlen können und nicht merken, dass sie Lesen üben. Am Samstag bin ich 4 Stunden durchs Dorf gewandert, um all dieses Material zu den Kindern nach Hause zu bringen.
Ich habe das alles gerne gemacht. Es war eine Herausforderung, ein Hineindenken in die Situation der Familien oder zumindest ein Versuch in diese Richtung.
Und dann heute...
Soll ich die Haare raufen? Soll ich schreien? Soll ich verzweifeln? Soll ich den Beruf wechseln? Soll es mir egal sein? "FrauWind. Ich verstehe das auf Seite 2 nicht." – FrauWind verweist auf den ersten Satz auf der ersten Seite. – "Aha, das habe ich gar nicht gelesen. Danke!" Noch und noch und noch. Nichts, was gefragt wurde, wäre nicht nachzulesen gewesen. In einfacher Sprache. In kurzen Sätzen. Wichtige Wörter rot hervorgehoben. Und keines dieser Kinder arbeitet alleine.
Ich glaube, da wächst eine Generation heran, die es sosehr gewohnt ist, dass jede Handlung sofort durch ein Geräusch quitiert wird, dass sofort(!) gewarnt wird, wenn ein anderer Weg als der vorgegebene eingeschlagen wird, dass jeder kleine Erfolg mit einem "Super, genial, weiter so!" gelobt wird, dass Aufträge, die zwar geschrieben sind, auch gleich vorgelesen werden, – sosehr, dass die eigene innere Bildgebung und Beweglichkeit verkümmert und verloren geht, ganz abgesehen davon, dass diese Kinder manipulierbar gemacht werden. Da wage ich nicht weiter zu denken....