Genau eine Woche lang bin ich jetzt schon allein. Es gibt vieles, was ich unglaublich geniesse. Ich bin ruhig, entspannt und auf eine angenehme Art konzentriert. Mir wird klar, was mich am meisten stresst im Alltag: Es ist dieses tägliche: "Was, schon wieder alle Früchte weg? Schon wieder keine Pflanzenmilch mehr? Schon wieder alle Pizzas weg....". Egal, was ich heimschleppe, es verschwindet innerhalb von 24 Stunden.
Es scheint mir ein guter Moment zu sein, darüber nachzudenken, wie dieser Stress sich abbauen lässt. Es ist ja meiner.
Was mir fehlt, ist das Leben, die Freude, Teil zu haben an dem, was die jungen Menschen bewegt. Sie sind einfach weg, alle sechs, weit, weit weg in ihren Welten, zwei Bilder pro Woche, "ganz ok" als Wochenzusammenfassung, vielleicht mal die Bitte um eine Hilfestellung.
Da kommt mir dann öfter mal Gibran in den Sinn, der in Geburtsanzeigen so stark klingt, während das Baby eng im Tuch gebunden schläft.
Eure Kinder
Eure Kinder sind nicht eure
Kinder.
Sie sind die Söhne und die
Töchter der Sehnsucht
des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber
nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind,
gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe
geben,
aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen
Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus
geben,
aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus
von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie
zu sein,
aber versucht nicht, sie euch
ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht
rückwärts
noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen
eure Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt
werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf
dem Pfad der Unendlichkeit,
und er spannt euch mit seiner
Macht,
damit seine Pfeile schnell und
weit fliegen.
Laßt eure Bogen von er Hand des
Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie er den Pfeil liebt,
der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.
Khalil Gibran
(* 06.01.1883, † 10.04.1931)