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Dienstag, 31. August 2021

243/365 Tschüss August

Dass du einen zum Ende bereits im Dunkel aufwachen lässt, hatte ich nicht mehr gewusst. Vielleicht liegt es an der kühlen Dunkelheit deiner letzten Nachtstunden. Darf ich dir einen Wunsch mitgeben in dein Jahr des Beobachtens und Wartens, bis du wieder an der Reihe bist?

Bündle dein Licht und deine Wärme und lass sie unentwegt hineinströmen in die Welt, in die Herzen der Menschen, in ihr Fühlen und Denken, damit ihre Worte und Taten heilsam sein können für alle Wesen. Darf ich dich darum bitten, August?

Und wenn du wiederkommst, dann möchte ich dich gesund, mutig und unverhüllt begrüssen dürfen. 

Gute Staffelstabübergabe heute Nacht. Ich werde sie verschlafen.


Montag, 30. August 2021

242/365 Sporttag

Früher durfte man nach einem Tag, an dem man 300 Kindern in 10er-Gruppen dasselbe Spiel erklärt und es mit ihnen gespielt hatte, heisrig sein, Tee trinken und erschöpft sein. Heute ist es gefährlich, auf diesem Niveau zu jammern. 

"Temporas mutantur, et nos mutamur in illis."

Das ist einer der wenigen lateinischen Sätze, die ich nie vergessen habe und er heisst in etwa: "Zeiten ändern sich, und wir verändern uns in ihnen."

Sonntag, 29. August 2021

241/365

Heute zum vierten und letzten Mal alle Zahlen von 1 bis 6 im Titel. Und wieder einmal zu müde zum Schreiben, was aber kein schlechtes Zichen ist, sicher aber eines, das ins Bett schickt.

Ich wünsche allen Vorbeihuschenden einen guten Wochenstart.

Samstag, 28. August 2021

240/365 nohdixnoh

Bereits zum zweiten Mal diese Woche habe ich mich heute "unter die Leute" gewagt, und auch diesmal war es gar nicht so anstrengend und überfordernd, wie ich im Vorfeld befürchtet hatte. Zwar ging ich auch heute als Erste wieder nach hause. Trotzdem: Nohdixnoh troumi wieder is Gwusel.
Und morgen gehts gleich weiter. Noch ist heute.

Freitag, 27. August 2021

239/365 Zauber

Es war ein wunderschöner Morgen heute. Bereits fahre ich mit der 7-Uhr-Tram wieder hinein ins frühe Morgenlicht. Bald wird es wieder eine Fahrt in der Dämmerung sein. Heute aber schien die Sonne zwischen Horizont und einem blaugrauen, dichten Wolkenband aus einem schmalen Streifen Himmel golden in die Welt. Mein Blick glitt über die vorbei ziehenden Bilder: Gebäude, Weitblicke, Gärten, Felder... Keines liess sich länger als eine Sekunde halten.
Trotzdem schaffte es eines davon, mich tief innen, an einem höchstens halbbewussten Ort zu berühren. Da schimmerte ganz kurz ein Hauch von Erinnerung an tiefstes Glück auf. Ich wusste. Ich staunte. Ich versuchte festzuhalten und verlor es im selben Aufgenblick. Das war so sonderbar und verrückt und stark in seiner Flüchtigkeit.
Ich könnte nicht genau beschreiben, was es war, was durch meine Augen den Weg an jenen Ort fand: Eine Hecke als Umrandung eines Privatgrundstückes, unspektakulär geschnitten zum angrenzenden Feld hin. Das Besondere daran war, dass an drei Stellen das Heckengrün unterbrochen wurde von zwei rosa und einem weiss blühenden Strauch. Ich hielt sie für Rosen. Ich könnte nicht sagen, ob es die Farben waren, die Zartheit, die Überraschung über den unerwarteten Anblick, die Einnerung an einen Duft. Ich weiss es nicht. 
Doch ich spürte in dem Moment, dass es Welten gibt, die sich uns entziehen, um uns in eine andere Wirklichkeit zu führen. Es wurde ein guter Tag, ein freundlicher, duftender.

Donnerstag, 26. August 2021

238/365 Premiere

Während für die Theater spielenden „Kinder“ morgen Premiere ist, fand sie heute für mich statt. Während jene Odyssee spielen, habe ich zum ersten Mal einen Abend mit dem Kollegium verbracht, zumindest mit etwa einem Drittel davon. Die einen standen musizierend auf der Bühne, mit den andern sass ich in Decken gehüllt an den Tischen, welche zuerst vom Regenwasser befreit werden mussten. Es wurde viel gelacht und erzählt, und ich sass staunend da und realisierte, dass es auch diese Art von „Freizeit“ gibt. 
Darüber werde ich nun nachdenken in nächster Zeit. Ist Freizeit Zeit, in der ich frei bin von etwas oder Zeit, in der ich mich frei fühle für etwas? 

Mittwoch, 25. August 2021

237/365 Ziele erreicht

In der Weiterbildung heute Nachmittag wurden wir zu beginn aufgefordert, eingeladen, gebeten...., unsere ziele für den Nachmittag aufzuschreiben. (Wir arbeiten in unserem Beruf sehr zielorientiert, immer, das lässt sich im Nachhinein so gut überprüfen.)

Auf meinem Zettel stand: "Genug trinken, wach bleiben, Gelassenheit." Zum Schluss konnte ich mit gutem Gewissen dreimal Daumenhoch zeigen.

Dienstag, 24. August 2021

236/365 Indirekte Antwort

Wenn ich mich frage, wie es wohl der Tochter geht, die gestern an oder auf der Ostsee ihren 22. Geburtstag gefeiert hat, und dann steht unter ihrem Namen dieses Bild, so mache ich es mir zur Antwort und hoffe, nicht völlig daneben zu liegen.

Montag, 23. August 2021

235/365 Fülle

Würde gerne den jetzigen Moment akkustisch teilen, geht nicht. Ich sitze im Keller, die Türen sind im ganze Haus offen. Der Sohn sitzt am Klavier, spielt dieses Lied. Und seine Schwester steht nebenan in der Küche, bereitet ihr Mittagessen für morgen vor. Beide singen mit ihren hellen Stimmen zweistimmig zum Klavier nachts um zehn und es gibt in dem Moment nichts anderes, worüber sie nachdenken müssen, was sie umtreibt oder nervt. Einfach nur dieses Lied und das gemeinsame Singen. Das sind glückliche Momente in diesem Haus, welches ziemlich still geworden ist in den letzten Monaten.

Sonntag, 22. August 2021

234/365 spät

Nach einem Abend mit zwei Dritteln der Familie am Tisch brauche ich nun die kurze Nacht, um einiges zu verdauen. (Leicht verdaulich, keine Sorge)

Samstag, 21. August 2021

233/365 Vergänglichkeit

Manchmal kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen, dass es einst eine Phase gegeben hat, in der ich dachte, etwas zu sagen zu haben.

Manchmal denke ich daran, dass die allergrösste Angst vor 12 Jahren jene war, dass meine jüngste Tochter irgendwann bloss noch eine Erinnerung sein könnte. Und nun ist der Inhalt dieser Angst Realität, mit der ich ziemlich ruhig leben kann.

Manchmal höre ich ganz schnell auf zu denken, wenn mir bewusst wird, dass meine erste Geburt gleich weit entfernt ist wie meim 84. Geburtstag.

Freitag, 20. August 2021

232/365 so

Langsam findet die Freude zurück. Sie kriecht zwischen Buchseiten hervor, lacht leise im Korb mit den Holzwürfeln, lugt hinter den Kissen hervor, zupft an den Gitarrensaiten, ordnet sich im ABC ein (unter F) und empfängt mich beim Eintreten ins Zimmer endlich mit einem erträglichen, ja fast schon heimeligen Geruch.
Vielleicht habe ich unterschätzt, welch wichtige Rolle ein vertrauter Raum spielt. Vielleicht hatte ich vergessen, dass dieses Vertrauen wachsen muss und nicht mit ein paar bekannten Bildern fixiert ist. Vielleicht war es auch einfach nötig, dass der Raum erfüllt wird von Lerneifer und Konzentration.
Ich bin jedenfalls dankbar, hat die Woche anders aufgehört, als sie angefangen hat.


Donnerstag, 19. August 2021

231/365 Tag vier

Es hat sich gelohnt, dass ich gestern den Grenzen begegnet bin. Sie haben mich fast gezwungen, kreativ zu werden. Jedenfalls hatte ich heute phasenweise das Gefühl, die Kinder zu erreichen. Tiger und Bär halfen mir dabei sehr authentisch. Hie und da blitzten Augenpaare, die Abläufe, Wege und Möglichkeiten im neuen Klassenzimmmer beginnen vertraut zu werden. Und mit dem einen Kind habe ich heute ein langes Pausengespräch gehabt, was uns beiden gut getan hat.
Es sind kleine Schritte, manche nach vorn, einige immer wieder zurück. Leben eben.

Mittwoch, 18. August 2021

230/365 Durchatmen

Zumindest für mich war noch kein Schuljahresanfang so anspruchsvoll wie dieser. Mehr darf ich nicht schreiben, nicht erzählen. Zum Glück laufen mir manchmal im Schulhaus offene Ohren über den Weg. (Ich lerne grad das Alleinsein von einer brutalen Seite kennen.) Der einstimmige Tenor dieser Ohrenspiegel ist Auftrag: "Du musst lernen, nicht alles so nahe an dich ranzulassen und persönlich zu nehmen." Dieses Ausbildungssegment fehlt mir noch.

Dienstag, 17. August 2021

229/365 Gefunden,

... nicht gesucht. Gesucht habe ich ABC-Gedichte. Da habe ich beim Blättern auf einmal an Hier gedacht. 


Montag, 16. August 2021

228/365 na.ja

Was genau ist doch nochmal so toll an meinem Beruf? 

Vielleicht, dass ich nach dem ersten Tag im neuen Schuljahr beschliessen kann, dass ich nicht zulassen werde, dass es so weiter geht, wie es begonnen hat? Wie gross ist mein Handlungsspielraum? Wodurch ist er begrenzt? Und wie sind die Grenzen kreativ zu überwinden, vorallem die Begrenzungen in mir selber?

Sonntag, 15. August 2021

227/365 Ferienende

Da weiss ich jetzt nichts dazu zu sagen.

Samstag, 14. August 2021

226/365 Fundstück

Mein Tag war ein Missgeschicktag, einer von denen, die liebevoll belächelt werden wollen, was äusserst anspruchsvoll ist. Darüber wollte ich heute schreiben.

Doch dann las ich diesen Satz, der mich so tief und hoch und breit berührt, dass mir das Lächeln plötzlich leicht fällt.

Ohne weiteren Kontext stelle ich ihn hierhin, für mich, für dich vielleicht.

 «Wir sind bereits alles gewesen, was wir füreinander zu sein brauchten.»

Freitag, 13. August 2021

225/365 Übergang

Ich liebe diese letzte Woche der Sommerferien. Die Schule ist wieder lebendig und gefüllt, aber nur vom "Personal". Wenn man kurz in den Teamraum gehen muss, um dort eine Kopie zu machen oder nachzuschauen, ob das bestellte Paket schon angekommen ist, so kann das gut und gerne zwei Stunden dauern. Ich liebe dieses freudige Hallo auf allen Gängen, die Zeit, die alle noch haben für diesen Austausch oder einen Besuch in einem der neu eigerichteten Klassenzimmer, und ich liebe es, die Gesichter wieder lachen zu sehen, nicht bloss die Augen. Die Schulleitung verteilt Schülerinnen, die im letzten Moment noch zugezogen sind, die auserwählten Lehrpersonen suchen für sie Mobiliar und Material zusammen. Der Hauswartsdienst ist kooperativ unterwegs, befestigt da noch eine Leiste, schraubt dort noch einen Haken in die Decke, organisiert Leitern, wenn sie gebraucht werden, das Reinigungspersonal kontrolliert nochmal alle Räume und lässt sich auch in heitere Gespräche verwickeln. Noch fühlt man sich dem bevorstehenden Alltag gewachsen, glaubt, dass es schon gut kommt, hofft, dass die Probleme lösbar sein werden, dass die Kinder älter geworden sind, dass mit Humor so manches sich entspannen lässt.

Da müsste jetzt dramaturgisch korrekt ein Aber folgen. Doch dieses wird sich erst in den ersten Schulstunden, Tagen und Wochen einschleichen.

Ich liebe es, dass alle das wissen und doch immer wieder, Jahr für Jahr, daran glauben, dass es diesmal besser und leichter und professioneller handelbar sein wird, das Aber, der Sand im Getriebe. Warum auch nicht?

Donnerstag, 12. August 2021

224/365 Gesellschaft

Seit heute Abend bin ich nicht mehr allein. Gleich zu fünft sind sie angekommen mit dem Lesezeichenpostauto und bringen Lesevorfreude ins Lehrerinnenherz, der Bücherbär, seine Lesetiger-Freundin, der Leserabe, die Leseratte und die Lesefüchsin. 

Morgen haben wir zusammen eine Konferenz und werden die Aufgabenbereiche verteilen. Das Motivierende ist, dass wir alle dasselbe Ziel haben: Die Kinder sollen die Freude am Lesen entdecken, erleben, dass sie nun den Schlüssel besitzen in ein endlos grosses Reich der Geschichten und Bücher. Ich bin gespannt, wie die Fünf sich einbringen werden.

Ein grosses Danke an den Zauberort, von wo sie gekommen sind.



Mittwoch, 11. August 2021

223/365 Bogen sein

Genau eine Woche lang bin ich jetzt schon allein. Es gibt vieles, was ich unglaublich geniesse. Ich bin ruhig, entspannt und auf eine angenehme Art konzentriert. Mir wird klar, was mich am meisten stresst im Alltag: Es ist dieses tägliche: "Was, schon wieder alle Früchte weg? Schon wieder keine Pflanzenmilch mehr? Schon wieder alle Pizzas weg....". Egal, was ich heimschleppe, es verschwindet innerhalb von 24 Stunden. 
Es scheint mir ein guter Moment zu sein, darüber nachzudenken, wie dieser Stress sich abbauen lässt. Es ist ja meiner. 
Was mir fehlt, ist das Leben, die Freude, Teil zu haben an dem, was die jungen Menschen bewegt. Sie sind einfach weg, alle sechs, weit, weit weg in ihren Welten, zwei Bilder pro Woche, "ganz ok" als Wochenzusammenfassung, vielleicht mal die Bitte um eine Hilfestellung. 

Da kommt mir dann öfter mal Gibran in den Sinn, der in Geburtsanzeigen so stark klingt, während das Baby eng im Tuch gebunden schläft.
 

Eure Kinder

 

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht

des Lebens nach sich selber.

Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,

Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

 

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,

aber nicht eure Gedanken,

Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,

aber nicht ihren Seelen,

Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,

das ihr nicht besuchen könnt,

nicht einmal in euren Träumen.

 

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,

aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.

Denn das Leben läuft nicht rückwärts

noch verweilt es im Gestern.

 

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder

als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,

und er spannt euch mit seiner Macht,

damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Laßt eure Bogen von er Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;

Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

 

Khalil Gibran
(* 06.01.1883, † 10.04.1931)

 


Dienstag, 10. August 2021

222/365 Schnapszahlgedankenfluss

Seltsam, diese Zeitbögen, Flussschlaufen, Strömungen. Sie fliesst nicht gleichmässig, die Zeit, nicht in meiner Wahrnehmung. Da hat es im Vorfrühling eine Staustufe, die aus dem Fluss ein stehendes Gewässer macht, dann, in den Sommer hinein, zieht sie kräftig, aber ruhig dahin, um dann gegen Herbst durch eine Schlucht gepresst zu werden. Tosend, zischend und schäumend schnellt sie der Mündung entgegen, und bis sich das Wasser beruhigt hat, übernimmt bereits das Meer.
Wie anders könnte  es sein, dass die ersten 111 Tage bis gegen Ende April gebraucht haben, die 222 jedoch bereits jetzt erreicht sind, und zu den 333 dauert es bloss bis Ende November. Eigentich nimmt das Boot, in dem ich treibe, mit dem ersten Schultag nach den Sommerferien Fahrt auf, und bevor die Spätsommerbilder richtig trocken sind, ist es am Morgen wieder dunkel auf dem Schulweg, schnitzen wir Räbeliechtli und basteln Weihnachtsgeschenke.
Mir ist der Stausee am liebsten.

Montag, 9. August 2021

221/265 erwacht

Kurz vor 23 Uhr aus dem Film zurück in die Realität erwacht und als erstes realisiert, dass 221 noch ein weisses, leeres Papier ist. Ich falte es zu einem Schiffchen und setze es auf den Strom der Zeit, der Schnapszahl entgegen.

Eine gute Nacht.

Sonntag, 8. August 2021

220/365 Doppelte Freude

Ein Angebot der Ferienzeit besteht unter anderem darin, dass das Putzen etwas gründlicher als sonst ausfallen kann und grosszügig übersehene Winkel Aufmerksamkeit bekommen. 

So kam es, dass ich heute auf dem Boden knieten und einige der hartnäckig verfleckten Tonplatten schrubbte, so richtig mit Bürste und Schaum und Schweiss. Dabei musst ich an das Bild von Cariciet aus dem Buch "der grosse Schnee" denken. (Ich habe es in der Schule, habe aber hier ein Foto davon gefunden.) Das Resultat hat Mut gemacht, und das sensibilisierte Auge hat andere bedürftige Stellen ausgemacht.


 

Darüber dachte ich nach, als ich etwa drei Stunden später eine Gartenecke von Gras befreite. "Ich kniete am Boden...", hallte es in mir nach. 

Ich. kniete. am. Boden.

Ich kann doch gar nicht mehr auf dem Boden knien seit meiner Kniegeschichte letzten Herbst! Vor lauter Putzeifer muss ich das vergessen haben. Und das Knie hat nichts gesagt!

Samstag, 7. August 2021

219/365 Listen

Es ist alltäglich und selbstverständlich geworden, ich gewöhne mich trotzdem nicht wirklich daran, was all diese Digitalisierung an Spielereien bereit hält.

So habe ich mir zum Beispiel die Mitarbeitendenliste unserer Schule nach absteigendem Alter ausgedruckt. Da ich mitverantwortlich bin für die Geschenke (auch) an runden Geburtstagen im Team, macht das sogar ein Bisschen Sinn.

Was soll ich sagen. Gelistet sind 77 Personen. Mein Name steht auf Position 16.

Freitag, 6. August 2021

218/365 Doch noch die Nase

Heute traf ich den Hauswart. "Hej, wir waren vorgestern in deinem Zimmer, haben nochmal alle Stühle ausgetauscht. Und du hattes sowas von Recht: Uns hat es fast den Atem verschlagen, als wir rein kamen."

Ich lüfte seit 10 Tagen täglich etwa 6 Stunden, habe den Raum geräuchert, Raumspray von farfalla benutzt, alle Textilien gewaschen und nass im Zimmer aufgehängt, habe den Bürostuhl dreimal shamponiert, alle Oberflächen mehrmals abgewischt... 

Nach dieser Rückmeldung reiste ich am Nachmittag ins Nachbardorf in die Drogerie und schilderte mein Problem. Nun werde ich übers Wochenende zwei Hausmittel ausprobieren und danach weiter schauen. Einerseits soll ich mit verdünntem Putzessig nochmal alle Flächen abwischen. Dann werde ich frisch gemahlenen Kaffee kurz anrösten und in Schälchen verteilt im ganze Raum aufstellen. 

Dann wurde mir von der Lampe Berger, Paris erzählt. (Kennt die jemand?) Die ist teuer und ich noch skeptisch. Ich fürchte, dass die ganze unbehandelte Holzdecke getränkt ist von diesem Raumgeruch der letzten drei Jahre und alle Bemühungen, die Luft zu reinigen, daran scheitern werden.

Doch jetzt starte ich morgen mal mit Kaffee, das tue ich eh jeden morgen!

Donnerstag, 5. August 2021

217/365 modernes Sterben

Das Schulhaus, in welches ich vor den Sommerferien umgezogen bin, ist nach Minergie–Standard gebaut. Eigentlich bedeutet das, dachte ich zumindest, immer gutes Raumklima, keine Überhitzung, minimaler Energieverbrauch. Das letzte kann ich natürlich nicht beurteilen. Was ich aber sehe, sind riesige Metallrohre, die mitten im Zimmer an der Decke befestigt sind, was ich höre ist alle Minuten ein klopfendes Geräusch darin, und was mich zu Widerstand anstachelt ist die Weisung, keine Fenster zu öffnen (man kann eh nur eines öffnen!). Vom Riechen spreche jetzt mal nicht. Es ist hell, gross, komfortabel ausgestattet, in warmen, (anregenden) Farben gehalten, ruhig, mit Blick zu Grün hinter den Häusern und mit Rolläden, welche automatisch schliessen, wenn der Bewegungsmelder länger als 5 Minuten keine Regung mehr registriert. Ich werde nicht jammern, auf so hohem Niveau ist das nicht angebracht.
Vorgestern habe ich meine einzige Pflanze, welche ich vor einem Jahr von einer Namensvetterin übernehmen durfte und die seither gewachsen ist und sich wohl gefühlt hat, aus der Werkstatt geholt. Dorthin stellen wir in den langen Ferien unsere Zimmerpflanzen, und dort werden sie von uns nach einem abgesprochnen Plan gegossen.
Und heute?
Sie beginnt zu sterben. Plötzlich bekommen die feinen, langen Blätter einen hellen Rand. Die Spannkraft zieht sich zurück. Ich habe keine Ahnung, was ich tun kann ausser traurig sein und mir überlegen, was dieser Raum wohl mit uns Menschen macht. 


Mittwoch, 4. August 2021

216/365 Notizen

Für die Geschichtsbücher: Heute, am 4. August, habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich heizen soll. Ich habe mich dann für die Variante dicker Pullover und Schal entschieden.

Und das Familienmitglied, welches gestern Virenbesuch hatte, sagt am Abend matt und elend: "Es ist unglaublich, mit welcher Selbstverständlichkeit wir es annehmen, wenn wir fit und gesund sind und Energie haben, das zu tun, was wir wollen. Wir sollten eigentlich jeden Tag unendlich dankbar sein dafür!" – Heute früh dann, nach 10 Stunden tiefem, gutem Schlaf, sieht die Welt wieder vertraut und lustig aus. Als ich nach ein paar Seufzern an die gestrige Einsicht erinnere, kommt als Antwort: "Ja, schon, aber..."! 
Es ist eben wirklich unglaublich, ....

Dienstag, 3. August 2021

215/365 Viren

Kennst du das? Ein Magen-Darm-Käfer hat sich im Haus installiert, und du fühlst dich vor lauter Angst und Widerstand vor einer Ansteckung mulmig und schwindlig? Braucht man nicht.

Montag, 2. August 2021

214/365 Mauertraum

(Zitat vom 4. Mai: "Toller Tageszähler heute: 1, 2, 3, 4, 5, 6 in leicht veränderter Reihnenfolge")

Heute habe ich einen Bericht gesehen über eine Chinesin, welche es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat, Wüste in Wald zu verwandeln und so Lebensgrundlage für Menschen und Tiere zu schaffen. Grüne Mauer wird dieses Projekt genannt und ist bereits über 2000 km lang, wenn ich das richtig verstanden habe. (Sie spricht Chinesisch 😉!) 

Würde das nicht Arbeit schaffen für Hunderte und Tausende von Menschen, wenn man solche Mauern bauen würde überall da, wo der Boden kein Leben mehr hat?

Sonntag, 1. August 2021

213/365 Mutter

Vor vier Monaten hat sich das Leben meiner Mutter von einer Stunde auf die andere komplett verändert. Es begann eine intensive Zeit, welche sie bis an die Grenzen ihrer Kräfte forderte. Reisen zu Kliniken an mehrfach wechselnden Orten, Gespräche mit Ärzten, Entscheidungen für oder gegen verschiedene Massnahmen, Bangen um den nächsten Tag, viele Besuche, wenig Schlaf... Vor einem Monat dann wurde die Geschichte dieses Menschen, ihres Mannes, zu Ende geschrieben. Wieder waren wir Kinder da, fast täglich jemand, bis sie sagte, sie brauche jetzt wieder einmal einen ruhigen Tag für sich alleine. Sie erhielt hunderte von Briefen und Karten, las, staunte, erzählte denen, die da waren, von den Schriebenden und deren Bezug zum Vater, zu ihnen. Die Abschiedsfeier forderte viele kleine und grosse Planungsschritte, Absprachen, Gespräche. Zur Feier letzten Donnerstag konnte endlich auch der Bruder anreisen, welcher die ganzen drei Monate in Israel gelebt hatte. Heute ist nun auch er wieder abgereist.
Jetzt ist der Abschied vollständig. Vor ihr liegt ein neuer Alltag, ein stiller, einer, der die Lücke schmerzhaft zeigen wird, einer, der hoffentlich von ganz vielen Menschen durch Lebenszeichen aller Art aufgelockert sein wird. Keines von uns "Kindern" lebt um die Ecke oder im Dorf, nicht mal im Kanton. Es beginnt nun auch für uns ein neuer Abschnitt.