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Dienstag, 31. Januar 2017

Leben

Noch immer berührt es mich jedes Mal, wenn ich von der Ankunft eines neuen Menschen höre, von einer Geburt erfahre. Wenn es dann, ganz selten einmal, geschieht, dass diese Meldung ergänzt wird durch den Verweis auf ein Zusatzchromosom, dieses eine eben, dann trifft mich ein Wärme-Lichtstrahl mitten hinein. 
Gestern und heute ist dies gleich zweimal geschehen. Der kleine Junge ist vor drei Wochen, das Mädchen vor einer geboren worden. Es zieht mich förmlich hinüber in jene Parallelwelt, die eingebettet in den normalen Alltag junge Eltern umgibt, wenn sie erleben, wie auf einmal ein Erdbeben ihre geordneten, geplanten Konzepte erschüttert und irgendwann nichts übrig lässt als die nackte, unfassbare Liebe zu diesem Wesen, das sich da einnistet in ihrem Leben, in ihren Herzen und sie mitnimmt auf eine Abenteuerreise voller Ungewissheit und Mut.

Die Mutter des Jungen heisst Mirjam.

Sonntag, 29. Januar 2017

Bitte

Herr, du weisst, dass ich von Tag zu Tag älter werde
und eines Tages alt.

Bewahre mich vor dem Drang,
bei jeder Gelegenheit etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der grossen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer orten zu müssen.

Lehre mich, nachdenklich und hilfreich,
aber nicht beherrschend zu sein.

Lehre mich die wunderbare Weisheit,
dass ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

Teresa von Avila


Heute wieder einmal begegnet und hineingeschlüpft!

Freitag, 27. Januar 2017

Angst

Ich beneide alle, die keine Angst haben.
Ich bewundere die, welche den Mut haben, zu ihrer Angst zu stehen.
Ich habe hohe Achtung vor jenen, welche sich ihrer Angst stellen, sie durchfühlen, durch sie hindurch gehen und mit neuen Fähigkeiten aus ihr heraus wachsen.

sagt der Hase, entdeckt seinen Schatten und flieht in grossen Sprüngen ins Dickicht.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Protokoll

Fertig, endlich.
Habe viel gelernt, auch vielleicht, hoffentlich etwas mehr Geduld und Verständnis für mich selber, dafür, dass es nicht zu schaffen ist in meiner Situation, eine solche Arbeit an einem Sonntagnachmittag zu schreiben, an dem das ganze System mit Ausnahme dieses einen Antreibers fordert, dass ich mich ausruhe, dafür, dass es nicht das oberste Ziel sein kann, den vermeintlichen Ansprüchen einer Ausbildungsgruppe zu genügen, wenn ich dafür mich und meine nächsten Aufgaben torpediere.
Eigentlich müsste ich jetzt per sofort wieder ganz gesund sein, bei dieser Erleichterung!


Und weil ich dieses Bild auch in mir trage, hier nochmal ein Blick darauf: Schneeweiss mit Rosenrot


Dienstag, 24. Januar 2017

...

  
Manchmal entblättere ich die Erinnerung.
Dann duftet es wieder nach der Zartheit,
die du zwischen Anfang und Ende gelegt hast.




Montag, 23. Januar 2017

Überraschungsgast

Diese "Februarkommtimmernäher-Stimmung" – ich hätte sie nicht erwartet, dieses Jahr nicht, nicht mehr, nicht so stark färbend, nicht so duftend, nicht jetzt. Aber sie umweht die Tage, sie durchweht mein Fühlen, als wäre sie eingeschrieben in meinen Zellen. Ich will sie auch gar nicht ausradieren, aber erwartet habe ich sie nicht. Sie ist einfach da.

Sonntag, 22. Januar 2017

Wochenendende

Mit jedem dahingeschmolzenen Punkt auf der Liste geht es etwas besser. Nun werde ich einer neuen Woche entgegenschlafen (und erhalte in diesem Moment eine weitere Mail mit einem neuen Todo-Punkt. Endlosschleifen...)

Wochenende

Virentanz – Salbeikraft – Honigwärme – Winterkälte – Traumchaos – Zwiebelduft – Brummschädel – Widerstandskampf – Todoliste ................ – Bettruhe

Donnerstag, 19. Januar 2017

Weltbild

Frage im Raum: Warum ist eigentlich ausgerechnet am 21. Dezember der Winteranfang?

Kind: "Vielleicht hat es im allerersten Dezember am 21. zum ersten Mal geschneit, da haben sie gesagt, dass sie den jetzt nehmen als Winteranfang."


Dienstag, 17. Januar 2017

Detail

Die Gedanken sind viel zu schnell, die Bilder jagen sich, die Eindrücke erdrücken beinahe. Wie soll da einer herausgenommen und in Worte gefasst werden? Ich tapeziere meinen Innenraum mit weisen Sprüchen, die widerhallen wie die Geräusche im Tal der Dämmerung, durch das Jim Knopf und Lukas reisen. Ich sehne mich nach einer Insel und kann sie nicht selber erschaffen. Ist wohl nicht Inselzeit...eit...eit...eit...eit...eit...
Aber geht schon, so eben.

Sonntag, 15. Januar 2017

...

manchmal ...

manchmal spricht ein baum
durch das fenster mir mut zu
manchmal leuchtet ein buch
als stern auf meinem himmel
manchmal ein mensch,
den ich nicht kenne,
der meine worte erkennt.

rose ausländer

gefunden bei ihr

Mittwoch, 11. Januar 2017

verankert

 

Das war der Himmel heute vor sechs Jahren, als er sich für ein paar Stunden auf ganz besondere Weise mit der Erde verband.

Dienstag, 10. Januar 2017

résumé

schon gut.

Sonntag, 8. Januar 2017

von der Geduld

Wie soll ich denn ums Himmels Willen geduldig sein mit den Kindern, wenn ich es selber mit mir nicht sein kann? Wie sollen die Kinder spüren und erleben, dass ich bereit bin, sie auf ihrem ungeraden Weg ein Stück zu begleiten, wenn ich bei jeder eigenen Kurve fliehe oder gar aus der Bahn geworfen werde? Das Kind hört ja nicht in erster Linie die Sätze, die ich sage, sondern es spürt, woher sie kommen. "Üben Sie sich in Geduld." War das vielleicht so gemeint, dass ich selber lerne zu entspannen und zu akzeptieren, wenn mir so ein Z schon wieder einen Streich gespielt hat? Morgen beginnt der Alltag wieder. Neue Chance... 

(wie schwer es mir fällt, von der Chance zu sprechen statt von der Angst. Da ist wohl auch irgendwo ein Z versteckt.)

Überforderung

Vermutlich habe ich einen Fehler gemacht, wenn es denn solche Fehler überhaupt gibt. Vielleicht habe ich mir auch nur einen Weg zur Selbsterkenntnis und zum Lernen geschaffen. Auf jeden Fall tue ich mich unendlich schwer. Gestern, zu Beginn des Ausbildungstages, stand die übliche Frage im Raum: "Wer schreibt das Protokoll?" – Stille – "Wer hat denn noch nie...?" – Schweigen, 25-fach – "Denken Sie daran, jeder ist mal dran in den zwei Jahren." – Schweigen – Und wer es irgendwann nicht mehr ausgehalten hat, sitzt jetzt vor den Tasten und fürchtet sich. Das Thema war so komplex. Acht Stunden intensive, spannende Auseinandersetzung und viele Menschen in der Gruppe, welche unendlich viel mehr Vorwissen, Erfahrung und Verständnis haben als ich. Nun ist alles getan, was ich mir erlaubt habe, davor zu tun: Schlafen, Feuer machen, Wäsche aufhängen, einkaufen, neue Kerze am Grab anzünden, ein Buch bestellen, noch einen Kaffee mit extra feinem Milchschaum, noch kurz ein wenig surfen, noch dieser Blogeintrag. Und dieses Morgenstern-Gedicht noch, welches den gestrigen Nachmittag eingeleitet hat. (So geht das nun seit gestern abend)

Wer vom Ziel nicht weiß,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.

Denn zu fragen ist
nach den stillen Dingen,
und zu wagen ist,
will man Licht erringen;
wer nicht suchen kann,
wie nur je ein Freier,
bleibt im Trugesbann
siebenfacher Schleier. 

Vielleicht fühlen sich einige meiner Schüler manchmal auch so? Vielleicht fürchten sie sich genauso vor einer Aufgabe, der sie sich nicht gewachsen fühlen, werden hibbelig, tun noch dies und das, und wir fordern Konzentration, diagnostizieren Aufmerksamkeitsstörungen. Vielleicht haben sie Angst.

Samstag, 7. Januar 2017

Weite – Bildung – Mittag – Pause – Schritte – Blicke

Weiterblick


Blickbildung 


 Bildungsschritte


 Schrittweite


Weiterbildung


 Mittagspause


Pausenblick





Und dabei ständig im Ohr:
"Verlieren sie niemals die Geduld bei diesen Kindern (beim Lesen). Üben sie sich in Geduld. Sagen sie niemals Sätze wie: Reiss dich zusammen. Das habe ich dir schon hundermal gesagt! Wenn du dir bloss etwas Mühe geben würdest. Ich weiss nicht, ob du das je lernen wirst. Jetzt habe ich doch soviel mit dir geübt und du kannst es noch immer nicht.... Halten sie sich vor Augen, wie diese Kinder denken und sie werde auch beim zwanzigsten Mal freudig feststellen: Hoppla, nun hat dich dieses Z schon wieder rein gelegt! Und sie werden auch bei vierzigsten Mal so ruhig bemerken wie die Male zuvor, dass das ein B sei, wenn das Kind wieder D gelesen hat.
Behalten sie das Kind mit im Boot, bilden sie mit ihm ein Forschungsteam und freuen sie sich mit ihm über jeden Erfolg."

Freitag, 6. Januar 2017

Neuzugang

Darf ich vorstellen? Heute hat eine neue Arbeitsassistentin ihren Dienst angetreten. Dabei hat sie sich bereits im Vorfeld als stille Widerstandskämpferin erwiesen. Ein Teil meiner Crew nämlich wollte mir klar machen, dass es veraltet, unpraktisch, aufwändig und uneffektiv sei, was ich vorhabe. Im Zeitalter der Vernetzung ... usw. 

Nun hat sie sich also geöffnet, das erste unbeschrieben Blatt war einmal eins, und ich werde mir Mühe geben, sie nicht nur zur Hüterin von Pflichten zu machen, sondern ihr auch anvertrauen, wann sie mir schützende und heilsame Freiräume schaffen soll.

Bitte sehr: Meine neue Agenda!



Donnerstag, 5. Januar 2017

* * * * *




leicht

 *

hell

*

still

*

 wunder

*

voll

*

flocken

*

froh

*

flaumig

*

 taumel

*

tanz 

*


Mittwoch, 4. Januar 2017

mitten drin



Da stehtst du am Grab deiner Tochter, zum zweitausendsten Mal vielleicht, ist auch nicht wichtig, aber unendlich vertraut, an diesem Ort, der dich so gut kennt wie keiner sonst, weil du hier die Nadelöhre des Schmerzes zugelassen hast und durchgegangen bist ohne zu fliehen, weil du hier dem Säen, Wachsen und Vergehen zugeschaut und zu ihm Sorge getragen hast, weil du hier geübt hast dich zu öffnen für die Stille, weil du hier still sassest oder standest und zum Himmel blicktest, im Frühling den Vögeln lauschtest, im Sommer die Schmetterlinge beobachtetest, im Herbst von den sich sammelnden Zugvögeln umgeben warst. Und wieder stehst du da. Der kalte Wind trifft dich schonungslos, macht es unmöglich, ein Streichholz anzuzünden. Die Sterne und Lichter, um die du weisst, sind weiss bedeckt, verborgen. Du kommst von der Glassammelstelle und wirst nachher Popcorn machen, aber jetzt, jetzt umfängt dich eine vertraute, ziellose Sehnsucht, die keinen Namen mehr trägt, die in dich fliesst wie eine goldene Melodie, die dich wärmt und hüllt und bewegt, während du frierend da stehst am Grab deiner Tochter, vielleicht zum zweitausendsten Mal. Acht Jahre. Bald. Du zählst längst nicht mehr und doch zählt dir heute die goldene Zahl im Stein vor. Als ginge es darum, die Distanz zu verstehen und nicht das, was sie überwindet. Heute hinterlassen deine Schritte Spuren.

Dienstag, 3. Januar 2017

Neuschnee

Aus unserem Haus lässt es sich in drei Himmelsrichtungen blicken. Vor zwei Wochen haben die talseitigen Nachbarn die Bäume geschnitten, was uns Weitblick und Horizont schenkt. 
Heute morgen tut der Blick besonders gut.