Am 4. Februar 2009 feierten wir seinen siebten Geburtstag. Unser Alltag war bunt, dicht, erfüllt, fordernd, aber ganz und gar bejaht. Wir lachten viel, so viel, wie wohl nie zuvor in unserem Familienleben. Mirjam schenkte uns unendlich viel Freude, machte täglich neue Fortschritte, zeigte uns, wie kleinste Dinge voller Licht sind. An diesem Geburtstag husteten und schnupften zwar fast alle, genauso wie heute auch, genauso wie wir uns seit Jahren in diesen Monaten durch Erkältungsphasen husteten. Sorgen machte sich deswegen niemand.
Ein paar Tag später, am 22. Februar dann, wurde sie fünf Jahre alt.
Noch immer husteten einige von uns. Das war aber wohl die einzige Konstante. Die Welt, unsere kleine Welt, hatte sich in diesen kurzen Tagen komplett verändert, wurde durch ein Nadelöhr gequetscht. Die Zeit war stehen geblieben. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich soviel geweint. Mirjam hatte in meinen Armen ihren letzten Atemzug getan, wir hatten nun ein Grab, alles Lachen war Erinnerung und zerriss das Herz. Trotzdem versuchten wir zu feiern, denn da war ja auch Leben mit allem Recht, gefeiert zu werden.

Heute wird er 16, feiert auf einem Theaterweekend mit tollen Freunden, und sie, die fast 14-Jährige, steht in einem Klassenspiel auf der Bühne. Auf dem Grab blüht der erste Krokus, es wird viel gelacht, der Vater wird am Abend zu Besuch kommen, wie es sich der Geburtstagssohn gewünscht hat. Die waswärewenn-Gedanken werden längst nicht mehr ausgesprochen, huschen manchmal flüchtig vorbei. Das Leben hat sich aus dieser kaum lebbaren Enge heraus neu entwickelt, hat alles verändert. Doch dieses Februarzeitempfinden, das ist nicht Erinnerung, sondern Teil meines Seins.
Ich war vorher im Wald, zum ersten mal seit den Stürmen. Gefallene Stämme, entwurzelte Bäume, zersplittertes Holz – und liebgewonnene Bekannte.
Und alle erzählen, was mir der Februar seither erzählt.
Nachtrag: Das habe ich eben
hier gefunden:
Deine Traurigkeit ist der dunkle Samt, auf dem die Juwelen deines Lebens leuchtend funkeln. So wird dir sichtbar, über welch reiche Schätze du verfügst.
Helen Ambach