Dass es ausgerechnet ein Dackel ist, der den Durchbruch schafft, überrascht mich – und doch auch wieder nicht. Zum Abrunden eines fleissigen Unterrichtsmorgens vorlesen: Das war meine Vorstellung, mit der ich seit mehr als drei Jahren scheiterte. Es hatte daher wieder einmal mit Schattenspringen zu tun, als ich mich dazu entschloss, die Lektüre der Geschichte an den Anfang des Morgens zu stellen. Und weil in dieser Klasse ständig Hunde über die Wege laufen (das wäre ein Thema für sich), wählte ich die uralte Geschichte von Fridolin, dem Dackel.

Als Kind habe ich das Buch mehrmals gelesen, den eigenen Kindern habe ich es vorgelesen, und nun ist es nach einer längeren Vergriffen-Pause neu aufgelegt worden und steht im Regal neben den Klassikern der Kinderliteratur. Vieles muss ich den Kindern erklären: Dass man im Zug früher die Fenster öffnen konnte, was ein Schrubber ist, dass es eine Zeit gab, in der der Milchmann die Milch in einer Kanne transportierte und direkt an die Haustüre brachte, dass man früher mit einem Telefon nicht umhergehen konnte und sovieles mehr.
Aber das scheint niemanden zu stören. Die Faszination der Kinder ist unglaublich, und es ist wirklich so, dass ich sie zum ersten Mal verzaubert erlebe, dass sie mitgehen mit dem Blick, mit den Bewegungen, dass sie zusammenzucken, wenn Fridolin erschrickt, dass sie lachen, wenn sie nach einem Abenteuer entspannen können. Und sie sind sooo enttäuscht, wenn ich das Buch jeweils schliesse.
Ich erlebe, dass diese Momente weit mehr sind als entspanntes Abrunden eines mit Wesentlichem gefüllten Morgens, es ist Nahrung für durstige und hungrige Kinderseelen, und ich werde aus diesem Experiment ein neues Konzeptchen für meinen Unterricht machen und bin gespannt, welche Hunde, Hexen, Wassermänner, Ballonfahrer, Samse und andere Wesen sich in den nächsten Jahren zu uns gesellen werden.