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Freitag, 1. April 2016

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Den heutigen Vormittag habe ich wie alle vorangegangenen dieser Woche in der Schule mit Vorbereiten verbracht. Um 11 Uhr kam der Anruf von zu Hause: Der Kühlschrank ist ausgestiegen. Meine Ferndiagnosen und Behandlungsvorschläge fruchteten nicht und eine Stunde später reiste ich mit einem mulmigen Gefühl im Magen, jenes, welches mich sehr oft begleitet, wenn es um diese materiellen Dinge geht, nach Hause. Was, wenn...? Wie dann?

Noch in den Strassenschuhen eilte ich in die Küche, öffnete die Tür des Patienten und wurde gleichzeitig aus dem "Hinterhalt" überwältigt von einem fröhlich lachenden "April, April!".

Tochterglück!

Donnerstag, 31. März 2016

Umzug

Eine Strasse weiter sind zwei Menschen am Packen. Morgen ziehen sie aus ihrem Haus und Garten hinaus, verlassen das Dorf und fangen in einer Stadtwohnung neu an. Es sei Zeit, den Raum einer jungen Familie zu überlassen, sagen sie.
Es sind zwei Menschen, welche sich intensiv für das Dorf eingesetzt haben, für die Benachteiligten ebenso wie für die Recourcenbegabten. Nein, eigentlich haben sie bei jedem das Potential aufgespürt und daran geglaubt, Mut gemacht, es einzubringen. Vieles, was als Initiative begonnen hat, ist nun Teil unserer offenen, speziellen Dorfkultur. Sie haben es riskiert, mit ihrem überzeugten Einsatz sich nicht nur Freunde zu machen, sind an der Gemeindeversammlung aufgestanden, haben klar Position bezogen, haben zuletzt für menschenwürdige Bedingungen für die jungen Eritreer sich eingesetzt, ihnen ermöglicht, mit der Dorfbevölkerung ein eritreisch bereichertes Dorffest zu feiern...
Sie hinterlassen leuchtende, gemeinschaftsbildende Spuren, die beiden.
Selten habe ich Menschen kennen gelernt, welche so jung geblieben sind weit jenseits des Rentenalters, so mutig, offen für Neues, für neues Denken, neue Umgebungen, neue Lebensformen. Immer war in Gesprächen und Begegnungen zu spüren, dass sie mitten in lebendigen Prozessen unterwegs waren, Schmerz und Begeisterung, Ringen und Geniessen, Nähe und Ferne, Säen und Ernten standen in erwachsenem Dialog. Ihre Türen, die äusseren und die Herzenstüren, standen offen oder waren klar kommuniziert geschlossen. Noch vor wenigen Wochen stapfte ich müde den Berg hoch an ihrem Haus vorbei, als sie vom Balkon her rief: "Wir haben zu viel Suppe. Magst du kommen und mitessen?"
Früher, als ich den steilen Weg täglich mit vier oder fünf kleinen Kindern bewältigen musste, legte sie fast täglich in ihren Milchkasten, der von der Strasse her zugänglich war, ein kleines Geschenk, einen Ballon oder einen Stein, einen Stift oder Seifenblasen.... und senkten damit die Steigung um etliche Prozent.

Und nun gehen sie. Ich bin ihm letzte Woche noch einmal am Wald begegnet. Es sei anstrengend, wochenlang nur Dinge wegzuwerfen, sich zu trennen von Lebensbegleitern, aber es tue auch gut, erzählte er und warf den Stock hinaus aufs Feld, um ihn kurz darauf von seinem Hund wieder zurück zu bekommen.

Auch ich ziehe nun um, endgültig, verlasse den sosehr vertrauten Schreibraum, der mich durch schwierigste und prägendste Zeiten begleitet hat. Ich habe darin leben geübt, als es im Äusseren fast nicht mehr ging. Ich habe der Verzweiflung Sinn abgerungen und Schritte gewagt, habe in sprachlosen Zeiten mein Staunen hinein gebettet und manchmal im Spiegel meiner eigenen Worte mich aufzurichten gelernt.
Wieviel Aufeinander zu möglich wurde, ist nicht zu beziffern, ist Geschenk ohne Ende und hier und heute auch Schmerz.

Mein Umzug hat andere Gründe als jener der beiden junggebliebenen Menschen. Und doch verbindet mich heute die Dankbarkeit und der Mut zum Loslassen mit ihnen.
Was ich ihnen wünsche, wünsche ich uns allen: Dass in jedem Aufbruch die Gnade erfahrbar werden darf, dass niemals endet, was unser Herz ruft.

Montag, 28. März 2016

Heckendialog

"Ich wachse dem Licht entgegen!"
"Ich suche meine eigene Richtung!"

"Mir ist es wichtig, flexibel zu sein."
"Ich lasse mich nicht verbiegen." 

"Ich warte mit der Blüte, bis ich keinen Frost mehr fürchten muss."
"Ich riskiere alles. Das macht mich stark."



Sonntag, 27. März 2016

Ostern

Frohe Ostern gewünscht, Eier gefärbt – wirklich schöne pflanzengefärbte Eier, Osternestchen aus Zopfteig gebacken, Überraschungen für alle grossen und nicht mehr kleinen Kinder versteckt, ein gemütliches Frühstück mit den Kindern genossen, das Halleluja von Händel gehört, wenigstens die ersten Takte, eine Bachkantate zum Tag gefunden, und wieder weggeklickt, einen bestimmt wirklich guten Text gelesen zur Liebe, die bleibt, eine Botschaft bekommen mit tiefen Gedanken zur Auferstehung, weise Wortgeschenke aufgespürt wie früher die Kinder es mit den Eiern im Garten getan haben, am offenen Fenster gestanden und der vogelstimmengetränkten Regenmelodie gelauscht, ...

Aber der Osterschalter in mir hat sich nicht umgelegt. Das Feuer hat den Kloss in meinem Hals nicht erreicht. Die Arbeit ist nicht zu Ende. Die Friedensskulptur hat durch den Grabstein keinen Schlussstein gefunden. Die Frauen eilen mit ihrer Botschaft an mir vorbei. Ich bleibe leer vor dieser Fülle sitzen.
Der klebrige Begleiter neben mir erklärt etwas von Scham, verpasster Chance und Versagen, aber auch das ist keine Einladung zum Tanz.

Sollte man schweigen, wenn man kein Glück zu verkünden hat? Das ist meine Osterfrage.

Samstag, 26. März 2016

vorösterlich digital

Ich wollte heute endlich mal wieder Bilder teilen, Blütenbilder, Knospenbilder. Der Schlehdorn ist seltsam zögerlich dieses Jahr. Obwohl die Blütenknospen schon Mitte Februar anschwollen und ich überzeugt war, dass mit einer rekordfrühen Blüte zu rechnen sein würde, öffnete sich bisher keine einzige, später als je verharren sie in dieser Vor-Explosionsdichte. Die Hecken sind noch durchsichitg. Ich bin allerdings fast sicher, dass das milde Frühlingslicht heute Fäden webt zwischen die Dornen – Lichtfäden, grüne.
In den offenen Fenstern stehen Tulpensträusse, Geburtstagblumen in allen Farben. Wenn die Gedanken schweigen, die schweren, bremsenden, lösungssüchtigen, dann hat das Herz die Tanzfläche für sich allein und beginnt sich zu dieser Frühlingsfestmusik zu regen.

Gerne hätte ich etwas davon geteilt. Der grosse Sohn, der auf Osterlernurlaub zu hause ist, hat meinen Computer soweit in Ordnung gebracht, dass er endlich wieder laden könnte, doch dann stellte sich nun heraus, dass der zweite Sohn, welcher meine Kamera oft und gerne ausgeliehen hat in letzter Zeit, diese so eingestellt hat, dass Fotos in einem "für mich" unlesbaren Format abgespeichert werden. Daher also vorerst keine sichtbaren Knospen. Die Tochter in Paris lässt sich via Skipe coachen beim Torten backen. Die Mutter sitze vor dem Computer und malt Familienbilder mit Tasten.
Irgendwie schon verrückt, wie diese digitale Welt das Leben bestimmt.

Die Eier werden nun aber in Handarbeit in Ostereiern verwandelt.

Mittwoch, 23. März 2016

Vollmond

Als ich realisierte, dass ich ihn "drüben" eingestellt hatte, liess ich ihn dort stehen. 

Ich bin so sprachlos seit gestern.

Dankbar, dass andere schöpfen aus ihrer Kunst zu schreiben, zu malen, zu formen, zu tönen.

Hier laufen die Vorbereitungen auf einen 20. Geburtstag. 
Es soll ein froher Tag werden, ich soll aus den ganzen vorhersehbaren Stolpersteinen eine Friedensskulptur bauen, sagt es in mir. 

Montag, 21. März 2016

Herüberklang

Die privaten Wirren der vergangenen Jahre haben mich musikalisch ziemlich heimatlos gemacht. Viele Monate lang konnte ich überhaupt nichts mehr hören von dem, was ein Leben lang meine vertraute klingende Welt gewesen war. Ich suchte nach Neuem, entspannte mich in die Klänge, die aus den verschiedenen "Kinder"zimmern tönten und pochten und machte einen riesigen Bogen um alles, was Erinnerungen, Geschichten und Verletzungen in mir aktivierte.

Langsam wird es ein Bisschen ruhiger. Ich kann, wenn es mir gut geht, ein paar Takte durch mich fliessen lassen und gestern habe ich mich erstmals wieder für ein paar Minuten eingelassen auf eine Berührung. Vielleicht war es die Weichheit, welche der Tag geschenkt hatte, vielleicht das Verneigen vor dem Sterben abseits des Schreckens, vielleicht eine Entspannung, welche Trost zuzulassen vermochte. Ich weiss es nicht.

Es ist vorallem das erste Instrumentalstück, welches so versöhnend gewirkt hat. Ich teile es heute und hier, weil heute auch der Geburtstag von J.S. Bach, dem Komponisten, ist.