Ferien. Der erste Ferienabend ist der schönste, sagte ich immer. Aber heute sitze ich da, erschlagen, kränkelnd, allein und enttäuscht von diesem Schultag, von mir an diesem Tag. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich einen benoteten Test den Kindern zurückgeben. Das ist so schrecklich, so unmenschlich. Ein Kind in diesem Alter kann nicht unterscheiden zwischen: Das ist eine Beurteilung eines momentanen klitzekleinen Ausschnittes meines Lernstandes, und: das ist eine Beurteilung meiner selbst.
Das motivierteste, aufmerksamste, lustigste Kind, welches zwar immer etwas länger braucht als die meisten, dafür Fragen stellt und tüftelt, bis es versteht, dieses Kind begann zuerst zu zittern und bald darauf zu schluchzen. Ich hätte am liebsten mitgeweint, hätte diesen doofen Test am liebsten in den Müll geschmissen. Statt dessen musste ich zuschauen, wie ein gesund lernendes Kind zum ersten Mal geknickt wird von einem irrwitzigen System, an welches alle glauben, weil es seit Generationen irgendwie funktioniert.
Wenn ich keine Familie miternähren müsste, ich würde mutiger sein im Denken über den Tellerrand hinaus.
Damit ich den eigenen Kindern den Weg in ihr Erwachsensein ermöglichen kann, muss ich andere brechen. Das geht nicht auf, und daran könnte ich zerbrechen, wenn ich nicht lerne mich zu schützen. Aber wovor? Und wie?
Das gehört halt zum Leben. Das macht sie auch stark. Die spüren ja bei dir, dass diese Noten nicht alles sind. Für viele ist das auch ein guter Ansporn...
Es gibt viele Argumente, welche den Istzustand verteidigen. Dass aber ein Drittel der Menschheit zwischen sechs und zwölf Jahren da durchfällt, weil es halt eben so ist, das will mir nicht in den Kopf. Und ins Herz schon gar nicht.
Daher brauche ich jetzt Ferien, auch wenn das für Nicht-LehrerInnen wie ein Hohn klingen mag. Ich muss die Quelle freischaufeln, aus der meine Motivation für meinen Beruf sprudelt.
Bewertungen sind Zement.
Blasenentzündung passt.