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Dienstag, 3. Dezember 2019

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Als ich nach Hause komme, tönt aus dem Zimmer des Sohnes Cellomusik. Passt eigentlich nicht zusammen, und die Cellotocher spielt seit einem Jahr keinen Ton mehr. Da sitzt die Freundin des Sohnes und übt, ist ganz alleine im Haus.
Und jetzt, während ich schreibe, spielt über mit der Freund der Tochter Klavier, improvisiert endlose Klangfolgen, verspielt, warm....
Ich liebe es, wenn die wachsende Familie das Haus füllt, sich zu Hause fühlt, mitmacht beim Essen, Diskutieren, Streiten, Aufräumen, wenn abends kurz vor Mitternacht vier, fünf oder mehr junge Menschen zähneputzend, lachend und erzählend im engen Gang stehen und kurz darauf in die Zimmer verschwinden.
Alltag ist es nicht. Immer öfter kommt es vor, dass ich an Abenden ganz alleine bin, was ich zwischendurch geniesse, was mir aber Kältschauer über den Rücken jagt, wenn ich daran denken, dass dies in wenigen Jahren Dauerzustand sein könnte.

Montag, 2. Dezember 2019

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Das Wunder der Menschwerdung noch einmal zu erleben, so nah und geheimnisvoll, damit hätte ich nicht so bald gerechnet. Tür an Türe arbeiten wir, und seit Wochen darf ich miterleben. wie sich die Sorge immer mehr in Freude und die Angst in Zuversicht verwandeln. Heute schien es mir, als wäre ein Bäuchlein zu sehen, immer noch viel kleiner als meines, aber so wunder-voll.

Sonntag, 1. Dezember 2019

1

Eigentlich hatte ich es mir sosehr vorgenommen:
Täglich bis Weihnachten einen Gruss an den Tag.
Nun lassen sich die Bilder nicht laden. 
Ein kleines, liebevoll eingepacktes Adventsgeschenkchen mit einer ausgeschnittenen, golden glänzenden Eins drauf, das erste Päckchen des Adventskalenders, welchen mir die Kinder geschenkt haben.

Sonntag, 24. November 2019

Ohrenblicke

Es ist ein Oktobernovember dieses Jahr. Der Apfelbaum vor meinem Fenster ist noch immer grün, fahlgrün, aber grün. Und der Kirschbaum will seine Blätter auch nicht lassen. Das Leben plätschert unaufgeregt seiner Mündung entgegen. Wir hatten Teamessen vergangene Woche, etwa sechzig Mitarbeiterinnen an drei Tischen, Lachen, Scherzen, Lärm. Ich fühlte die Einsamkeit stärker als gestern Nacht, als ich allein über das dunkle Land wanderte. Das junge, noch unbeschwerte Lachen habe ich verlotren, das laute, übermütige, angetrunkene Feiern kann ich nicht. Und für einfache Gespräche war es viel zu laut. Ich mag mich nicht, wenn ich so angestrengt versuche, dazu zu gehören.
Die Poesie hat sich Ferien von meinem Erleben genommen. Daran kann auch dieser Blick aus dem Treppenhausfenster nichts ändern. Aber ich ahne, dass solche Lichtspiele mehr Kraft haben als alles Laute. Doch soll ich Einsamkeit wählen? Habe ich die Wahl?

Donnerstag, 14. November 2019

Freie Morgenstunde

Neinnein. Das ist nicht meine Geschichte. Und ich bin ganz ok, und so weit würde keiner meiner Schüler gehen. Trotzdem. Als ich eben an meinem ersten halbfreien Morgen seit zwei Wochen zum Kaffee statt Mittagessen vorzukochen und Holz zu spalten in diesen Film hineingeguckt habe, da fühlte ich mich mitten in meiner Alltagsenergie, in dieser Grenzregion von Herausforderung und Überforderung, von Liebe und Versagen, umgeben von diesen zig Blicken von Eltern und Grosseltern..., die zwar nicht durch die Betonmauern des Schulhauses hindurchblicken können, aber ihre Sprösslinge als klare Spiegel meines Unterrichts lesen, und wehe, einer von ihnen schildert eine beliebige Situation aus der Opferrolle... "Können wir reden?", "Ich mache mir Sorgen.", "Er hat heute schon wieder...". Und ich rede und höre und verstehe, verstehe die Elternsicht ja nur zu gut und mag doch manchmal fast nicht mehr, möchte einfach nur den Helm aufsetzen und losrasen und weiss genau, am anderen Ende der Flucht wartet die nächste Herausforderung. 
Es ist eine verrückte Welt, in der wir sitzen in unserem Beruf, mitten in der Brutstätte der Zukunft, umgeben von unerlösten Konflikten der Vergangenheit in uns, um uns, eingeschrieben in den Kindern, ungefühlt und daher gelebt. Und gleichzeitig liegen riesige Erwartungen auf uns, denn schliessliche sollen wir die Kinder zu dem machen, was die Welt von morgen braucht, sagen die einen, auf  einen lebensstandardsichernden Beruf hinführen, fordern die andern, aber bitte so, dass sie glücklich sind, keinem Widerstand ausgesetzt sind und ihr Prinzessinnendasein leben dürfen, solange es ihnen gut tut.

Ja, ich übertreibe, ich filtere durch die Erschöpfung. Und ich kann mit Cortison die Körperreaktionen ganz gut in Schach halten. Und für die Kolleginnen in der Stadt ist es noch um ein Vielfaches anspruchsvoller. Und nein, ich möchte keinen anderen Beruf als diesen. Ich liebe ihn. Aber ich möchte lernen, mir manchmal auf die Schultern zu klopfen oder mich in den Arm zu nehmen, denn das tut keiner. Schliesslich ist das, was gut läuft ja das, was zu erwarten ist und wofür ich bezahlt bin.

Den Film habe ich erst bis zur 8. Minute geschaut. Nun habe ich einen Termin in der Stadt, am Nachmittag beim Wäsche zusammenlegen werde ich den Rest dann schauen. Vielleicht.

Freitag, 8. November 2019

Fundstück

Vielleicht ist es nicht erlaubt, was ich jetzt tue, aber ich kann nicht anders. Sosehr hat mich dieses Bild auf dieser Seite in seinen Bann gezogen, und weil es morgen nicht mehr zu sehen sein wird, habe ich es mir herausgeholt. Ich kann nur staunen und erschaudern. Wie muss es erst dem Fotografen gegagen sein, der da gestanden hat. 
Danke, Patrick Aegerter, dass Sie diesen Blick mit uns teilen.

Donnerstag, 7. November 2019

❤️

Seit einem Vierteljahrhundert und etwas mehr als einer Stunde bin ich nun Mutter. Es macht sprachlos dankbar, auf einen solchen Weg zurückblicken zu dürfen, Täler und Höhen zu sehen und zu realisieren, dass da ein eigenständiger Mensch sich formt nach seinen Zielen und Kräften. 
Wie sehr wünsche ich dir, mein Grosser, dass du Sorge zu dir trägst und das Kostbare, Zarte nicht aus den Augen verlierst, denn das bist du!