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Samstag, 17. Juni 2023

Vorfreude

Heute hätte ich geschrieben - früher!

Ich hätte meiner Freude eine Sprache gegeben, meiner Dankbarkeit eine Stimme. Ich hätte erzählt, wie ich heute gleich drei meiner zukünftigen Erstklasskinder getroffen habe und wie diese Begegnungen immer so leicht, freudvoll, vertrauensvoll und öffnend sind, die mit den Kindern, die mit den Eltern. Ich hätte erzählt, wie anders das war vor drei Jahren, als alle wie hypnotisiert auf Abstand gingen, weil wir dazu aufgerufen waren, Abstand zu halten, wie nie in den ganze drei Jahren dieser Abstand überwunden werden konnte, wie das völkerchronische Misstrauen wie ein Unkraut nicht wegzujäten war.

Und jetzt ist Neubeginn, so anders, so hell.

Ich glaube, noch nie zuvor in meinem Leben habe ich mich sosehr auf einen Schuljahresstart gefreut, mehr als auf die Ferien, die noch davor liegen, mehr als auf das Abschlusslager, welches nächste Woche auf dem Programm steht.

Diese Lebendigkeit und Unbeschwertheit, diese Freude der Kinder fühlt sich an wie Regen nach drei Jahren Trockenheit.

Das hätte ich früher geschrieben.

Heute.

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Freunde

Sei gegrüsst, solltest du hier vorbeikommen.

Heute fühlt es sich wieder einmal nach Teilen an, vielleicht weil ich krank bin und den Tag im warmen Zimmer verbringe.

Im September habe ich erzählt von meiner intensiven Weiterbildung im Frühjahr. Es war nicht geplant, dass ich in ähnlicher Dichte weitermache, doch sowas sucht man nicht, für sowas wird man wohl eher gefunden. Ich jedenfalls spürte fraglos, dass dieser Kurs mich ruft, als ich ihn ausgeschrieben sah, und seit November gehört nun der Dienstagabend dem heilsamen intuitven Malen, meinem bunten, etwas chaotischen Arbeitstisch, dem Papier, einer Fülle von Farben und meiner Aufmerksamkeit für das, was der Moment entstehen lässt.

Was ich jedoch heute hier in den Wind stellen möchte, ist ein Video von meiner Kursleiterin. Darin ist wohl tiefer zu erahnen, was mich bereichert und unendlich dankbar macht in diesen Wochen und hoffentlich endlos darüber hinaus. 


Ich hoffe, es geht dir gut und wünsche an dieser Stelle schon mal einen guten Durchgang durch die dunklen Sonnenwendetage.

Sonntag, 11. September 2022

Gruss

Das hätte ich mir während vieler, vieler Jahre nicht vorstellen können: Dass ich irgendwann einmal einen Widerstand spüren würde, dieses Fenster zu öffnen. Und je länger es geschlossen blieb, desto grösser wurde dieser Widestand.

Zuerst für die, welche nachgefragt haben: Mir geht es gut, ging es die ganzen Monate gut. Ich bin gesund, die Familie ist es auch, und die Rückkehr zu einem normalen Leben ohne die ständig präsente und sichtbare Vorsicht voreinander hat mir eine tiefe, wohltuende Entspannung geschenkt und vieles wieder zurecht gerückt.

Natürlich ist da Herausforderung, täglich, stündlich, oft permanent. Doch solange ich ihr kreativ begegnen kann und nicht erstarre oder verstumme, solange ich sie bejahen kann und die Kraft nicht brauche, um Schuldige zu suchen, sondern die Verantwortung übernehme für den nächsten Schritt, fühlt es sich richtig und lebendig an.

Es war wohl diese Weiterbildung von März bis Juni, welche mich von hier entfernt hat. Wir wurden mit kanz konkreten Achtsamkeitsübungen verschiedenster Art durch die Wochen geführt, hatten Schreibaufträge in einer für mich völlig neuen Art, übten neue Gewohnheiten ein und waren dadurch in intensivem Dialog mit unserer direkten In- und Umgebung. Ich war gesättigt und hatte als Übfeld für meine konkreten Aufträge den Unterricht gewählt. Ich hätte auch diese unsichtbare Leserschaft hier wählen könne, doch das fühlte sich nicht richtig an, zu wenig konkret, zu wenig fassbar, zu wenig verbindlich und resonierend.

Dann kam die Hitze und mit ihr eine unendliche Trägheit. Ich funktionierte im Überlebensmodus und litt mit der Natur einen schmerzhaften Durst, kaum etwas, was floss, Worte schon gar nicht.

Nun hat es geregnet und abgekühlt, gestern hat uns ein Erdbeben aufgerüttelt und einen Adrelaninstoss verursacht, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt hatte, ich lese der Klasse Ronja Räubertochter vor und lerne soviel von ihr und aus den Gesprächen, die sich mit der Klasse daraus ergeben, zum Beispiel dass die unheimlichen Graugnomen nur gefährlich sind, solange man Angst vor ihnen hat.

Falls noch jemand vorbeischaut: Ich lasse herzliche Spätsommergrüsse hier, einen vorüberziehenden Wolkenschatten und den Duft nach riefen Äpfeln.

Donnerstag, 9. Juni 2022

Gelernt

 „Nomen schreiben wir mit einem Grossbuchstaben, zum Beischbil: der baum.“

Donnerstag, 2. Juni 2022

Berührung

Wahnsinn. Jetzt war ich etwa 6 Woche nicht mehr da und muss mich richtig neu orientieren.

Es gibt nicht viel, was sich schreibig anfühlt. Vermutlich bin ich ohne es richtig zu merken in einen neuen Lebensabschnitt gerutscht. 

Warum heute trotzdem?

Weil etwas unerwartet  Erfreuliches geschehen ist mitten in dieser Zeit, in der man sich volllaufen lassen kann mit Negativität.

Gestern habe ich mit der Klasse über unser Begrüssungs- und Abschiedsritual gesprchen, welches für diese Klasse seit dem ersten Schultag vor knapp zwei Jahren aus einer kleinen Verbeugung voreinander bestanden hatte.
Ich erzählte davon, wie die Menschen sich früher in diesem Moment die Hand gereicht und in die Augen geschaut hatten und dass ich mir wünsche, dass wir das wieder lernen oder zumindest versuchen.

Innerlich war ich darauf gefasst, dass diese Arte der Begegnung auf diese Kinder befremdend und unangenehm wirken könnte. Nie aber hätte ich mit der Reaktion gerechnet, die mich in dem Moment überspülte: Ein Begeisterungssturm brach los. "Endlich!" rief ein Kind. Und ein anderes lachte: "Jetzt weiss ich endlich, warum wir uns immer so anders begrüsst haben!"

Und nun stehen sie erwartungsvoll in der Reihe, überrascht und berührt, strahlen, nennen meinen Namen, stellen sich zum Teil nochmal hinten an.

Ein Bisschen musste ich an den eisernen Heinrich denken am Ende des Märchens vom Froschkönig, als die Ringe, die seine Brust gehalten hatten, barsten, weil die Erleichterung und Freude über die Erlösung seines Königs so weitend und gross war.

Samstag, 16. April 2022

Was noch übrig ist

Heute bin ich einfach nur dankbar und froh, dass ich nicht ausgerastet bin.

Es war kurz nach 15 Uhr, als ich zum Ostereinkauf durch diese Überfülle ging. Da wurde ich ungewollt Mithörerin eines kurzen Gesprächs zwischen einer Kundin und einer Verkäuferin. Ich weiss nicht, worum es ging. Die Kundin meinte in grosszügigem Ton: "Na da bin ich ja selber Schuld, wenn ich erst so spät zum Einkaufen gehe. Da muss man halt nehmen, was noch übrig ist."

Sie stand vor einer Auslage voller Erdbeeren, Heidelbeeren und Himbeeren.

Ich musste weg, schnell.

Freitag, 1. April 2022

Weisstöne hinterm Haus

Vorgestern
heute
"Zurück zur normalen Lage" hat der April auf seine Weise interpretiert!
Die Tramtüren öffnen jetzt nicht mehr automatisch. Das finde ich schade.