Das hätte ich mir während vieler, vieler Jahre nicht vorstellen können: Dass ich irgendwann einmal einen Widerstand spüren würde, dieses Fenster zu öffnen. Und je länger es geschlossen blieb, desto grösser wurde dieser Widestand.
Zuerst für die, welche nachgefragt haben: Mir geht es gut, ging es die ganzen Monate gut. Ich bin gesund, die Familie ist es auch, und die Rückkehr zu einem normalen Leben ohne die ständig präsente und sichtbare Vorsicht voreinander hat mir eine tiefe, wohltuende Entspannung geschenkt und vieles wieder zurecht gerückt.
Natürlich ist da Herausforderung, täglich, stündlich, oft permanent. Doch solange ich ihr kreativ begegnen kann und nicht erstarre oder verstumme, solange ich sie bejahen kann und die Kraft nicht brauche, um Schuldige zu suchen, sondern die Verantwortung übernehme für den nächsten Schritt, fühlt es sich richtig und lebendig an.
Es war wohl diese Weiterbildung von März bis Juni, welche mich von hier entfernt hat. Wir wurden mit kanz konkreten Achtsamkeitsübungen verschiedenster Art durch die Wochen geführt, hatten Schreibaufträge in einer für mich völlig neuen Art, übten neue Gewohnheiten ein und waren dadurch in intensivem Dialog mit unserer direkten In- und Umgebung. Ich war gesättigt und hatte als Übfeld für meine konkreten Aufträge den Unterricht gewählt. Ich hätte auch diese unsichtbare Leserschaft hier wählen könne, doch das fühlte sich nicht richtig an, zu wenig konkret, zu wenig fassbar, zu wenig verbindlich und resonierend.
Dann kam die Hitze und mit ihr eine unendliche Trägheit. Ich funktionierte im Überlebensmodus und litt mit der Natur einen schmerzhaften Durst, kaum etwas, was floss, Worte schon gar nicht.
Nun hat es geregnet und abgekühlt, gestern hat uns ein Erdbeben aufgerüttelt und einen Adrelaninstoss verursacht, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt hatte, ich lese der Klasse Ronja Räubertochter vor und lerne soviel von ihr und aus den Gesprächen, die sich mit der Klasse daraus ergeben, zum Beispiel dass die unheimlichen Graugnomen nur gefährlich sind, solange man Angst vor ihnen hat.
Falls noch jemand vorbeischaut: Ich lasse herzliche Spätsommergrüsse hier, einen vorüberziehenden Wolkenschatten und den Duft nach riefen Äpfeln.