Seiten

Freitag, 31. Juli 2020

juli

Wie dankbar ich bin, dass ich hier im angenehm kühlen Keller sitzen kann, während draussen das Thermometer auch jetzt am Abend noch auf 35° steht. Und wie dankbar ich bin, dass ein allgemeines striktes Feuer- und Feuerwerksverbot erlassen wrden ist, auch für den morgigen Nationalfeiertag. Ich habe die Kellerkühle genutzt, um endlich die Ferienfotos zu laden. Das war vielleicht eine Überraschung! Etwa 30 Bilder habe ich selber gemacht, die anderen 350 Mal haben andere auf den Auslöser gedrückt, die Hälfte davon hat die Tochter inneralb weniger Minuten an der Mirjamstelle am Bach gemacht, während ich durch die grüne Wildnis streifte und mich betrank mit Düften. Ein paar unperfekte Erinnerungsmomente dürfen die letzte Ferienwoche bebildern.


Sonntag, 26. Juli 2020

juLi

Längst bin ich zurück, mehr als eine Woche schon. Ich würde dann schreiben, wenn es mir wieder gut geht, keine belasteten und belastenden Manifestationen, das hatte ich mir vorgenommen. Das Schulzimmer, welches neu eingerichtet werden will, die Wäsche, die unzähligen kleinen Winkel und Ecken im Haus, welche stumm leidend auf mein Erbarmen zu warten scheinen, all dies lenkte mich bisher ab, liess mich einen Bogen machen um die Worte.
Nun ist Sonntag. Ich trage Stapel um Stapel ab, draussen geht ein heftiger, heisser Wind, der mich ängstigt, meine Hände sind immer wieder schmierig von altem Staub, mein Gemüt staubig von alten Geschichten, die mir da durch die Finger gleiten. Ein dicker Kloss steckt im Hals fest. Ich müsste weinen. Oder schreiben. Keines will mir recht gelingen.
Wie anders das früher war, damals vor elf und zehn Jahren. Erst heute beginne ich zu realisieren, welch unglaublich heilenden therapeutischen Wert meine ganze Schreiberei hatte. Da war soviel im Fluss, schmerzhaftes, quälendes, verwirrendes, erschütterndes. Aber es konnte fliessen und seine Form dadurch verändern. Und es traf auf Ohren, denen ich mich zuzumuten wagte.
Das ist anders heute – aus manchen Gründen. 
Jede einzelne Person aus dem beruflichen Umfeld, welche hier mich erkennen würde, wäre eine zuviel. Dieser Gedanke allein schafft schon eine riesige Vorsichtszensur.
Die Gründe für meine Tauchgänge sind heute andere, solche, die mit Scham und Versagen gemischt sind.
Und ich verstehe heute viel mehr von dem, was mich umtreibt und verunsichert, was es nicht einfacher, aber zurückhaltender macht.

Konkreter?
Da liegen zum Beispiel die ganzen Notizen aus dem Studium, fein säuberlich von Hand geschrieben, und es erschüttert mich bis zutiefst, welche Gefühle da in mir hochkommen, während ich durch Musikgeschichts- und -theoriestunden blättere. Es sind alte Gefühle, welche ich damals unterdrückt habe, weil ich daran gescheitert wäre, weil ich hätte erkennen müssen, dass ich das alles gar nicht will, nicht kann, dass ich fünf Jahre meines Lebens gebe, um andere, aber nicht mich glücklich zu machen. 
Ein halbes Leben lang habe ich mir und allen, die es hören wollten, erklärt, der Sinn dieser Zeit sei es, dass ich das Leben meines Mannes verstehen kann, dass ich weiss, warum und mit welcher Art von Menschen er so unglaublich viel mehr Zeit als mit der Familie verbringt. 
Und nun ist auch dieser Sinn zerfallen, er hat ausgedient, und auf die Wut, in der ich jahrelang feststeckte, folgt jetzt Trauer.

⚫️

Das ist jetzt der Punkt, an dem ich tausendmal schon war, an dem die Löschtaste verhindert, dass ich ein Risiko eingehe. Ich möchte aber jetzt nicht löschen...

Eigentlich wollte ich mich ja nur zurückmelden aus diesen Ferien, die nicht wirklich Ferien waren, in denen ich nur einmal am ersten Tag dieses Glück verspürte, welches sich schenkt, wenn man die Einladung zum Loslassen annehmen kann, wenn Termine und Fahrpläne keine Rolle mehr spielen, wenn ich den Raum verspüre, das zu tun, was ich wirklich will.
Doch dann war es ein ständiges Kommen und Gehen, und ohne es zu wollen, steckte ich in der altbekannten Rolle des Familienschaltstelle, darum bemüht, allen Gästen ihren meist kurzen Aufenthalt angenehm und erholsam zu gestalten.
Den vierten Morgen verbrachte ich in einer Arztpraxis, welche ich mit einem Gips am linken Arm verliess, der mich drei Tage lang auf seine Art zwang, gewisse Aufgaben abzugeben. Grund war ein winziger Rest von einem Scharzdorn-Dorn, der tief im Unterarm drin stecken geblieben war.
Am mittleren Wochenende reiste ich notfallmässig und überstürzt die fünf Stunden Weg zurück nach Hause, um nach dem Rechten zu sehen und das Türschloss auswechseln zu lassen, verbrachte da eine seltsame Nacht im versehrten Haus und fuhr am nächsten Tag wieder zurück, und dann brachte der Besuch der zweiten Woche einen Magen-Darm-Käfer mit, der zwar dank der gut eingeübten Hygienemassnahmen nicht alle traf, aber doch für eine Spannung sorgte, die erst gegen Ende der Bergtage nachliess.

Das ist alles nicht schlimm, nicht nachhaltig, nicht lebensberdohend, aber es hat wohl mit dem Kloss im Hals zu tun, ....

Die Fotos habe ich noch nicht gesichtet.

Samstag, 4. Juli 2020

Ferien

Heute ging das SOLA mit den Dorfkindern zu Ende. Wie immer versammelte sich die ganze Gemeinschaft ein letztes Mal, um den Lagersong zu singen. Da sassen sie im Gras um die Lagerleiter und -leiterinnen versammelt und sangen begeistert, aber sichtlich erschöpft, was sie in der vergangenen Woche erlebt hatten.
Ich stand etwas abseits im Schatten und beoabachtet die Eltern, wie sie ihre Kinder filmten oder einfach nur zuhörten. Viele von ihnen hatte ich mit Kinderwagen und Laufrad fahrenden Kleinkindern in Erinnerung. Daher versuchte ich, die Kinder zuzuordnen. Mitten drin sass eines der ältesten Mädchen, ich hielt sie zuerst für eine junge Frau, wie sie da mit ihrer Sonnenbrille sass und sich verhielt. 
Dann war der Song zu Ende, der Applaus vorbei und wie von unsichtabren Gummibändern  gezogen verteilten sich die Kinder zu ihren Eltern und präsentierten so die Lösung meiner Rätsel.

Das eine Mädchen stellte ihren Rucksack zu jener Mutter, welche damals gleichzeitig schwanger war wie ich. Ungläubig trat ich näher. "Ist das....?" Zwei Wochen nach Mirjam war sie zur Welt gekommen, kerngesund. Und jetzt ist sie ein Oberstufenkind – oder eigentlich gar kein Kind mehr. 

Das letzte Lied, welches ich mit meiner Klasse gelernt hatte, bestand aus lauter Fragen. Eine davon steht jetzt auf der Uhr, welche ich ihnen zum Abschied geschenkt habe:
"Wo fliesst sie denn hin, diese Zeit, die verrinnt?"


Morgen beginnt die Zeit des Jahres, die mir die heilsamste und wertvollste ist. Vielleicht schaffe ich es hie und da, mit einem Bild zu erzählen.

Dienstag, 30. Juni 2020

juni

Nochmal etwas Juni. Monatsende. Ferienbeginn. Abschiede. Erinnerungen an Abschiede. Erinnerungen an Neubeginne. Primzahlen ringsum. Die neue Klassengrösse. Die Zimmernummer des neuen Klassenzimmers. Der Termin für die Scheidung. Und bis dahin werden noch 17 Daten primzahlig sein. Ich habe Mr. G gefragt, ob 433 eine Primzahl sei: Seine Antwort lautet:
Die Frage, ob die Nummer 433 (vierhundertdreiunddreißig) eine Primzahl ist, kann man mit Ja beantworten. Denn die Zahl 433 ist eine Primzahl.
Der Sommer ist bisher weniger bedrückend als in den vergangenen Jahre. Der Wald raschelt nicht, wenn der Wind hineinfährt, sondern er rauscht. Die Erde hat keine Risse und nachts kühlt es ab. Die Vögel sitzen nicht ermattet und stumm in ihren Schattenverstecken, sondern sie singen morgens und abends. Die Wiesen sind grün die Waldbrandgefahrenkarte zeigt nirgendwo dunkle Farben. 
Mir gelingt es viel besser, mich zu entspannen, wenn es die Natur auch tun kann. Daran kann dieses Virus gar nicht viel ändern. 
Wann füllen eigentlich andere Menschen die Steuererklärung aus? Darüber wird nie offen gesprochen. Es gibt durchaus Zahlenarbeit, die ich ich nicht liebe, Primzahlen hin oder her.

Edit 1.7.: Für den Fall, dass jemand primzahig rätselt: Ich habe einen Überlegungs- und daher Zählfehler gemacht: Es sind noch rund 25 Primzahlendaten bis zum Tag 0. Unteilbarkeit im Quadrat.

Samstag, 20. Juni 2020

juni

Fundstück

Donnerstag, 18. Juni 2020

juni

Als wir uns erhoben, ging ein Glas in Brüche, und während ich mit meinen Emotionen kämpfte, sammelte er die Scherben zusammen. Dann setzten wir unsere Unterschriften unter die Scheidungsvereinbarung, drei Tage vor dem dreissigsten Hochzeitstag.

Mittwoch, 17. Juni 2020

juni

Ich habe heute schon oft gelacht, aber diesmal kriege ich das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht, und schon gar nicht aus dem Herzen.