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Freitag, 18. November 2016

Reisenotizen 10

Sie zieht den Schirm noch näher heran an ihren Körper, um ihn vor Angriffen der Sturmböen zu schützen. Der Regen peitscht wild gegen ihre Beine. Langsam schiebt sich der schwarzglänzende Asphalt, in welchem sich das fahlgelbe Licht der Strassenlaternen in tausend Punkten spiegelt unter ihren Schuhen nach hinten, wird Schritt um Schritt Vergangenheit. Ihr Schatten verfolgt sie bald als spindeldürrer Riese, bald als gedrungener Begleiter zur Linken, eilend darauf bedacht, sie zu überholen und doch mit den Füssen gebunden an die ihren, nassen, müden. Letzte Blätter liegen wie vergessene Lichtflecken in formloser Einsamkeit auf diesem Spielfeld des Windes, die Leichtigkeit ihres Tanzes ist in der Schwere des Regens ertrunken.
"Nicht denken jetzt!", trommelt es auf den gespannten Stoff über ihrem Kopf. "Keine Konstrukte, keine Rollenverteilungen, keine Fluchtversuche. Dies hier ist dein Leben, genauso wie es jetzt ist." Sie seufzt in der Tonart des glucksenden Wassers, welches sich in der Dole sammelt. Genau. So. Ja.