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Mittwoch, 4. Januar 2017

mitten drin



Da stehtst du am Grab deiner Tochter, zum zweitausendsten Mal vielleicht, ist auch nicht wichtig, aber unendlich vertraut, an diesem Ort, der dich so gut kennt wie keiner sonst, weil du hier die Nadelöhre des Schmerzes zugelassen hast und durchgegangen bist ohne zu fliehen, weil du hier dem Säen, Wachsen und Vergehen zugeschaut und zu ihm Sorge getragen hast, weil du hier geübt hast dich zu öffnen für die Stille, weil du hier still sassest oder standest und zum Himmel blicktest, im Frühling den Vögeln lauschtest, im Sommer die Schmetterlinge beobachtetest, im Herbst von den sich sammelnden Zugvögeln umgeben warst. Und wieder stehst du da. Der kalte Wind trifft dich schonungslos, macht es unmöglich, ein Streichholz anzuzünden. Die Sterne und Lichter, um die du weisst, sind weiss bedeckt, verborgen. Du kommst von der Glassammelstelle und wirst nachher Popcorn machen, aber jetzt, jetzt umfängt dich eine vertraute, ziellose Sehnsucht, die keinen Namen mehr trägt, die in dich fliesst wie eine goldene Melodie, die dich wärmt und hüllt und bewegt, während du frierend da stehst am Grab deiner Tochter, vielleicht zum zweitausendsten Mal. Acht Jahre. Bald. Du zählst längst nicht mehr und doch zählt dir heute die goldene Zahl im Stein vor. Als ginge es darum, die Distanz zu verstehen und nicht das, was sie überwindet. Heute hinterlassen deine Schritte Spuren.