Vermutlich habe ich einen Fehler gemacht, wenn es denn solche Fehler überhaupt gibt. Vielleicht habe ich mir auch nur einen Weg zur Selbsterkenntnis und zum Lernen geschaffen. Auf jeden Fall tue ich mich unendlich schwer. Gestern, zu Beginn des Ausbildungstages, stand die übliche Frage im Raum: "Wer schreibt das Protokoll?" – Stille – "Wer hat denn noch nie...?" – Schweigen, 25-fach – "Denken Sie daran, jeder ist mal dran in den zwei Jahren." – Schweigen – Und wer es irgendwann nicht mehr ausgehalten hat, sitzt jetzt vor den Tasten und fürchtet sich. Das Thema war so komplex. Acht Stunden intensive, spannende Auseinandersetzung und viele Menschen in der Gruppe, welche unendlich viel mehr Vorwissen, Erfahrung und Verständnis haben als ich. Nun ist alles getan, was ich mir erlaubt habe, davor zu tun: Schlafen, Feuer machen, Wäsche aufhängen, einkaufen, neue Kerze am Grab anzünden, ein Buch bestellen, noch einen Kaffee mit extra feinem Milchschaum, noch kurz ein wenig surfen, noch dieser Blogeintrag. Und dieses Morgenstern-Gedicht noch, welches den gestrigen Nachmittag eingeleitet hat. (So geht das nun seit gestern abend)
Wer vom Ziel nicht weiß,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.
Denn zu fragen ist
nach den stillen Dingen,
und zu wagen ist,
will man Licht erringen;
wer nicht suchen kann,
wie nur je ein Freier,
bleibt im Trugesbann
siebenfacher Schleier.
Vielleicht fühlen sich einige meiner Schüler manchmal auch so? Vielleicht fürchten sie sich genauso vor einer Aufgabe, der sie sich nicht gewachsen fühlen, werden hibbelig, tun noch dies und das, und wir fordern Konzentration, diagnostizieren Aufmerksamkeitsstörungen. Vielleicht haben sie Angst.