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Freitag, 17. Februar 2017

der Siebzehnte

Es war der Dienstag. Ich hatte seit Tagen kaum geschlafen. Die Kraft zum Überleben kam von der unbeschreiblichen, geheimnisvollen Nähe Mirjams, von den unzähligen Menschen, welche fast rund um die Uhr kamen, um Abschied zu nehmen, von diesem Raum, in welchem wir diese Schwellenzeit begehen, leben, feiern durften. Ich hatte viel geweint, aber auch oft gelacht. Ich lebte in einer kaum je erfahrenen Hingabe an den Moment, worin soviel Schutz, Wunder und Halt lag. 
Doch dann endete diese Zeit, ich stand im Regen, schaute dem wegfahrenden Bestatterauto hinterher. Bodenlose Einsamkeit, herzzerreissendes Realisieren, eine Schicht tiefer noch als bisher, und dann die paar Meter hinüber zum Dorfladen.
Und dort lagen sie, die Geburtshelfer meiner Wut, die Schlagzeilen, die Fingerzeige auf mich als Schuldige am Tod meiner Tochter, die mediale Instrumentalisierung des Scheins. Nie, nie zuvor war ich so feurig wütend gewesen wie in diesem Moment. Nie zuvor hatte ich Wut zugelassen, ohne mich dafür im Nachhinein zu entschuldigen, mich dafür zu schämen. Es war eine unglaubliche Kraft, welche mich kreativ, entschlussfreudig, schlagfertig, todesmutig, lebendig und standfest machte. Es war das erste Mal, dass ich diese Energie achten und wahrnehmen konnte, ohne gleichzeitig alle Abwehrmechanismen und Verurteilungsheere gegen mich aufzufahren. 
Kurze Zeit später, als ich soweit erwacht war aus dem Ausnahmezustand, dass die lebenslang eingeübten Muster wieder griffen, fiel ich wieder zurück, füllte alle Hohlräume mit Trauer, welche mir zugestanden wurde, auch von mir selber, und verbannte die Wut in meine persönliche Unterwelt. Aber der siebzehnte Zweite Nullneun, der liess sich nicht verbannen. Es hatte sich an dem Tag ein Vulkankrater gebildet, und seither steht dieser in meiner Landschaft und gestaltet sie mit. Zum Glück. Unheimlich ist er mir noch immer, aber ich wage mich immer mutiger in seine Nähe.