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Samstag, 15. April 2017

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Immer wieder schweift mein Blick zurück auf diese vergangenen vier Wochen. Oder vielleicht sind es sechs. Da war Anfang März die SMS einer lieben Bekannten: "Eine Kollegin von mir sucht eine Stellenpartnerin, 1. Klasse, als Musikklasse geführt..." Traumstelle, aber mindestens ein Jahr zu früh, dachte ich, drehte und wendete die Argumente, schlief und brütete darüber und schrieb am ersten Schultag nach den Ferien mein klares Nein zurück. Das war der Montag. Am Dienstag sass ich in der Pensensitzung, wie gelähmt. Es reicht nicht für alle, nicht für das, womit jede rechnet, nicht mehr.
Schock, Existenzangst, Trauer und dann eine riesige Einsamkeit entzogen mir den Boden unter den Füssen. Ich schrieb, hoffte dadurch etwas Ordnung in das Chaos in mir zu bringen. Zum Glück habe ich in den vergangenen Jahren Werkzeuge in die Hand bekommen, wie ich versuchen kann, in solchen Situationen den Kontakt zu mir nicht zu verlieren. Immerhin gelag es mir so, jene Bekannte anzurufen und ihr zu erzählen von der völlig neuen Situation. "Soviel ich weiss, ist die Stelle bereits vergeben. Aber versuchs doch morgen früh sofort um 8, vielleicht kannst du noch einen Fuss in die Türe stellen", riet sie mir. 
Die wenigen hier, die mich kennen, wissen, was es für mich heisst zu telefonieren. Zweimal lauschte ich der Beantworterstimme, das dritte Mal sprach ich eine Nachricht aufs Band. Und als ich es drei Stunden später noch einmal versuchte, erlebte ich diese völlige Kehrtwende. Am Nachmittag hatte ich dann die Schulleiterin persönlich am Telefon und sie begrüsste mich mit der Mitteilung: "In diesem Moment ist die Bestätigungsmail gekommen, dass die Stelle aufgeschaltet worden ist im Stellenportal." Ich soll mich bewerben mit den übliche Unterlagen, sie würden viele Bewerbungen erwarten. Also doch nicht zu spät.
Da sass ich dann am Wochenende. Bewerben, wie geht das? Was ist zuviel, was zuwenig. Und wo um alles in der Welt sind meine alten Zeugnisse? Ist relevant, was vor 30 Jahren war? Darf ich meine Erfahrung als Mutter ins Feld führen? Stundenlang sass ich da, und mit jedem Satz, den ich bejahen konnte, wuchs meine Motivation: Ich will diese Stelle, ich will sie unbedingt, und ich weiss, dass ich es kann. 
Ich ging so froh und zuversichtlich durch die kommenden Tage, träumte von meiner zukünftigen Aufgabe, malte mir aus, wie es klingen wird, wenn wir zusammen singen und lachen und dann wieder arbeiten... Doch ich hörte nichts, eine Woche verging, zwei. Der Eingabeschlusstermin war längst verstichen. Die Tochter abgereist. Aber ich übte mich darin, nicht zu zweifeln, nicht den Realisten in mir zu Wort kommen zu lassen, auch wenn das nicht immer einfach war. Die wenigen Menschen, denen ich mich anvertraute, freuten sich zwar mit mir, aber meist kam doch ein: "In deinem Alter ist das sicher nicht so einfach", "Es gibt bestimmt noch neue Stellen im Mai", "Zur Not kannst du ja bleiben", "Freu dich nicht zu sehr, sonst ist die Enttäuschung dann riesig", ... Und das machte es tatsächlich oft nicht leicht, bei meiner Vision zu bleiben, zumal diese Stimmen und Argumente auf perfekte Resonanz stiessen in mir.

Doch dann kam Mitte letzter Woche der Anruf, die Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Warum ich das alles erzähle? Ich galube wirklich, ich durfte in diesem Prozess eine Erfahrung machen, die uns alle etwas angeht, aus einer Quelle schöpfen, die uns allen zur Verfügung steht. Ich habe zum ersten mal so voller Bewusstsein erlebt, was es heisst, meiner inneren Stimme zu vertrauen, jenem Ort in mir, der verbunden ist mit der Freude, mit der Begeisterung, mit dem Leben. Ich liess meine zutiefst vertrauten Bilder, die ich mir über mich selber aus welchen Gründen auch immer erschaffen habe: Dass ich zu schwach, zu unsicher, zu klein, zu wenig von dem und jenem bin, einfach nicht zu Wort kommen. Dadurch blieb ich auf eine ganz neue Art mit mir verbunden, und es floss einfach weiter, ohne auszutrocknen. Und vielleicht das Allerschönste: Ich fühlte mich nie allein. Ich kann das nicht beweisen, nicht erklären, aber ich wusste und spürte Nähe von Menschen, von Gedanken, Energien, ... Und ich fühlte eine tanzende, glückliche Mirjam um mich. 

Ich hoffe, dass diese Kraft, welche mich durch diese Zeit begleitet hat, auch meine Arbeit erfüllen wird, und dass ich sie nicht vergesse, wenn es schwierige Momente geben wird, herausfordernde, grenzwertige. 
Ich wünsche diese Kraft uns allen, allen, allen.

(Nachtrag: Dass die Einstellungszeit dem Datum des DS-Tages entspricht, ist ein totaler Zufall, der mich jedoch zutiefst freut.)  😃