Lauenen heisst das Dorf offiziell, Louene wird es im Tal genannt, sein Berg ist auf den Wegweisern mit Louwenehore angeschrieben und der Bach, welcher durch das Tal fliesst, heisst Louibach. Laui oder Loui heisst Lawine. Doch das ist mir an diesem Morgen nicht im Bewusstsein.
Ich habe mich mit dem Postauto zum Lauenensee hochfahren lassen. In der Nacht hat es geregnet und ich habe keine Ahnung, was mich wettermässig erwartet. Hier oben kann ich auch bei Regen sein.
Ich liebe diesen Ort, nicht nur, weil er mit Erinnerungen getränkt ist, sonst wäre das heute nicht das Richtige, habe ich doch eben ganz bewusst begonnen, den Blick zurück loszulassen und dem Moment meine Aufmerksamkeit zu schenken. Noch sind kaum Menschen unterwegs. Ich habe den Seeweg für mich allein, das leise Glucksen des Wassers, wenn es im Schilf gegen das Ufer schlägt, das permanente Rauschen des Wasserfalls, das Windlied in den Tannen, vor allem aber die Ruhe. Sie und die Spiegel.
Ich bin fasziniert vom Spiegeln, lasse mich verwirren und verzaubern.
Dieselbe Stelle wird eine Stunde später so aussehen: Das Wasser hat eine Gänsehaut bekommen.
Der Regen der Nacht hat auch auf den Weg kleine Spiegel gelegt. Zum Spiel!
Eine kleine, untiefe Bucht lässt Höhe und Tiefe verschwimmen und Steine fliegen.
Da macht sich der See schon mal ein Bild vom Bach, bevor er mit ihm sich vereinen wird, selber Bach geworden.
Eine geheimnisvolle Lichtung, duftend nach Harz.
Waagrechte und Senkrechte in völliger Harminie. Die Schwerkraft und deren Überwindung durch das Wachstum, da kriege ich dann Gänsehaut...
Aus der Dunkelheit unter einem Felsen kommt fröhlich rauschend ein Bächlein gesprungen.
Sein grosser Bruder wird später mit ihm zusammen Richtung Tal fliessen.
Da strömen sie, die beiden, zusammen mit dem Bach, der aus dem See fliesst, viele Höhenmeter tiefer. Die Kamera ist auf dem wunderschönen Steilweg hinunter ins Tal im Rucksack geblieben. Ruhig fliessen sie dahin als Louibach, der aber in dieser weit ausgewaschenen Kurve wie ein junger Fluss daher kommt, strömend, breit...
Etwas später zieht er immer noch mit dieser Ruhe dahin, jetzt durch eine schilfbewachsene Moorebene. Hier wird es Zeiten geben, in denen die ganze Landschaft dem Bach gehört.
Mein Weg führt dann vom Bachbett weg ins Dorf Lauenen, wo ich mich entscheiden muss, ob ich lieber eine Stunde auf den nächsten Bus warte oder aber den zweieinhalbstündigen Fussweg wähle. Und so begegnen wir uns etwas später wieder. Jetzt rauscht und tost er als richtiger Bergbach, springt schäumend über Steine, durch Felsschneisen,
und Wälder
und nimmt schliesslich – von meinem Standort aus gesehen von gegenüber hereinfliessend – den Mirjambach (der natürlich nicht so heisst) in sich auf.
Eine halbe Stunde später ziehen wir beide nebeneinander in den reichen, mondänen, palastgeschmückten Ferienort ein. Mein Weg führt bald wieder berg- und heimwärts, diesmal aber mit dem Postauto, der Loibach wird kurz darauf schon in die Saane fliessen, mit ihr zusammen in die Aare und später in den Rhein.
Fliessformen – oder eben – nemroFsseiliF















