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Mittwoch, 2. August 2017

Nachtregen

Diesmal wecken mich Donner und Blitz und der Regensturm, welcher den Lindenbaum über meinem Schlafraum peitscht. Froh, dass beide zuhause sind, welche es in dieser Nacht sein sollen, lausche ich dem Geschehen. Ringsum tropft und gluckert es, ein Sturzbach ergiesst sich rauschend aus der Dachrinne vor dem Fenster in das Sickerbeet. Irgendwo tropft es regelmässig oder zumindest in einem lebendigen Rhythmus. Ich versuche ihn zu fassen und schreibe ihn innerlich auf wie ein Rhythmusdiktat während des Studiums. Seltsamerweise ist dieses Tropfen so intensiv, dass ich seine leichten Vibrationen sogar körperlich spüre. Jeder Tropfen vibriert leise durch meine Beine. Ich beobachte gespannt und fasziniert, während sich das Gewitter langsam verzieht. Das Rauschen ringsum wird leiser. Das Tropfen nicht.
Mit einem Ruck setze ich mich auf, knipse die Leselampe an und höre und sehe und verstehe. Dicke Tropfen fallen vom Fensterdach direkt auf meine Bettdecke, dorthin, wo eben noch meine Beine gelegen hatten. Eimer! Tücher! durchfährt es mich und mit einem Satz stehe ich auf dem Boden – in einer einzigen Pfütze.
Es braucht ziemlich viele Tücher, um den ganzen Boden abzudecken. Ich versuche, mich im trockenen Teil des Bettes einzukuscheln und zu lesen, um wieder müde zu werden. Unterdessen blinken Sterne durch die Baumkrone. Die Luft ist warm und steht vor Feuchtigkeit. Irgendwann vor vier ziehe ich um in eines der leerstehenden Betten der Grossen – ohne Eimer am Fussende. Aber der Schlaf mag trotzdem noch lange nicht kommen.
Um 6:40 klingelt die Haustürglocke. Wo er denn die bestellte Mulde platzieren soll, fragt der Lastwagenfahrer, nachdem er sich erst einmal entschuldigt hat. Mein weisses Schlafshirt und die kurzerhand über die Schultern geworfene Regenjacke sprechen wohl Klartext, und Augen und Haare können in solchen Momenten auch nicht lügen.
Es muss ein komisches Bild sein. Mir jedenfalls tut es gut, den Tag mit einem Lachen zu beginnen!