Stück um Stück. Reihe um Reihe. Stunde um Stunde. Helles Licht. Wind, den ich nur höre, nicht aber spüre. Ich führe stumme Gespräche mit dem Baum, dessen Holz ich hier als Wärmevorrat speichern darf, mit nicht vorhandenen Gesprächspartnern, Selbstgespräche wohl – und versuche immer wieder, nichts zu denken, nichts zu reden, nichts zu konstruieren als nur den nächsten Handgriff, das nächste Holzstück.
Das scheint mir recht gut zu gelingen, denn erst der Anruf aus der Praxis, wo ich denn bleibe, erinnert mich an den den Arzttermin, den ich vor lauter Jetzt vergessen habe.
Ab diesem Moment ist es vorbei mit innerer Ruhe. Auch wenn ich äusserlich genauso ruhig noch zwei Stunden weiter arbeite, hat dieser "Fehler" Dämme eingerissen, meiner Selbstbeherrschung ein Ende gesetzt. Plötzlich ist sie da, die Wut darüber, dass ich mit diesem riesigen Teil des ursprünglich gemeinsamen Projektes allein da stehe, eine Ferienwoche dran gebe, während er mit seiner neuen Partnerin .... Aber nein, ich darf nicht so denken, ich darf nicht so sprechen und so schreiben schon gar nicht. Ich habe es ja so gewollt. Ich habe es ja verursacht. Dieses Gefühl der Schuld vermischt sich mit der Wut, drängt mich in die düsteren Winkel des hilflosen Opfers, wohin ich eigentlich nicht mehr fliehen wollte. Der Kopf kämpft gegen die Gefühle. Ich versuche, den Gefühlen Raum zu geben ohne die Geschichten zu füttern und erlebe, wie die Haut übernimmt, heftig, schonungslos, glühend. Ich bin nicht da, wo ich gerne wäre. Ich bin nicht die, die ich gerne wäre. Ich liebe die Einsamkeit nicht nur, ich fürchte sie auch.
Und morgen werde ich wieder puzzlen, so wird meine Aufmerksamkeit gebündelt. Und dann hoffe ich, dass in den Stunden zwischen dem letzten Holzscheit und dem ersten Termin in der Schule ein paar sonnige Stunden bleiben, damit ich dem Herbst einen Ferienbesuch abstatten darf, irgendwo, wo die Wege lang und die Sicht weit ist. Bitte.
