Die Tage, an denen es weh tut, sind selten geworden. Die Weite ist längst grösser geworden als der Schmerz, hat ihn eingehüllt, verwandelt. Doch heute spüre ich wieder seine Schwere, vielleicht weil der Tag so lang und so ruhig ist und etwas von der Qualität hat, welche das Leben mit ihr hatte. Ich zünde viele Kerzen an, überall, wie Nebellichter, suche Fotos, schliesse die Augen und erinnere mich an die feinen Haare zwischen meinen Fingern, an ihren Blick, spüre hinein in die Tiefe der Ergebenheit, in die sie mich geführt hat. Alle "waswärewenn" sind verstummt. Aber da in mir drin ist ein Ort, der nach ihr riecht und tönt, der nach ihr ruft, leise, liebevoll, an dem die Lichtgestalt ihres Lebensbaumes weiter wächst und weiter Wurzeln schlägt, wo ich mich heute niederlasse, trinke und ruhe.
