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Dienstag, 6. Februar 2018

Theo-logie

Zu zweit kommen sie zu spät heute morgen. "Frau Wind, es ging nicht anders. Mitten auf der Strasse lag eine tote Katze, so ganz richtig tot, da mussten wir einen Umweg machen." Nun fehlen noch zwei Kinder. Ob N. auch krank geworden ist? Ich schaue aufs Handy, ob eine Elternnachricht eingegangen ist, als es klopft. N. mit ihrer Mama und dem kleinen Bruder stehen vor der Türe, beide Kinder schluchzend. Ich ahne, bevor sie etwas sagen. N. möchte trotzdem hier bleiben, möchte, dass ich der Klasse erzähle, was passiert ist. Ich setze sie im Kreis neben mich. Sie nennt den Namen ihres Katers. Wir zünden eine Kerze an. Dann beginnt sie zu erzählen, und plötzlich strahlt ihr Gesicht. "Immer, wenn Theo über die Strasse geht, halten die Autos an. Nur heute nicht. Und er ist ganz verschmust. Ich kann mich ganz nahe zu ihm setzen und ihn streicheln und er geniesst es. Er rennt auch nicht weg, wenn Besuch kommt. Und wenn ich nach Hause komme, dann kommt er auch...." Alles lebt im Präsens vor uns auf und ich glaube, keinem Kind kommt es in diesem Moment in den Sinn daran zu denken, dass sich die Lebendigkeit dieses weichen, dicken, schweren, verschmusten Fellfreundes heute in Vergangenheit gewandelt hat. Finger zeigen auf, Katzengeschichten möchten erzählt werden. Theo ist mitten unter uns.
Nach der Pause kehren sie mit roten Wange zurück. "Wir haben dort unter dem Baum für Theo ein Gärtchen gemacht, ganz schön, mit Steinen und Blättern und Zweigen, und eine Viertklässlerin hat Kreide geholt und wir haben Theos Namen auf einen Stein geschrieben."

Ich staune, mit welcher inneren Sicherheit die Kinder spüren, was sie in dem Moment brauchen, was die trauernde Mitschülerin braucht und wie glücklich und lebendig sie sind, wenn sie dieser Sicherheit folgen dürfen.

Danke, Theo.