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Montag, 2. April 2018

neue Wege

Es geschieht nicht oft. Nur noch wenige haben den Mut, in meinen scheinbar ständig überfrachteten Alltag einzubrechen und mit einem allfälligen Nein umzugehen. Sie rief heute an: "Ganz spontan, ich gehe sowieso, habe die Schuhe bereits angezogen, kommst du mit?" Seit elf Jahren wohnen wir nun im selben Dorf, haben viel gemeimsam durchlebt, geteilt, gehütet, uns stundenlang ausgetauscht zwischen Einkaufsregalen, an nächtlich beleuchteten Strassenecken, auf den Treppenstufen vor ihrem Haus, auf dem Friedhof, beim Briefkasten, an Festen..., aber gemeimsame Wege sind wir noch selten gegangen. Belustigt stellten wir fest, dass wir völlig andere "Reviere" haben, ihre vertrauten Wege die meinen nicht einmal berühren. Ich folgte heute den ihren und fühlte mich bald wie in einer fernen, fremden Gegend, staunend, überrascht. Die kleine Waldinsel, in die sie mich führte, empfing uns wie ein spannendes Bilderbuch. Die Winterstürme hatten hier ganze Arbeit geleistet, und die Maschinen der aufräumenden Bauern haben tiefe Spuren hinterlassen. Wir kletterten mehr als dass wir gingen, Wege waren nicht zu erkennen, wohl aber neues Leben neben erstorbenem, Schriftzeichen der Vergänglichkeit,



erstaunliche Wurzelgeschichten wie diese: Der Baum scheint über das kleine Fliessgewässer gewachsen zu sein. Eine Röhre ist nicht zu erkennen, nur geheimnisvolle Dunkelheit und kein Woher des Wassers.

Wenige Schritte daneben dieser Blick: Von meinem Standort bis zu der Böschung im Hintergrund könne man zweimal die Landesgrenze überqueren, erfuhr ich. Den Spuren im aufgeweichten Boden nach zu schliessen, tun es Wildschweine regelmässig und in beide Richtungen!
 
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Hier war ich bestimmt nicht zum letzten Mal. (Auch unsere Gespräche wirken nach, wühlen weiter, aber das steht in einem anderen Kapitel.)