Es kommt mir ein wenig vor wie ein Film, welcher im Zeitraffer abgespielt wird, wie sich der Frühling hier entwickelt. Der intensivste Monat wird durch die Sommerhitze auf eine Woche zusammengedrängt. Schade irgendwie, aber nicht zu ändern.
Gestern früh aus der Tram, zur gleichen Zeit, mit demselben Ziel, fast am gleichen Ort, aber genau vier Wochen später als damals habe ich diesen Blick erwischt.
Und heute Nachmittag auf der Heimfahrt hat es gar der Baum ins Bild geschafft. Heute ist es fast 30° wärmer als an jenem Samstagmorgen Ende März.
Eingeschlafen bin ich diesmal nicht während des Kurses. Das Thema hat mich mit Adrenalin gefüllt bis zur letzten Minute. Die Dozentin beeindruckt mich von Monat zu Monat mehr. Sie ist unglaublich belesen, und sie scheint in die Literatur förmlich mit dem Herzen einzutauchen, weiss ihre Ausführungen mit Zitaten und Geschichten zu färben, dass mich regelmässig schaudert. Da bist du in einem Denkprozess drin, tastest dich verstehend an ein Gesamtbild heran, Fragen führen zu spannenden Neubeleuchtungen, du ergreifst immer klarer die Sachlage, und in dem Moment legt sie mit einem solchen Zitat das Leben hinein, haucht der Materie quasi wortgeformten Geist ein, sodass sich das Verstandene mit deinem Fühlen, mit deinem Wesen verbindet.
Kann man das nachvollziehen? Es ist ein etwas hilfloser Versuch, mich vor der Kunst des Lehrens zu verneigen.
Zwar passt der nachfolgende Satz nicht eben in diese Frühlingstage mit ihren Erfahrungen, aber im Kontext, in dem es um die Lebenskräfte ging, welche uns in schwierigsten Situationen am Leben erhalten, entfaltete er in mir ein helles Staunen.
„Mitten im Winter habe ich erfahren,
dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt“
(Albert Camus)

