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Dienstag, 8. Mai 2018

Wahlfreiheit

"Du hast die Wahl," sagst du. "Je mehr du ihn beobachten kannst, je öfter du merkst, dass er die Führung übernehmen möchte, desto klarer wirst du spüren, dass du wählen kannst, dass du entscheiden kannst, was du möchtest: Ihm das Wort überlassen oder ihn dahin schicken, wo er dich nicht beeinflussen kann." Ich spüre Neugierde und Angst zugleich. Was kommt, wenn er geht, er, der mich seit jeher begleitet, den ich für einen Teil meiner selbst gehalten habe, jahrzehntelang, der mir vertraute Sicherheit gibt und Kraft raubt bis zur Erschöpfung, er, der vom Erwachen am Morgen bis zum Einschlafen spät abends kommentiert, warnt, zerstört? Was, wenn ich meine Wahlfreiheit annehme und mich gegen ihn entscheide? Habe ich den Mut, der Ungewissheit die Hand zu reichen und in meiner Kraft stehen zu bleiben? 
Flüstert er da nicht schon wieder: "Du schaffst das nicht. Du bist viel zu bequem. Du brauchst mich. Ohne mich wirst du übermütig und unkontrolliert. Und was denken die andern, wenn sie das lesen? Sowas schreibt man nicht öffentlich."
Ach schweig, du nimmermüder Kontrolleur du! Setze dich auf den Rücken des Adlers und lass dich wegtragen, weit hinauf in die Lüfte! Und sollte ich dich brauchen, so werde ich dich rufen. Deine Zeit auf meiner Schulter beginnt vorbei zu sein!