Ich habe ein Büchlein von Franz Hohler mit in die Berge genommen. „Zur Mündung“ heißt es, und ich habe es mir letzten Herbst auf einer Fortbildung gekauft, wo es auf dem Büchertisch lag. Mit ihm sitze ich auf meiner kleinen Bank auf der Schattenseite des Hauses. Seltsam berührt und verzaubert lasse ich mich durch die Bilder seiner Geschichten führen. Es ist der erste Tag hier, an dem ich alleine bin. Gestern sind die letzten Kinder weitergereist. Noch immer zucke ich manchmal zusammen, wenn der Wind knarrend eine Türe bewegt oder wenn eine Fliege mit dem Plastiksäckchen auf dem Tisch raschelt. Wenn andere Menschen da sind, achte ich mich nicht auf solche Geräusche. Daran werde ich mich jetzt gewöhnen müssen. Nein, ich will es. Eine Stunde lang dröhnten die Jets der Schweizer Armee über Berge und Täler und erfüllten mit ihrem donnernden Brüllen jeden Winkel, brachten Fensterscheiben zum Zittern und schluckten alle andern Geräusche weg. Vielleicht üben sie für die Eröffnung des Tennisturniers Ende Woche, doch was kümmert das all die Tiere, die sich in dieser Zeit wohl erschrocken verstecken müssen – nicht wollen. Die Wolken werden nun dunkler und verdecken immer mehr die Sonne. Ob sie schon bald das nächste Gewitter bringen? Es wird kühl im Schatten. Das Fenster über mir schlägt zu und klemmt den rot-weiss karierten Vorhang ein, der bis eben noch die Flatterfreiheit genossen hatte. Eigentlich wollte ich noch zum Bach hinunter und ihm aufwärts folgen bis zu der Stelle, wo ich mit den Steinen sprechen gelernt habe. Auch daran muss ich mich wieder gewöhnen, dass ich solche Entscheidungen nun ganz alleine treffe. Keine Wünsche und Einwände der andern nehmen mir dies mehr ab. Nicht mal die Wolken.