Die Aula der Schule befindet sich direkt gegenüber von unserem Schulzimmer. In den unterrichtsfreien Zeiten stehen zur Zeit die Zimmertüren meist weit offen, um der heisse Luft in den Gebäuden eine geringe Zirkulationschance zu ermöglichen. So wurde ich heute Zeugin einer Seniorenmusikstunde, die mich ziemlich nachdenklich gemacht hat. Ich war am Pinsel waschen und konnte so unbemerkt durch die ebenfalls offen stehende Saaltüre den Menschen zuschauen, welche da ganz brav und korrekt 1+2+3+4 schritten und klatschten auf die betonte und auf ihre Brust klopften zu den unbetonten Zeiten. Die Leiterin spielte dazu beschwing immer dieselben Akkordfolgen und Modulationen am Klavier. Gebannt versuchte ich zu begreifen, was ich da sah. Das waren nicht Menschen im Alter meiner Grosseltern, ja gar die allermeisten sehr offensichtlich weit jünger als meine Eltern. Das waren und sind die Eltern der Kinder meiner Klasse damals vor der Familienzeit, jene, die doch vor nicht allzulanger Zeit stolz und aufgeregt ihre Kinder zum ersten Schulmorgen begleiteten. Und die tanzen jetzt da drin im Seniorenmusiktreff?! Das ist beinahe meine Generation!! Und die Zeit seit Mirjams Geburt noch einmal durchlebt, und ich tanze dort selber 1+2+3+4...
Erschrocken hole ich die Erinnerung an die Kursleiterin von letzter Woche ganz nahe heran. Diese jugendliche, strahlende, tanzende, lernbegierige, begeisterte und begeisternde 72-Jährige holt mich weg vom Blick in eine Zukunft, die ich fürchte.
Ich möchte das Älterwerden bewegt denken, freudig, liebevoll, neugierig, lernwillig, angeregt. Und ich hoffe, dass es auch dann noch Gedanken, Visionen und Blicke gibt, die ich voller Glück und Begeisterung trinke und weiter schenke. Danke, Ruth!