Seiten

Freitag, 14. September 2018

Motivation

Oh ja, es gibt sie, diese Tage, an denen ich überzeugt bin, den schönsten Beruf der Welt zu haben. Dann zum Beispiel, wenn ein Groschen um den anderen fällt, wenn die Augen leuchten beim Einklicken in die Erkenntnis, dass man das, was man zu verstehen beginnt, eigentlich längst weiss, dann, wenn die Kinder mit heissen Wangen vertieft arbeiten, dann, wenn sie sich übend in eine Begeisterung hineinbewegen, die sie fragen lässt, ob sie nach Schulschluss noch weiter arbeiten dürfen, dann, wenn es beim Vorlesen mucksmäusschen still ist und beim Erklingen der Schulglocke ein entsetztes "Neeeein, bitte weiter lesen!!!" erklingt, dann, wenn die Mutter des neuzugezogenen Jungen sagt, in der alten Schule hätte sie ihren Sohn morgens mit Gewalt in die Schule zwingen müssen, doch jetzt freue er sich täglich zu kommen, dann, wenn ein Kind beim Verabschieden erklärt, dass es traurig ist darüber, in der kommenden Woche kein Ämtchen zu haben, dann wenn ein anderes an der Tafel einen Fehler von mir entdeckt und tröstend anfügt: "Aber wir machen ja alle Fehler. Das ist nicht so schlimm!" Dann, wenn das Mädchen aus dem arabischen Raum an seinem Geburtstag eigentlich keinen zNüni mitbringen kann und dann plötzlich die Mutter unter der Türe steht mit einer Tüte voller Brötchen und Schoggistängeli und das Mädchen vor Freude beinahe zu weinen beginnt und den ganzen Morgen immer wieder ungläubig den Kopf schüttel: "Was macht mir da meine Mutter für eine Freude!"
Zeugin sein zu dürfen von kindlicher Be-geist-erung ist ein unglaublicher Motor, dem Geist in den Inhalten auf der Spur zu bleiben.

(Die anderen Tage gibt es auch, doch um weiter zu gehen und jeden Tag mutig als neue Chance zu begrüssen, braucht es diese lebendigen, frohen, bewegten.)