Manchmal scheint es unumgänglich zurückzublicken, um zu verstehen, warum man genau so genau da steht wo man steht. Das ist erhellend, heilsam, aber es braucht Kraft, macht müde und birgt eine unheilvolle Gefahr: Da entsteht ein Sog, sobald die Identifikation mit der Vergangenheit das Zepter übernimmt. Da lauert das Gespenst der Opferperspektive und versucht, den Mut zur Freiheit zu erwürgen.
Es kann unheimlich anstrengend sein, aber es ist so wichtig, dass dann der Wille übernimmt, dass er die Umkehr zurück in die Realität ermöglicht und fühlen lässt, was die Spuren, diese tiefen, vermutlich unauslöschlichen Spuren genau jetzt bewirken, nicht in der Geschichte, sondern im Jetzt, nicht denkend, sondern fühlend.
Und dann, wenn dieses Fühlen Raum bekommt, beginnen sich die Schleier zu heben. Dort, wo ich diese Enge spüre und bejahe, macht sie einem tiefen Atemzug Platz. Dort, wo ich die Angst in allen Fasern meines Systems erkenne, beginnt die Entspannung. Wenn ich die kreischenden, harten Stimmen in meinem Kopf zu schweigen gebiete, höre ich plötzlich eine warme Stimme im Herzen.
Wahrscheinlich brauche ich auf diesem Weg immer wieder Hilfe, aber wer sagt denn, dass es alleine zu schaffen ist?

